„Die Josefstadt“ feiert 225. Geburtstag

Das Theater in der Josefstadt wird im kommenden Jahr 225 Jahre alt. Zum Jubiläum werden in der neuen Spielzeit dreizehn Neuproduktionen aufgeführt, darunter sind acht Uraufführungen und Erstaufführungen. Für die literarische Qualität garantieren Auftragswerke an Daniel Kehlmann oder Felix Mitterer. Hier ein Video, dass die Pläne des Theaters in der Josefstadt und Kammerspiele für die Spielzeit 2012/13 im Detail vorstellt:  

Ein Höhepunkt ist sicherlich die Uraufführung von „Der Mentor“ von Daniel Kehlmann. Im Stück bekommt ein junger Romanautor dank eines Stipendiums die Chance von einem berühmten, älteren Dichter bei der Erstellung seines neuen Werks beraten zu werden. Aus der Ratgebersituation wird schnell ein Zusammenprall von Alt und Jung, von Arriviertheit und Ehrgeiz, der beide Autoren bis zum Extrem fordert. „Ein wunderbares Kammerspiel, ein feiner, auch selbstironischer Dialog von Daniel Kehlmann, der den Sinn des Schreibens und der Literatur in Frage stellt“, sagt Dirktor Herbert Föttinger, der die Uraufführung selbst inszenieren wird.

Ebenfalls spannend wird die Inszenierung von „The King’s Speech“. Bevor die Thronbesteigung des stotternden Königs George VI in die Kinos kam, wurde die Geschichte nämlich als Theaterstück geschrieben. Die Erstaufführung findet in den Kammerspielen mit Michael Dangl als König und Toni Slama als dessen Sprachtherapeut statt.

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Backstage im Stadtheater Wiener Neustadt

Ursprünglich war das Stadttheater im Zentrum von Wiener Neustadt eine Kirche der Karmeliterinnen. Erst unter Kaiser Josef II wurde das Gebäude in ein kleines Theater adaptiert. Es bietet Platz für 624 Sitzplätze und ein kaiserliches Ambiente im Zuschauerraum, bei den Garderoben und Bars sowie im Rauchersalon.

Blick von der Bühne

Blick von der Bühne

Auch die Technik ist vom Feinsten. Das kleine Theater bietet eine Drehbühne, zwei Versenkungen, die neueste Ton- und Lichttechnik, zwei Künstlergarderoben mit Duschen, einen Orchestergraben für maximal 30 Musiker und mehrere Backstageräume. Optisch erinnert es irgendwie an das Pariser Kino aus Quentin Tarantinos Film „Inglourious Basterds“.

Rauchersalon

Rauchersalon

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Cate Blanchett in „Big and Small“

Mit dem Stück „Big and Small“ wurden gestern im Museumsquarter die Wiener Festwochen eröffnet. Star des Abends war natürlich Hollywoodgröße Cate Blanchett. Die Australierin ist aus Filmen wie „Elizabeth“, „Aviator“, „Herr der Ringe“ oder „Robin Hood“ bekannt. In „Big and Small“ spielt sie die arbeitslose Heldin Lotte, die sich nach der Trennung von ihrem Mann auf eine Reise begibt. Dabei begegnet sie ehemaligen Freunden und Verwandten, denen sie mit ihrer Verzweiflung hilft, während sie selbst auf der Strecke bleibt.

Zehn Szenen durchstreift die Heldin – und wird dabei jedes Mal mit Mitmenschen konfrontiert, die sich hinter technischen Apparaten wie Gegensprechanlagen, Diktiergeräten, Fernseher etc. verstecken. Starke, teils philosophische aber zugleich komische Dialoge sorgen trotz des bescheidenen Inhalts für Unterhaltung.

Ansonsten sind die Umbaupausen das Spannendste an der Inszenierung mit der „The Sydney Theatre Company“. Die Bühne verwandelt sich in Sekundenschnelle und mit minimalem Aufwand in eine Straße, eine Wohnblocksiedlung, eine Telefonzelle, ein Büro, ein Arztzimmer oder eine Hotelterrasse.

Cate Blanchett (Credit: Lisa Tomasetti 2011)

Cate Blanchett (Credit: Lisa Tomasetti 2011)

Eigentlich ist „Big and Small“ ein Solostück für außergewöhliche Schauspielerinnen. Es steht und fällt mit der Heldin, die verzweifelt, verrückt, lustig und intelligent zugleich sein soll. „Unspielbar“, nennt Benedict Andrews (Inszenierung) den Charakter der Lotte. Cate Blanchett spielt sie trotzdem und das mit großer Begeisterung und Leidenschaft. Blanchett ist ein Wahnsinn – optisch sowie künstlerisch – und wahrscheinlich der einzige Grund, warum die Inszenierunng von „Big and Small“ so sehnsüchtig bei den Festwochen erwartet wurde. / Höflicher Applaus für „The Sydney Theatre Company“ sowie die Inszenierung, stürmischer Applaus für den Star des Abends, Cate Blanchett.

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Backstage bei den Salzburger Festspielen

Im Juli finden in Salzburg erneut die Festspiele statt. Die Vorbereitungen laufen seit Monaten auf Hochtouren. Erst vergangene Woche traf ein Bühnebild aus Shanghai für die Co-Produktion „La bohème“ ein. Im Malerboden werden derzeit verbrannte Bäume für ein Bühnenbild gemalt, in der Felsenreitschule werden unter dem Schutz des neuen Daches Schienensysteme unter der Bühne verlegt und im Haus für Mozart wird das Licht für „Ariadne auf Naxos“ eingestellt. Zwischen 200 und 600 Techniker sind damit beschäftigt, dass die „Jedermann“-Festspiele (mit Nicholas Ofczarek, Ben Becker, Elina Garanca, John Eliot Gardiner, die Wiener Philharmoniker…) reibungsfrei über die Bühne laufen. Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, versteht vielleicht, warum eine Eintrittskarte bis zu 400 Euro kostet.

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Gespenster im Akademietheater

Wer lockere und lustige Abendunterhaltung sucht, der sollte sich „Gespenster“ von Henry Ibsen im Akademietheater nicht ansehen. Die Inszenierung von David Bösch ist zwar grandios, drückt aber gewaltig auf die Stimmung. Einerseits durch die nebelig, düstere Schwarz-Weiß-Film-Athmosphäre, andererseits durch die Personen, die das Familiendrama auf die Bühne bringen. Johannes Krisch spielt einen aggressiven und bedrohlichen Alkoholiker, der seine naive Tochter (Liliane Amuat) besitzen will. Martin Schwab vertritt in der Rolle des Pastors die scheinheiligen, traditionellen (und frauenfeindlichen) Ideale der Gesellschaft. Kirsten Dene spielt eine Mutter, die viel zu spät die Wahrheit spricht und Markus Meyer ihren Sohn, einen kranken Künstler, der sich das Leben nimmt.

Höhepunkt des Stückes ist, wenn es auf der Bühne regnet, die Gespenster im Bühnenbild auftauchen und der kranke Sohn die Büste seines Vaters, der wesentliche Schuld an der Familienträgödie trägt, mit einem Hammer zerschlägt. Ebenfalls erwähnenswert sind die vielen kleinen Gesten, die dem Stück Tiefe aber auch ein bisschen Komik verleihen. Tiefpunkt des Stückes ist es, wenn die Stimmung mit dem Lied „Father And Son“ von Cat Stevens unnötig zerstört wird. Danach verliert das Stück auch an Tempo. Das Finale, eine Dia-Show mit Kinderzeichnungen, beeindruckt allerdings. Langer Applaus. Großes Theater! Wunderbar bewegender Abend!

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Die Liebe zum Nochniedagewesenen

… so heißt das aktuelle Werk von René Pollesch am Akademietheater. Der Inhalt? Es unterhalten sich die Schauspieler Martin Wuttke, Stefan Wieland, Catrin Striebeck und Margit Carstensen über die Liebe, die Tragödie, die Katastrophe und die Krise. Das Stück spielt auf Woody Allens Film „Sweet and Lowdown“  an und besteht aus philosophischer und höchst amüsanter Hirnwixerei. Ein Redeschwall in Spielfilmlänge. Besonders Martin Wuttke stottert und spuckt vor sich hin.

Auf der Bühne befindet sich ein riesiger, aufblasbarer, goldener Knoten, der an eine Hüpfburg, an eine überdimensionalisierte, aufgeblasene Schwimmweste oder an einen Haufen Hundescheiße erinnert. Martin Wuttke tanzt vor dem Knoten in einem Faunkostüm (mit Huf-Stiefletten), Catrin Striebeck kriecht darin mit einer Stirnlampfe entlang. Dazu gibt es Musik von The Beach Boys.

Langeweile kommt in „Die Liebe zum Nochniedagewesenen“ keine auf. Das liegt daran, dass viele Teile des Stückes live mitgefilmt und nur auf einer Leinwand gezeigt werden. Das Stück wechselt ständig zwischen Kino und Theater. Die Kamerafrau und die Tonassistenten sind für alle gut auf der Bühne zu sehen, genauso wie die Souffleuse, die ihren Job erledigt und daran erinnert, dass gespielt wird. Beeindruckend ist außerdem das Bühnenbild. Höhepunkt ist ein stürmisches Meer, auf dem Margit Carstensen auf einem Boot fährt – und natürlich der goldene Knoten.

Der Knoten wird aufgeblasen und ausgelassen. Er geht aber bis zum Schluss des Stückes nicht auf. Obwohl sich die Zuschauer vergeblich Bemühen, den Inhalt der philosophischen Gespräche auf der Bühne zu folgen, sind sie am Ende so klug wie vorher. Fazit des Abends: Ein höchst komisches und sinnloses Stück mit vier Schauspielern, die sich in glitzernden Ballett-Kostümen und viel heißer Luft zum Affen machen, mit beeindruckendem Knoten-Bühnenbild und unterhaltsamer Theater-Film-Technik.

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„Der zerbrochne Krug“ im Akademietheater

Wer Vertrauen in die Justiz hat und es behalten will, sollte sich „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist im Akademietheater nicht ansehen. Wer eine Bühne voller Schlamm sowie einen unterhaltsamen und humorvollen Abend mit grandiosen Schauspielern erleben will, dem kann die Inszenierung von Matthias Hartmann empfohlen werden.

Es dauerte keine Minute bis der weiße, quadratische Gerichtssaal in der Mitte der Schlammbühne befleckt ist. Zuerst blutete und kotzt ihn der Dorfrichter Michael Maertens voll, dann beginnt eine Schlammschlacht zwischen Klägern, Verteidigern und dem Gericht. Gegenstand des Verfahrens ist ein zerbrochener Krug. Doch in Wahrheit geht es um viel mehr. Zwei Stunden lang wird der Zuschauer überrascht und muss am Schluss zu Kenntnis nehmen, dass jeder im Gerichtssaal Dreck am Stecken (und an den Schuhen) hat. Ebenso der sonst so saubere Gerichtsrat Roland Koch versinkt am Schluss im Schlamm. Und auch das Publikum wird nicht verschont. Daher folgender Tipp: Die erste Reihe ist in „der zerbrochne Krug“ nicht zu empfehlen. (Obwohl der Gerichtsrat dem Publikum versichert: „Für die Reinigung der Kleidung kommt das Gericht auf!“)

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Ballett-Juwelen in der Staatsoper

Heute Abend präsentierte Manuel Legris, der Ballettdirektor der Wiener Staatsoper, die modifizierte Neuauflage des Programms „Juwelen der Neuen Welt“. Thematisch war der Abend jenen amerikanischen Choreographen gewidmet, die im 20. Jahrhundert in Europa ihr Können unter Beweis stellten. Musikalisch stand „Rubies“ von Igor Strawinski, die „Bach Suite III“, „Variationen zu einem Thema von Haydn“ von Johannes Brahms sowie „The Vertiginous Thrill of Exactitude“ von Franz Schubert am Programm.

Die Choreografien von George Balanchine, Twyla Tharp, John Neumeier und William Forsythe waren tatsächlich abwechslungsreich und manchmal sogar humorvoll-komisch. Beindruckend und spannend waren besonders die Zeitlupentänze zu Johann Sebastian Bachs „Air“. Über die Kostüme kann man diskutieren, Männer in Röcke sind nicht jedermanns Sache. Ein Bühnenbild war praktisch nicht vorhanden, dadurch konnte man sich jedoch auf das Wesentliche konzentrieren: Musik und Tanz auf höchstem Niveau. Langer Applaus für das Orchester, Dirigent Simon Hewett und Pianistin Laurene Lisovich.

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Endstation Sehnsucht im Burgtheater

Tennessees Williams‘ Stück Endstation Sehsucht lässt sich im Wiener Burgtheater wie ein Film ansehen. In der Inszenierung von Dieter Giesing werden Szenen ein- und ausgeblendet. Schnitt. Dazu ein bisschen Hintergrundmusik und eine Geschichte, die sich auch mit halboffenem Auge mitverfolgen lässt. Worum geht es? Eine ehemals reiche Dame namens Blanche Dubois (Dörte Lyssewski) zieht in New Orleans bei ihrer schwangeren Schwester (Katharina Lorenz) ein, da ihr Anwesen versteigert werden musste. Das gefällt dem neurotischen Schwager Stanley Kowalski (Nicholas Ofczarek) natürlich nicht, der sie schnellstmöglich wieder loswerden möchte.

Endstation Sehnsucht ist ein Drama, in dem zwei Welten aufeinanderprallen. Die Personen werden zunehmend unsympatischer, die Situationen auf der Bühne eskalieren regelmäßig – und doch geht das Leben weiter. Eine Geburt steht an, und gleichzeitig erhöhen sich Alkoholkonsum und Gewalt. Fazit? Das Stück ist spannend, das Bühnenbild ist schräg, einen Höhepunkt gibt es nicht. Ein unterhaltsamer Abend mit grandiosen Schauspielern. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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Ein Kind ging mit seiner Laterne…

…bis es durch die Luft flog. Wer bereits Stücke von Roland Schimmelpfennig gesehen hat, den wird „Das fliegende Kind“ im Wiener Akademietheater nicht überraschen. Das Bühnenbild ist schwarz. Die Schauspieler bleiben stets auf der Bühne. Der Inhalt ist tragisch und komisch zugleich. Die Schauspieler wechseln ständig die Rollen und sprechen (erzählen und singen) teilweise in Chören. Die Kraft des Stücks liegt in der Fantasie der Zuschauer. Worum geht es? Ein Kind wird vom eigenen Vater auf der Straße mit dem Auto überfahren. Der Vater war im Stress, das Handy läutete, das Radio war zu laut, er vergaß das Licht einzuschalten, es war ein dunkler Novemberabend. Das Kind verließ die Kindergruppe, die mit Laternen von der Kirche wegzog.

Schimmelpfennig inszenierte das Stück selbst. Er ging dabei kein Risiko ein und setzte im Großen und Ganzen seine geniale Standardbesetzung ein. Beeindruckend waren die drei Kirchenglocken, die der Turmarbeiter Johann Adam Oest in Schwingung brachte, die Zieharmoniker-Klänge von Falk Rockstroh, das Baby- und Urwaldgekreische von Peter Knaack, Barbara Petritsch, Regina Fritsch und Christiane von Poelnitz. Fazit: Ein bewegender Abend.

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