Schreiners Fakten-Fake-Kabarett

Die Website von Clemens Maria Schreiner ist gehackt worden. Fake-News-Beiträge und ein Deepfake-Video werden veröffentlicht. Doch wer ist der Täter? War es wirklich ein Hack? Und wer profitiert davon? Schreiners achtes Kabarettprogramm trägt den schlagertauglichen Titel „Schwarz auf Weiß“ und geht diesem Rätsel auf die Spur. Doch Schreiner – bekannt aus der TV- Show „Was gibt es Neues?“ – wirft dem Publikum in seinem Solo noch viel mehr Fragen entgegen und zeigt damit, wie anstrengend Nachdenken geworden ist.

„Beim Personaleingang ins Hirn“
Vor allem in einer Zeit, in der eine Flut an Informationen auf uns einprasselt und das geschriebene Wort dazu einlädt, Wissen und Hirnschmalz auszulagern – etwa auf das Smartphone. Eine gefährliche Entwicklung. Das Gehirn unterscheidet nämlich nicht, ob wir etwas lesen oder denken, behauptet Schreiner: „Was wir lesen, geht beim Personaleingang ins Hirn.“ Fazit: Großes Like! Schreiner bietet ein interaktives und höchst schlaues Fakten-Fake-Kabarett. Mit „Schwarz auf Weiß“ tritt er mehr als 80 Mal in acht Bundesländern auf. Es gibt keine Ausrede, es sich nicht anzusehen.

Clemens Maria Schreiner bei

Daumen hoch für Clemens Maria Schreiners neues Programm „Schwarz auf Weiß“. Am Dienstag war Wien-Premiere im legendären Kabarett Niedermair.

Geheimkonzerte vor dem Weltuntergang

Straßenmusiker darf man nie unterschätzen: Oft zahlt es sich aus, genauer hinzuhören. So wie am Wochenende, als Bach in the Subway-Initiator Dale Henderson gemeinsam mit dem Wiener Philharmoniker Tamas Varga in der U-Bahn-Station Karlsplatz zwei Geheimkonzerte gegeben hat – mehr dazu in Philharmoniker spielt in U-Bahn-Station.

Und auch beim Thema Klimawandel sollte man nicht weghören: „Wird es deswegen bald eine Zimmerpflanzenverordnung geben? Müssen wir irgendwann unsere Hunde aufessen? Wird es eine Revolution geben? Also eine echte – nicht so wie bei den Spülmaschinentabs? „Gut möglich“ sagt Severin Groebner. Mit seinen Szenarien zum Weltuntergang hat er am Wochenende im Kabarett Niedermair Premiere gefeiert – mehr dazu in Groebner: „Wir sind Dreckschleudern“.

Bauers Pointen-Präsentation

„Wo ist Michi Tschuggnall hin? Was ist in Gummibärli drin? Die Fragen stell ich mir – beim Sex mit dir“, singt Elli Bauer. „Ich habe ein paar Spam-Mails, die dir helfen bei deinem Problem. Die Tür ist gleich hinter dir, wenn du kommst, kannst du gleich gehen.“ In ihrem ersten Solokabarett „Stoffsackerlspruch“ erzählt die Gewinnerin der Kleinkunstkartoffel 2018 über faden Sex, Körperbehaarung („Ich hab allein wegen der Batterien in meinem Schamhaartrimmer eine Biber-Bonus-Card.“),  das „Scheißen“ in freier Natur und den „kalten“ Frauenarztbesuch. Unangenehme Themen also, die die junge Grazerin erfrischend ehrlich und lustig aufbereitet. Elli Bauer ist eine große Liedermacherin, die nebenbei Anekdoten aus ihrem Leben erzählt – von ihrer schottischen Mutter bis zur dementen Oma – und mit viel Sprachwitz Stoffsackerlsprüche hinterfrägt. Fazit: Sehr sympathisch! Große Empfehlung – vor allem für Millennials und Englischlehrer!

Elli Bauer bei ihrer Wien-Premiere von "Stoffsackerlspruch" in der Kulisse

Elli Bauer bei ihrer Wien-Premiere von „Stoffsackerlspruch“ in der Kulisse

Hartes Geschäft auf der Straße

Straßenkunst ist ein hartes Geschäft: Die Akrobaten, Musikerinnen und Clowns leben von freiwilligen Spenden. Sie sind auf Plätze angewiesen, an denen sie auftreten dürfen. Sie kämpfen um Wertschätzung und gegen Smartphones. Umso wichtiger sind Feste wie das Buskers Festival am Wiener Karlsplatz. Hier werden sie neben Food-Trucks und Spielplätzen von einem gut gelaunten Familien-Publikum gefeiert. Leider hat am Samstag das Wetter nicht mitgespielt und auch sonst ist ungewiss, wie großzügig das Publikum spendet. Beim Veranstalter scheint jedenfalls bereits der Hut zu brennen. Der Verein bitte auf Plakaten um finanzielle Unterstützung und warnt: „Trotz dem unermüdlichen und ehrenamtlichen Einsatz von rund 60 Mitarbeitern ist die Zukunft des Buskers Festivals Wiens leider nicht gewährleistet.“

Ansprachen auf der Torte

Was hat es mit der Torte auf sich, die seit Wochen vor der Technischen Universität Wien im Resselpark steht? Es handelt sich um eine Plattform für Streitreden. Persönlichkeiten halten darauf anlässlich 100 Jahre Frauenstudium Vorträge zu Themen wie Machtstrukturen und Feminismus. Die Idee dazu hatten die beiden Künstlerinnen Barbara Holub und Christina Hohenbüchler.  Warum eine Torte? Sie erinnert an ein Diagramm für Statistiken und der Zuckerguss steht fürs Schönreden.

Torte vor TU Wien

Die Torte hat auch Karrierestufen – hinauf zum Rednerpult.

Aus Wein wird Vogelgesang

Drei mit Traubenmost gefüllte Glasgefäße sind derzeit bei den Stiegen im Wiener Konzerthaus aufgebaut. Es handelt sich um eine Klanginstallation der Künstler Enrico Ascoli und Hilario Isola. Durch die Gährung des Weins steigt Gas auf, das durch Honig gebunden ist und bei der Gefäßöffnung oben zerplatzt. Dadurch entstehen Geräusche, die wie Vogelgezwitscher klingen. Mit dieser Idee werden die Gäste im Konzerthaus auch in den Pausen in Staunen versetzt.

Wein im Konzerthaus

Die Klanginstallation wird mit Mikrofonen verstärkt

Wenn im Konzert die Sonne aufgeht

„Und Gott sprach: Es werde Licht“. Gerade in diesen kalt-regnerischen Tagen ist die musikalische Botschaft von Joseph Haydns „Schöpfung“ eine sehr willkommene. Am Mittwoch war das berühmte Oratorium im Konzerthaus zu hören. Der Italiener Giovanni Antonini dirigierte sein Originalklang-Ensemble Il Giardino Armonico und den Chor des Bayerischen Rundfunks. Für den Großen Saal war die Besetzung etwas zu klein. Die mächtigen Lobpreise, die die Schöpfung so einzigartig machen, drangen nicht in aller Klangfülle bis ins hinterste Eck vor. Musiziert wurde aber in gewohnt hoher Konzerthaus-Qualität. Und Haydns Erschaffung der Welt macht immer Freude. Wer die Aufführung nachhören will, kann das online tun. Das Konzert wurde von einem deutschen Klassikportal mit zahlreichen Mikrofonen und Kameras aufgezeichnet.

Die Schöpfung im Konzerthaus

Die Solisten Anna Lucia Richter (Sopran), Maximilian Schmitt (Tenor) und Florian Boesch (Bass) zauberten Haydns Bilder gekonnt in die Köpfe des Publikums