Jodijodiodijodio: Pizzera & Jaus füllen die Hallen

Wer Pizzera & Jaus auf Spotify hört, dem kann es passieren, dass kurz danach Andreas Gabalier in die Playliste rutscht. Eine Ehre – für Gabalier, sagen Pizzera & Jaus. „Es wird halt einfach ein Algorithmus sein, der österreichische Künstler ausfüllt. Inhaltlich und was wir von Interviews kennen, sind die Schnittmengen sehr überschaubar.“ Wobei – das „Jodijodiodijodio“ in ihrem Lied „dialekt’s mi“ erinnert schon ein bisschen an Gabaliers „hulapalu“. Aber sonst eint sie wohl tatsächlich eher der Erfolg. Mehr als 100.000 Tickets haben Pizzera & Jaus für ihre zweite Tour bereits verkauft. Eine unglaubliche Zahl. Auch die CD-Verkäufe von „Wer nicht fühlen will, muss hören“ gehen auf 30.000 Stück zu. Hinter ihrem Erfolg steckt das Wissen, wie man „Hits schnitzt“ und sehr viel harte Arbeit – auch vom Team im Hintergrund. Nur ein Beispiel: Bei der Wien-Premiere im Globe springt die Agenturchefin höchstpersönlich spontan beim Merchandisingstand ein und verkauft T-Shirts und CDs. Von nichts kommt nichts.

Pizzera und Jaus im Globe Wien. Das nächste Mal spielen sie im April zweimal in der Stadthalle Wien.

Hier ein ausführlicherer Bericht von ihrem zweiten Programm.

Puntigams Extrawurst-Show

Martin Puntigam feiert mit seinem Programm „Glückskatze“ sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. Allerdings ohne seiner Frau. Die lässt sich gerade von ihm scheiden: „Es ist meine erste Scheidung, da sitzen noch nicht alle Handgriffe“. Puntigam blickt zum Jubiläum zurück in seine Kindheit. Damals war es sein größtes Glück, im Supermarkt an der Fleischtheke das Randstück der Extrawurst zu bekommen: „Warum wegschmeißen, wenn man es auch den Kindern geben kann.“

Martin Puntigam liebt es, sein Publikum zu verstören – mit Niveau und Humor

Dann gibt er einen Ausblick in die Zukunft: Stichwort Erderwärmung. Dabei jagt sich der Kabarettist mit einer Spritze publikumswirksam Viren in den Arm. Überhaupt wird viel für Augen und Ohren geboten – vom Doppeldildo über eine Gashupe bis zum Trockeneis-Cocktail. Das ist aber keine plumpe Effekthascherei, sondern hat alles seinen Sinn. Fazit: Jubel bei der Wien-Premiere im Kabarett Niedermair! Der Science-Buster-Moderator liefert mit seinem Jubliäumssolo einen gnadenlosen Kabarettabend mit viel Schauwert, den man nicht vergisst. Garantiert nicht!

Im Kabarett Niedermair wird auch Kindertheater aufgeführt. Da sorgen Puntigams Plakate mitunter für … Verwunderung bei den Eltern.

Leseratten auf der Buch Wien

Es klingt irgendwie eigenartig, aber wer in diesen Tagen in Wien einen guten Ort zum Entschleunigen sucht, sollte es mal in der Messe Wien probieren. Dank Österreichs größter Buchmesse, der Buch Wien, verwandelt sich auch heuer wieder die Halle D in ein riesiges Wohnzimmer samt Buchhandlung zum Schmökern und Entdecken brandneuer wie älterer Werke.

Die Halle D der Messe Wien wird zu einer riesigen Buchhandlung.

So schlendert das Publikum ohne Hektik durch die Stände, liest sich durch das Sortiment der vielen Verlage und plaudert dabei völlig ungezwungen mit Persönlichkeiten wie der „Sinnfluenzerin“ Madeleine Alizadeh oder Chris Lohner.

Auch die Bestattung Wien war heuer mit dem passenden Merchandise mit dabei!

Weiters kann man im Halbstundentakt auf einer der zahlreichen Bühnen Autorinnen und Autoren bei kurzen Lesungen und Diskussionen zuhören, also sofern man einen Platz ergattern kann, denn wenn Falter-Chefredakteur Florian Klenk gemeinsam mit Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer über Statistik philosophiert oder der mittlerweile 90-jährige Arik Brauer jüdische Witze erzählt, gibt es nur noch Stehplätze.

Nina Horaczek und Sebastian Wiese diskutieren bei der Präsentation ihres neuen Buches „Wehrt Euch!“ über Zivilcourage, Fridays for Future und Engagement junger Menschen.

Das ist aber halb so wild, denn wer eine Pause braucht, holt sich einen Kaffee, macht es sich in der großen Kinderbuchecke gemütlich oder bestaunt die wirklich bemerkenswerte Ausstellung „Die letzten Tage der Menschheit“ von Deborah Sengl: Hier wurden mit über 200 präparierten weißen Ratten Szenen und Bilder aus Karl Kraus‘ Text auf wirklich beeindruckende Art und Weise nachgestellt.

Ein echter Hingucker: „Die letzten Tage der Menschheit“

„Entwicklungshilfe“ fürs Kabarett

Im Globe Wien ist der Österreichische Kabarettpreis 2019 verliehen worden. Bei dieser Verleihungsgala handelt es sich in Wahrheit um eine Fernsehaufzeichnung. Das bedeutet für das Publikum, dass es Applause probt, bevor etwas auf der Bühne passiert, Pannen sieht, die später rausgeschnitten werden, aber auch, dass es ausgezeichnete Künstlerinnen und Künstler live und aus nächster Nähe kennenlernt – wie Sonja Pikart. Die deutsche Kabarettistin gewinnt heuer den Förderpreis. Für Hausherrn Michael Niavarani ist das nicht nur „völkerverbindend“, er sieht es auch als „Entwicklungshilfe“.

Humor von höchster Stelle

„Entwicklungshilfe“ ist der Kabarettpreis tatsächlich: Zur Trophäe in Form eines Spiegels gibt es für die Preisträger 3.333 Euro und jede Menge Medienpräsenz. Über diese Hilfe freuen sich heuer auch Birgit und Nicole Radeschnig, die als Duo den Programmpreis gewinnen. Für Hauptpreisträger Klaus Eckel, der den ÖKP in seiner Karriere bereits zum zweiten Mal gewinnt, ist die Trophäe mehr eine Auszeichnung fürs Lebenswerk. „Eigentlich wollten sie mir sagen, es reicht, es war gut, aber jetzt gib die Bühne frei“, scherzt er vor der Kamera. Weitere Preise, allerdings undotiert, gehen an die ORF-Show „Was gibt es Neues?“ und an die Gruppe maschek. Letztere wird mit ihrer eigenen Waffe – der Synchronisation – geschlagen und mit einem Film überrascht: Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundespräsident a.D. Heinz Fischer und ORF-Moderatorin Nadja Bernhard waren für einen sympathischen Scherz zu haben – sie vertonten alte maschek-Interviews neu!!

Der Kabarettpreis ist auch ein Branchenevent. An diesem Abend sind besonders viele Kabarettisten des Landes an einem Ort versammelt.

Fazit: Die Gala hat einen hohen Unterhaltungswert – auch dank der kurzen und pointenreichen Reden der Laudatoren Clemens Maria Schreiner, BlöZinger, Gerhard Haderer und Thomas Mraz. Schön, dass es diesen Preis gibt. Am 15. November wird die Verleihung auf ORF 1 ausgestrahlt.

Alice Phoebe Lou beim Ahoi!Pop

Mit der südafrikanischen Singer-Songwriterin und Straßenmusikerin Alice Phoebe Lou stand eine musikalische Extraklasse auf der großen Bühne im Linzer Posthof. Die mittlerweile in Berlin lebende 26-Jährige weckt beim Ahoi!Pop-Festival mit ihrem bezaubernden Charme das anfangs doch noch recht schüchterne Linzer Publikum auf und schuf gemeinsam mit ihrer Band den perfekten Soundtrack zum Träumen und Knutschen. Fazit: Voller Soul, Blues, verzerrtem Gitarrensound, starken Texten und ungeheurer Stimmvariation hätte diese gewaltige aber trotzdem sanfte Nacht mit Alice Phoebe Lou gerne ewig weitergehen können.

Endlich einmal ein Konzertabend ohne Smartphones in der Luft: Alice Phoebe Lou im Posthof

Anspieltipps: Walk on the Wild Side und Something Holy

Der Kuss von der Straße

Es ist das berühmteste und berührendste Kunstwerk von Gustav Klimt – und nicht nur im Oberen Belvedere zu sehen! Auch in der Hernstorferstraße 12 in Wien-Penzing gibt es einen „Kuss“ – und zwar auf einer Hausmauer. Noch vor wenigen Jahren soll es an dieser Stelle ein Klimt-Restaurant gegeben haben. Heute erinnert nur noch die ansonsten oft so vergängliche Straßenkunst daran.
Top: Gratis zu sehen – ohne Timeslot und ohne Touristen!

Der Kuss - nach Gustav Klimt. Noch schöner natürlich, wenn der Zeitungsständer abmontiert ist...

Der Kuss nach Gustav Klimt. Noch schöner, wenn der Zeitungsständer abmontiert ist.

The Kiss Streetart in Vienna

Die Liebe steckt im Detail. Gold sucht man bei diesem Straßen-Liebespaar aber vergeblich.

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und StrümpfeInge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein. Blick ins Buch.

Viele Gefühle, viele Geköpfte: Caravaggio und Bernini im KHM

Mitleid, Liebe, Angst und Schrecken – die barocken Künstler hatten es richtig gut drauf, mit ihren Bildern und Skulpturen Gefühle auszulösen. Vor 450 Jahren genauso wie heute. Zwei der ganz großen hat das Kunsthistorische Museum Wien in der aktuellen Ausstellung: Caravaggio, eigentlich Michelangelo Merisi, und Bernini. Der eine ein enorm talentierter Maler und richtiger Draufgänger (er wurde wegen Totschlags sogar aus Rom verbannt), der andere ein gefragter Architekt und Bildhauer, auf dessen Kappe halb Rom geht – vom Petersplatz bis zum Vierströmebrunnen. Die beiden haben sich vermutlich nie getroffen, doch verband sie außergewöhnliches Können und große Leidenschaft. Um diese passione geht es auch in der Ausstellung.

Die Haare scheinen sich im Wind zu kräuseln, die Augen blicken einen aufmerksam an, der Hut wirkt, als wurde er noch rasch aufs Haupt gedrückt: Die Skulpturen von Bernini und seinen Nachfolgern leben. „Manca solo il respiro“ heißt es in Italien. Es fehlt nur der Atem. Genauso ergeht es einem mit den monumentalen Figuren, die quasi aus den Rahmen ihrer Gemälde heraussteigen und einen in den Moment der Geschichte mit hineinziehen. Die barocken Meister waren nämlich vor allem Meister darin, den emotionalsten Augenblick darzustellen. Der Engel hält Abraham gerade noch davon ab, seinen Sohn zu opfern, der Henkersknecht wird Cäcilia in wenigen Sekunden auf die Kehle schlagen, aus Goliaths Kopf tropft noch frisches Blut, nachdem der junge David ihn enthauptet hat. Bibel und Mythologie schreiben doch die ärgsten Drehbücher.

Die Ausstellung läuft bis 19. Jänner 2020 und ist nur mit reserviertem Timeslot zugänglich. Große Empfehlung!

David mit dem Haupt Goliaths, Caravaggio

Die Künstler konnten Enthauptungen selbst mit ansehen – im 16. und 17. Jahrhundert wurden in Rom immer wieder Menschen öffentlich enthauptet.

Wettervorhersage von einst

Was ist das für eine Säule? Touristen wie Einheimische machen zur Sicherheit ein Handyfoto davon und gehen schulterzuckend weiter. Es handelt sich um ein sogenanntes Wetterhäuschen. Der Blickfänger im Wiener Rathauspark enthält ein Thermometer, ein Barometer und ein Hygrometer. Bildhauerin Maria Biljan-Bilger hat es mit bunten Keramikmosaiken verziert, die die zwölf Tierkreiszeichen darstellen. Das Wetterhäuschen wurde 1956 neu errichtet, weil das alte offenbar im Zweiten Krieg zerstört worden war. Ähnlich erging es auch anderen Wetterhäuschen in Wiener Parks. Die Stadtforschung sagt: „Einst stellten sie wichtige Treffpunkte im städtischen Getriebe dar, begehrte Informationsstätten, spezialisiert auf ein Thema, von dem schlichtweg alle betroffen sind: das Wetter.“

Yared öffnete Wien sein Herz

Ruhige Töne hat es bei der diesjährigen Hollywood in Vienna-Gala gegeben – und zwar wegen des heurigen Preisträgers Gabriel Yared. Der libanesische Komponist, der für seine Musik zu „The English Patient“ 1997 den Oscar bekommen hat, begeisterte mit seinen abwechslungsreichen, völkerverbindenden und intimen Werken – zu Filmen wie The Tourist, Message in a Bottle, Cold Mountain, Troy, Possession, The Lover und viele mehr. Yared spielte selbst am Klavier und „öffnete dem Publikum sein Herz“.  Er wurde dabei von hervorragenden Solisten begleitet. Besonders hervorzuheben ist die 19-jährige Sängerin Eleanor Grant, die mit höchsten Tönen und engelhafter Erscheinung bei „The Talented Mr. Ripley“ und „City of Angels“ Gänsehaut im Wiener Konzerthaus erzeugte.

Der heimliche Star
Im ersten Teil der Gala wurde oscarprämierte Filmmusik der vergangenen Jahrzehnte dargeboten – von Casablanca, über The Wizard of Oz, Star Wars, Forrest Gump, Schindler’s List bis Black Panther  – und das mit Größen wie Broadway-Komponist Marc Shaiman und Popsängerin Judith Hill. Der heimliche Star bei Hollywood in Vienna ist aber alljährlich wohl das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Es sorgt dafür, dass im herrlichen Ambiente und bei der ausgezeichneten Akustik des Konzerthauses symphonische Filmmusik so genial spielt wird, wie wohl nirgendwo sonst auf der Welt. Große Freude!

Hollywood in Vienna 2019

Max-Steiner-Award-Preisträger Gabriel Yared umgeben von Solisten der „Hollywood in Vienna“-Gala – wie Ramon Vargas, Judith Hill, Dirigent Keith Lockhart und Eleanor Grant

Schreiners Fakten-Fake-Kabarett

Die Website von Clemens Maria Schreiner ist gehackt worden. Fake-News-Beiträge und ein Deepfake-Video werden veröffentlicht. Doch wer ist der Täter? War es wirklich ein Hack? Und wer profitiert davon? Schreiners achtes Kabarettprogramm trägt den schlagertauglichen Titel „Schwarz auf Weiß“ und geht diesem Rätsel auf die Spur. Doch Schreiner – bekannt aus der TV- Show „Was gibt es Neues?“ – wirft dem Publikum in seinem Solo noch viel mehr Fragen entgegen und zeigt damit, wie anstrengend Nachdenken geworden ist.

„Beim Personaleingang ins Hirn“
Vor allem in einer Zeit, in der eine Flut an Informationen auf uns einprasselt und das geschriebene Wort dazu einlädt, Wissen und Hirnschmalz auszulagern – etwa auf das Smartphone. Eine gefährliche Entwicklung. Das Gehirn unterscheidet nämlich nicht, ob wir etwas lesen oder denken, behauptet Schreiner: „Was wir lesen, geht beim Personaleingang ins Hirn.“ Fazit: Großes Like! Schreiner bietet ein interaktives und höchst schlaues Fakten-Fake-Kabarett. Mit „Schwarz auf Weiß“ tritt er mehr als 80 Mal in acht Bundesländern auf. Es gibt keine Ausrede, es sich nicht anzusehen.

Clemens Maria Schreiner bei

Daumen hoch für Clemens Maria Schreiners neues Programm „Schwarz auf Weiß“. Am Dienstag war Wien-Premiere im legendären Kabarett Niedermair.