Großes Kino im Kasino

Wer die Möglichkeit hat, sollte schnell zur Burgtheater-Kassa laufen und sich Karten für „Wunschloses Unglück“ von Peter Handke kaufen. Das Publikum im Kasino am Schwarzenbergplatz sitzt vor einer Leinwand und sieht einen Film über eine Frau, die einen minutiös geplanten Selbstmord begeht. Besonders an diesem Film (Regie: Katie Mitchell) ist, dass er unter und hinter der Leinwand live entsteht. Das Publikum kann sich also aussuchen, ob es sich ein Theaterstück, einen Film oder die Entstehung eines Films ansehen möchte. Fazit: Selten erlebt man abseits der Wiener Festwochen so einen faszinierenden Theaterabend. Großartig! Wunschlos glücklich!

Bei "Wunschloses Unglück" wird kein Theaterstück abgefilmt, sondern ein Live-Film gedreht.

Im Kasino wird kein Theaterstück abgefilmt, sondern ein professioneller Live-Film gedreht.

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Langweiliger Liebesdialog von Peter Handke

Die schönen Tage von Aranjuez sind vorbei – ich war vergebens hier„, so ein Zitat aus der Festwochenproduktion von Peter Handke und Luc Bondy (Regie) im Akademietheater. Dieser Satz trifft die Beschreibung des Theaterabends auf den Punkt. Dörte Lyssewski und Jens Harzer führten auf der Bühne einen Sommerdialog über die Liebe – leider einen ziemlich langweiligen. Erst nach fünfundfünzig Minuten schmunzelte das Publikum zum ersten Mal. Ein Lebenszeichen! Ansonsten sah man nur eine konzentrierte Souffleuse in der ersten Reihe, Leute, die genervt die Vorstellung verließen und lang anhaltendes Gegähne – und das, obwohl das Saallicht nie abgedunkelt wurde. Hätte es eine Pause gegeben, wäre wohl die Hälfte des Publikums gegangen.

Dörte Lyssewski (rechts) und Jens Harzer (links) ernten höflichen Applaus

Dörte Lyssewski (rechts) und Jens Harzer (links) ernten höflichen Applaus

Die Dialoge sind stinklangweilig. Man hofft vergebens auf Überraschungen und lässt sich von billigen Gags zum Schmunzeln verleiten. Jens Harzer verkleidet sich als Indianerhäuptling und schaut blöd (Gelächter). Jens Harzer spritzt sich Blut ins Gesicht und auf sein Hemd (Gelächter). Jens Harzer verschüttet Sekt am Gartentisch (Gelächter). Jens Harzer ist Oberkörperfrei (Gegaffe). Das waren die Höhepunkte des Stücks. Leider. Das war die langweiligste Festwochenproduktion der Saison. Respekt verdienen die Schauspieler, die den irrsinnig langen Text gelernt hatten und mit Leidenschaft darboten.

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