Über den Dschungel zur Trompete

Er ist gebürtiger Londoner, 49 Jahre alt und spielt Trompete bei den Vereinigten Bühnen Wien. Am 28. Oktober ist Aneel Soomary live mit Pro Brass in der Stadthalle Enns zu hören. Im Alter von zehn Jahren hat Aneel Soomary „Das Dschungelbuch“ im Kino gesehen. „Da gibt es eine Szene, in der Mogli von Affen entführt wird. Balu der Bär und Bagheera der Panther versuchen ihn wieder zurückzubringen. Da hab ich beim Lied ‚I Wan‘na Be Like You‘ die Trompete gehört – und war sofort gefesselt. Für mich ist nichts anderes in meinem Leben mehr infrage gekommen, als Trompeter zu werden.“ Seit zwanzig Jahren lebt Aneel nun schon in Wien, er spielt neben vielen anderen Musikprojekten hauptsächlich Trompete im Ronacher und Raimundtheater. Dort gibt er aktuell bei Musicals wie Evita und Schikaneder den Ton an.

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Trompeter Aneel Soomary von Pro Brass

Keine Mauer zwischen Jazz und Klassik

Seit vielen Jahren ist er auch beim oberösterreichischen Blechbläser-Ensemble Pro Brass im Einsatz. „Ich genieße diese Zeit ohne Ende. Pro Brass ist musikalisch gesehen die größte Herausforderung für einen Blechbläser. Die Musik ist extrem vielseitig. Es gibt keine Mauer zwischen Jazz und Klassik. Und die Moderation ist voll trockenem Humor, manchmal auch ein bisschen politisch und gesellschaftskritisch.“ Pro Brass-Konzerte wie das kommende in Enns empfiehlt er allen, die den „Blechbläser-Klang“ lieben.

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Aneels Grimassen mit dem Klostopfer

Aneel Soomary ist bei den Shows auch für den einen oder anderen Spaß zu haben. Er steckt sich beispielsweise gern seinen Trompetendämpfer – den so genannten Plunger – in den Mund und schneidet damit lustige Grimassen. “Das ist ja eigentlich ein Klostopfer, nur ohne Stock. Aber keine Angst, der war vorher nicht am Klo im Einsatz.“

Dieser Text ist auch in der Wochenzeitung „Ennser Tips“ erschienen. 

Ablästern im Volkstheater

[von Bernhard Kobler] Das Volkstheater hat seine Pforten wieder geöffnet und beweist mit Molieres Komödie „Der Menschenfeind“, dass sich der Besuch wieder lohnt. Regisseur Felix Hafner versteht es, den 300 Jahre alten Stoff modern und mit viel Komik auf die Bühne zu bringen. „Menschenfeind“ Alceste, gespielt von Lukas Holzhausen, will immer die Wahrheit sagen, die natürlich niemand hören will. Gerade deshalb hat es der Protagonist sehr schwer, in seiner Welt voller Heuchler und Falschheit. Kaum verlässt eine Figur die Szene, wird schamlos abgelästert.

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Auf der Volkstheaterbühne wird gelästert und geschimpft.

Der durchwegs gereimte Text wirkt zunächst irritierend, wird aber nach kurzer Zeit zum wichtigen Element für den schnellen und kurzweiligen Rhythmus – und sorgt durch charmante Wortwitze für viele Lacher. Auch der Blick auf die gereimten, englischen Obertitel lohnt sich. Nach rund 90 Minuten ist der Spaß vorbei, bei dem jeder verliert, nur nicht der Theatergast. Eine Ode an die Falschheit!

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Eine Operette in schwarz-weiß

Gebundene Hände, das ist das Ende, jeder verliebten Passion“ , singt Hollywood-Diva Gloria Mills in Ralph Benatzkys „Axel an der Himmelstür“. Die Operette mit den vielen bekannten Schlagerhits ist derzeit an der Wiener Volksoper zu sehen – und zwar komplett in schwarz-weiß. Vom Bühnenbild bis zu den Sängern ist alles in Graustufen gehalten. Das Satirestück mit Wien-Bezug funktioniert generell wie ein lustiger Stummfilm – samt Slapstick, Montagetricks und echtem Orchester. Zusätzlich wird das gerade moderne Whiteboard, das man aus YouTube-Erklärfilmen kennt,  effektvoll eingesetzt. Fazit: Erstaunlich wie unterhaltsam eine alte Operette inszeniert werden kann. Ein wirklich vergnüglicher Abend in der Volksoper. Sehen- und hörenswert!

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Farbe gibts erst nach dem Schlussapplaus.

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Pixelkunst in der Albertina

„Was damals der Punkt war, ist heute der Pixel“ – und damit ist schon das Wichtigste über die neue Herbstaustellung #SeuratSignacVanGogh in der Albertina gesagt. Gezeigt wird farbenfroher Pointillismus, also Kunst, die aus vielen kleinen Punkten besteht. Damit sich das möglichst viele Menschen aus nächster Nähe ansehen, hat das Bundesmuseum zur ersten Social Conference geladen. Yeah! Mit dabei waren zahlreiche „hippe“ Instagramer und Twitteranten – und natürlich kulturblogger.at! Top:  Für ein bisschen Show und Glamour sorgte ein Bodypainting-Model, das die Kunst hautnah zeigte ;-).

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Pfeifkonzert im MuseumsQuartier

Er ist ein schräger Vogel, dieser Nikolaus Habjan. Vielen kennen ihn als Puppenspieler, weniger bekannt ist seine musikalische Karriere als Kunstpfeifer. Am Samstag hat er gemeinsam mit dem Pianisten Daniel Nguyen zu einem Open-Air-Pfeifkonzert ins MuseumsQuartier geladen. Dargeboten wurden Opernklassiker wie „La Donna E Mobile“ (Rigoletto), „Der Hölle Rache“(Die Zauberflöte) oder Nessun Dorma (Turandot). Und weil das Publikum so still war, konnten alle im Kreis rundherum sein virtuoses Pfeifen bestens hören. Das Konzert regte außerdem oft zum Schmunzeln an. Weil ein Solist mit Dauer-Duckface und weißen Sportschuhen einfach lustig aussieht, und weil ein gepfiffenes Liedchen einfach Unbeschwertheit und Fröhlichkeit vermittelt. Außerdem top: Beim Konzert wurden Spenden für Flüchtlinge gesammelt.

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Nikolaus und Daniel bei Open Piano for Refugees

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Für gut befundene Künstler

„Es ist auch bei uns nicht alles optimal gelaufen“ – soll Kaiserenkel Karl Habsburg zum Ausgang des ersten Weltkriegs gesagt haben. Mit diesem Zitat startet „Der allerletzte Tag der Menschheit“ von Hosea Ratschiller und dem Duo RaDeschnig.  Das Stück wird heuer mit dem Österreichischen Kabarettpreis  – Sparte Programmpreis – ausgezeichnet. Der Hauptpreis geht an Thomas Maurer für sein Werk „Der Tolerator“. Der 49-Jährige feiert bei einem Gläschen Wein. „Als junger Mensch habe ich eher Bier getrunken, weil der Wein in Wien nicht zum Saufen war, zumindest nicht in Lokalen, die man sich leisten konnte.“

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Haderer, Eckhart, Maurer, RaDeschnig, Ratschiller

Inzwischen ist der Wein für Maurer interessant geworden – vor allem wegen des Geschmacksträgers Alkohol. Um ausgiebig verkosten zu können, drehte er kürzlich eine siebenteilige TV-Serie mit dem Titel „Warum Wein„. Warum? Warum nicht! „Gegen das Gschiss, das in Asien um Tee gemacht wird, ist das Gschiss,  das wir Westler um Wein machen, lächerlich.“ Neben Poetry-Slammerin Lisa Eckhart (Förderpreis) wird auch Karikaturist Gerhard Haderer (Sonderpreis) ausgezeichnet. Der 65-Jährige kommentiert mit seinen Zeichnungen kritisch und unterhaltsam aktuelle Entwicklungen – besonders auch im monatlichen Schundheff Moff. Unbedingt abonnieren!

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Der kreative Kopf von Pro Brass

„Ich bin ein ewig Suchender“, sagt Alfred Lauss-Linhart über sich selbst. Der 66-jährige Oberösterreicher leitet das international bekannte Ensemble Pro Brass. Die Musik begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Er spielte Posaune bei der Militärmusik in Ebelsberg und studierte an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Das Komponieren und Arrangieren brachte er sich selbst bei. Zu seinen Werken gehören neben Orchesterwerke auch Hörspiele und Theatermusik. Seiner Tätigkeit geht Lauss-Linhart am liebsten in seinem Haus, in der 800-Seelen-Gemeinde Schiedlberg in der Nähe von Sierning nach. „Eine wunderschöne Landgegend“, wie er sagt. „Hier hab ich es ruhig.“ Seine Ideen schreibt er in einem schönen, hellen Raum mit Computer, Klavier und großen Fenstern, die einen Blick auf die Natur zulassen, auf. Seine größte Leidenschaft fließt in das Projektensemble Pro Brass, das seit 1983 in unterschiedlicher Besetzung besteht, und jedes Jahr unter anderem rund sechs Konzerte gibt.

Solisten aus Spitzenorchestern

„Die Musiker kommen kurz vorher zusammen und gehen danach wieder auseinander. Es gibt einen Stamm an Musikern, die Zeit haben und gerne mitspielen. Das können sie nicht wegen des Geldes tun, da müssten sie woanders spielen, sondern sie tun das wegen der Musik. Es sind alles Leute, die in großen Orchestern spielen und sich diese Woche, in der die Konzerte stattfinden, freihalten. Heuer spielt etwa Walter Vogelmayr, der erste Posaunist der Wiener Symphoniker mit.“ Lauss-Linhart gründete mit AtemMusik auch einen eigenen Verlag und ein Label. „Es gibt viele, die die Noten von Pro Brass kaufen wollen, damit sie den Originalsound selbst spielen können.“ Es gibt auch CDs von den Programmen, die bestellt werden können, aber hauptsächlich bei den Konzerten verkauft werden.

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Alfred Lauss-Linhart leitet das Ensemble Pro Brass (c) Manfred Übelbacher

Sehen, um zu hören

Im Herbst präsentiert Pro Brass das neue Programm „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“. Was die Besucher dabei erwartet, möchte Lauss-Linhart nicht verraten. Geboten werde „enttrivialisierte Blasmusik mit Monotonie-Intoleranz“, erklärt der Musiker mit einem verschmitzten Lächeln. Aber da das keiner versteht, könne man auch sagen: „Musik mit Blechbläsern aus verschiedenen Epochen – und sehr viele eigene Titel und Arrangements. Pro-Brass-Fans kommen bestimmt auf ihre Kosten.“ Und für die anderen zitiert Lauss-Linhart am liebsten den Satz eines Journalisten: „Sie müssen Pro Brass gesehen haben, damit sie Pro Brass gehört haben.“ Oder so. Am 28. Oktober tritt Alfred Lauss-Linhart mit Pro Brass um 19.30 Uhr in der Stadthalle Enns auf. Karten für das Konzert gibt es in allen Raiffeisenbanken in Oberösterreich.

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Pro Brass bei ihrem ersten Konzert in Enns (c) Manfred Übelbacher

(Dieser Text ist am 24. August in der Ennser BezirksRundschau erschienen.)

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Tanz auf der Orgel

Sie sind das Traumpaar der österreichischen Orgelszene – Maria Grillenberger (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) und Marco Paolacci (Stiftskapellmeister in Zwettl). Am Sonntag gaben die beiden ein vierhändiges Orgelkonzert der Extraklasse im Linzer Mariendom. Am Programm standen Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, Max Reger und Jean Langlais. Absoluter Höhepunkt: Das Orchesterstück Danse Macabre von Camille Saint-Saens – gespielt auf der Orgel. Ein Erlebnis!

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Kardinal auf der Life-Ball-Bühne

Was war das für ein Moment, als Kardinal Christoph Schönborn am Freitag plötzlich auf der Bühne des Red Ribbon Celebration Concert im Burgtheater stand. Es war der Abend, an dem auch die Lange Nacht der Kirchen stattfand. Der Kardinal nahm sich dennoch Zeit, mit roter Schleife eine Rede für den Life Ball zu halten. Er sprach davon, Vorurteile abzubauen, dass es um Menschen geht und darüber, wie wertvoll das Gespräch ist. Ein starkes Signal. Doch auch sonst hatte das Konzert viel zu bieten: Der Auftritt von Anna Netrebko,  das Barockorchester Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck, aber auch das Duett „That’s What Friends Are For“ von Dionne Warwick und Cheyenne Elliott. Einziger Wehrmutstropfen: Die zwar emotionale, aber leider unvorbereitete und viel zu lange Dankesrede von Life-Ball-Chef Gery Keszler. Ansonsten jedoch ein Top-Konzert, eine Aneinanderreihung von Highlights.

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Top: Das Bühnenbild und die Visuals der Videokünstler Opium Effect

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„Idealer Gatte“ als Russland-Satire

Warum setzen sich Ende Mai tausende Menschen in Wien freiwillig in eine dunkle Halle und sehen sich dort ein vierstündiges Theaterstück – auf Russisch mit deutschen Untertiteln – an? Schuld sind die Wiener Festwochen: Am Programm steht der „Der ideale Gatte“, eine Produktion des  Tschechow Künstlertheaters Moskau. In Konstantin Bogomolovs Fassung spielt Oscar Wildes Komödie jedoch nicht in London, sondern in Russland. Auch die Geschichte weicht vom Original ab: Ein schwuler Schlagerstar hat eine Beziehung mit einem Minister – und wird mit einem Sexvideo erpresst.

Bogomolov kritisiert mit seinem Stück die offizielle russische Einstellung zur Homosexualität, die Korruption, den Nationalstolz, die reiche Gesellschaft, die Olympischen Spiele in Sotschi, den Kreml. Es ist eine Inszenierung, die Politiker in Russland angeblich gerne verbieten würden, aber aufgrund des großen Erfolgs beim Publikum nicht können. Auch in Wien sitzen sehr viele Russen im Publikum.

Der Ideale Gatte

Applaus für ein mutiges Ensemble im MuseumsQuartier

Keine Frage, vier Stunden sind eine lange Zeit. Aber die Schauspieler spielen hervorragend. Stück sowie Inszenierung sind zudem äußerst unterhaltsam: Es wird getötet, gesungen und amerikanische Popmusik gespielt, es wird auf der Bühne mitgefilmt und live auf Leinwand übertragen, es gibt Rückblenden, Videoeinspielungen und skurrile Werbeunterbrechungen. Zusätzlich wird die Geschichte mit Anspielungen, Zitaten und Kommentaren aus „Faust“, „Romeo und Julia“, „Drei Schwestern“ und „Dorian Gray“ aufgepeppt.  Zwei Zitate, die in Erinnerung geblieben sind: „Frauen sind ein dekoratives Geschlecht“ (Oscar Wilde) oder „Frauen inspirieren uns zu großen Dingen und hindern uns dann, sie auszuführen“ (Alexandre Dumas der Jüngere). Fazit: Ein unkorrekter, böser, hochpolitischer Theaterabend, der jede Menge Spaß macht.

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