Alice Phoebe Lou beim Ahoi!Pop

Mit der südafrikanischen Singer-Songwriterin und Straßenmusikerin Alice Phoebe Lou stand eine musikalische Extraklasse auf der großen Bühne im Linzer Posthof. Die mittlerweile in Berlin lebende 26-Jährige weckt beim Ahoi!Pop-Festival mit ihrem bezaubernden Charme das anfangs doch noch recht schüchterne Linzer Publikum auf und schuf gemeinsam mit ihrer Band den perfekten Soundtrack zum Träumen und Knutschen. Fazit: Voller Soul, Blues, verzerrtem Gitarrensound, starken Texten und ungeheurer Stimmvariation hätte diese gewaltige aber trotzdem sanfte Nacht mit Alice Phoebe Lou gerne ewig weitergehen können.

Endlich einmal ein Konzertabend ohne Smartphones in der Luft: Alice Phoebe Lou im Posthof

Anspieltipps: Walk on the Wild Side und Something Holy

Yared öffnete Wien sein Herz

Ruhige Töne hat es bei der diesjährigen Hollywood in Vienna-Gala gegeben – und zwar wegen des heurigen Preisträgers Gabriel Yared. Der libanesische Komponist, der für seine Musik zu „The English Patient“ 1997 den Oscar bekommen hat, begeisterte mit seinen abwechslungsreichen, völkerverbindenden und intimen Werken – zu Filmen wie The Tourist, Message in a Bottle, Cold Mountain, Troy, Possession, The Lover und viele mehr. Yared spielte selbst am Klavier und „öffnete dem Publikum sein Herz“.  Er wurde dabei von hervorragenden Solisten begleitet. Besonders hervorzuheben ist die 19-jährige Sängerin Eleanor Grant, die mit höchsten Tönen und engelhafter Erscheinung bei „The Talented Mr. Ripley“ und „City of Angels“ Gänsehaut im Wiener Konzerthaus erzeugte.

Der heimliche Star
Im ersten Teil der Gala wurde oscarprämierte Filmmusik der vergangenen Jahrzehnte dargeboten – von Casablanca, über The Wizard of Oz, Star Wars, Forrest Gump, Schindler’s List bis Black Panther  – und das mit Größen wie Broadway-Komponist Marc Shaiman und Popsängerin Judith Hill. Der heimliche Star bei Hollywood in Vienna ist aber alljährlich wohl das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Es sorgt dafür, dass im herrlichen Ambiente und bei der ausgezeichneten Akustik des Konzerthauses symphonische Filmmusik so genial spielt wird, wie wohl nirgendwo sonst auf der Welt. Große Freude!

Hollywood in Vienna 2019

Max-Steiner-Award-Preisträger Gabriel Yared umgeben von Solisten der „Hollywood in Vienna“-Gala – wie Ramon Vargas, Judith Hill, Dirigent Keith Lockhart und Eleanor Grant

Geheimkonzerte vor dem Weltuntergang

Straßenmusiker darf man nie unterschätzen: Oft zahlt es sich aus, genauer hinzuhören. So wie am Wochenende, als Bach in the Subway-Initiator Dale Henderson gemeinsam mit dem Wiener Philharmoniker Tamas Varga in der U-Bahn-Station Karlsplatz zwei Geheimkonzerte gegeben hat – mehr dazu in Philharmoniker spielt in U-Bahn-Station.

Und auch beim Thema Klimawandel sollte man nicht weghören: „Wird es deswegen bald eine Zimmerpflanzenverordnung geben? Müssen wir irgendwann unsere Hunde aufessen? Wird es eine Revolution geben? Also eine echte – nicht so wie bei den Spülmaschinentabs? „Gut möglich“ sagt Severin Groebner. Mit seinen Szenarien zum Weltuntergang hat er am Wochenende im Kabarett Niedermair Premiere gefeiert – mehr dazu in Groebner: „Wir sind Dreckschleudern“.

Wenn im Konzert die Sonne aufgeht

„Und Gott sprach: Es werde Licht“. Gerade in diesen kalt-regnerischen Tagen ist die musikalische Botschaft von Joseph Haydns „Schöpfung“ eine sehr willkommene. Am Mittwoch war das berühmte Oratorium im Konzerthaus zu hören. Der Italiener Giovanni Antonini dirigierte sein Originalklang-Ensemble Il Giardino Armonico und den Chor des Bayerischen Rundfunks. Für den Großen Saal war die Besetzung etwas zu klein. Die mächtigen Lobpreise, die die Schöpfung so einzigartig machen, drangen nicht in aller Klangfülle bis ins hinterste Eck vor. Musiziert wurde aber in gewohnt hoher Konzerthaus-Qualität. Und Haydns Erschaffung der Welt macht immer Freude. Wer die Aufführung nachhören will, kann das online tun. Das Konzert wurde von einem deutschen Klassikportal mit zahlreichen Mikrofonen und Kameras aufgezeichnet.

Die Schöpfung im Konzerthaus

Die Solisten Anna Lucia Richter (Sopran), Maximilian Schmitt (Tenor) und Florian Boesch (Bass) zauberten Haydns Bilder gekonnt in die Köpfe des Publikums

Volksmusik kann auch anders

Bei Konzerten von Klakradl meditiert man schon mal zu Sätzen wie Koschuttnig, da Schneck schmeckt da Schutt nit oder man wird bei der Hymne an die Erzdiözese Gurk in Trance versetzt. Im Radiokulturhaus gab das Kärntner Quartett bei einem Doppelkonzert ihre selbstgeschriebenen „Kärntner Lieder“ zum Besten. Mit Volksmusik haben diese aber nur am Rande zu tun: Sie sind schaurig-schön, reißen mit lässigem Beat mit oder beeindrucken mit virtuosen Klängen.

Angeführt wird die Kombo von den stimmgewaltigen Radeschnig-Zwillingen Birgit und Nicole, die auch noch eine ganze Menge an Instrumenten beherrschen: Akkordeon, Gitarre und Klarinette. Der eigentliche „Klarinetten-Star“ ist aber Markus Fellner. Nicole Radeschnig und er zeigen eindrucksvoll, was mit zwei Klarinetten alles möglich ist.

Den ersten Teil des Doppelkonzerts bestritten Die Wandervögel: vier junge Männer, ausgestattet mit vier Instrumenten und butterweichen Stimmen. Mit Geige, Mandoline, Gitarre und Kontrabass lassen sie alte Lieder aufleben und holen raus was geht: vom schnellen Gefiedel und Percussion bis zu sanften Klängen zum Dahinschwelgen. Da folgen auf heitere Wiener Lieder und mitreißende Volkslieder über Omas Knödel und die Hochzeit am Land jiddische Balladen und vertonte Gedichte zu Einsamkeit, Krieg und herbstliche Melancholie. Selten sind Volksmusik-Abende so niveauvoll und abwechslungsreich!

Klakradl und Die Wandervögel

Klakradl und Die Wandervögel nach ihrer gemeinsamen Zugabe

Beeindruckende Inszenierung von Soap&Skin im Konzerthaus

Mit ihrer authentisch schrägen Art begeisterte Anja Franziska Plaschg alias Soap&Skin mit einem 8-köpfigen Musikensemble am Mittwoch das Publikum im vollen Konzerthaus. Der Abend zeigte wieder einmal, dass das wunderschöne Ambiente des Hauses nicht nur den klassischen, eleganten Konzertbesuchern, sondern auch einem stylischen, hippen Publikum einen perfekten Inszenierungsrahmen bietet.

Soap&Skin zeigte in einer beeindruckenden Performance ihr außerordentliches Talent und Variantenreichtum. Trotz der Bandbreite und Vielfalt an Stimmungen der Stücke bleibt sie immer authentisch. Jede Schrägheit wirkt natürlich und echt. Das Spektrum reicht von melancholischen, mit Spotlight auf Klavier und Stimme fokussierten Stücken (Cynthia) bis zu dramatischer Orgelmusik, Stimmverzerrer und Tanzmoves (Falling). Von sensibel verletzlich bis brutal stark versteht es Soap&Skin auf eindringliche Art, Emotionen zu vermitteln. Die unterschiedlichen Charaktere werden zusätzlich von Licht und Sprache unterstrichen (Voyage, Voyage und Mawal Jamar). Ein besonderes Highlight war Vater.

Ein simples „Danke, dass ihr alle da seid“ leitete den Abend ein, die restlichen knapp zwei Stunden kamen ohne viel Pausen und Zwischengeplänkel aus, wodurch ein Gesamterlebnis mit Fokus auf die Musik und ihre tranceartige Wirkung entstand.

Botschaften mit Bass und Blech

Eigentlich würde auch sie sich lieber mit Instragram, Katzenvideos oder Memes ablenken. Da müsste die 28-Jährige aber den aktuellen Rückschritt, die Einzelfälle, das Ausgrenzen und das Angst schüren ignorieren. Und das geht dann auch wieder nicht. Die Wiener Poetry-Slammerin und Rapperin Yasmo fordert daher lieber lautstark zum Handeln auf – in ihrem neuen Popsong und Album „Prekariat & Karat“. Yasmos Botschaften zu Politik, Frauenbild und Gesellschaft kommen dabei ziemlich energiegeladen, funky und gut gelaunt daher. Das liegt vor allem an ihrer hervorrragenden Bigband. Diese Kombination aus Rap und Blechsound funktioniert bestens – und hat es wohl möglich gemacht, dass Yasmo und die Klangkantine im Jazzklub Porgy & Bess auftreten durften. Genauer gesagt zweimal. Ausverkauft. Zurecht!

Yasmo und die Klangkantine mit 5/8erl in Ehr'n

Yasmo bekommt Unterstützung von „5/8erl in Ehr’n“ und der Klangkantine