Innehalten in der Krise

Zwei Wochen sind wir nun zuhause. Zwei Wochen voller Sorgen und Hoffnungen, Informieren und Mahnen, Abstand und Zusammenhalten. Ungeduldig fragen wir: Wann kriegen wir unser normales Leben zurück?

Das leere Wien

Ein frühlingshafter Samstag in der Wiener Innenstadt: Unter normalen Umständen ist das Laufen und Radfahren entlang des Rings absolut ungemütlich und der Lunge kaum zumutbar. Die Krise macht es möglich, das wunderschöne Herz Wiens in einem völlig anderen Zustand zu erleben. Der Rathausplatz ist ungewohnt verlassen, das Burgtheater geschlossen. Die Fahrstreifen sind fast leer, in regelmäßigen Ampelintervallen rauschen eine Handvoll Autos vorbei – Kleinstadtcharakter. Die Rad- und Fußwege sind etwas belebter. Radfahrer und Läufer machen große Bogen umeinander und werfen sich zögerlich ein freundliches Lächeln zu. Die Luft riecht anders, das Atmen fühlt sich gesund an, die Vögel zwitschern. Die Hektik macht Pause.

Die leere Ringstraße vor dem Burgtheater

Bevor wir nun ungeduldig unseren gewohnten Alltag zurückverlangen, halten wir doch kurz inne: Wollen wir das wirklich alles wieder?

Getrennt und doch berührend

„Meine Liebe, der Grund warum ich überlebe, vertraue mir: Wir werden bald wieder zusammensein“ heißt es in My Heart With You von The Rescues. Das Wiener Vokalensemble Vocatief hat die Zeit in den eigenen vier Wänden genutzt und ein Cover davon aufgenommen. „Unser Clemens hat dieses Lied bei einem Chorwettbewerb gehört. Es hat ihn so sehr berührt, dass er es für uns arrangiert hat“, erzählen die jungen Sänger. Weil gemeinsames Proben und Musizieren wegen der Coronavirus-Pandemie nicht möglich ist, haben sie sich einzeln in ihren Wohnungen aufgenommen. Daraus entstand ein wunderbares Split-Screen-Musikvideo. „Wenn wir schon nicht physisch zusammenkommen können, dann wenigstens im Geiste mit Gesang.“

Stefan und die anderen Vocatiefs haben zu einer Probenaufnahme gesungen. Danach sind die Clips synchronisiert und zusammengeschnitten worden.


Pop aus der Quarantäne

Wie nimmt man im eigenen Wohnzimmer einen Popsong auf? Sängerin NIKA hat sich aus Decken, Polstern, Handtüchern und Teppichen ein provisorisches Tonstudio gebaut und darin ihre dritte Single Es ist okay eingesungen. Die 27-Jährige geht möglichst positiv an die Coronavirus-Krise heran: „Es muss nicht immer höher, schneller und weiter sein.“ Nichtstun fällt ihr aber offenbar trotzdem schwer – und so hat sie mit befreundeten Musikerinnen und Musikern nicht nur „gemeinsam getrennt“ ihren neuen Song produziert, sondern auch gleich ein humorvolles Musikvideo aus vielen Handyvideos zusammengebastelt. Fazit: Endlich einmal Qualität aus der Quarantäne! Ein aktueller Popsong mitten aus Wien, der gute Laune verbreitet.

Humor mit Handwaschqualität

Humor ist gerade in Krisenzeiten wichtig – daher haben Österreichs Kabarettistinnen und Kabarettisten die Livestream-Show „Pandemix“ gestartet. Während der Coronavirus-Maßnahmen melden sich jeden Freitag jeweils sechs Acts ab 20 Uhr aus ihren Wohnzimmern. Versprochen wird Humor mit Handwaschqualität – live auf Facebook und danach auf YouTube. Den Anfang haben Harald Pomper, Caroline Athanasiadis, Elias Werner, Patrizia Wunderl, Omar Sarsam und Clemens Maria Schreiner gemacht. Nach Möglichkeit soll der Humor jetzt viral gehen…

Kabarettist Clemens Maria Schreiner steht angeblich ohne Hose und „Unterflak“ vor der Handykamera. Und die Bücher hat er alle gelesen…

Die erste Show auf YouTube zum Nachsehen:

Große Fragen der Menschheit

„Es wäre ein Verbrechen, sich den Film nur am kleinen Bildschirm anzusehen“, sagt Oscarpreisträger und Regisseur Stefan Ruzowitzky bei der Premiere seines neuen Werks Narziss und Goldmund im Cineplexx Wienerberg. Immerhin würde der Film „viel Gefühl, große Kinobilder und tolle Schauspieler“ bieten. Heute startet die Verfilmung des Hermann-Hesse-Buchs – trotz massiver Coronavirus-Einschränkungen – in den Kinos. Die Geschichte spielt im Mittelalter, soll aber nichts an Aktualität verloren haben. „Es geht um die großen Fragen der Menschen“, sagt Ruzowitzky. „Wo geht es hin? Was ist Freundschaft? Was ist Liebe? Was ist das Wesen der Frau? Was ist Kunst? Und diese Fragen haben sich wirklich seit dem Mittelalter nicht maßgeblich verändert.“ Hier gehts zum Trailer.

Die beiden Hauptdarsteller Sabin Tambrea und Jannis Niewöhner

Kleinkunst hinter der Bühne

Heute Nacht strahlt ORF III ein Best-of der Ennser Kleinkunstkartoffel aus. Zu sehen sind Auftritte von Marecek & Musner bis Anja Kaller. Nicht zu sehen ist hingegen, was hinter den Kulissen des Kabarettwettbewerbs passiert. Wie bereiten sich die Künstlerinnen und Künstler auf ihre Auftritte vor? Wie gehen sie mit Lampenfieber um?

Ein Gebet zum Wein? Vielleicht hilft es ja für den Auftritt…

Angeblich glauben ja viele, dass im Backstage-Bereich die wildesten Sachen passieren. In Wahrheit knabbern die einen an salzigen Erdnüssen herum, während die anderen konzentriert ihren Text im Nebenkammerl auffrischen. Besonders originell hat heuer Michael Lang die angespannte Zeit bis zum Auftritt genutzt. Seelenruhig hat er vor den anderen Kabarettisten farbenfrohe Origami-Figuren gefaltet. Top: Bei der Kleinkunstkartoffel gibt es kleine Kunst auch hinter der Bühne.

Moderator Clemens Maria Schreiner mit Markus Oswald, Georg Wochinz, Siegerin der Ennser Kleinkunstkartoffel 2020 Anja Kaller, Michael Lang, Wanger Martina, Marecek & Musner

Barfuß am Wiener Opernball

Am Wiener Opernball müssen Männer laut Hausordnung schwarzen Frack tragen. Heuer gab es eine Ausnahme. Die bayrische Blasmusikgruppe LaBrassBanda spielte am Ball zwei Konzerte zu später Stunde – und zwar mit einer Sondergenehmigung. „Zum Auftritt dürfen wir uns eine Lederhose anziehen – also Frack oben, Lederhose unten, und barfuß. Weil wir spielen immer barfuß. Das ist ganz wichtig, weil die schönen Frack-Schuhe und Frack-Hose, die würde es sofort zerreißen, wenn bei uns die Tuba einsetzt“, so Trompeter Stefan Dettl. Das Beweisfoto gibt’s auf Instagram:

Kleidungsvorschrift am Opernball: Langes Abendkleid oder schwarzer Frack