Mit Baby im Bauch auf Tour

„Bald fang ich wieder an  zu kiffen, da freu ich mich schon drauf…“, sang Dota am Sonntag lächelnd im Chaya Fuera. „…In einer Woche vielleicht, oder in zwei, oder gar nicht, naja muss ja nicht sein.“ Die deutsche Songwriterin tanzte, stand und saß mit großem Babybauch auf der Bühne und spielte Songs aus ihrem aktuellen Album „Keine Gefahr“ wie Rennrad oder  Grenzen  – aber auch viele ältere Nummern wie Geld verdirbt den Charakter, Aber hey! und  Utopie (mit dem wunderbaren Zitat: „Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei“). Fazit: Dota gehört wohl zu den besten Liedermacherinnen im deutschsprachigen Raum – und würde sich in Wien mehr Publikum und größere Locations verdienen. Mindestens das Konzerthaus!

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Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

„Kommt jetzt der Weltkrieg?“

…lautet die Schlagzeile der Gratiszeitung. Und was sagt die Friseurin zur lesenden Kundin? „Das muss man erst einwirken lassen.“ Hosea Ratschiller und das Duo RaDeschnig haben für ihre musikalisch-szenische Lesung „Der allerletzte Tag der Menschheit (Jetzt ist wirklich Schluss!)“ gerade den Österreichischen Kabarettprogrammpreis gewonnen. Völlig zurecht. Denn Ratschiller ist ein hervorragender Erzähler, der gekonnt in mehr als vierzig Rollen schlüpft. Birgit und Nicole Radeschnig liefern den passenden Soundtrack dazu – unter anderem mit Klavier und Klarinette. Und dann kommt noch der Text: Karl Kraus in der Jetztzeit. Viele kurze, böse Szenen, die immer mehr miteinander verschmelzen. Tipp: Das Stück live ansehen, notfalls den CD-Mitschnitt kaufen. Es lohnt sich! (YouTube-Trailer)

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Damit auch der „Slow Joe in the last row“ versteht, worum es eigentlich geht.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Neulingsnagel für Franziska Singer

„Der Friseur wäscht mir die Haare, die Zeitschrift mein Gehirn“- mit Gedanken wie diesen und einer sympathisch-professionellen Bühnenshow hat Jungkabarettistin Franziska Singer den Goldenen Neulingsnagel 2016 gewonnen. Die 30-jährige Schauspielerin, die „nicht an Befindlichkeiten glaubt“ und in ihrem Alter für Männer eine „Babytretmine“ darstellt, konnte sich gegen starke Konkurrenz – bestehend aus Christoph Fritz, Isabel Meili und Markus Bittner – beim Kabarettwettbewerb im Theater am Alsergrund durchsetzen. Die Begründung der Jury: „Franziska Singer erzeugt die richtigen Bilder im Kopf.“ Ihre Darbietung war „zu Ende gedacht“. Zu sehen ist die Preisträgerin regelmäßig im Schubert Theater – und bestimmt auch bald im Kabarett.

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Franziska Singer und Jury-Mitglied Pepi Hopf

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

BlöZingers Spiel mit dem Tod

Es ist die Geschichte von Franz, der im Altersheim auf seinen Tod wartet. Der besucht ihn immer wieder, nimmt ihn aber nicht mit. Er spielt lieber Karten und Schach mit dem 82-jährigen pensionierten Lehrer. So der Inhalt von BlöZingers neuem Stück „bis morgen“. Die beiden Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzinger erzählen diese Geschichte mit lediglich drei Stühlen auf der Bühne. Und dennoch wird das Publikum in den Wilden Westen entführt, geht Fallschirmspringen oder erlebt ein Rollator-Rennen. Kopfkino vom Feinsten – mit perfektionierter Pantomime, pointenreichen Dialogen („Oben fit und unten dicht, mehr wünscht man sich im Alter nicht.“) und Keyboard-Musik, die mitunter an Josef Hader erinnert. Fazit: Ein fantasiereiches Erlebnis!

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Roland Penzinger und Robert Blöchl

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Nackte Werbung für alte Filme

Weltberühmt – das Bild von Marilyn Monroe mit dem hochwehenden, weißen Kleid – eigentlich ein Werbefoto für den Film Das verflixte 7. Jahr. Die Albertina zeigt in ihrer neuen Austellung „FilmStills“ 130 solcher berühmter Fotos. Sie wurden zwischen 1902 und 1975 abseits der Filmsets extra von Fotografen hergestellt, um den jeweiligen Film zu bewerben. Auffallend ist, dass Frauen und Verführung dabei eine große Rolle spielten, wie die folgenden Bildbeispiele zeigen. Fazit: „Sex sells“ heute wie damals.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Ritterschlag für einen Posaunisten

Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.

Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.

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Löffel-Walross Walter Voglmayr

Keine Grenzen bei Blasmusik

Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.

Suche nach der Pro Brass-Wolke

„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange  nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.

„Beim Horn darf man nicht nachdenken“

Er ist Solist beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien, hat Deutsch beim Biertrinken mit Freunden gelernt und spielt beim Pro Brass-Konzert am 28. Oktober in der Stadthalle Enns das erste Horn. Wir haben Péter Keserü beim Proben getroffen.

Péter Keserü, geboren und aufgewachsen in Ungarn, wusste schon mit zehn Jahren, dass er in seinem Leben nur Musiker werden möchte. Die ersten Auftritte spielte er als Dreijähriger. Dabei trommelte er mit Löffeln auf Schuhschachteln herum – und stellte die Nerven seiner Eltern auf die Probe. In der Musikschule wollte Péter entweder das größte oder das kleinste Instrument lernen, also die Tuba oder die Trompete. Doch sein Lehrer drückte ihm das Horn in die Hand. „Das war zuerst eine gewisse Enttäuschung, aber im Nachhinein bin ich ihm sehr dankbar.“ Vor allem, weil der heute 39-Jährige seither sehr gefragt ist. Gute Hornspieler gibt es nämlich selten: „Das Instrument ist sehr lang und der Tonumfang sehr groß.  Dazu kommt, dass im oberen Tonbereich die Naturtöne sehr eng beisammen liegen. Die Gefahr, dass ein Gickser herauskommt, ist hoch. Deshalb darf man beim Hornspielen nicht zu viel nachdenken. Das ist sehr gefährlich.“

Seit 13 Jahren musiziert Péter in Österreich, zuerst als erster Hornist beim Bruckner Orchester Linz, danach beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien. In seiner Zeit in Oberösterreich lernte er den Pro Brass-Posaunisten Gerald Pöttinger kennen. „Nach den Diensten hatte ich immer wieder Deutschkurse bei ihm zuhause. Oft waren wir auch gemeinsam unterwegs. Man kann die Sprache ja nicht nur von Büchern lernen –  sondern auch mit Kneipen und Bier.“ 2007 trat er erstmals gemeinsam mit Pro Brass auf. Seither ist er dabei und spielt das erste Horn. „Keinen Nachschlag, weil Märsche nicht unbedingt das Kerngeschäft von Pro Brass sind. Aber in diesem Ensemble gibt es keine Grenzen, also spiele ich auch Nachschlag, wenn das gewünscht ist.“

„Wir dürfen da auch laut spielen!“

Für die Spitzenmusiker von Pro Brass ist die „Crossover-Blechblasmusik“ des mehr als 30-jährigen Projektensembles eine willkommene Abwechslung. Die Bläser, die fast alle von der Klassik kommen, sagen über Pro Brass erfreut: „Wir dürfen da auch laut spielen!“ Péter ergänzt: „Das stimmt. Aber auch leise. Es ist vieles erlaubt. Dazu kommt beim Konzert eine Geschichte, ein bisschen Theater und Kabarett. Das kann man gar nicht beschreiben, das muss man einfach live erleben.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns,  Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.

Monteverdi in Surround-Sound

Alte Musik auf alten Instrumenten in einer alten Kirche mit alten Zuhörern. Klingt nicht spannend? Doch, wenn Claudio Monteverdis Marienvesper vom Originalklangensemble Barucco und dem Chor Ad Libitum sowie !!! sechs !!! Gesangssolisten unter der Leitung von Heinz Ferlesch im Stift Melk dargeboten wird. TOP: Die Besucher konnten das selten aufgeführte Sakralwerk am Wochenende also in einzigartiger Kulisse voller Fresken und Gold erleben – und quasi in Surround-Sound 5.1. Denn die Sänger verteilten sich auf der Empore in der gesamten Stiftskirche. Welch entspannender, sanfter Hörgenuss! (Hörbeispiel)

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Die ausverkaufte „Marienvesper“ im Stift Melk

Buchtipp:BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

„Pro Brass war mein Kindheitstraum“

Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, inzwischen Solotrompeter an der Wiener Volksoper und beim Ensemble Pro Brass für „den Jazz“ zuständig. Wir haben Lorenz Raab getroffen und mit ihm über das bevorstehende Pro Brass-Konzert am 28. Oktober in der Ennser Stadthalle gesprochen.  

„Ich bin nach wie vor stolz auf meine Uniform, es ist auch meine einzige geblieben“, sagt Lorenz Raab, wenn er an seine ersten musikalischen Erfahrungen bei der Feuerwehr-Musikkapelle Rainbach im Innkreis denkt. Mit seinem Vater, dem Kapellmeister, ist er außerdem schon als Kind öfter zu Pro Brass-Konzerten gefahren. „Das war für mich immer der Wahnsinn. Da stehst du mit zwölf Jahren unten und denkst dir, das schaff ich nie. Und dann ist es irgendwann soweit und du schaffst es doch. Pro Brass ist mein Kindheitstraum.“

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Lorenz Raab sorgt für den Jazz-Sound bei Pro Brass

Der Weg dorthin war ein spannender:  Mit 14 Jahren zog Lorenz Raab nach Wien, um zuerst im Musikgymnasium und dann an der Musikhochschule Trompete zu studieren. Seine Wege führten ihn über Deutschland nach Salzburg, wo er bei der Trompetenlegende Hans Gansch am Mozarteum lernen durfte. Zurück in Wien wurde er im Orchester der Volksoper als Solotrompeter aufgenommen. Seine erste Vorstellung war „West Side Story“. „Das hat ihnen gleich mal getaugt, weil ich viel Big Band gespielt und Jazz-Phrasing gehört habe. Darum war für mich klar, wie das klingen muss.“

Spürbare Spielfreude

Seit 16 Jahren ist Lorenz Raab auch bei Pro Brass dabei. Für den heute 41-Jährigen ist das wie ein Kindergeburtstag auf Blechbläserebene: „Ein Zusammenkommen von Gleichgesinnten, die pro Jahr eine Woche lang gemeinsam Musik auf höchstem Niveau und in alle Himmelsrichtungen machen.“ Finanziell ist Pro Brass, das aus rund 15 Musikern aus verschiedenen europäischen Top-Orchestern besteht, kein lukratives Geschäft. Es geht tatsächlich um die Spielfreude. „Weniger ums Geld geht es mir auch als Besucher. Ein Konzert, ein Theaterstück oder eine Ausstellung ist mir fast nie zu teuer. Wenn ich die Chance habe, besondere Künstler zu hören und nicht weit fahren muss, dann setz ich mich auch gleich in die erste Reihe und leiste mir das. Ich hab viele großartige Künstler, wie etwa Miles Davis, nicht mehr gesehen.  Damals war ich zu jung. Das Konzert war mir zu teuer. Aber ich bereue es nach wie vor. Heute würde ich das Dreifache bezahlen.“

Für Lorenz Raab geht es um das Live-Erlebnis: „Das ist für mich etwas Einzigartiges, was du nicht über irgendwelche Medien, die einen Bildschirm brauchen, bekommst.“ Es sei die gewisse Atmosphäre, die entsteht, vor allem bei Pro Brass-Konzerten.  „Du hörst Klänge, die du nicht genau orten kannst.  Es ist nicht so wie beim Neujahrskonzert, wo die Harfe spielt und die Kamera sofort bei der Harfe drauf ist.  Sondern du bist selbst gefordert. Und es regt die Fantasie an.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, 28. Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in jeder Raiffeisenbank.

Mehr Show für Soundtracks

Was ist passiert? Blue Carpet, singende Diva aus Los Angeles im sexy Glitzerkleid, deutscher Hollywood-Moderator, urige Jodler aus der Schweiz, Balletttänzer der Wiener Staatsoper, russische Volksmusiker in Tracht, orientalisches Ensemble und ein stöhnender Stradivari-Geiger: Die Filmmusik-Gala Hollywood in Vienna entwickelt sich immer mehr vom qualitativ hochwertigen Konzert zum weltweit gut verkaufbaren und durchinszenierten Film-Showevent. Eine Show fürs Auge, Fernsehen vor Filmmusik quasi, Abwechslung und Action um jeden Preis.

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Große Show bei „Hollywood in Vienna“ 2016

Irgendwie schade, aber aus ökonomischen Gründen vielleicht die einzige Möglichkeit für die Veranstalterin, die Zukunft der Gala zu sichern. Aber, und das muss man auch sagen,  Hollywood in Vienna ist noch immer das beste Konzert für Filmmusikfans, das Österreich zu bieten hat. Nirgendwo sonst kann man Soundtracks in dieser Qualität (ORF Radio-Symphonieorchester) und Akkustik (Wiener Konzerthaus) erleben. Schon gar nicht bei den derzeit so häufigen Stadthallen-Shows.

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Desplat hat bereits über 150 Film-Soundtracks geschaffen

Top: Heuer ist Alexandre Desplat mit dem Max-Steiner-Award ausgezeichnet worden. Ein sympathischer Komponist mit grandioser Musik – wie Harry Potter, Pets oder The King’s Speech. Unbedingt anhören!