Große Fragen der Menschheit

„Es wäre ein Verbrechen, sich den Film nur am kleinen Bildschirm anzusehen“, sagt Oscarpreisträger und Regisseur Stefan Ruzowitzky bei der Premiere seines neuen Werks Narziss und Goldmund im Cineplexx Wienerberg. Immerhin würde der Film „viel Gefühl, große Kinobilder und tolle Schauspieler“ bieten. Heute startet die Verfilmung des Hermann-Hesse-Buchs – trotz massiver Coronavirus-Einschränkungen – in den Kinos. Die Geschichte spielt im Mittelalter, soll aber nichts an Aktualität verloren haben. „Es geht um die großen Fragen der Menschen“, sagt Ruzowitzky. „Wo geht es hin? Was ist Freundschaft? Was ist Liebe? Was ist das Wesen der Frau? Was ist Kunst? Und diese Fragen haben sich wirklich seit dem Mittelalter nicht maßgeblich verändert.“ Hier gehts zum Trailer.

Die beiden Hauptdarsteller Sabin Tambrea und Jannis Niewöhner

Kleinkunst hinter der Bühne

Heute Nacht strahlt ORF III ein Best-of der Ennser Kleinkunstkartoffel aus. Zu sehen sind Auftritte von Marecek & Musner bis Anja Kaller. Nicht zu sehen ist hingegen, was hinter den Kulissen des Kabarettwettbewerbs passiert. Wie bereiten sich die Künstlerinnen und Künstler auf ihre Auftritte vor? Wie gehen sie mit Lampenfieber um?

Ein Gebet zum Wein? Vielleicht hilft es ja für den Auftritt…

Angeblich glauben ja viele, dass im Backstage-Bereich die wildesten Sachen passieren. In Wahrheit knabbern die einen an salzigen Erdnüssen herum, während die anderen konzentriert ihren Text im Nebenkammerl auffrischen. Besonders originell hat heuer Michael Lang die angespannte Zeit bis zum Auftritt genutzt. Seelenruhig hat er vor den anderen Kabarettisten farbenfrohe Origami-Figuren gefaltet. Top: Bei der Kleinkunstkartoffel gibt es kleine Kunst auch hinter der Bühne.

Moderator Clemens Maria Schreiner mit Markus Oswald, Georg Wochinz, Siegerin der Ennser Kleinkunstkartoffel 2020 Anja Kaller, Michael Lang, Wanger Martina, Marecek & Musner

Barfuß am Wiener Opernball

Am Wiener Opernball müssen Männer laut Hausordnung schwarzen Frack tragen. Heuer gab es eine Ausnahme. Die bayrische Blasmusikgruppe LaBrassBanda spielte am Ball zwei Konzerte zu später Stunde – und zwar mit einer Sondergenehmigung. „Zum Auftritt dürfen wir uns eine Lederhose anziehen – also Frack oben, Lederhose unten, und barfuß. Weil wir spielen immer barfuß. Das ist ganz wichtig, weil die schönen Frack-Schuhe und Frack-Hose, die würde es sofort zerreißen, wenn bei uns die Tuba einsetzt“, so Trompeter Stefan Dettl. Das Beweisfoto gibt’s auf Instagram:

Kleidungsvorschrift am Opernball: Langes Abendkleid oder schwarzer Frack

Surreal: John Williams im Wiener Musikverein

Er ist eine Legende und es ist ein großes Glück, dass er noch lebt: John Williams. Der weltberühmte Filmkomponist hat Blockbuster wie Star Wars, Der weiße Hai, Jurassic Park, E.T., Schindlers Liste, Indiana Jones, Harry Potter und viele andere geprägt. 2018 musste er seine Wien-Konzerte wegen Krankheit absagen. Nun konnte sie der bald 90-Jährige nachholen – im Goldenen Saal des Wiener Musikverein mit den Wiener Philharmonikern. Ein unglaubliches Erlebnis und nahezu historisches Ereignis.

Handyfotos waren laut strengem Publikumsdienst ab dem Schlussapplaus erlaubt bzw. geduldet

„Guten Abend, I sprech nix deutsch“, begrüßte Williams am Dirigentenpult gut gelaunt seine international angereisten Fans. Später erzählte er ein paar Anekdoten auf Englisch über Steven Spielbergs „E.T“ und George Lucas‘ „Star Wars“-Filme. Außerdem stellte er die deutsche Stargeigerin Anne-Sophie Mutter vor, für die er einige seiner Werke arrangiert hatte. Mutter spielte großartig, keine Frage. Trotzdem hätte das Publikum bei Stücken wie „Hedwig’s Theme“ aus Harry Potter wohl gerne weniger Sologeige und mehr Orchester gehört. Absolutes Highlight des Konzerts war das weltberühmte Stars-Wars-Thema. Wann hat man schon die Chance, es in so ausgezeichneter Qualität live zu erleben? Allein der Hörner-Klang – ein Traum! Man kann Williams‘ Worte nur unterstreichen: Es ist herrlich, seine Werke von einem Orchester dieses Kalibers zu hören – „without the distraction of the film“.

Fazit: Tosender Applaus für den Maestro! Auch nach fünf Zugaben herrschte ungebrochene Begeisterung!

Ein „Once-in-a-Lifetime“-Moment für Filmmusikfans

Im T-Shirt ins Konzerthaus

In manchen Nächten öffnet das Konzerthaus seinen Keller für junge Bands aus Österreich. Jugendliche begeben sich dann in das ehrwürdige Haus, geben ihre Jacken artig an der Garderobe ab, lassen ihr Bier in einen Plastik-Mehrwegbecher umfüllen, nehmen vom Publikumsdienst verwundert ein Programmheft entgegen und machen sich, wenn es läutet und blinkt, zum verdunkelten Berio-Saal auf. Der Holzboden ist extra mit schwarzen Gummimatten abgedeckt. Um 21.30 Uhr gehen die sogenannten City Sounds-Konzerte los. Am Dienstag traten Naked Cameo auf, die es mit ihrer ersten Single Luddite auf Platz 1 der „Spotify Viral Charts“ geschafft haben. Top: Das Konzerthaus steht für Qualität. Auch bei Popkonzerten im Keller ist der Sound sagenhaft gut.

Der Berio-Saal ist bei den „City Sounds“ fast nicht wiederzuerkennen

Alice Phoebe Lou beim Ahoi!Pop

Mit der südafrikanischen Singer-Songwriterin und Straßenmusikerin Alice Phoebe Lou stand eine musikalische Extraklasse auf der großen Bühne im Linzer Posthof. Die mittlerweile in Berlin lebende 26-Jährige weckt beim Ahoi!Pop-Festival mit ihrem bezaubernden Charme das anfangs doch noch recht schüchterne Linzer Publikum auf und schuf gemeinsam mit ihrer Band den perfekten Soundtrack zum Träumen und Knutschen. Fazit: Voller Soul, Blues, verzerrtem Gitarrensound, starken Texten und ungeheurer Stimmvariation hätte diese gewaltige aber trotzdem sanfte Nacht mit Alice Phoebe Lou gerne ewig weitergehen können.

Endlich einmal ein Konzertabend ohne Smartphones in der Luft: Alice Phoebe Lou im Posthof

Anspieltipps: Walk on the Wild Side und Something Holy

Yared öffnete Wien sein Herz

Ruhige Töne hat es bei der diesjährigen Hollywood in Vienna-Gala gegeben – und zwar wegen des heurigen Preisträgers Gabriel Yared. Der libanesische Komponist, der für seine Musik zu „The English Patient“ 1997 den Oscar bekommen hat, begeisterte mit seinen abwechslungsreichen, völkerverbindenden und intimen Werken – zu Filmen wie The Tourist, Message in a Bottle, Cold Mountain, Troy, Possession, The Lover und viele mehr. Yared spielte selbst am Klavier und „öffnete dem Publikum sein Herz“.  Er wurde dabei von hervorragenden Solisten begleitet. Besonders hervorzuheben ist die 19-jährige Sängerin Eleanor Grant, die mit höchsten Tönen und engelhafter Erscheinung bei „The Talented Mr. Ripley“ und „City of Angels“ Gänsehaut im Wiener Konzerthaus erzeugte.

Der heimliche Star
Im ersten Teil der Gala wurde oscarprämierte Filmmusik der vergangenen Jahrzehnte dargeboten – von Casablanca, über The Wizard of Oz, Star Wars, Forrest Gump, Schindler’s List bis Black Panther  – und das mit Größen wie Broadway-Komponist Marc Shaiman und Popsängerin Judith Hill. Der heimliche Star bei Hollywood in Vienna ist aber alljährlich wohl das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Es sorgt dafür, dass im herrlichen Ambiente und bei der ausgezeichneten Akustik des Konzerthauses symphonische Filmmusik so genial spielt wird, wie wohl nirgendwo sonst auf der Welt. Große Freude!

Hollywood in Vienna 2019

Max-Steiner-Award-Preisträger Gabriel Yared umgeben von Solisten der „Hollywood in Vienna“-Gala – wie Ramon Vargas, Judith Hill, Dirigent Keith Lockhart und Eleanor Grant