Die Wiener Festwochen feiern heuer 75. Jahre. Zu diesem Anlass wurde auch Braco eingeladen. Der Kroate ist für seinen „gebenden Blick“ bekannt und wird von manchen als „Wunderheiler“ bezeichnet. Bei der Festivaleröffnung am Heldenplatz starrte er 75 Sekunden lang schweigend das Publikum an. Eine Sekunde für jedes Festwochen-Jahr. Intendant Milo Rau argumentierte: „Im Grunde spiegelt er uns selber wieder.“
Braco kam und schaute.
Buchtipp:Inge – Bomben, Schmuck und Strümpfe: Inge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein.
Vor mehr als 20 Jahren habe ich in den Schulferien als Praktikant in der Kinderklinik Linz gearbeitet. Meine Erlebnisse auf der Kardiologie-Station habe ich in einem Text verarbeitet. „Das Kind“ ist später sogar beim Literaturwettbewerb „Sprichcode“ ausgezeichnet und in einem Sammelband veröffentlicht worden. Nachdem dieser längst vergiffen ist, möchte ich den Text hier wieder zugänglich machen.
Florian Kobler
Das Kind
Seit vier Wochen bin ich hier. Das ist mein letzter Tag. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und habe alles gesehen, was eine Intensivstation zu bieten hat. Draußen ist es heiß. Auf Zimmer 5 liegt das Kind. Es schwitzt. Aber nicht weil es draußen heiß ist.
Heute sind die Eltern und der Bruder auch da. Ich freue mich. Normalerweise besuchen sie ihr zweites Kind kaum. Warum sollten sie auch? Sie haben ja ein auch ein gesundes Kind. Und überhaupt auch andere Probleme. Auch die Oma ist heute da. Sie weint. Ich verlasse das Zimmer und lasse die Familie allein. Die Ärzte unterhalten sich über das Kind. Es ist keine zwei Jahre alt. Gibt es eine Überlebenschance? Wie geht es dem Kind heute? Dem Kind geht es heute etwas besser. Es spürt, dass jemand da ist. Und? Wird es überleben? Nein. Nein, dieses Kind wird nicht überleben. Es wäre auch kein schönes Leben.
Das Kind ist schon lange hier. Es war schon da, als ich zu arbeiten begonnen hatte. Ich hatte keine Ahnung. Das Kind wird sterben. Vielleicht heute, vielleicht morgen. Vielleicht aber auch erst in drei Wochen. Wir wissen es nicht. Die Medizin ist am Ende. Die Ärzte versuchen, dem Kind den Tod so angenehm wie möglich zu machen. Ich bin am Ende. Der Monitor piepst. Das Kind auf Zimmer 5 schreit. Natürlich schreit es. Es hat ja Schmerzen. Kann man denn keine Schmerzmittel verabreichen? Nein, es hat heute schon dreimal eines bekommen. Mehr geht nicht. Die Schwester hat eine gute Idee. Sie legt den gesunden Zwillingsbruder mit ins Bett. Er hat keinen Herzfehler. Er hat auch zwei entwickelte Hände und Füße. Und eine Niere reicht auch zum Überleben.
Es funktioniert. Es beruhigt sich. Die Sauerstoffsättigung steigt auf 40 Prozent an. Ein Wunder.
Man kann auch ohne Medizin viel erreichen. Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Im Keller, dort wo die Leichen untersucht werden, lese ich ein Gedicht. Es sind die letzen Worte eines sterbenden Menschen. Er schreibt, wir sollen nicht trauern. Wir sollen weitermachen wie zuvor. Wir sollen lachen, spielen, Freude am Leben haben. Aber wir sollen ihn nicht vergessen. Denn erst dann wäre er wirklich gestorben. Solange wir an ihm denken, ist er weiterhin bei uns.
Die Familie ist weg. Ich gehe auf Zimmer 5. Der Monitor piepst. Ich schalte den Alarm einfach ab. Eigentlich darf ich das nicht. Aber die Schwester hätte auch nicht mehr machen können. Nachdem ich die Kabel entfernt habe, wechsle ich dem Kind das durchgeschwitzte Gewand. Dann wickle ich es in Tücher und halte es ganz nahe an meinem Körper. Ich spüre die schwere Atmung des Kindes. Ich sehe das Kind jetzt zum letzten Mal in dieser Welt. Mir wird kalt. Das Kind beruhigt sich. Vielleicht spürt es meine Trauer? Das Gewand ist wieder durchgeschwitzt. Nach einigen Minuten lege ich das leicht schlafende Kind ins Bett, stecke die Kabel wieder an und befestige den Schlauch für die Sauerstoffsättigung. Es gibt nichts mehr zu tun. Ich ziehe die Spieluhr auf und verabschiede mich bei dem Kind. Das Kind hustet. Ein letztes Mal drehe ich mich um und gehe dann ins Schwesternzimmer.
Ich teile ihnen den Alarm mit und verabschiede mich. Das war es dann also. Der Nachtdienst kommt. Ich gehe zum Spind, ziehe mich um und gebe den Schlüssel ab. In einer Woche beginnt die Schule wieder.
Das Kind wird sterben. Die Ärzte wissen das. Die Eltern wissen das. Alle wissen das. Vielleicht sogar das Kind.
Ein letztes Mal blicke ich zurück. Dann drehe ich dem Tod den Rücken zu und spaziere hinaus in die Sonne.
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Der israelische Künstler Eran Shakine zeigt im Jüdischen Museum Wien seine Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“. Der Titel klingt nach einem Witz und erzeugt entsprechend Aufmerksamkeit. Shakine geht es in seinen Anti-Karikaturen allerdings um Gemeinsamkeiten und Toleranz.
Künstler Eran Shakine, Direktorin Barbara Staudinger und Kurator Hannes Sulzenbacher vor einem Bild, auf dem ein Muslim, ein Christ und ein Jude gemeinsam Riesenrad fahren.
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Österreichs Song-Contest-Siederlieder „Merci Cherie“ (Udo Jürgens, 1966), „Rise like a Phoenix“ (Conchita Wurst, 2014) und „Wasted Love“ (JJ, 2025) zieren aktuell Wiener Mistkübel. Dafür gibts 12 Punkte!
Die MA 48 ist bekannt für kreative Mistkübelsprüche.
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Vor dem Eingang der „Heidi Horten Collection“ in Wien parkt aktuell ein 16,4 Tonnen schwerer „Betonporsche“. Es ist eine Skulptur des Vorarlberger Künstlers Gottfried Bechtold aus dem Jahr 2006 – und ein Abbild eines Porsche 911.
Porsche als Parkbank: Die Skulptur steht am Direktionsparkplatz.
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Schauspieltalente mit Behinderung und Studierende der MUK Privatuniversität haben gemeinsam das Stück „Transit“ im Kasino am Schwarzenbergplatz aufgeführt. Es ist die Abschlusspräsentation des Burgtheater-Ausbildungsprogramms „Jetzt!“. Inklusives Theater, das Freude macht!
„Transit“ spielt auf einem Bahnhof und handelt vom Warten und Weiterkommen.
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Die „Queen of Austria“ (Conchita Wurst) trohnte Montagnacht über Schloss Schönbrunn. Eine kurze Show mit 3.000 Drohnen stimmte auf den Eurovision Song Contest in Wien ein – mit leuchtenden Bildern von Österreichs Siegeracts. Zu sehen waren Udo Jürgens Klavier, Conchita Wurst samt Phoenix-Flügel und JJs Papierschiff. Spektakulär!
Conchita Wurst gewann den ESC 2014 in Kopenhagen mit „Rise Like a Phoenix“Johannes Pietsch (JJ) gewann den ESC 2025 in Basel mit „Wasted Love“Die Firma Cyberdrone zauberte Logos und Bilder über Schönbrunn.
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„Kaorle am Karlsplatz“ heißt eine Kunstinstallation von Margot Pilz. Sie war schon 1982 bei den Wiener Festwochen zu sehen. Jetzt ist sie als Teil der Klima Biennale zurück – mit Sand, Palmen aus Kränen und einem gestrandeten Plastik-Wal im Teich.
Ein gestrandeter Wal als Kommentar zur Klimakrise.
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„Er war ein Künstler“, beschreiben ihn ehemalige Mitarbeitende. Albin Zappe, geboren 1921, musste nach dem Zweiten Weltkrieg aus Gablonz im Sudetenland (heute „Jablonec nad Nisou“) nach Österreich fliehen. Er gehörte zu den ersten „Gablonzern“, die sich im Schloss Losensteinleiten bei Steyr niederließen und dort mit einfachsten Werkzeugen Schmuck herstellten – aus alten Blechdosen und Wrackteilen. Obwohl er im Krieg einen Arm verloren hatte, gründete er 1946 seine eigene Schmuckfirma und „kam gut über die Runden“. Als seine jüngeren Brüder aus der Kriegsgefangenschaft freikamen, verlegte er gemeinsam mit ihnen die Schmuckproduktion in eine Holzbaracke neben dem Schloss.
Albin Zappe und sein Schmuck – mit Swarovski-Steinen
Neugablonz in Enns
1951 zog er – wie viele ehemalige Gablonzer Schmuckerzeuger – nach Enns. Sie gründeten dort den neuen Stadtteil „Neugablonz.“ Albin Zappes Firma befand sich zuerst in den ehemaligen Reitstallungen der Lerchentaler Kaserne und danach in einem neu gebauten Gebäude in der Gürtlerstraße. „Albin Zappe und Brüder“ hatte in den 60er-Jahren bis zu 120 Mitarbeitende. Als gelernter Gold- und Silberschmied entwarf Albin Zappe zehntausende Broschen, Ringe und Ketten – und exportierte seinen Modeschmuck in 20 Länder wie Japan, Frankreich und die USA.
„Ich habe Broschen gemacht, wo 50 Lotstellen sind. Die hat man in Amerika gar nicht machen können. Da haben wir einen großen Umsatz gemacht. Durch die Qualität und die viele Handarbeit.“ (Albin Zappe)
Heute gibt es die meisten Schmuckfirmen in Enns nicht mehr. Allerdings erinnert in der Gürtlerstraße das Museum der Gablonzer Industrie an die Geschichte der Schmuckerzeuger.
„Albin Zappe und Brüder“ in der Gürtlerstraße in Enns
Buchtipp: Mehr über Albins abenteuerliche Geschichte und jene der Gablonzer Schmuckerzeuger ist im BuchInge – Bomben, Schmuck und Strümpfezu lesen.
Eine riesige KAWS-Figur steht aktuell vor der Albertina Modern. Sie bewirbt die Ausstellung „KAWS. Art & Comix“, die bis September zu sehen ist. KAWS arbeitete in den 90er-Jahren als Graffiti-Künstler und ist bekannt für seine Figuren mit durchkreuzten Augen.
Beliebtes Fotomotiv. Eine Figur des US-Künstlers KAWS vor der Albertina Modern.
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