„Entwicklungshilfe“ fürs Kabarett

Im Globe Wien ist der Österreichische Kabarettpreis 2019 verliehen worden. Bei dieser Verleihungsgala handelt es sich in Wahrheit um eine Fernsehaufzeichnung. Das bedeutet für das Publikum, dass es Applause probt, bevor etwas auf der Bühne passiert, Pannen sieht, die später rausgeschnitten werden, aber auch, dass es ausgezeichnete Künstlerinnen und Künstler live und aus nächster Nähe kennenlernt – wie Sonja Pikart. Die deutsche Kabarettistin gewinnt heuer den Förderpreis. Für Hausherrn Michael Niavarani ist das nicht nur „völkerverbindend“, er sieht es auch als „Entwicklungshilfe“.

Humor von höchster Stelle

„Entwicklungshilfe“ ist der Kabarettpreis tatsächlich: Zur Trophäe in Form eines Spiegels gibt es für die Preisträger 3.333 Euro und jede Menge Medienpräsenz. Über diese Hilfe freuen sich heuer auch Birgit und Nicole Radeschnig, die als Duo den Programmpreis gewinnen. Für Hauptpreisträger Klaus Eckel, der den ÖKP in seiner Karriere bereits zum zweiten Mal gewinnt, ist die Trophäe mehr eine Auszeichnung fürs Lebenswerk. „Eigentlich wollten sie mir sagen, es reicht, es war gut, aber jetzt gib die Bühne frei“, scherzt er vor der Kamera. Weitere Preise, allerdings undotiert, gehen an die ORF-Show „Was gibt es Neues?“ und an die Gruppe maschek. Letztere wird mit ihrer eigenen Waffe – der Synchronisation – geschlagen und mit einem Film überrascht: Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundespräsident a.D. Heinz Fischer und ORF-Moderatorin Nadja Bernhard waren für einen sympathischen Scherz zu haben – sie vertonten alte maschek-Interviews neu!!

Der Kabarettpreis ist auch ein Branchenevent. An diesem Abend sind besonders viele Kabarettisten des Landes an einem Ort versammelt.

Fazit: Die Gala hat einen hohen Unterhaltungswert – auch dank der kurzen und pointenreichen Reden der Laudatoren Clemens Maria Schreiner, BlöZinger, Gerhard Haderer und Thomas Mraz. Schön, dass es diesen Preis gibt. Am 15. November wird die Verleihung auf ORF 1 ausgestrahlt.

Eckel redet über Gefühle

Vorstellungen von Klaus Eckel sind voll. Da darf man nicht an Klaustrophobie leiden. (Tusch!) – Auch in seinem neuen Soloprogramm feuert der Wiener alle zwei Sätze eine Pointe ins Publikum. Das erfordert Aufmerksamkeit. Aber die zahlt sich aus. Denn die meisten seiner Gedanken, Wortspiele und Fragestellungen sind lustig und intelligent zugleich. „Wir sind irrationale Wesen. Es gibt viele Menschen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, aber keiner ist es mit seinem Gehirn. Wieso eigentlich? Keiner sagt, da oben könnte ich ein bisschen zunehmen.“ Eckel nennt sein Programm „Ich werde das Gefühl nicht los“ und spricht über Angst, Freude und andere Gefühle, die unser Leben komplett bestimmen. Diese Woche war umjubelte Premiere im Stadtsaal. Fazit: Große Freude!

Wer Eckel sehen will, muss sich bald Karten sichern

Eckel wird das Gefühl nicht los, aber dafür jede Menge Eintrittskarten.

Österreichs Antwort auf die ZDF heute show

Es heißt ja immer, dass Nachrichten unterhaltsamer werden müssen, damit auch junge Menschen sie konsumieren. Klaus Eckel nimmt sich das zu Herzen und präsentiert in seiner Sendung „Eckel mit Kanten“ satirische Nachrichtenberichte, humorvolle Studiogäste und Kabarettisten aus Österreich und Deutschland. Und damit auch wirklich nichts schiefgeht, hat er sich Profis vom Fach ins Boot geholt – nämlich „Die Tagespresse„-Schreiber Fritz Jergitsch und Jürgen Marschall! Fazit: 35 Minuten satirisches Infotainment – und das an noch sechs Dienstagen! Unbedingt einschalten!

Nachrichten aus dem Casanova Wien

Nachrichten aus dem Casanova Wien. Studiokarten gibts ab fünf Euro.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Eckel in intimer Gesellschaft

Wenn große Kabarettisten in kleinen Theatern auftreten, ist die Stimmung einzigartig. So auch gestern, als Klaus Eckel im Theater am Alsergrund sein Programm „Weltwundern“ zum Besten gab. Im Publikum saßen auffällige Deutsche, besserwissende Lehrer und eine Seniorenrunde, die sich als „Gruppe Intim“ vorstellte. Gut möglich, dass man in so einer Situation als Kabarettist die Bühne sofort wieder verlassen möchte – oder sich wünscht, wieder in großen Häusern zu spielen, wo mehr Abstand zum Publikum besteht. Aber Eckel blieb und baute die auffälligen Gestalten immer wieder gekonnt in seine Show ein. Fazit: Klaus Eckel ist ein Kabarett-Knüller. Er liefert Wortwitze, skurrile Gedanken und (spontane) Pointen im Sekundentakt, breitentauglich und doch hintergründig.

Klaus Eckel füllt die deutschsprachigen Kleinkunstbühnen - völlig zurecht!

Klaus Eckel füllt die deutschsprachigen Kleinkunstbühnen – völlig zu Recht!

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.