María Dueñas: Mit 20 Jahren ein Star im Musikverein

Fragt ein Wien-Tourist einen Passanten: „Wie komme ich am besten in den Musikverein?“ Trockene Antwort des Einheimischen: „Üben. Üben. Üben.“ In diesem Witz steckt viel Wahrheit. Die spanische Violinistin María Dueñas schaute als Kind mit ihren Eltern immer das Neujahrskonzert. Später zog sie nach Wien, um hier Violine zu studieren. Jetzt stand die erst 20-Jährige selbst im Musikverein als Solistin auf der Bühne. Gemeinsam mit Dirigent Manfred Honeck und den Wiener Symphonikern spielte sie an drei Abenden Beethovens Violinkonzert D-Dur – mit eigenen Kadenzen. Zusätzlich filmte die Deutsche Grammophon, bei der die junge Geigerin unter Vertrag ist. Fazit: María Dueñas ist ein unglaubliches Talent – und schon jetzt ein Star der Klassikbranche. Fazit 2: Beethovens Violinkonzert unbedingt anhören! Besonders schön ist der zweite Satz.

María Dueñas gab gleich zwei Zugaben – von Fritz Kreisler und Eugene Ysaye: „Schätze, die nur selten gespielt werden.“
Honeck und Dueñas erzählten nach dem Konzert über ihre Zusammenarbeit.

Zeichnungen aus der Kindheit neu gemalt

Warum alte Kinderzeichnungen aufheben? Der Wiener Künstler Jeremias Altmann entdeckte seine eigenen Bilder wieder, die er im Alter zwischen drei und fünf Jahren gemalt hatte. Er wusste zwar nicht mehr, welche Hintergründe und Bedeutungen in den Bildern steckten, „gleichzeitig habe ich festgestellt, dass sie eine enorme Ausdruckskraft und Expressivität haben.“ Also übersetzte Altmann seine alten Kinderzeichnungen in eine neue, erwachsenere Bildsprache, versuchte aber gleichzeitig „auch dieses Mysterium aufrechtzuerhalten.“ Seine Malerei- und Grafikausstellung „Once Upon“ ist noch bis 9. Februar im Bildraum Studio der Ankerbrotfabrik zu sehen.

Jeremias Altmann brachte seine Kinderzeichnungen neu auf Leinwand

Après-Kabarett über Corona: „Lache, wenn du kannst“

Wenn sich das Kabarett Niedermair mit bunten Lichtern und lauten Après-Ski-Hits ins Kitzloch verwandelt – steht Xaver Schumacher auf der Bühne. In seinem Programm „Ischgl“ lässt der Tiroler die Pandemie und die damit verbundenen Entscheidungen in Ischgl („Alles richtig gemacht“) noch einmal Revue passieren. Corona – was tun? „Kein Bussi mehr für die Stammgäste – und am Abend ein Schnapserl.“

Dabei geht es nicht ums Anpatzen der Heimat. Denn „das Virus war kein Tiroler. Das war ein Ausländer!“ Überhaupt war der Corona-Cluster in Ischgl einer dieser Momente, „wo man sieht, wie aus Touristen plötzlich Ausländer werden“. Die Pandemie brachte aber auch gute Ansätze: Systemrelevante Berufe wurden beklatscht, man hörte erstmals von „vulnerablen Gruppen“, und Pflegekräfte, Erntehelfer sowie Saisonarbeiter aus dem Osten waren plötzlich in den Medien! „Das hat es noch nie gegeben! Das war kurz bevor es geheißen hat – wir müssen zurück in die Normalität.“ Fazit: Schumacher präsentiert eine Mischung aus Kabarett und analytisch-kritisch-satirischem Vortrag – getreu dem Motto „Lache, wenn du kannst“ oder wie sie in Ischgl warnen: „Relax, if you can“.

Großartig: Schumacher analysiert Après-Ski-Hits wie „Tschüss Niveau“ von Chaos Team

5 Fakten über alte Kinos in Wien

In Wien gab es einst 200 Kinos gleichzeitig. Sie waren kulturelle Nahversorger und zeitweise auch „Überlebensmittel“ für die Bevölkerung, sagt Ernst Kieninger, der Leiter des Filmarchiv Austria. Aktuell lässt das Archiv alle Kinos, die es in der Stadt je gegeben hat, in vier Bildbänden dokumentieren. Zwei Bücher sind bereits erschienen. Ein paar Fakten:

  1. Die Wiener Kinos haben ihren Ursprung im ersten Bezirk. Bei der Kärtner Straße fanden 1896 die ersten Filmvorführungen von Vertretern der Gebrüder Lumière statt.
  2. Die Prater-Silhouette war bis 1945 von zwei großen Kinos geprägt. Links und rechts neben dem Riesenrad befanden sich das Lustspielkino und das Kristallkino.
  3. Nach dem Zweiten Weltkrieg nützten viele Menschen das Kino, um dem tristen Alltag zu entfliehen, aber auch als Wärmestube.
  4. Das erste Wiener Freiluftkino gab es bereits 1927 – im sogenannten Fliegerkino im neunten Bezirk. Hier wurden Filme im Garten des Palais Clam-Gallas gezeigt.
  5. Das ehemalige Roßauer Kino hatte ein Eck im Kinosaal. Wer hinten saß, konnte nicht die ganze Leinwand sehen. Die Gäste haben sich wohl anders vergnügt.
Im Metro Kino Kulturhaus sind alle noch bestehenden Wiener Kinos als Gipsmodelle ausgestellt.

„Eine heile Welt, die eine Weile hält“

Die Familie Lässig ruft bei ihren drei Neujahrskonzerten im Wiener Stadtsaal „Eine heile Welt“ aus. Gunkl erklärt, dass es sich dabei um eine präfaktische Behauptung handelt. „Manchmal muss man Dinge behaupten, bevor man sie in die Wirklichkeit wuchten kann.“ Es sei entscheidend, dass die Idee gefasst und formuliert sei. Man könne nicht einfach darauf warten, dass sie zufällig passiert. Neujahrsvorsätze haben also doch einen Sinn! Gutes, neues Jahr 2023!

 Die Familie Lässig probt in einem geheimen Keller im 15. Bezirk – und besteht aus Gunkl, Manuel RubeyCathi PriemerClara LuziaGerald Votava und Boris Fiala.

Pater Martins neues Buch: „Humor ist unverzichtbar!“

Er hat einst irrtümlich das Klosterauto im See versenkt, ein falsches Gebiss gesegnet, eine Braut mit einem Hammer gerettet, seinen Ordensbrüdern Streiche gespielt, per Autostopp das Land bereist und beim Pilgern und Bergsteigen für kleine Wunder gesorgt. Es gibt wohl hunderte Erzählungen über Pater Martin Bichler, dem lebensfrohen Franziskanermönch mit dem ansteckenden Lachen. In einem neuen „Best-of“-Taschenbuch erzählt Pater Martin seine Lieblingsgeschichten – und verrät neue Anekdoten aus seiner Heimat Osttirol, die bestimmt ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Kulturblogger.com hat Pater Martin zum Interview gebeten:

Lieber Pater Martin, warum erzählst du diese Geschichten?

„Lustige Geschichten bringen Menschen zum Lachen – das gefällt mir! Humor kommt vom lateinischen Wort Humus – also Erde. Humor erdet!“

Krieg, Krisen, Klimawandel, Corona – braucht es in diesen Zeiten dieses Buch?

„Humor ist gerade in Krisenzeiten unverzichtbar. Humor und Lachen verschaffen Distanz zum herausfordernden und schwierigen Alltag.“

Was ist deine Aufgabe als Franziskaner? Wie passt dein Humor dazu?

„Als Franziskaner bin ich mit Menschen in allen Lebenslagen unterwegs. Humor und Lachen kann oft eine Hilfe sein. Damit geht manches leichter.“

Wie geht es dir als Pfarrer in Lienz/Osttirol?

„Osttirol ist meine Heimat. Als Franziskaner ziehen wir Ordensbrüder wie unser Ordensgründer Franz von Assisi immer wieder weiter in die nächst Niederlassung. Lienz/Osttirol ist ein Heimspiel für mich.“

Am Buchcover bist du mit „Gehstock“ zu sehen? Bist du alt geworden?

„Es handelt sich nicht um einen Gehstock, sondern um einen Pilgerstab. Nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine bin ich mit einigen Leuten spontan pilgern gegangen. Man fühlte sich so hilflos. Durch das Pilgern bewege ich mich selbst. Es bewegt auch etwas in mir und rund um mich herum.“

Erlebst du nach wie vor so viel? Wie kommt das?

„Mein Lebensmotto ist ein Spruch vom heiligen Spaßmacher Philipp Neri: ‚Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen‘. Da ist es kein Wunder, dass man viel erlebt.“

Was hat es mit dem Autostoppen auf sich? Hobby, Einstellung oder Notwendigkeit?

„Autostoppen ist umweltfreundlich. Häufig nehmen mich Menschen mit, die eh schon einmal mit mir oder einem Ordensmann reden wollten. Da ergeben sich am Weg sehr interessante Gespräche, auch seelsorgliche Gespräche. Manchmal ist unser Klosterauto besetzt, dann sag ich zu meinen Mitbrüdern: ‚Macht euch keine Sorgen. Ich komme da auch gut per Autostopp hin!'“

Wer wird mit deinem Buch Freude haben, wer weniger?

„Wer Humor hat und auch ein wenig Spaß versteht, wird damit Freude haben. Die anderen sollten es gleich gar nicht lesen. Wenn sie es trotzdem lesen, laufen sie Gefahr lachen zu müssen…“

Das Buch „Pater Martin – Die besten Geschichten“ erscheint am 24. November im Freya Verlag. Es ist in allen Buchhandlungen sowie im Internet um 14,90 Euro bestellbar.

Der Gescheite und der Blöde

„Die goldene Pfanne“ heißt das dritte Kabarettprogramm von Marecek & Musner. Darin bedient das Duo ein selten gewordenes Genre – das Stück lebt durchgängig von der Dynamik einer Doppelconférence! Doch anstatt Altmeister zu kopieren oder alte Sketche neu aufzuwärmen, holen sie den Stil erfolgreich in eine neue Zeit.

Das Duo, bestehend aus dem in Wien geborenen Schweizers Ben Marecek und des in Kärnten geborenen Osttirolers Nikita Musner, wird im neuen Programm von der eigenen Vergangenheit eingeholt und muss Nerven und Zusammenhalt beweisen. Ganz nebenbei beantworten die beiden, wie man eigentlich ein Kabarettprogramm schreibt und warum es nicht gut ist, sein Leben mit dem von Christiano Ronaldo zu tauschen. Fazit: Mit „Die goldene Pfanne“ wissen Marecek & Musner wiederholt eine eigene Geschichte des Gscheiten und des Blöden zu erzählen. Fans des Genres kommen auf ihre Kosten.

Marecek & Musner im Theater am Alsergrund

Maria Muhar: Überleben mit Galgenhumor

In „Storno“ spielt Maria Muhar mehr oder weniger sich selbst. Die 36-Jährige arbeitet an einem Roman – und hält sich mit Gastrojobs und AMS finanziell über Wasser. „Ein Steuerberater ist eigentlich ein Bildhauer. Du bringst ihm einen Haufen Schrott und er macht dir daraus ein abstraktes Kunstwerk!“

Während sie in der Nacht mit Energiedrink in der Hand die schlafenden Kinder ihrer Freundin hütet, erzählt sie von Catcalling, Frauenärztin, Politik („Die ÖVP hasst Frauen, aber Flüchtlinge noch mehr…“) und Überforderung. „Ist das Leben zu kurz um Kinder zu kriegen oder zu kurz, um keine zu kriegen?“ Wer sich dafür entscheidet, brauche blinden Optimismus und Gelassenheit. „Einfach mal gechillt vermehren – zwischen Apokalypse, Patriachat und Atomkrieg.“

Fazit: Maria Mahur bringt mit „Storno“ im Kabarett Niedemair ein brutal gutes Theaterstück auf die Kabarettbühne – mit Galgenhumor und fesselnder Geschichte, bei der nicht klar ist, ob sie gut ausgeht. „Irgendwann kommen sie mir drauf“, sagt Muhar nachdenklich. Man möchte ergänzen: „Wie großartig ihr Debüt ist!“

Im echten Leben hochoffiziell Künstlerin: Maria Muhar hat neben ihrem Kabarettdebüt gerade ihren Debütroman „Lento Violento“ im Verlag Kremayr und Scheriau veröffentlicht.

Ukraine und Iran: Street-Art für die Freiheit

Neue Kunstwerke in Wien bilden das aktuelle Weltgeschehen ab: Der ukrainische Street-Art-Künstler Nikita Kravtsov etwa hat in der Pfeilgasse eine weinende Frau auf eine Hausmauer gemalt. Das riesige Wandbild über dem „Wiener Würstelstand“ erinnert an Gustav Klimts Frauenporträts und ist Teil des europaweiten Kunstprojekts „The Wall“. Ziel ist es, die Ukraine in Wien – wo es eine hohe russische Präsenz gibt – sichtbarer zu machen. Auch in Berlin, Genf, Marseille und Ankara sollen solche Murals entstehen.

„The Wall“ in Wien: Freiheit, Einheit und Hoffnung

Street-Art beschäftigt sich auch am Bauzaun des Wien Museums mit den Krisen unserer Zeit. Die Künstlerin Artminina aus Odessa setzt sich mit mit einem blau-gelben Paperflieger für Frieden in der Ukraine ein und Künstlerin Ahoo Maher thematisiert die Freiheitsproteste gegen das Regime im Iran.

Illustratorin Artminina hofft auf Frieden in der Ukraine
Abgeschnittene Haare: Ahoo Maher macht die Freiheitsproteste der Frauen im Iran sichtbarer

Klebende Kunst: Hände aus Münzen

Es ist ein starkes Zeichen des Zusammenhalts – die Skulptur „Raising Hands“ von Julia Bugram am Wiener Stephansplatz. Zu sehen sind zwei einander reichende Hände, die aus einer Million zusammengeklebter 1-Cent-Münzen bestehen. Das Kunstwerk soll Hoffnung auf solidarisches Handeln machen. In Zeiten von Krisen und Krieg ist das wichtiger denn je. Seit April sind die – allein aufgrund der Münzen mehrere Tonnen schweren – Hände öffentlich ausgestellt – und haben kaum an Gewicht verloren. Auch der Klebstoff des Kunstwerks steht offensichtlich für Zusammenhalt.

Die „Raising Hands“ wurden unter anderem über Crowdfunding finanziert.
Über 3.800 Menschen sollen sich am Bekleben der Münzen beteiligt haben.