Touristen wird die Zunge gezeigt

Eine riesige, gepiercte Zunge hat Alexandra Bircken im Juli neben den teuersten Geschäften Wiens aufgestellt. Die Idee kam der deutschen Künstlerin während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump. Die Aluminium-Skulptur am Graben trägt den Titel „Slip of the Tongue“, was so viel wie „Versprecher“ oder „verbaler Ausrutscher“ bedeutet. Im Mittelalter wurde Lügnern mitunter die Zunge herausgeschnitten. Bircken spießt ihre Zunge mit einem Essstäbchen auf – wie ein Stück Sushi. Mahlzeit!

Alles Lüge? Alexandra Bircken zeigt freche Kunst in der Luxus-Shoppingmeile am Graben

Street-Art-Festival macht Wien schöner

Sieben neue riesige Kunstwerke entstehen gerade auf Wiens Hauswänden. Die Leute vom Street-Art-Festival Calle Libre haben Geld aufgestellt, Farbkübel und Spraydosen besorgt, Genehmigungen eingeholt und Hebebühnen organisiert, damit Street-Art-Künstlerinnen und -Künstler die Stadt wieder ein bisschen schöner machen. Das Thema lautet heuer „Future Perfect“. Bis Freitag kann man den Profis tagsüber beim Sprayen ihrer hoffnungsvollen Zukunftsbilder zuschauen – coronasicher und bei jedem Wetter.

Wiens Space Invaders verschwinden

Einst waren die Pixel-Aliens überall zu sehen – auf Hausmauern, über Straßenschildern, bei Gehsteigen und Brücken. Ein französischer Street-Art-Künstler hat seit 2006 insgesamt mehr als fünfzig Space Invaders in Wien angebracht. Doch jetzt – Jahre nach der erfolgreichen Invasion – verschwinden die kleinen Mosaikwesen wieder, weil etwa Fassaden neu gestaltet werden. Beim Rhiz am Gürtel, bei der Burggasse 130, bei der Annagasse in der Innenstadt und Marxergasse im dritten Bezirk sind sie bereits abmontiert worden. Street-Art ist vergänglich. Bei den Space Invaders ist das sehr schade. Sie laden ein, Wien spielerisch zu erkunden.

Aufregung um Banksy-Ausstellung

Banksy ist einer der berühmtesten Street-Art-Künstler der Welt. In den Wiener Sofiensälen ist mit „The Art of Banksy“ gerade eine nicht autorisierte Ausstellung über den anonymen Briten zu sehen. Die Aufregung darüber ist groß. Darf man das? Werke, die im öffentlichen Raum zu sehen waren als Kopien in ein Museum hängen und dafür Geld verlangen? Noch dazu ohne Erlaubnis des Künstlers? Am Eröffnungstag protestierte jedenfalls ein junger Mann mit Schild vor der Ausstellung. So mancher Besucher mutmaßte: „Du wirst sicher dafür bezahlt, dass du hier stehst.“ Vielleicht sogar von den Ausstellungsmachern? Oder von Banksy selbst? Auch an die Hausmauer der Sofiensäle war ein Protestbild gesprayt worden.

Die Ausstellung selbst zeigt jedenfalls einen guten Überblick über Banksys Werke – unter anderem das weltberühmte „Girl and Baloon“ – das Bild hatte sich bei einer Kunstauktion vor zwei Jahren selbst geschreddert. Die Ausstellung ist nett, aber nicht echt. Street-Art gehört einfach auf die Straße, nicht in Prunksäle. Banksys zumeist politische Botschaften bleiben trotzdem hängen: „If graffiti changed anything – it would be illegal.“

Wien – Stadt der freundlichen Gesichter

Da ist jemand in Wien mit Spraydose unterwegs und macht die Stadt ein bisschen freundlicher – mit lustigen Mäxchen. Vor allem entlang der U4 sind die länglichen Gesichter mit Ohren, Punkte-Nase und drei Haaren zu finden. Der Urheber bleibt verständlicherweise anonym. Nur die Jahreszahl verrät, dass er schon länger seiner Mission nachgeht. Man kann diese bunten Graffiti-Tags natürlich als Schmiererei, Sachbeschädigung oder freche Markierung sehen. Oder man lächelt zurück.

Das Lächeln fehlt „Graffiti-Kollegen“ wie Puber, King und Co..

Streetart mit Mund-Nasen-Schutz

Graffiti-Sprayer tragen bei ihrer Arbeit schon länger Masken. Seit der Coronavirus-Pandemie ist der Mund-Nasen-Schutz auch in der Kunst selbst angekommen. Beim MuseumsQuartier in Wien etwa sind aktuelle Werke von Wiener Künstlerinnen und Künstler auf großen Planen zu sehen. Sogar Jesus und Maria tragen hier Masken. Unter dem Motto „Alles wird gut“ soll die Kunst in „Zeiten einer sozialen Distanzierung und des totalen kulturellen Shutdowns“ Hoffnung verbreiten.

Jesus und Maria – von Kurator Sebastian Schager (artis.love)
„Alles wird gut „- trotz allgegenwärtigem Mund-Nasen-Schutz

Der Kuss von der Straße

Es ist das berühmteste und berührendste Kunstwerk von Gustav Klimt – und nicht nur im Oberen Belvedere zu sehen! Auch in der Hernstorferstraße 12 in Wien-Penzing gibt es einen „Kuss“ – und zwar auf einer Hausmauer. Noch vor wenigen Jahren soll es an dieser Stelle ein Klimt-Restaurant gegeben haben. Heute erinnert nur noch die ansonsten oft so vergängliche Straßenkunst daran.
Top: Gratis zu sehen – ohne Timeslot und ohne Touristen!

Der Kuss - nach Gustav Klimt. Noch schöner natürlich, wenn der Zeitungsständer abmontiert ist...

Der Kuss nach Gustav Klimt. Noch schöner, wenn der Zeitungsständer abmontiert ist.

The Kiss Streetart in Vienna

Die Liebe steckt im Detail. Gold sucht man bei diesem Straßen-Liebespaar aber vergeblich.

Wiens 20 schönste Street-Art-Wände

Die Stadt als Museum und Gebäude als Gemälde: Wer in Wien die Augen offen hält, kann dank Street-Art-Festivals wie Calle Libre riesige, professionelle Kunstwerke entdecken. Hier eine nicht vollständige Liste von Wiens schönsten Murals (Wandmalereien) und ein Video, das Simon Engl geschnitten und Simon Öggl vertont hat.  Viel Spaß und Freude am Entdecken!

 

Richard-Waldemar-Park

Ort: Richard-Waldemar-Park, Künstler: Stinkfish

Yppenplatz

Ort: Yppenplatz, Künstler: Annatomix

Wiedner Hauptstraße

Ort: Wiedner Hauptstraße. Künstler: Kruella D’Enfer (r.)

Strohgasse

Ort: Strohgasse, Künstler: Artez

Schönbrunner Straße

Ort: Schönbrunner Straße; Künstler: Alfalfa

Richard-Waldemar-Park

Ort: Richard-Waldemar-Park, Künstler: Mantra

Brückengasse

Ort: Brückengasse, Künstler: Nychos

Quellenstraße

Ort: Quellenstraße, Künstler: Nychos

Magdalenenstraße

Ort: Magdalenenstraße, Künstler: Evoca1

Ludwig-Hirsch-Platz

Ort: Ludwig-Hirsch-Platz, Künstler: Zesar Bahamonte

Josef-Strauss-Park

Ort: Josef-Strauss-Park, Künstler: Frau Isa

Hornbostelgasse

Ort: Hornbostelgasse, Künstler: Jana & JS

Gierstergasse

Ort: Gierstergasse, Künstler: Jana & JS

Felberstraße

Ort: Felberstraße, Künstler: Cyrcle , Gaiastreetart

Emil-Maurer-Park

Ort: Emil-Maurer-Park, Künstler: Milu Correch

Brunnenmarkt

Ort: Brunnengasse, Künstler: BEZT – ETAM CRU

Breitenseer Straße

Ort: Breitenseer Straße, Künstler: Colectivo Licuado

Braunhirschenpark

Ort: Braunhirschenpark, Künstler: veraprimavera

Andreasgasse

Ort: Andreasgasse, Künstler: Millo

Amerlingstraße

Ort: Amerlingstraße, Künstler: ROA

Noch ein Tipp: Einen aktuellen Überblick über Wiens Street-Art bietet Vienna Murals.

Wiener Kirche mit Lego „saniert“

Die Canisiuskirche am Alsergrund ist sanierungsbedürftig. Das zeigt nicht nur die steinerne Petrus-Statue, die aus Sicherheitsgründen abgebaut werden musste und jetzt im Pfarrgarten liegt. Davon zeugt auch die bröckelnde Kirchenmauer. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat der Berliner Street-Art-Künstler Jan Vormann gemeinsam mit Kindern einige Fassadenrisse mit Lego-Steinen saniert.  Leider fehlen inzwischen schon einige Teile. Bei Street-Art handelt es sich eben um vergängliche Kunst.

Legosanierung Jan Vormann

„Wind und Kinder“ bezeichnet „Denkmalpfleger“ Jan Vormann als Gefahr für Lego-Kunst.

Legosanierung Jan Vormann2

Mehrere Kilo an Legosteinen sind in der Kirche verbaut worden.

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

Tapetenwechsel mit Streetart

Freundliche Figuren in Schwarz-Weiß sind das Markenzeichen des Künstlers und Illustrators Millo. Weltweit malt der Italiener sie auf Hauswände. Ein Kunstwerk mit dem Titel „Unsticker“ wurde 2015 an einem Wochenende für das Calle Libre– Festival in Wien gemalt. Es lädt mit vielen Details zum Entdecken ein und erinnert damit an ein Wimmelbild aus Kinderbüchern. Praktischerweise befindet sich das Wandbild in der Andreasgasse neben einem Spielplatz.

„Unsticker“ von Millo. Hier wird ein Sticker abgelöst…

Buchtipp:Pater Martin“ – Kurzgeschichten über Österreichs lustigsten Franziskaner. Drei Bücher von Florian Kobler. Erschienen im Freya Verlag.