Langweiliger Liebesdialog von Peter Handke

Die schönen Tage von Aranjuez sind vorbei – ich war vergebens hier„, so ein Zitat aus der Festwochenproduktion von Peter Handke und Luc Bondy (Regie) im Akademietheater. Dieser Satz trifft die Beschreibung des Theaterabends auf den Punkt. Dörte Lyssewski und Jens Harzer führten auf der Bühne einen Sommerdialog über die Liebe – leider einen ziemlich langweiligen. Erst nach fünfundfünzig Minuten schmunzelte das Publikum zum ersten Mal. Ein Lebenszeichen! Ansonsten sah man nur eine konzentrierte Souffleuse in der ersten Reihe, Leute, die genervt die Vorstellung verließen und lang anhaltendes Gegähne – und das, obwohl das Saallicht nie abgedunkelt wurde. Hätte es eine Pause gegeben, wäre wohl die Hälfte des Publikums gegangen.

Dörte Lyssewski (rechts) und Jens Harzer (links) ernten höflichen Applaus

Dörte Lyssewski (rechts) und Jens Harzer (links) ernten höflichen Applaus

Die Dialoge sind stinklangweilig. Man hofft vergebens auf Überraschungen und lässt sich von billigen Gags zum Schmunzeln verleiten. Jens Harzer verkleidet sich als Indianerhäuptling und schaut blöd (Gelächter). Jens Harzer spritzt sich Blut ins Gesicht und auf sein Hemd (Gelächter). Jens Harzer verschüttet Sekt am Gartentisch (Gelächter). Jens Harzer ist Oberkörperfrei (Gegaffe). Das waren die Höhepunkte des Stücks. Leider. Das war die langweiligste Festwochenproduktion der Saison. Respekt verdienen die Schauspieler, die den irrsinnig langen Text gelernt hatten und mit Leidenschaft darboten.

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Festwochen: The Master and Margarita

Eine Mischung aus Tarantino-Filmen und Inception – so könnte man die Inszenierung „The Master and Margarita“, die bei den Wiener Festwochen große Erfolge feiert, zusammenfassen. Regisseur Simon McBurney verwandelte den gleichnamigen Roman von Mikhail Bulgakov in ein verstörendes und bewegendes Psychatrie-Traumspiel. Auf der Bühne agieren nicht nur Schauspieler, sondern auch Videokünstler und Puppenspieler. Inhaltlich fühlt man sich an Faust erinnert. Der Teufel treibt in Moskau sein Unwesen, es gibt eine Art Gretchen, die einen Pakt mit ihm eingeht. Dann gibt es noch einen Schriftsteller, der die Geschichte von Jesus, Pilatus und Judas neu erzählt.

Großer Applaus für "The Master and Margarita"

Großer Applaus für „The Master and Margarita“

Höhepunkt der Inszenierung sind Lichteffekte und Videoprojektionen, die beinahe für das gesamte Bühnenbild verantwortlich sind. Die Räume und Türen werden – wie bei Architekturplänen – mit Linien dargestellt. Durch die Kameras sieht man die Szenen gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven und einmal wird das Publikum sogar selbst zum Akteur. Als Requisiten reichen dem grenzgenialen Ensemble im wesentlichen Stühle, ein Tisch, ein Bett, eine Zimmerwand und eine Art Telefonzelle. Begleitet wird das Spektakel, wie bei einem Hollywood-Film, von einem Soundtrack.

Die „The Master and Margarita“-Inszenierung provoziert mit einer Jesus-Kreuzigung, Hinrichtungen oder einem erschossenen Kind, sie übertreibt mit Blutspritzer, die an „Kill Bill“ oder „300“ erinnen, sie bedient die Theater-Freikörperkultur mit obligatorisch nackten Schauspielern, sie fasziniert mit ihren ständigen Verwandlungen von Räumen und Dimensionen – und zusätzlich beweist sie auch Tiefe. Fazit: Sehr empfehlenswert! Bis jetzt das Beste, das die Wiener Festwochen 2012 zu bieten hatten.

Randnotiz: Das Stück dauerte über drei Stunden. Solche Längen sind kaum auszuhalten, da im Sommer das Burgtheater eine gefühlte Innentemperatur von vierzig Grad Celsius hat. Die heutige Vorstellung war schon fast gesundheitsgefährdend. Die Besucher waren so ausgetrocknet, dass sie in der Pause nicht nur die Bars stürmten, sondern sich auch bei den Waschbecken am WC zum Wassertrinken anstellten.

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Hader spielt Hader im Burgtheater

„In ganz Europa findet heute Abend kein Konzert statt, wo soviel Eintrittsgeld für so schlechtes Klavierspiel bezahlt wird“, so Josef Hader bei seiner gestrigen Show „Hader spielt Hader“ im Wiener Burgtheater. Es ist faszinierend, wie Hader die Leute mit seinen „Kopfgeschichten“ an der Stange hält. Er erzählt voller Leidenschaft darüber, wie er in der Kanalisation mit einem Stück Scheiße plauscht, wie er mit dem Teufel das „Steinscheißerkarl-Spiel“ spielt und wie er mit Lemmingen zum Meer fährt… und die Besucher hören interessiert zu! Sie lachen, staunen und amüsieren sich.

„Für die Pause ist es noch zu früh, oder?“, frägt Hader nach einer halben Stunde. Er versucht den Besuchern das Gefühl zu vermitteln, dass sein Vortrag spontan und unvorbereitet ist. Zeitweise könnte man es auch glauben, schließlich überzieht Hader gerne und baut in seinen Geschichten viele Aktualitäten ein.

Nach der Vorstellung forderte Hader das Publikum noch charmant auf, für ein Asylantenheim in Wien zu spenden – und erzählte die Geschichte eines Kärtners, der nach seiner Kabarettshow nichts spenden wollte. Als der Kärtner mit seinem schwarzen Auto nach Hause fahren wollte, verletzte er sich am Bein und schrie eine halbe Stunde lang vor Schmerzen. Haders Nachsatz: „Das hat aber nichts damit zu tun, dass er nicht gespendet hatte.“ 😉

Hader ist einer der besten Kabarettisten Österreichs, wenn nicht der Beste. Seine Shows sind nur bedingt lustig, regen zum kritischen Nachdenken an, bieten aber keine Lösungen – wie denn auch? Es wird über Vorurteile, über Politik, über Tricks von Kabarettisten, über Beziehungen, über Esoterik, über Nachbarn, über Werte, über Vorurteile und über das Leben ansich gesprochen. Einen roten Faden durch das Programm gibt es nicht. Am Ende des Abends verlässt man die Vorstellung mit gemischten Gefühlen.

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LED-Disco am Ennser Stadtturm

Enns hat eine neue Diskothek: Seit April erstrahlen jeden Abend LED-Leuchten am alten Stadtturm. Die bunten Lichter am traditionellen Wahrzeichen sollen daran erinnern, dass sich Enns seit 800 Jahren (dank einer Urkunde) als Stadt bezeichnen darf – und heuer dieses Jubiläum feiert. Einem Teil der Bevölkerung gefällt die neue „Stadtturmdisko“, manche Ennserinnen und Ennser sprechen eher von Lichtverschmutzung.

Disco am Ennser Stadtturm

Disco am Ennser Stadtturm

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La Traviata: Musik ist Top, Inszenierung ein Flop

Was kann man von der Festwochen-Produktion „La Traviata“ erwarten – und was nicht? Sopranistin Irina Lungu begeistert mit ihrer Stimme (und Schönheit) in der Rolle der sterbenskranken Violetta, der Tenor Saimir Pirgu überzeugt als Liebhaber Alfredo und  Bariton Gabriele Viviani singt sich als dessen Vater in die Herzen des Publikums.

Nicht nur die Solisten, sondern auch der Arnold Schoenberg Chor und das ORF Radio-Symphonieorchester sind grandios, aber das wird bei Festwochen-Produktionen auch erwartet. Die Inszenierung von Deborah Warner ist nichts Besonderes und auch das Bühnenbild von Jeremy Herbert ist bis auf ein paar Lichteffekte völlig unspektakulär und minimalistisch angelegt. Der Inhalt der Oper ist sowieso bescheiden, sodass es sich nicht lohnt, den Text mitzulesen. Das ist aber gut so, denn so kann man sich auf das Wesentliche der Oper konzentrieren – auf die Musik von Giuseppe Verdi.

Omer Meir Wellber sitzt am Dirigentpult

Dirigent Omer Meir Wellber sitzt zwischen den Akten ruhig und gelassen am Dirigentpult

Im Zentrum der Musik (und der Kritiker) stand der junge Dirigent Omer Meir Wellber. Mit gerade einmal 31 Jahren leitete der israelische Komponist und Dirigent bereits Konzerte von Peking bis Wien. Trotz seiner beachtlichen Erfolge wirkte er bei der Wiener „La Traviata“ äußerst bescheiden. Zu Beginn begrüßte er das Orchester und wartete vor leerem Notenpult ruhig und gelassen auf den Beginn der Aufführung. Während der Oper dirigierte er höchst konzentriert und überließ nichts dem Zufall. Jeder Einsatz wurde gegeben, jeder Übergang wurde von ihm bestimmt. Bei den Arien lenkte er Ton für Ton und sang mit den Solisten leise mit. Damit gab er zwar Sicherheit, überließ den Musikern und Solisten aber keinen Freiraum.

In den Pausen wischte sich Omer Meir Wellber den Schweiß von der Stirn, schloss die Augen, neigte den Kopf und wartete ruhig auf seinen nächsten Einsatz. Immer wieder ließ er seinen energischen Blick durch den Orchestergraben wandern, trieb das Orchester an und beruhigte es sofort wieder. Er verstand es, die Musik von G. Verdi so zu interpretieren, dass man als Zuhörer vor Ergriffenheit eine Gänsehaut bekam. Wenn eine Stelle gut gemeistert wurde, applaudiert er voller Freude mit dem Dirigentenstab und gratulierte den Solisten und Musikern. Dazu hatte er oft die Gelegenheit.

Großer Applaus für das "La Traviata"-Ensemble

Großer Applaus für das „La Traviata“-Ensemble

Fazit: Die Festwochenproduktion „La Traviata“ ist ein musikalischer Traum und ein Erlebnis. Sowohl Dirigent Omer Meir Wellber als auch die Solisten liefern eine beachtliche Leistung ab. Diese Meinung teilten bisher zwar nur die wenigsten Kritiker, das Publikum zeigte sich jedoch mit lang anhaltendem Applaus und „Bravo“-Rufen begeistert. (Randnotiz: Ich bin froh, dass sich Österreich solche Produktionen leisten kann. Meine Studenten-Sitzplatzkarte über dem Orchestergraben kostete so viel, wie zwei Wurstsemmeln.)

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„Die Josefstadt“ feiert 225. Geburtstag

Das Theater in der Josefstadt wird im kommenden Jahr 225 Jahre alt. Zum Jubiläum werden in der neuen Spielzeit dreizehn Neuproduktionen aufgeführt, darunter sind acht Uraufführungen und Erstaufführungen. Für die literarische Qualität garantieren Auftragswerke an Daniel Kehlmann oder Felix Mitterer. Hier ein Video, dass die Pläne des Theaters in der Josefstadt und Kammerspiele für die Spielzeit 2012/13 im Detail vorstellt:  

Ein Höhepunkt ist sicherlich die Uraufführung von „Der Mentor“ von Daniel Kehlmann. Im Stück bekommt ein junger Romanautor dank eines Stipendiums die Chance von einem berühmten, älteren Dichter bei der Erstellung seines neuen Werks beraten zu werden. Aus der Ratgebersituation wird schnell ein Zusammenprall von Alt und Jung, von Arriviertheit und Ehrgeiz, der beide Autoren bis zum Extrem fordert. „Ein wunderbares Kammerspiel, ein feiner, auch selbstironischer Dialog von Daniel Kehlmann, der den Sinn des Schreibens und der Literatur in Frage stellt“, sagt Dirktor Herbert Föttinger, der die Uraufführung selbst inszenieren wird.

Ebenfalls spannend wird die Inszenierung von „The King’s Speech“. Bevor die Thronbesteigung des stotternden Königs George VI in die Kinos kam, wurde die Geschichte nämlich als Theaterstück geschrieben. Die Erstaufführung findet in den Kammerspielen mit Michael Dangl als König und Toni Slama als dessen Sprachtherapeut statt.

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Affentheater in Schönbrunn

Ein Besuch im Tiergarten Schönbrunn lohnt sich. Die beste Zeit dafür ist der frühe Abend, wenn die Schulklassen und Touristen müde werden und sich wieder in Richtung Stadt begeben. Füttern ist im Tiergarten übrigens verboten, Fotografieren dagegen erlaubt. Hier eine kleine Bildergalerie, die heute bei einem Spaziergang entstand:

Schwarzbrust-Scharzleguan

Schwarzbrust-Scharzleguan

Krokodil

Krokodil

Katta (Jungtier)

Katta (Jungtier)

Kattas (Mutter mit Jungtier)

Kattas (Mutter mit Jungtier)

Afrikanischer Elefant

Afrikanischer Elefant

Humboldt-Pinguin

Humboldt-Pinguin

Mähnenrobben

Mähnenrobben

Magot oder Berberaffe

Magot oder Berberaffe

Krauskopfpelikan

Krauskopfpelikan

Schwarzschwanz Präriehund

Schwarzschwanz Präriehund

Zwergziegen

Zwergziegen

Gepard

Gepard

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Maria Erlacher: „Bei Haydn bekomme ich Gänsehaut“

Am 23. Juni wird in der Stadthalle Enns das Oratorium „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn aufgeführt. Als Solistin konnte die international gefragte Sopranistin Maria Erlacher gewonnen werden. „Die Jahreszeiten bieten viele Höhepunkte. Ich liebe den Part der Hanne und bei den überwältigenden Chören bekomme ich immer Gänsehaut“, so Erlacher. „Haydns Musik ist schöne schwungvolle Musik, die auf jeden Fall ins Ohr geht und auch Menschen gefällt, die nicht an klassische Musik gewohnt sind.“

Sopranistin Maria Erlacher

Sopranistin Maria Erlacher

Besonders das „selbstverständliche und doch so einzigartige“ Thema von Haydns großer Komposition gefällt Erlacher: „Die Jahreszeiten genießen nicht alle Menschen auf unserer Erde. Wir haben ein Au-Pair-Mädchen aus Afrika und sie ist immer ganz angetan von unseren abwechslungsreichen Jahreszeiten – denn bei ihr gibt es nur warm oder warm mit Regen.“

Im Jahr 2005 gewann Erlacher beim größten österreichischen Gesangswettbewerb Gradus ad Parnassum den Sonderpreis. Ihre Konzerttätigkeit führte sie bereits nach Südafrika oder Japan. Im Juli 2007 wurde sie für eine CD-Produktion mit Telemanns Harmonischen Gottesdienst nach Moskau und St. Petersburg eingeladen und im November 2009 brillierte sie bei einem Opernfestival in Tirana/Albanien.

Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Karten gibt es bei Mode Schmid und Juwelier Steininger in Enns, bei der Buchhandlung Hajek in St. Valentin und im Internet unter diejahreszeiten.wordpress.com

„Arschloch-Brief“ von Thomas Bernhard

Echt oder Fake? Thomas Bernhard soll in einem Brief aus dem Jahr 1986 die Grazer Autorenversammlung als eine „Versammlung von untalentierten Arschlöchern“ bezeichnet haben. Den ganzen Text zum Nachlesen gibts hier:

(c) Franz J. Sauer

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Gurken als Kunstobjekte

„Sind wir nicht alle ein bisschen Gurkerl?“, frägt sich Erwin Wurm. Der österreichische Künstler ließ im Vorjahr riesige Essiggurkel aus dem Boden des Salzburger Furtwänglerparks wachsen. Warum? Weil ihn die Vielfalt der Gurkenformen faszinierte. Jede Gurke sei individuell verschieden, aber doch sofort als Gurke erkennbar  – ähnlich den Menschen. Indem Wurm seine Gurken auf menschliches Maß vergrößerte, inszenierte er sie als Wesen von individuellem Wert.

Gurken-Skulpturen von Erwin Wurm

Gurken-Skulpturen von Erwin Wurm

Wie die offizielle Erklärung auch lauten mag, die Gurken sorgen für Schmunzeln bei Einheimischen und Touristen. Ein gelungener Scherz, der zur allgemeinen Heiterkeit beiträgt. 🙂

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