Christoph Fritz hat mit seinem „sehr schwarzen Humor“ den Kabarettwettbewerb „Ennser Kleinkunstkartoffel“ gewonnen. Der niederösterreichische Nachwuchskabarettist ist erst 22 Jahre alt, was sich aber „laufend ändere, fast jährlich“. Er hat Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung studiert, „was ein Euphemismus ist für: Ich habe keine echten Leidenschaften in meinem Leben und will einfach viel Geld verdienen.“ Viel zu berichten weiß er auch über seinen Heimatort „Kaffhausen am Wagram“. Die Leute dort sollen außerordentlich tolerant sein. „Solange du einigermaßen männlich, weiß, österreichisch, heterosexuell, nicht kleinwüchsig, nicht zu dick und nicht zu dünn, aber auch nicht dumm, nicht zu intelligent und auch kein Moslem, Atheist, Buddhist, Hinduist, Grüner oder Veganer bist… Und generell lässt es sich empfehlen, das Alkohol- und Cholesterinlevel konstant im lebensgefährlichen Bereich zu halten.“
Christoph Fritz spielt den schüchternen, aber bitterbösesn Bubi
Vocaftief – die sympathischte Boyband des Landes – hat zu Maria Empfängnis gemeinsam mit dem VocalEnsemble Carnica zu einem exklusiven Weihnachtskonzert in die Wiener Klaviergalerie geladen. Die sieben Burschen haben Weihnachtslieder a capella und ohne jeglichen Kitsch zum Besten gegeben. Höhepunkt war ein eigenes Arrangement des Céline-Dion-Klassikers „Don‘ Save It All for Christmas Day“ mit einem engelhaften Solo von Daniel Nguyen. Bleibt zu hoffen, dass es bald ein Vocatief-Album gibt. Bis dahin müssen sich Fans mit Liveaufnahmen auf Soundcloud und YouTube trösten.
Sieben Männer, sieben Stimmen: Vocatief im Kaisersaal
Frauen über 40 sind „esoterisch verwundbar“, sagt Pepi Hopf. Sie kaufen plötzlich aus Alufolie gebastelte Spiralen, um böse Handystrahlen abzufangen. Aber auch Männer sind Hosenscheißer – etwa, wenn sie auf fremde Klos gehen müssen. Oder sie haben Angst vor langen Wörtern. Das nennt man Hippopotomonstrosesquippedaliophobie. „Wer das Wort aussprechen kann, ist auch schon geheilt“, meint Hopf.
Pepi Hopf kochte für seine Gäste im Kabarett Niedermair Krautsuppe. Für die „Angstfreien“ gab es Ei-Aufstrich-Brote.
Der 46-jährige Kabarettist nimmt sich in seinem neuen Programm „Der Seelentröster“ dem allgegenwärtigen Thema „Angst“ an. Er sitzt dabei auf einem Barhocker und erzählt scheinbar locker lässig Anekdoten aus seinem Leben, von seiner Familie, aus seinem Heimatdorf. Doch das Programm ist gut durchdacht und behandelt eigentlich das Leben – und wie man es meistern kann. Denn „Zu Tode gfurchten is a gstorben.“ Im Kabarett zu sitzen ist übrigens ungefährlich. Laut Google-Suche ist noch kaum jemand vor Lachen gestorben. Beim Premieren-Publikum von Pepi Hopf war es aber knapp.
„Bald fang ich wieder an zu kiffen, da freu ich mich schon drauf…“, sang Dota am Sonntag lächelnd im Chaya Fuera. „…In einer Woche vielleicht, oder in zwei, oder gar nicht, naja muss ja nicht sein.“ Die deutsche Songwriterin tanzte, stand und saß mit großem Babybauch auf der Bühne und spielte Songs aus ihrem aktuellen Album „Keine Gefahr“ wie Rennrad oder Grenzen – aber auch viele ältere Nummern wie Geld verdirbt den Charakter, Aber hey! und Utopie (mit dem wunderbaren Zitat: „Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei“). Fazit: Dota gehört wohl zu den besten Liedermacherinnen im deutschsprachigen Raum – und würde sich in Wien mehr Publikum und größere Locations verdienen. Mindestens das Konzerthaus!
…lautet die Schlagzeile der Gratiszeitung. Und was sagt die Friseurin zur lesenden Kundin? „Das muss man erst einwirken lassen.“ Hosea Ratschiller und das Duo RaDeschnig haben für ihre musikalisch-szenische Lesung „Der allerletzte Tag der Menschheit (Jetzt ist wirklich Schluss!)“ gerade den Österreichischen Kabarettprogrammpreis gewonnen. Völlig zurecht. Denn Ratschiller ist ein hervorragender Erzähler, der gekonnt in mehr als vierzig Rollen schlüpft. Birgit und Nicole Radeschnig liefern den passenden Soundtrack dazu – unter anderem mit Klavier und Klarinette. Und dann kommt noch der Text: Karl Kraus in der Jetztzeit. Viele kurze, böse Szenen, die immer mehr miteinander verschmelzen. Tipp: Das Stück live ansehen, notfalls den CD-Mitschnitt kaufen. Es lohnt sich! (YouTube-Trailer)
Damit auch der „Slow Joe in the last row“ versteht, worum es eigentlich geht.
„Der Friseur wäscht mir die Haare, die Zeitschrift mein Gehirn“- mit Gedanken wie diesen und einer sympathisch-professionellen Bühnenshow hat Jungkabarettistin Franziska Singer den Goldenen Neulingsnagel 2016 gewonnen. Die 30-jährige Schauspielerin, die „nicht an Befindlichkeiten glaubt“ und in ihrem Alter für Männer eine „Babytretmine“ darstellt, konnte sich gegen starke Konkurrenz – bestehend aus Christoph Fritz, Isabel Meili und Markus Bittner – beim Kabarettwettbewerb im Theater am Alsergrund durchsetzen. Die Begründung der Jury: „Franziska Singer erzeugt die richtigen Bilder im Kopf.“ Ihre Darbietung war „zu Ende gedacht“. Zu sehen ist die Preisträgerin regelmäßig im Schubert Theater – und bestimmt auch bald im Kabarett.
Es ist die Geschichte von Franz, der im Altersheim auf seinen Tod wartet. Der besucht ihn immer wieder, nimmt ihn aber nicht mit. Er spielt lieber Karten und Schach mit dem 82-jährigen pensionierten Lehrer. So der Inhalt von BlöZingers neuem Stück „bis morgen“. Die beiden Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzinger erzählen diese Geschichte mit lediglich drei Stühlen auf der Bühne. Und dennoch wird das Publikum in den Wilden Westen entführt, geht Fallschirmspringen oder erlebt ein Rollator-Rennen. Kopfkino vom Feinsten – mit perfektionierter Pantomime, pointenreichen Dialogen („Oben fit und unten dicht, mehr wünscht man sich im Alter nicht.“) und Keyboard-Musik, die mitunter an Josef Hader erinnert. Fazit: Ein fantasiereiches Erlebnis!
Weltberühmt – das Bild von Marilyn Monroe mit dem hochwehenden, weißen Kleid – eigentlich ein Werbefoto für den Film Das verflixte 7. Jahr. Die Albertina zeigt in ihrer neuen Austellung „FilmStills“ 130 solcher berühmter Fotos. Sie wurden zwischen 1902 und 1975 abseits der Filmsets extra von Fotografen hergestellt, um den jeweiligen Film zu bewerben. Auffallend ist, dass Frauen und Verführung dabei eine große Rolle spielten, wie die folgenden Bildbeispiele zeigen. Fazit: „Sex sells“ heute wie damals.
Berlin – Symphony of a Great City (Walter Ruttmann)
Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.
Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.
Löffel-Walross Walter Voglmayr
Keine Grenzen bei Blasmusik
Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.
Suche nach der Pro Brass-Wolke
„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“
Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.
Er ist Solist beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien, hat Deutsch beim Biertrinken mit Freunden gelernt und spielt beim Pro Brass-Konzert am 28. Oktober in der Stadthalle Enns das erste Horn. Wir haben Péter Keserü beim Proben getroffen.
Péter Keserü, geboren und aufgewachsen in Ungarn, wusste schon mit zehn Jahren, dass er in seinem Leben nur Musiker werden möchte. Die ersten Auftritte spielte er als Dreijähriger. Dabei trommelte er mit Löffeln auf Schuhschachteln herum – und stellte die Nerven seiner Eltern auf die Probe. In der Musikschule wollte Péter entweder das größte oder das kleinste Instrument lernen, also die Tuba oder die Trompete. Doch sein Lehrer drückte ihm das Horn in die Hand. „Das war zuerst eine gewisse Enttäuschung, aber im Nachhinein bin ich ihm sehr dankbar.“ Vor allem, weil der heute 39-Jährige seither sehr gefragt ist. Gute Hornspieler gibt es nämlich selten: „Das Instrument ist sehr lang und der Tonumfang sehr groß. Dazu kommt, dass im oberen Tonbereich die Naturtöne sehr eng beisammen liegen. Die Gefahr, dass ein Gickser herauskommt, ist hoch. Deshalb darf man beim Hornspielen nicht zu viel nachdenken. Das ist sehr gefährlich.“
Péter Keserü – für jeden Spaß zu haben 😉
Seit 13 Jahren musiziert Péter in Österreich, zuerst als erster Hornist beim Bruckner Orchester Linz, danach beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien. In seiner Zeit in Oberösterreich lernte er den Pro Brass-Posaunisten Gerald Pöttinger kennen. „Nach den Diensten hatte ich immer wieder Deutschkurse bei ihm zuhause. Oft waren wir auch gemeinsam unterwegs. Man kann die Sprache ja nicht nur von Büchern lernen – sondern auch mit Kneipen und Bier.“ 2007 trat er erstmals gemeinsam mit Pro Brass auf. Seither ist er dabei und spielt das erste Horn. „Keinen Nachschlag, weil Märsche nicht unbedingt das Kerngeschäft von Pro Brass sind. Aber in diesem Ensemble gibt es keine Grenzen, also spiele ich auch Nachschlag, wenn das gewünscht ist.“
„Wir dürfen da auch laut spielen!“
Für die Spitzenmusiker von Pro Brass ist die „Crossover-Blechblasmusik“ des mehr als 30-jährigen Projektensembles eine willkommene Abwechslung. Die Bläser, die fast alle von der Klassik kommen, sagen über Pro Brass erfreut: „Wir dürfen da auch laut spielen!“ Péter ergänzt: „Das stimmt. Aber auch leise. Es ist vieles erlaubt. Dazu kommt beim Konzert eine Geschichte, ein bisschen Theater und Kabarett. Das kann man gar nicht beschreiben, das muss man einfach live erleben.“
Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.