Dank an die Corona-Heldinnen

„Thank You Heroes“ lautet der Titel eines Plakates von Janina Kepczynski am Neubaugürtel neben dem Westbahnhof. Es ist dem Gesundheitspersonal gewidmet, das „seit Beginn der Pandemie an der Front kämpft.“ Auch in Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz haben lokale Künstlerinnen und Künstler Plakate mit Dankesbotschaften an die Heldinnen und Helden der Corona-Pandemie gestaltet. Dass die Leistung der Ärztinnen, Krankenpfleger und Co. alles andere als selbstverständlich ist, sollen wohl auch die Worte ausdrücken, die am Wiener Plakat ergänzt worden sind: „Can’t nursing, must TikTok.“

Die Heldinnen der Corona-Pandemie (Plakat von Janina Kepczynski in Wien)

Street-Art in Bewegung

Auf ihren U-Bahnen sehen die Wiener Linien Graffiti und Co. nicht so gern – und sei sie noch so schön gesprayt. Bei grauen Betonwänden ist das mitunter anders. Darum hat das Verkehrsunternehmen den Street-Art-Künstler David Leitner beauftragt, bei der U-Bahn-Station Spittelau eine 150 Meter lange Betonwand zum Thema Mobilität zu gestalten. „Wichtig war mir, dass es sich um ein inklusives Bild handelt. Daher sind Personen von jung bis alt dargestellt. Man sieht auch einen Mann oder eine Frau mit Stöckelschuhen“, erzählt Leitner. Auch die Natur spielt in dem riesigen Street-Art-Werk eine Rolle. Und, weil die farbenfrohe Wand neben der Müllverbrennungsanlage steht, sind auch Anspielungen auf Hundertwasser im Kunstwerk versteckt. Sehenswert!

Die Farbwelt „orientiert sich an den Farben der Wiener Linien sowie der Natur.“
David Leitner zeigt Mobilität in allen möglichen Variationen
„Mann oder Frau mit Stöckelschuhen.“

Kunststern statt Coronavirus

Die Pandemie rückt vieles in ein neues Licht. Kein Wunder also, dass die schwebende Skulptur vor der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Wien viele an das Coronavirus erinnert. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Dodekaederstern. Er wurde von Alexandra Fritz und Herwig Hauser entwickelt, dient als Symbol für wissenschaftliche Neugier und Ambition und wird durch eine einzige mathematische Gleichung in jedem Detail bestimmt. Mehr Sterneninfos…

Mathematik-Kunstwerk statt Coronavirus am Oskar-Morgenstern-Platz.

Street-Art zum Anziehen

Es ist ein unaufhaltbarer Trend: Street-Art ist längst nicht mehr nur auf Straßen und Hausmauern zu sehen, sondern auch auf Produkten in Handel und Gastronomie. In Wien etwa sprayt Deadbeat Hero zwar weiterhin am Donaukanal, verkauft seine Robotermotive aber auch auf T-Shirts, Pullovers, Pins und Masken. Street-Art-Künstlerin und Designerin Linda Steiner hat gerade ein Einkaufssackerl für Hofer entworfen – und Street-Artist und Illustrator Boicut ein 1.000-Teile-Puzzle für Kunstfans. Außerdem werten seine farbenfrohen Etiketten Millionen an Mineralwasser-Flaschen auf. An Street-Art kommt man künftig wohl nicht mehr vorbei 🙂 Mehr…

Ein Motiv von Deadbeat Hero – oben am Donaukanal, unten auf einem Pullover im eigenen Shop

Terror: Kerzen werden Kunstwerk

Wie verarbeitet man Trauer? Nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt vergangenen November hat die Bevölkerung tausende Kerzen, Kränze und Briefe an den Tatorten hinterlassen. Künstlerin Sabine Wiedenhofer erlebte den Anschlag aus nächster Nähe und wollte nicht, dass diese Zeichen der Anteilnahme im Müll verschwinden. Sie ließ die Reste des Lichtermeers aufbewahren, schreddern und nach Murano in eine Glasfabrik bringen. In den kommenden Wochen entsteht aus diesen Teilen eine 26×26 Meter große Kunstskulptur, die im Juni im Wiener MuseumsQuartier enthüllt wird. Es soll ein Mahnmal für die Ewigkeit werden. Mehr dazu.

Die MA48 hatte die Gedenklichter eingesammelt und in Wien-Simmering in Containern aufbewahrt

Einmalig: Geisterschloss Schönbrunn

Auf der Tour durch Spiegelsaal, Große Galerie, Frühstückskabinett, Porzellanzimmer und Co. begleiten einen normalerweise hunderte weitere Sightseer. Derzeit hat man die über vierzig Ausstellungsräume des Schloss Schönbrunn für sich alleine. Wirklich ganz für sich alleine! Nur im schwarzen Vieux Laque-Zimmer – Maria Theresia ließ es nach dem plötzlichen Tod ihres geliebten Gatten als Gedächtniszimmer einrichten – trifft man auf eine Handvoll Restaurateure, die den wertvollen Boden bearbeiten. Und die voll besetzten Shops erinnern einen, dass mit den vielen Sisi-Souvenirs hier sonst die Kassen klingeln.

Es ist jetzt DIE Gelegenheit, sich zwischen dem ganzen Rokoko-Pomp völlig entspannt eine Geschichte-Stunde über Österreichs Habsburgerzeit zu gönnen. Viele unterschiedliche Zimmer erzählen die aufregenden Geschichten ihrer Bewohner, die auf den Gemälden fast zum Leben erwachen. Hier spielte der sechsjährige Mozart vor, hier starb Napoleons Sohn, hier hielt Kaiser Franz Joseph seine Audienzen, hier schrieb Kaiserin Elisabeth ihr Tagebuch, hier trafen sich John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow,…

Freundlicher Tipp der Garderobiere: Lassen Sie die Jacken an! Es ist ziemlich kühl oben – es wird nicht geheizt.

Der Weihnachtsbaum steht heuer etwas verloren da, die Prunksäle sehen hingegen ohne Menschenmassen viel besser aus.

Beethoven für Rätselfans

Beethoven bewegt heißt es dieses Jahr im Kunsthistorischen Museum Wien – und die Sonderausstellung hält, was sie verspricht. Erst wandern 21 Euro für Eintritt und Timeslot aus dem Börsl. Dafür klappt der hängende Konzertflügel von Rebecca Horn alle paar Minuten seinen Deckel auf und spuckt die Tasten aus. Daneben hängen grafisch dargestellte Beethoven-Sonaten (für Rätselfans?). Wen das nicht beeindruckt, der wird im nächsten Raum Augen machen. Dort wird – Trommelwirbel – der alte Parkettboden aus Beethovens Wohnung im Schwarzspanierhaus ausgestellt. Eine Reliquie, die man gesehen haben muss. Und im letzten Raum werden Fragmente aus „Für Elise“ und Co. live gesungen und getanzt. Fazit: Bewegend!

Das Klavier zeigt den Beethoven-Fans die Zunge (Concert for Anarchy von Rebecca Horn)

Große Kunst nach dem Lockdown

Ein Leben ist reicher, wenn man es unter Träumern verbringt – sagen die Kunstsammler Karlheinz und Agnes Essl. Die Albertina Modern darf seit heute einen Teil ihrer Schätze zeigen. Coronasicher, wie Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder überzeugt ist. Die Lüftungsanlage im Museum sorge dafür, dass alle zehn bis zwölf Minuten die Luft im Gebäude komplett getauscht werde.

Peter Lands Installation widmet sich dem Kontrollverlust beim Übergang in den Schlaf.

„The Essl Collection“ bietet große Kunst, die mit Corona eigentlich nichts zu tun hat. Trotzdem könnte man einige Werke jetzt mit anderen Augen sehen. Peter Lands langgezogene Figur im Pyjama etwa, die nicht mehr so schnell aus dem Bett kommt. Zum Schmunzeln auch Heimo Zobernigs Skulptur aus Klopapierrollen. Für so ein Kunstwerk brauche er zwei bis drei Jahre. Bei einem Lockdown wäre er vielleicht schneller gewesen…

Bereits 2008 entstanden, aber aktueller denn je: Heimo Zobernigs Klopapierrollen-Skulptur.

Kunstgenuss beim Autowaschen

Eine Wiener Autowerkstatt hat das Glück, direkten Blick auf die Kunstfassade eines Filmstudios zu haben. Seit Februar stellt das MMC Haus alle zwei Monate eine neue Künstlerin oder einen neuen Künstler aus. Das Studio möchte sich nicht nur schmücken, sondern mehr Farbe in den öffentlichen Raum bringen. Dafür ist diese Gegend rund um die Breitenfurter Straße ein besonders dankbares Pflaster. Aktuell kann bei der sonntäglichen Autopflege Christian Ludwig Attersees „Torso“ bestaunt werden – unübersehbar auf 200 Quadratmetern Fläche. „GroßArtig!“

Die ausgestellten Werke stehen 2020 unter dem Motto „But Beautiful“.

Graffitiszene reagiert auf Terror

Die fast 300 Meter lange schwarze Wand ist als Zeichen der Trauer unübersehbar: In Gedenken an die Opfer des Terroranschlags in Wien haben Sprayer gegenüber vom Schwedenplatz die Graffitis am Donaukanal mit schwarzer Farbe übermalt. Wer ein paar Meter weiter einen genaueren Blick wagt, findet außerdem erste Kunstwerke, die auf das Attentat Bezug nehmen: Neben Herzen und Friedenstauben wurde etwa der berühmte, aber wohl nie so gerufene Satz „Schleich di, du Oaschloch!“ bei der Freda-Meissner-Blau-Promenade gesprayt.

Schwarze Wand statt bunten Graffitis zwischen Salztor- und Marienbrücke.
Eine urbane Legende: „Schleich di, du Oaschloch!“
Sogar Snoopy trauert mit Wien am Donaukanal