phil Blech und der urige „Wiener Klang“

Es gibt so etwas wie den Wiener Klang. Er zeichnet sich durch eigene Instrumente und Stilistik aus, erklärt Anton Mittermayr. „In Wien ist die Tongebung eine ganz gerade. Vibrato ist bei unseren Blechbläsern weniger vorhanden.“ Außerdem seien die Pauken mit Ziegenpergament bespannt. „Das ist richtig urig.“ Mittermayr ist Dirigent beim Ensemble phil Blech Wien, das aus Musikern verschiedener Orchester besteht und am Freitag gemeinsam mit dem französischen Organisten Olivier Latry ein neues Album veröffentlicht. Aufgenommen im Wiener Musikverein mit der großen Rieger-Orgel.

Top: Auf „Live from Vienna“ sind bekannte Werke völlig neu arrangiert zu hören. Persönliche Höhepunkte sind Zadkok the Priest von Georg Friedrich Händel (bekannt von der UEFA-Champions-League-Hymne) und auch wunderschön die Zugabe: Denn er hat seinen Engeln befohlen von Felix Mendelsohns „Elias“ – eigentlich ein zartes Chorstück, das jetzt auch nur mit Bläsern und Orgel genossen werden kann.

phil Blech „Live from Vienna“: 17 Musiker sorgen für den „Wiener Klang“

Der Hustenzuckerl-Trick im Konzertsaal

Sauerstoff-Rollator, bestimmt über 80 Jahre alt und lila Strähnen in den weißen Haaren: Das Publikum im Wiener Musikverein ist nicht unbedingt das jüngste, aber trotzdem nicht zu unterschätzen!

Diese Woche spielten die Wiener Symphoniker mit dem französischen Dirigenten Alain Altinoglu drei Konzerte im Goldenen Saal. Nach César Francks symphonischer Dichtung „Le Chasseur maudit“ sang die Ehefrau des Dirigenten, die Mezzosopranistin Nora Gubisch, drei Gedichte (Ernest Chausson – Poème de l’amour de la mer“). Im zweiten Teil stand Jean Sibelius fünfte Sinfonie am Programm – ein absoluter Höhepunkt und Hörtipp. Vor allem das Allegro Molto!

Da Husten im Konzert nicht nur zu Coronazeiten stört, es unter der FFP2-Maske im Hals besonders kratzt und Pausen derzeit oft gestrichen oder ohne Gastro abgehalten werden – folgender Lifehack: Echte Profis wickeln das Hustenzuckerl weder schnell noch langsam während des Konzerts aus, sondern bereits vor dem Konzert. Einfach, aber genial!

Nora Gubisch, Alain Altinoglu und die Wiener Symphoniker im Musikverein

Sensationelle Schläge im Musikverein

Er spielt schneller als sein Schatten – Martin Grubinger. Der gefeierte Multi-Perkussionist gab mit den Wiener Symphonikern und Maestro Andrés Orozco-Estrada zwei Konzerte im Wiener Musikverein. Vor jeweils tausend statt zweitausend Menschen. Mehr dürfen unter der Regel „2G-plus und FFP2-Maske“ aktuell nicht in den Goldenen Saal. Auch Getränke gab es in der Pause nur gegen Vorbestellung am vorbestimmten Platz. Aber immerhin konnte trotz Omikron-Welle gespielt werden.

Martin Grubinger und die Wiener Symphoniker im Goldenen Saal des Musikvereins

Und wie: Grubinger trommelte mit einer Spielfreude und sensationell (schnell) auf Djembe, Marimba und Co. Sieidi von Kalevi Aho – und durfte natürlich nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen. Im zweiten Teil gab es noch harmonische Hollywood-Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold (Märchenbilder) und zum Abschluss Modest Mussorgskijs Bilder einer Ausstellung. Vor allem Das große Tor von Kiew ist live ein Erlebnis! Auch hier sind – neben den Bläsern – die Percussion hervorzuheben. Wenn zum Finale Pauken, Becken und eine (gar nicht so kleine) Glocke auf der Bühne geschlagen werden, ist das schon himmlisch!

Surreal: John Williams im Wiener Musikverein

Er ist eine Legende und es ist ein großes Glück, dass er noch lebt: John Williams. Der weltberühmte Filmkomponist hat Blockbuster wie Star Wars, Der weiße Hai, Jurassic Park, E.T., Schindlers Liste, Indiana Jones, Harry Potter und viele andere geprägt. 2018 musste er seine Wien-Konzerte wegen Krankheit absagen. Nun konnte sie der bald 90-Jährige nachholen – im Goldenen Saal des Wiener Musikverein mit den Wiener Philharmonikern. Ein unglaubliches Erlebnis und nahezu historisches Ereignis.

Handyfotos waren laut strengem Publikumsdienst ab dem Schlussapplaus erlaubt bzw. geduldet

„Guten Abend, I sprech nix deutsch“, begrüßte Williams am Dirigentenpult gut gelaunt seine international angereisten Fans. Später erzählte er ein paar Anekdoten auf Englisch über Steven Spielbergs „E.T“ und George Lucas‘ „Star Wars“-Filme. Außerdem stellte er die deutsche Stargeigerin Anne-Sophie Mutter vor, für die er einige seiner Werke arrangiert hatte. Mutter spielte großartig, keine Frage. Trotzdem hätte das Publikum bei Stücken wie „Hedwig’s Theme“ aus Harry Potter wohl gerne weniger Sologeige und mehr Orchester gehört. Absolutes Highlight des Konzerts war das weltberühmte Stars-Wars-Thema. Wann hat man schon die Chance, es in so ausgezeichneter Qualität live zu erleben? Allein der Hörner-Klang – ein Traum! Man kann Williams‘ Worte nur unterstreichen: Es ist herrlich, seine Werke von einem Orchester dieses Kalibers zu hören – „without the distraction of the film“.

Fazit: Tosender Applaus für den Maestro! Auch nach fünf Zugaben herrschte ungebrochene Begeisterung!

Ein „Once-in-a-Lifetime“-Moment für Filmmusikfans

Sommer, Wein und Blasmusik

Trotz tropischer Temperaturen von über 30 Grad war die Stimmung am „Konzert am Bauernhof“ der Stadtkapelle Enns ausgesprochen gut. Während die Musiker ihr Outfit den Temperaturen anpassten und nur in Hemd und Lederhose das Konzert bestritten, benützten die Besucher die Programmflyer als Windfächer und konsumierten dutzende Sommerspritzer am Stand der Ennser Weinwerkstatt! Hier ein paar Fotos vom Konzert am Hartlauerhof in Ennsdorf:

Stadtkapelle Enns beim Konzert am Bauernhof 2012

Songwei Liang und die Stadtkapelle Enns beim „Konzert am Bauernhof“ in Ennsdorf

Ehrenstabführer Robert Podpeskar mit Marketenderinnen Eva Aichbauer und Christina Stockmayr

Ehrenstabführer Robert Podpeskar mit Marketenderinnen Eva Aichbauer und Christina Stockmayr

Konzertpause im Hartlauerhof

Konzertpause im Hartlauerhof

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch.