Kunstgenuss beim Autowaschen

Eine Wiener Autowerkstatt hat das Glück, direkten Blick auf die Kunstfassade eines Filmstudios zu haben. Seit Februar stellt das MMC Haus alle zwei Monate eine neue Künstlerin oder einen neuen Künstler aus. Das Studio möchte sich nicht nur schmücken, sondern mehr Farbe in den öffentlichen Raum bringen. Dafür ist diese Gegend rund um die Breitenfurter Straße ein besonders dankbares Pflaster. Aktuell kann bei der sonntäglichen Autopflege Christian Ludwig Attersees „Torso“ bestaunt werden – unübersehbar auf 200 Quadratmetern Fläche. „GroßArtig!“

Die ausgestellten Werke stehen 2020 unter dem Motto „But Beautiful“.

Graffitiszene reagiert auf Terror

Die fast 300 Meter lange schwarze Wand ist als Zeichen der Trauer unübersehbar: In Gedenken an die Opfer des Terroranschlags in Wien haben Sprayer gegenüber vom Schwedenplatz die Graffitis am Donaukanal mit schwarzer Farbe übermalt. Wer ein paar Meter weiter einen genaueren Blick wagt, findet außerdem erste Kunstwerke, die auf das Attentat Bezug nehmen: Neben Herzen und Friedenstauben wurde etwa der berühmte, aber wohl nie so gerufene Satz „Schleich di, du Oaschloch!“ bei der Freda-Meissner-Blau-Promenade gesprayt.

Schwarze Wand statt bunten Graffitis zwischen Salztor- und Marienbrücke.
Eine urbane Legende: „Schleich di, du Oaschloch!“
Sogar Snoopy trauert mit Wien am Donaukanal

Der lohnende Blick nach oben

Acht Euro kostet ein Besuch der Wiener Karlskirche. Derzeit ist das Eintrittsgeld besonders gut investiert. Unter der Kuppel der berühmten Barockkirche ist die Installation „Aeroscene“ von Tomás Saraceno aufgebaut. Zwei riesige Kugeln mit einem Durchmesser von rund zehn und sieben Metern schweben in der Luft – und sorgen für faszinierende Spiegelungen. So spannend hat man die Karlskirche noch nie besichtigen können.

Bietet der Blick nach oben Lösungen für die Probleme unten?
Mit einem Panoramalift kommt man rund 32 Meter bis zur Kuppel hinauf….
…und hat selbst an Regentagen einen beindruckenden Blick über den Karlsplatz auf Wien.

Klassische Musik zum Sightseeing

Es gibt Kirchen, die besondere Kunstwerke sind: farbenprächtig, hell, voller Skulpuren, Gemälde und Details. Dazu zählt die versteckte Peterskirche in der Wiener Innenstadt. Für die passende Sightseeing-Musik sorgen hier zusätzlich Orgelkonzerte. Für freiwillige Spenden spielen Organisten wie Mario Eritreo fast jeden Nachmittag eine Dreiviertelstunde lang bekannte Klassikwerke. Natürlich teilt man die Kirche mit Touristinnen und Touristen, die schnell ein Foto machen und wieder davoneilen. Davon darf man sich aber nicht ablenken lassen. Es ist beeindruckend, wenn Johann Sebastian Bachs Toccata in d-Moll oder Camille Saint-Saëns Karneval der Tiere von der Orgelempore dröhnt und den barocken Kirchenraum samt Kuppel erfüllt.

Die kunstvolle Orgel der Peterskirche zählt 34 Register

Touristen wird die Zunge gezeigt

Eine riesige, gepiercte Zunge hat Alexandra Bircken im Juli neben den teuersten Geschäften Wiens aufgestellt. Die Idee kam der deutschen Künstlerin während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump. Die Aluminium-Skulptur am Graben trägt den Titel „Slip of the Tongue“, was so viel wie „Versprecher“ oder „verbaler Ausrutscher“ bedeutet. Im Mittelalter wurde Lügnern mitunter die Zunge herausgeschnitten. Bircken spießt ihre Zunge mit einem Essstäbchen auf – wie ein Stück Sushi. Mahlzeit!

Alles Lüge? Alexandra Bircken zeigt freche Kunst in der Luxus-Shoppingmeile am Graben

Street-Art-Festival macht Wien schöner

Sieben neue riesige Kunstwerke entstehen gerade auf Wiens Hauswänden. Die Leute vom Street-Art-Festival Calle Libre haben Geld aufgestellt, Farbkübel und Spraydosen besorgt, Genehmigungen eingeholt und Hebebühnen organisiert, damit Street-Art-Künstlerinnen und -Künstler die Stadt wieder ein bisschen schöner machen. Das Thema lautet heuer „Future Perfect“. Bis Freitag kann man den Profis tagsüber beim Sprayen ihrer hoffnungsvollen Zukunftsbilder zuschauen – coronasicher und bei jedem Wetter.

Aufregung um Banksy-Ausstellung

Banksy ist einer der berühmtesten Street-Art-Künstler der Welt. In den Wiener Sofiensälen ist mit „The Art of Banksy“ gerade eine nicht autorisierte Ausstellung über den anonymen Briten zu sehen. Die Aufregung darüber ist groß. Darf man das? Werke, die im öffentlichen Raum zu sehen waren als Kopien in ein Museum hängen und dafür Geld verlangen? Noch dazu ohne Erlaubnis des Künstlers? Am Eröffnungstag protestierte jedenfalls ein junger Mann mit Schild vor der Ausstellung. So mancher Besucher mutmaßte: „Du wirst sicher dafür bezahlt, dass du hier stehst.“ Vielleicht sogar von den Ausstellungsmachern? Oder von Banksy selbst? Auch an die Hausmauer der Sofiensäle war ein Protestbild gesprayt worden.

Die Ausstellung selbst zeigt jedenfalls einen guten Überblick über Banksys Werke – unter anderem das weltberühmte „Girl and Baloon“ – das Bild hatte sich bei einer Kunstauktion vor zwei Jahren selbst geschreddert. Die Ausstellung ist nett, aber nicht echt. Street-Art gehört einfach auf die Straße, nicht in Prunksäle. Banksys zumeist politische Botschaften bleiben trotzdem hängen: „If graffiti changed anything – it would be illegal.“

Wien – Stadt der freundlichen Gesichter

Da ist jemand in Wien mit Spraydose unterwegs und macht die Stadt ein bisschen freundlicher – mit lustigen Mäxchen. Vor allem entlang der U4 sind die länglichen Gesichter mit Ohren, Punkte-Nase und drei Haaren zu finden. Der Urheber bleibt verständlicherweise anonym. Nur die Jahreszahl verrät, dass er schon länger seiner Mission nachgeht. Man kann diese bunten Graffiti-Tags natürlich als Schmiererei, Sachbeschädigung oder freche Markierung sehen. Oder man lächelt zurück.

Das Lächeln fehlt „Graffiti-Kollegen“ wie Puber, King und Co..

Kunstvolle Türsteher im Landtmann

„Ein mächtiger Vermittler ist der Tod“ steht im Eingangsbereich des berühmten Café Landtmann in Wien. Klingt nicht gerade einladend, macht aber Sinn, weil sich das Landtmann neben dem Burgtheater befindet. Auf den vier Holzsäulen im Entrée des Kaffeehauses sind Theaterszenen abgebildet – mit Maskierten und Kämpfern, Fahnen und Zitaten. Die Kunstwerke wurden vor 90 Jahren von Bildhauer Hans Scheibner geschaffen und sind inzwischen denkmalgeschützt. Man kann sie bewundern, während man auf seinen Tisch wartet – oder sich ein Stück Torte holt.

Geschnitzte Kunstwerke im Café Landtmann – neben dem Burgtheater
Erst in den 70ern entdeckte Sammler Wilfried Daim den bis dato unbekannten Schöpfer der Holzsäulen.

Süße Kunstwerke zum Kaffee

Elisabeth Steininger trinkt ihren Kaffee ohne Zucker – steckt die kleinen Packerl im Café aber stets in ihre Handtasche. Ihre Sammlung umfasst inzwischen mehr als 40.000 verschiedene Packungen – darunter seltene und kuriose Schätze: Motive von Google, YouTube und Twitter findet man darauf genauso wie Fotos von Prinzessin Diana, Michael Jackson und Tina Turner. Zeichnungen von Stephansdom und Schloss Belvedere, von Komponisten wie Mozart, Bach und Wagner, von Künstlern wie Van Gogh, Gauguin und Monet – alles kleine Kunstwerke des Alltags. Man muss nur genau hinsehen! (Wer Zuckersackerl sammelt oder verschenkt – Elisabeth freut sich über eine Nachricht.)