Kein Huster im Konzerthaus

„Viel Freude in diesem intimen Rahmen“, wünschte Konzertmeisterin Sophie Heinrich den hundert zugelassenen Besucherinnen und Besuchern im Wiener Konzerthaus. Starpianist Igor Levit und die Wiener Symphoniker füllten es nach der Coronavirus bedingten Schließung wieder mit Leben und Musik – in Form von Mozarts Konzert für Klavier und Orchester in A-Dur. Tatsächlich war der Abend intim. Statt dem sonst so geschäftigen Treiben im Foyer traf man diesmal nur auf das mit Visier ausgestattete Konzerthaus-Team – und auf einen Videojournalisten, der für das französische Fernsehen zur Wiedereröffnung interviewte. Das Publikum saß im Mozartsaal großzügigst verteilt und durfte erst am Platz den Mund-Nasen-Schutz abnehmen. Auch das Orchester nahm die Ein-Meter-Abstandsregel auf der Bühne sehr ernst. Der Dirigent wurde überhaupt eingespart – es geht auch so! Top: Auffällig in diesen Pandemiezeiten: die enorme Spielfreude der Musikerinnen und Musiker! Und – wirklich niemand im Konzert hustete.

Ausverkauft – aber halbleer: die ersten Konzerte im Mozartsaal mit Igor Levit

Ritterschlag für einen Posaunisten

Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.

Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.

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Löffel-Walross Walter Voglmayr

Keine Grenzen bei Blasmusik

Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.

Suche nach der Pro Brass-Wolke

„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange  nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.

Symphoniker am Heldenplatz

Am 8. Mai spielten die Wiener Symphoniker ein Gratis-Konzert am Heldenplatz. Tausende Menschen kamen – ausgerüstet mit Picknickdecken und Bierdosen – und setzten sich auf die Wiese, um bei einzigartigem Flair und schönstem Wetter dabeizusein.

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Dieses Konzert wäre eine Chance gewesen, das Interesse für klassische Musik in der Bevölkerung zu erhöhen. Leider wurde jeder Genuss durch eine halbe Stunde „Festreden“ (Wen interessierts?) und viel zu leiser Verstärkung durch die Lautsprecheranlagen auf einem Minimum gehalten. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr besser…

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Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.