Endstation Sehnsucht im Burgtheater

Tennessees Williams‘ Stück Endstation Sehsucht lässt sich im Wiener Burgtheater wie ein Film ansehen. In der Inszenierung von Dieter Giesing werden Szenen ein- und ausgeblendet. Schnitt. Dazu ein bisschen Hintergrundmusik und eine Geschichte, die sich auch mit halboffenem Auge mitverfolgen lässt. Worum geht es? Eine ehemals reiche Dame namens Blanche Dubois (Dörte Lyssewski) zieht in New Orleans bei ihrer schwangeren Schwester (Katharina Lorenz) ein, da ihr Anwesen versteigert werden musste. Das gefällt dem neurotischen Schwager Stanley Kowalski (Nicholas Ofczarek) natürlich nicht, der sie schnellstmöglich wieder loswerden möchte.

Endstation Sehnsucht ist ein Drama, in dem zwei Welten aufeinanderprallen. Die Personen werden zunehmend unsympatischer, die Situationen auf der Bühne eskalieren regelmäßig – und doch geht das Leben weiter. Eine Geburt steht an, und gleichzeitig erhöhen sich Alkoholkonsum und Gewalt. Fazit? Das Stück ist spannend, das Bühnenbild ist schräg, einen Höhepunkt gibt es nicht. Ein unterhaltsamer Abend mit grandiosen Schauspielern. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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„Fool of Love“ im Burgtheater

„Schüttle den Speer“ bedeutet „Shakesspear“, wurde den Besuchern der Vorstellung „Fool of Love“ im Burgtheater erklärt. Aufgeführt wurden Sonette und Gedichte des legendären Dichters, teils auf Englisch, teils auf Deutsch, teils ohne Zusammenhang. Für die Musik der Sonette zeigte sich Karsten Riedel mit der Band Franui verantwortlich. Der deutsche Punkmusiker sang, im Gegensatz zu Dörte Lyssewski, richtig und ausdrucksvoll. Nicht versteckten brauchten sich Sunnyi Melles, Tilo Nest und Johannes Krisch für ihre Gesangsleistungen. Der eigentliche Star des Abends war kein Mensch, sondern eine greisenhafte Klappmaulpuppe, die vom Puppenspieler Nikolaus Habjan sowie von den Stimmen von Nicholas Ofczarek und Tilo Nest (Ein Wahnsinn!!) mit viel Humor und Können zum Leben erweckt wurde.

Beste Stelle des Abend: Die Puppe verkörperte einen alten Mann, den Herrn Sedlaczek, der während einer Führung durch das Burgtheater auf der Bühne zusammenbrach und starb. „Gehe zum Licht“, sagte ihm eine Stimme, doch das Theater hatte so viele Lichter über der Bühne hängen, sodass er nicht wusste, welches Licht gemeint war. Der Geist des toten Herrn Sedlaczek entschied daraufhin, noch ein bisschen auf der Bühne zu bleiben….

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Sonntag im Akademietheater

Sonntag, 6. November, 10 Uhr. Während die Stadt langsam erwacht, herrscht im Wiener Akademietheater bereits Hochbetrieb. Techniker stellen das Licht ein, Arbeiter bauen das Bühnenbild für die Vorstellung „Geschichten aus dem Wienerwald“  (Ödön von Horváth) auf. Reinigungskräfte bringen das Theater auf Hochglanz, der Portier frühstückt in seinem Kammerl. Nur wenige Stunden später werden Burgschauspieler wie Nicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr oder Johann Adam Oest auf der Bühne stehen und das Publikum verzaubern. Bis es soweit ist, arbeiten viele fleißige Hände im Hintergrund. Die Logistik und Organisation, die hinter jeder einzelnen Vorstellung steckt, ist faszinierend. Genauso wie die vielen Facetten des Theaters abseits des Scheinwerferlichts: Staub, hunderte Meter Kabel, schwere Scheinwerfer, enge Kellergänge,  lautlose Aufzüge, hohe Gerüste, handgemachte Requisiten, versteckte Vorhänge, neueste Sicherheits- und Computertechnik. Was immer auch Theater ist – diese Werkzeuge gehören dazu.

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