Große Fragen der Menschheit

„Es wäre ein Verbrechen, sich den Film nur am kleinen Bildschirm anzusehen“, sagt Oscarpreisträger und Regisseur Stefan Ruzowitzky bei der Premiere seines neuen Werks Narziss und Goldmund im Cineplexx Wienerberg. Immerhin würde der Film „viel Gefühl, große Kinobilder und tolle Schauspieler“ bieten. Heute startet die Verfilmung des Hermann-Hesse-Buchs – trotz massiver Coronavirus-Einschränkungen – in den Kinos. Die Geschichte spielt im Mittelalter, soll aber nichts an Aktualität verloren haben. „Es geht um die großen Fragen der Menschen“, sagt Ruzowitzky. „Wo geht es hin? Was ist Freundschaft? Was ist Liebe? Was ist das Wesen der Frau? Was ist Kunst? Und diese Fragen haben sich wirklich seit dem Mittelalter nicht maßgeblich verändert.“ Hier gehts zum Trailer.

Die beiden Hauptdarsteller Sabin Tambrea und Jannis Niewöhner

Großschädl wird ein Großer

Wie wird das erste Kabarettprogramm in Österreich garantiert ein Erfolg? Vielleicht, wenn man Deutsche und Prominente auf die Schaufel nimmt. Das könnte sich Michael Großschädl gedacht haben, der im Kabarett Niedermair mit seinem Musikkabarett „Junge, lern doch einfach mal Deutsch!“ Wien-Premiere feierte. Der Schauspieler, Sänger und Pianist parodiert Falco, Dieter Bohlen, Arnold Schwarzenegger, Andreas Gabalier, Helene Fischer, Florian Silbereisen, Conchita Wurst, Hansi Hinterseer, Herbert Grönemeyer, Sepp Forcher, Elisabeth Engstler, HC Strache und viele mehr.

Hoch professionell: Großschädl kann sich jetzt schon mit großen Musikkabarettisten messen

Österreichischer „Bodo Wartke“

Weil der Grazer das wahnsinnig gut, sympathisch und originell macht, funktioniert es. Dazu kommen Pointen, die zwischen den Tönen fallen und fast untergehen: „Ich spiele das Lied in c-Moll. Das ist die zäheste aller Moll-Tonarten.“ Oder „Besucht doch meine Website unter www-michael-g-punkt-at!“ Fazit: Michael G. erinnert mit seinen gereimten Texten und schönen Klaviermelodien stark an den großartigen Bodo Wartke. Seinen eigenen Stil hat er noch nicht ganz gefunden. Wenn er das auch noch schafft, wird Großschädl ein ganz Großer werden.

Jodijodiodijodio: Pizzera & Jaus füllen die Hallen

Wer Pizzera & Jaus auf Spotify hört, dem kann es passieren, dass kurz danach Andreas Gabalier in die Playliste rutscht. Eine Ehre – für Gabalier, sagen Pizzera & Jaus. „Es wird halt einfach ein Algorithmus sein, der österreichische Künstler ausfüllt. Inhaltlich und was wir von Interviews kennen, sind die Schnittmengen sehr überschaubar.“ Wobei – das „Jodijodiodijodio“ in ihrem Lied „dialekt’s mi“ erinnert schon ein bisschen an Gabaliers „hulapalu“. Aber sonst eint sie wohl tatsächlich eher der Erfolg. Mehr als 100.000 Tickets haben Pizzera & Jaus für ihre zweite Tour bereits verkauft. Eine unglaubliche Zahl. Auch die CD-Verkäufe von „Wer nicht fühlen will, muss hören“ gehen auf 30.000 Stück zu. Hinter ihrem Erfolg steckt das Wissen, wie man „Hits schnitzt“ und sehr viel harte Arbeit – auch vom Team im Hintergrund. Nur ein Beispiel: Bei der Wien-Premiere im Globe springt die Agenturchefin höchstpersönlich spontan beim Merchandisingstand ein und verkauft T-Shirts und CDs. Von nichts kommt nichts.

Pizzera und Jaus im Globe Wien. Das nächste Mal spielen sie im April zweimal in der Stadthalle Wien.

Hier ein ausführlicherer Bericht von ihrem zweiten Programm.

Schreiners Fakten-Fake-Kabarett

Die Website von Clemens Maria Schreiner ist gehackt worden. Fake-News-Beiträge und ein Deepfake-Video werden veröffentlicht. Doch wer ist der Täter? War es wirklich ein Hack? Und wer profitiert davon? Schreiners achtes Kabarettprogramm trägt den schlagertauglichen Titel „Schwarz auf Weiß“ und geht diesem Rätsel auf die Spur. Doch Schreiner – bekannt aus der TV- Show „Was gibt es Neues?“ – wirft dem Publikum in seinem Solo noch viel mehr Fragen entgegen und zeigt damit, wie anstrengend Nachdenken geworden ist.

„Beim Personaleingang ins Hirn“
Vor allem in einer Zeit, in der eine Flut an Informationen auf uns einprasselt und das geschriebene Wort dazu einlädt, Wissen und Hirnschmalz auszulagern – etwa auf das Smartphone. Eine gefährliche Entwicklung. Das Gehirn unterscheidet nämlich nicht, ob wir etwas lesen oder denken, behauptet Schreiner: „Was wir lesen, geht beim Personaleingang ins Hirn.“ Fazit: Großes Like! Schreiner bietet ein interaktives und höchst schlaues Fakten-Fake-Kabarett. Mit „Schwarz auf Weiß“ tritt er mehr als 80 Mal in acht Bundesländern auf. Es gibt keine Ausrede, es sich nicht anzusehen.

Clemens Maria Schreiner bei

Daumen hoch für Clemens Maria Schreiners neues Programm „Schwarz auf Weiß“. Am Dienstag war Wien-Premiere im legendären Kabarett Niedermair.

Bauers Pointen-Präsentation

„Wo ist Michi Tschuggnall hin? Was ist in Gummibärli drin? Die Fragen stell ich mir – beim Sex mit dir“, singt Elli Bauer. „Ich habe ein paar Spam-Mails, die dir helfen bei deinem Problem. Die Tür ist gleich hinter dir, wenn du kommst, kannst du gleich gehen.“ In ihrem ersten Solokabarett „Stoffsackerlspruch“ erzählt die Gewinnerin der Kleinkunstkartoffel 2018 über faden Sex, Körperbehaarung („Ich hab allein wegen der Batterien in meinem Schamhaartrimmer eine Biber-Bonus-Card.“),  das „Scheißen“ in freier Natur und den „kalten“ Frauenarztbesuch. Unangenehme Themen also, die die junge Grazerin erfrischend ehrlich und lustig aufbereitet. Elli Bauer ist eine große Liedermacherin, die nebenbei Anekdoten aus ihrem Leben erzählt – von ihrer schottischen Mutter bis zur dementen Oma – und mit viel Sprachwitz Stoffsackerlsprüche hinterfrägt. Fazit: Sehr sympathisch! Große Empfehlung – vor allem für Millennials und Englischlehrer!

Elli Bauer bei ihrer Wien-Premiere von "Stoffsackerlspruch" in der Kulisse

Elli Bauer bei ihrer Wien-Premiere von „Stoffsackerlspruch“ in der Kulisse

Affären und Gelage: Grissemann liest historisches Tagebuch

Samuel Pepys ist für sein Tagebuch berühmt geworden. Er war Beamter des Londoner Flottenamtes im 17. Jahrhundert und hat in Geheimschrift mehrere tausend Seiten geschrieben. Hemmungslos und humorvoll erzählt er von seinen Affären mit den Dienstmädchen, von den nächtlichen Streitereien mit seiner Frau, von der Pest, von Bränden, Trinkgelagen und davon, wie er in fremden Häusern in den Kamin kackt.

Verdauungsprobleme als Begleitmusik 
Im Kabarett Niedermair schlüpft nun Christoph Grissemann in die Rolle des akribischen Tagebuchschreibers. Mit hässlicher Perücke und schöner Radiostimme liest er die besten Tagebuch-Passagen vor. Begleitet wird er vom Klangkünstler Manfred Engelmayr, der seine E-Gitarre mit Staubwedel, Geigenbogen, Schnapsglas und anderen Materialien bearbeitet. Wenn Grissemann von Pepys Verdauungsproblemen erzählt, pfurzt Engelmayr Töne aus der Posaune.

Historisches humorvoll als Hörspiel
So schaffen die beiden ein einstündiges szenisches Hörspiel, das kurzweilig unterhält und äußerst humorvoll-bedrückende Einblicke in die englische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts gibt. Bis Jahresende nur noch dreimal zu sehen!

Grissemann und Engelmayr im Kabarett Niedermair

Conchita Wurst im Doppelpack? Nein, Grissemann & Engelmayr bei ihrer „Samuel Pepys Show“

Eckel redet über Gefühle

Vorstellungen von Klaus Eckel sind voll. Da darf man nicht an Klaustrophobie leiden. (Tusch!) – Auch in seinem neuen Soloprogramm feuert der Wiener alle zwei Sätze eine Pointe ins Publikum. Das erfordert Aufmerksamkeit. Aber die zahlt sich aus. Denn die meisten seiner Gedanken, Wortspiele und Fragestellungen sind lustig und intelligent zugleich. „Wir sind irrationale Wesen. Es gibt viele Menschen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, aber keiner ist es mit seinem Gehirn. Wieso eigentlich? Keiner sagt, da oben könnte ich ein bisschen zunehmen.“ Eckel nennt sein Programm „Ich werde das Gefühl nicht los“ und spricht über Angst, Freude und andere Gefühle, die unser Leben komplett bestimmen. Diese Woche war umjubelte Premiere im Stadtsaal. Fazit: Große Freude!

Wer Eckel sehen will, muss sich bald Karten sichern

Eckel wird das Gefühl nicht los, aber dafür jede Menge Eintrittskarten.