Viele Gefühle, viele Geköpfte: Caravaggio und Bernini im KHM

Mitleid, Liebe, Angst und Schrecken – die barocken Künstler hatten es richtig gut drauf, mit ihren Bildern und Skulpturen Gefühle auszulösen. Vor 450 Jahren genauso wie heute. Zwei der ganz großen hat das Kunsthistorische Museum Wien in der aktuellen Ausstellung: Caravaggio, eigentlich Michelangelo Merisi, und Bernini. Der eine ein enorm talentierter Maler und richtiger Draufgänger (er wurde wegen Totschlags sogar aus Rom verbannt), der andere ein gefragter Architekt und Bildhauer, auf dessen Kappe halb Rom geht – vom Petersplatz bis zum Vierströmebrunnen. Die beiden haben sich vermutlich nie getroffen, doch verband sie außergewöhnliches Können und große Leidenschaft. Um diese passione geht es auch in der Ausstellung.

Die Haare scheinen sich im Wind zu kräuseln, die Augen blicken einen aufmerksam an, der Hut wirkt, als wurde er noch rasch aufs Haupt gedrückt: Die Skulpturen von Bernini und seinen Nachfolgern leben. „Manca solo il respiro“ heißt es in Italien. Es fehlt nur der Atem. Genauso ergeht es einem mit den monumentalen Figuren, die quasi aus den Rahmen ihrer Gemälde heraussteigen und einen in den Moment der Geschichte mit hineinziehen. Die barocken Meister waren nämlich vor allem Meister darin, den emotionalsten Augenblick darzustellen. Der Engel hält Abraham gerade noch davon ab, seinen Sohn zu opfern, der Henkersknecht wird Cäcilia in wenigen Sekunden auf die Kehle schlagen, aus Goliaths Kopf tropft noch frisches Blut, nachdem der junge David ihn enthauptet hat. Bibel und Mythologie schreiben doch die ärgsten Drehbücher.

Die Ausstellung läuft bis 19. Jänner 2020 und ist nur mit reserviertem Timeslot zugänglich. Große Empfehlung!

David mit dem Haupt Goliaths, Caravaggio

Die Künstler konnten Enthauptungen selbst mit ansehen – im 16. und 17. Jahrhundert wurden in Rom immer wieder Menschen öffentlich enthauptet.

Kuriositäten auf Friedhöfen

Dass Friedhöfe und Gruften ganz schön gruselig sein können, ist bekannt. Aber dass sie auch ziemlich kurios sein können, beweist der Friedhof in Ferrara.  Neben der Kathedrale Chiesa di San Cristoforo stehen Grabstätten im ägyptischen Stil. Bewacht werden diese von Sphinxe mit nackten Brüsten. Auf einem anderen Grab steht ein Engel, der auf ein Grab pisst. Ein paar Meter weiter ist auf einem Grabstein ein Totenbild  zu sehen, das ein junges Liebespaar beim Zigarettenrauchen zeigt. Ebenfalls am selben Friedhof befinden sich Kreuze, die mit dem Piraten-Totenkopf-Logo versehen sind. Was lernen wir draus? Verrückte sterben nicht aus!

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