Monteverdi in Surround-Sound

Alte Musik auf alten Instrumenten in einer alten Kirche mit alten Zuhörern. Klingt nicht spannend? Doch, wenn Claudio Monteverdis Marienvesper vom Originalklangensemble Barucco und dem Chor Ad Libitum sowie !!! sechs !!! Gesangssolisten unter der Leitung von Heinz Ferlesch im Stift Melk dargeboten wird. TOP: Die Besucher konnten das selten aufgeführte Sakralwerk am Wochenende also in einzigartiger Kulisse voller Fresken und Gold erleben – und quasi in Surround-Sound 5.1. Denn die Sänger verteilten sich auf der Empore in der gesamten Stiftskirche. Welch entspannender, sanfter Hörgenuss! (Hörbeispiel)

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Die ausverkaufte „Marienvesper“ im Stift Melk

Buchtipp:BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

„Pro Brass war mein Kindheitstraum“

Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, inzwischen Solotrompeter an der Wiener Volksoper und beim Ensemble Pro Brass für „den Jazz“ zuständig. Wir haben Lorenz Raab getroffen und mit ihm über das bevorstehende Pro Brass-Konzert am 28. Oktober in der Ennser Stadthalle gesprochen.  

„Ich bin nach wie vor stolz auf meine Uniform, es ist auch meine einzige geblieben“, sagt Lorenz Raab, wenn er an seine ersten musikalischen Erfahrungen bei der Feuerwehr-Musikkapelle Rainbach im Innkreis denkt. Mit seinem Vater, dem Kapellmeister, ist er außerdem schon als Kind öfter zu Pro Brass-Konzerten gefahren. „Das war für mich immer der Wahnsinn. Da stehst du mit zwölf Jahren unten und denkst dir, das schaff ich nie. Und dann ist es irgendwann soweit und du schaffst es doch. Pro Brass ist mein Kindheitstraum.“

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Lorenz Raab sorgt für den Jazz-Sound bei Pro Brass

Der Weg dorthin war ein spannender:  Mit 14 Jahren zog Lorenz Raab nach Wien, um zuerst im Musikgymnasium und dann an der Musikhochschule Trompete zu studieren. Seine Wege führten ihn über Deutschland nach Salzburg, wo er bei der Trompetenlegende Hans Gansch am Mozarteum lernen durfte. Zurück in Wien wurde er im Orchester der Volksoper als Solotrompeter aufgenommen. Seine erste Vorstellung war „West Side Story“. „Das hat ihnen gleich mal getaugt, weil ich viel Big Band gespielt und Jazz-Phrasing gehört habe. Darum war für mich klar, wie das klingen muss.“

Spürbare Spielfreude

Seit 16 Jahren ist Lorenz Raab auch bei Pro Brass dabei. Für den heute 41-Jährigen ist das wie ein Kindergeburtstag auf Blechbläserebene: „Ein Zusammenkommen von Gleichgesinnten, die pro Jahr eine Woche lang gemeinsam Musik auf höchstem Niveau und in alle Himmelsrichtungen machen.“ Finanziell ist Pro Brass, das aus rund 15 Musikern aus verschiedenen europäischen Top-Orchestern besteht, kein lukratives Geschäft. Es geht tatsächlich um die Spielfreude. „Weniger ums Geld geht es mir auch als Besucher. Ein Konzert, ein Theaterstück oder eine Ausstellung ist mir fast nie zu teuer. Wenn ich die Chance habe, besondere Künstler zu hören und nicht weit fahren muss, dann setz ich mich auch gleich in die erste Reihe und leiste mir das. Ich hab viele großartige Künstler, wie etwa Miles Davis, nicht mehr gesehen.  Damals war ich zu jung. Das Konzert war mir zu teuer. Aber ich bereue es nach wie vor. Heute würde ich das Dreifache bezahlen.“

Für Lorenz Raab geht es um das Live-Erlebnis: „Das ist für mich etwas Einzigartiges, was du nicht über irgendwelche Medien, die einen Bildschirm brauchen, bekommst.“ Es sei die gewisse Atmosphäre, die entsteht, vor allem bei Pro Brass-Konzerten.  „Du hörst Klänge, die du nicht genau orten kannst.  Es ist nicht so wie beim Neujahrskonzert, wo die Harfe spielt und die Kamera sofort bei der Harfe drauf ist.  Sondern du bist selbst gefordert. Und es regt die Fantasie an.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, 28. Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in jeder Raiffeisenbank.

Mehr Show für Soundtracks

Was ist passiert? Blue Carpet, singende Diva aus Los Angeles im sexy Glitzerkleid, deutscher Hollywood-Moderator, urige Jodler aus der Schweiz, Balletttänzer der Wiener Staatsoper, russische Volksmusiker in Tracht, orientalisches Ensemble und ein stöhnender Stradivari-Geiger: Die Filmmusik-Gala Hollywood in Vienna entwickelt sich immer mehr vom qualitativ hochwertigen Konzert zum weltweit gut verkaufbaren und durchinszenierten Film-Showevent. Eine Show fürs Auge, Fernsehen vor Filmmusik quasi, Abwechslung und Action um jeden Preis.

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Große Show bei „Hollywood in Vienna“ 2016

Irgendwie schade, aber aus ökonomischen Gründen vielleicht die einzige Möglichkeit für die Veranstalterin, die Zukunft der Gala zu sichern. Aber, und das muss man auch sagen,  Hollywood in Vienna ist noch immer das beste Konzert für Filmmusikfans, das Österreich zu bieten hat. Nirgendwo sonst kann man Soundtracks in dieser Qualität (ORF Radio-Symphonieorchester) und Akkustik (Wiener Konzerthaus) erleben. Schon gar nicht bei den derzeit so häufigen Stadthallen-Shows.

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Desplat hat bereits über 150 Film-Soundtracks geschaffen

Top: Heuer ist Alexandre Desplat mit dem Max-Steiner-Award ausgezeichnet worden. Ein sympathischer Komponist mit grandioser Musik – wie Harry Potter, Pets oder The King’s Speech. Unbedingt anhören!

Über den Dschungel zur Trompete

Er ist gebürtiger Londoner, 49 Jahre alt und spielt Trompete bei den Vereinigten Bühnen Wien. Am 28. Oktober ist Aneel Soomary live mit Pro Brass in der Stadthalle Enns zu hören. Im Alter von zehn Jahren hat Aneel Soomary „Das Dschungelbuch“ im Kino gesehen. „Da gibt es eine Szene, in der Mogli von Affen entführt wird. Balu der Bär und Bagheera der Panther versuchen ihn wieder zurückzubringen. Da hab ich beim Lied ‚I Wan‘na Be Like You‘ die Trompete gehört – und war sofort gefesselt. Für mich ist nichts anderes in meinem Leben mehr infrage gekommen, als Trompeter zu werden.“ Seit zwanzig Jahren lebt Aneel nun schon in Wien, er spielt neben vielen anderen Musikprojekten hauptsächlich Trompete im Ronacher und Raimundtheater. Dort gibt er aktuell bei Musicals wie Evita und Schikaneder den Ton an.

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Trompeter Aneel Soomary von Pro Brass

Keine Mauer zwischen Jazz und Klassik

Seit vielen Jahren ist er auch beim oberösterreichischen Blechbläser-Ensemble Pro Brass im Einsatz. „Ich genieße diese Zeit ohne Ende. Pro Brass ist musikalisch gesehen die größte Herausforderung für einen Blechbläser. Die Musik ist extrem vielseitig. Es gibt keine Mauer zwischen Jazz und Klassik. Und die Moderation ist voll trockenem Humor, manchmal auch ein bisschen politisch und gesellschaftskritisch.“ Pro Brass-Konzerte wie das kommende in Enns empfiehlt er allen, die den „Blechbläser-Klang“ lieben.

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Aneels Grimassen mit dem Klostopfer

Aneel Soomary ist bei den Shows auch für den einen oder anderen Spaß zu haben. Er steckt sich beispielsweise gern seinen Trompetendämpfer – den so genannten Plunger – in den Mund und schneidet damit lustige Grimassen. “Das ist ja eigentlich ein Klostopfer, nur ohne Stock. Aber keine Angst, der war vorher nicht am Klo im Einsatz.“

Dieser Text ist auch in der Wochenzeitung „Ennser Tips“ erschienen. 

Pfeifkonzert im MuseumsQuartier

Er ist ein schräger Vogel, dieser Nikolaus Habjan. Vielen kennen ihn als Puppenspieler, weniger bekannt ist seine musikalische Karriere als Kunstpfeifer. Am Samstag hat er gemeinsam mit dem Pianisten Daniel Nguyen zu einem Open-Air-Pfeifkonzert ins MuseumsQuartier geladen. Dargeboten wurden Opernklassiker wie „La Donna E Mobile“ (Rigoletto), „Der Hölle Rache“(Die Zauberflöte) oder Nessun Dorma (Turandot). Und weil das Publikum so still war, konnten alle im Kreis rundherum sein virtuoses Pfeifen bestens hören. Das Konzert regte außerdem oft zum Schmunzeln an. Weil ein Solist mit Dauer-Duckface und weißen Sportschuhen einfach lustig aussieht, und weil ein gepfiffenes Liedchen einfach Unbeschwertheit und Fröhlichkeit vermittelt. Außerdem top: Beim Konzert wurden Spenden für Flüchtlinge gesammelt.

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Nikolaus und Daniel bei Open Piano for Refugees

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Tanz auf der Orgel

Sie sind das Traumpaar der österreichischen Orgelszene – Maria Grillenberger (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) und Marco Paolacci (Stiftskapellmeister in Zwettl). Am Sonntag gaben die beiden ein vierhändiges Orgelkonzert der Extraklasse im Linzer Mariendom. Am Programm standen Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, Max Reger und Jean Langlais. Absoluter Höhepunkt: Das Orchesterstück Danse Macabre von Camille Saint-Saens – gespielt auf der Orgel. Ein Erlebnis!

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und StrümpfeInge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein. Blick ins Buch.

Kardinal auf der Life-Ball-Bühne

Was war das für ein Moment, als Kardinal Christoph Schönborn am Freitag plötzlich auf der Bühne des Red Ribbon Celebration Concert im Burgtheater stand. Es war der Abend, an dem auch die Lange Nacht der Kirchen stattfand. Der Kardinal nahm sich dennoch Zeit, mit roter Schleife eine Rede für den Life Ball zu halten. Er sprach davon, Vorurteile abzubauen, dass es um Menschen geht und darüber, wie wertvoll das Gespräch ist. Ein starkes Signal. Doch auch sonst hatte das Konzert viel zu bieten: Der Auftritt von Anna Netrebko,  das Barockorchester Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck, aber auch das Duett „That’s What Friends Are For“ von Dionne Warwick und Cheyenne Elliott. Einziger Wehrmutstropfen: Die zwar emotionale, aber leider unvorbereitete und viel zu lange Dankesrede von Life-Ball-Chef Gery Keszler. Ansonsten jedoch ein Top-Konzert, eine Aneinanderreihung von Highlights.

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Top: Das Bühnenbild und die Visuals der Videokünstler Opium Effect

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Rockstar unter den Komponisten

Am Freitag gab Hans Zimmer mit einem 70 Musiker starken Orchester ein Konzert in der ausverkauften Wiener Stadthalle. Zu hören war ein „Best of“ seiner Soundtracks – von Sherlock Holmes, Da Vinci Code, Fluch der Karibik, Gladiator, Der schmale Grat, The Dark Knight, König der Löwen bis Inception. Der gebürtige Deutsche und nun Hollywood-Komponist moderierte amüsant und anekdotenreich durch das Programm und versammelte großartige Sänger und Musiker um sich auf der Bühne. Musikalisch war das Konzert ein Hammer! Doch die Akustik in der Halle D sowie die irritierende Lichtshow (inklusive Visuals im Windows-Media-Player-Stil) trübten die Freude etwas. Fazit: Ein „amerikanisches“ Konzert – bombastisch, aber mitunter ohne Gefühl.

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Drei Stunden Musik mit dem 58-jährigen Oscar-Preisträger

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Gesteuerte Puppen und Drohnen

Es ist natürlich beeindruckend, wenn Dronen mit Suchscheinwerfern über den Köpfen tausender Fans schweben, wenn Kanonen Luftschlangen in die Menge schießen, wenn mit Konfetti gefüllte und leicht zerplatzende XXL-Luftballone durch die Massen wandern, wenn eine drehende 360-Grad-Bühne inklusive 60 Meter Steg mithilfe von durchsichtigen Leinwandnetzen mit riesigen Visuals bespielt werden kann – aber dabei bleibt es ja nicht: Muse überzeugen mit einer musikalisch perfekten, durchchoreografierten Show. Konzerte, wie jenes am Montag in der Wiener Stadthalle, sind eine Aneinanderreihung von Höhepunkten und Überraschungen. Absolutes Highlight: Wenn bei „The Handler“ mit Visuals dargestellte Hände die Musiker an Fäden wie Puppen tanzen lassen.

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Muse spielen musikalisch wie technisch in der ersten Liga.

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Ostern: Konzert statt Kirche

Mit einem der größten Werke der Musikgeschichte, der h-Moll-Messe von Bach, lässt es sich ideal auf Ostern einstimmen: Am Wochenende war das Werk im Wiener Konzerthaus zu hören. Ein Traum etwa das Solo des ersten Konzertmeisters der Wiener Symphoniker, Anton Sorokow – einer der wenigen Orchestermusiker, die während des Konzerts lächelten. Unglaublich gut auch die Solistinnen Camilla Tilling (Sopran) und Wiebke Lehmkuhl (Alt) – letztere besonders beim Agnus Dei. Ein Highlight zum Schluss: Dona nobis pacem. Fazit: Ein „Osterklang“-Konzert mit vielen Höhepunkten. Auch unserem Bundespräsidenten Heinz Fischer und seiner Gattin Margit hats sichtlich gefallen.

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h-moll-Messe mit den Wiener Symphonikern, der Wiener Singakademie, mit Philippe Jordan uvm.

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