Bauschutt-Container als Kunst

Der Schweizer Künster Reto Emch hat beim MuseumsQuartier unter dem Titel „Off-Balance“ sechs alte Bauschuttmulden aufstellen lassen, aus denen Farbe rinnt. Die Behälter wurden per Zug nach Wien transportiert und sollen den ökologischen Fußabdruck von Kunst thematisieren. „Kunstwerke werden über den ganzen Globus verschoben, denn die Museen möchten sich die Highlights teilen. Es ist ein Milliardengeschäft geworden, alle verdienen irgendwie mit. Off-Balance ist Ausdruck dessen, wie wir mit alldem umgehen“, so Emch. „Wir stehen auf der Kippe und befinden uns in Schräglage.“

Off-Balance am Vorplatz des MuseumsQuartiers

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Stausee in der Staatsoper

„Es ist weder ein Vorhang, noch ist er eisern.“ Mit dieser Klarstellung eröffnete Direktor Bogdan Roscic die Präsentation des Eisernen Vorhangs für die neue Saison in der Wiener Staatsoper. Seit 27 Jahren wird die originale Brandschutzwand mit zeitgenössischer Kunst überdeckt. Heuer hat Pipilotti Rist das Großbild für die Initiative „museum in progress“ gestaltet. Die Schweizer Videokünstlerin widmet „Bauchhöhle überfliegt Staumauer“ ihrem Vater, „der immer am Stehplatz in der Oper war“. Über den farbenfrohen Stausee zwischen Bühne und Publikum sagt sie: „Geistige Energie schwappt in den Raum, aber man wird nicht nass.“ Direktor Bogdan Roscic meinte geschäftstüchtig, dass man am Abend kommen müsse, um die Arbeit zu verstehen. Und fügte schmunzelnd hinzu: „Wenn die Energie vom Publikum frei wird. Wenn Sie Pech haben auch olfaktorisch.“

Pipilotti Rist erzählt von inneren Farben, einer riesigen Masse Wasser und einem Menschenbauch.
Das denkmalgeschützte Original – der Eiserne Vorhang des Malers Rudolf Hermann Eisenmenger mit Motiven aus der Gluck-Oper „Orpheus und Eurydike“ aus dem Jahr 1955 – wird Jahr für Jahr verhängt.

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Namensmauer für Shoah-Opfer

Es ist bedrückend, die vielen Namen zu lesen. Im Ostarrichipark vor der Nationalbank befindet sich die Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich. Auf 160 Steintafeln sind die Namen der rund 65.000 österreichischen Opfer eingraviert. Eine ruhige Gedenkstätte.

Die Shoah bezeichnet die systematische Vernichtung von Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus.
Rund 65.000 jüdische Österreicherinnen und Österreicher wurden ab 1938 getötet.

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Würstel und Gurken in der Albertina

Erwin Wurm zeigt seit vielen Jahren, was alles eine Skulptur sein kann – von Würstel, Gurken bis aufgeblasenen Autos und zusammengedrückten Häusern. Aktuell feiert der international bekannte Künstler seinen 70. Geburtstag mit einer großen Ausstellung in der Albertina modern. Darin hat er extra eine zusammengequetschte Schule aufgestellt, die man nur in gebückter Haltung betreten kann. „In der Schule werden wir vom Staat erzogen“, sagt Wurm. In seinem Klassenzimmer hängen veraltete Lehrmittel. „Die waren mal Stand des Wissens. Mittlerweile sind sie politisch inkorrekt geworden. Als man sieht, wie sich Gesellschaft und Vorstellung von Welt ändern.“ Für Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder ist Wurm – in Hinblick auf seine Gurken- und Würstelskulpturen – „ein zutiefst österreichischer Künstler, der aber in der ganzen Welt verstanden wird.“

Liebespaar in Form von Knackern und Sacherwürstel
Wurms verengte Schule „aus Niederösterreich“ mit veralteten Plakaten

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Heidi Horten Collection zeigt Lieblingsbilder

„Das war für uns eine große Überraschung“, erzählt Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco. Die Heidi Horten Collection ließ das Publikum darüber abstimmen, welche Meisterwerke in die neue Dauerausstellung „Klimt ⇄ Warhol“ kommen sollen. 21.000 Stimmen wurden abgegeben. Auf Platz 1 landeten die „Geschwister“ von Paul Klee, dahinter das blaue Schwammbild von Yves Klein („Untitled Blue Sponge Relief“), gefolgt von „L’empire des Lumières“ von René Magritte. Große Namen wie Klimt oder Chagall waren weiter hinten gereiht. Das private Museum möchte auch in Zukunft über „Artfluence“-Votings wertvolle Informationen über den Geschmack des Publikums bekommen.

„Geschwister“ (1930) von Paul Klee hat beim Publikumsvoting 949 Stimmen (7,4%) bekommen.

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DachArt am Wien Museum

Der Wiener Street-Art-Künstler Manuel Skirl hat das neue Wien Museum verschönert. Genauer gesagt das Dach des Eingangspavillons. Zu sehen ist seine riesige „DachArt“ am besten von der Terrasse aus. Künftig soll die Fläche jedes Jahr künstlerisch neu gestaltet werden.

Blick von der Terrasse des Wien Museums: Manuel Skirl sorgt für einen neuen Blickfänger

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Riesiges Weinfass unter der Hofburg

Im Keller der Wiener Hofburg werden Schätze gelagert, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Unter der Präsidentschaftskanzlei etwa befindet sich ein riesiges gemauertes Weinfass. Es hat ein Fassungsvermögen von 731,5 Hektolitern und diente einst der Lagerung von Weißwein für die Hofbediensteten.

Zementfass mit Glaskeramik im ehemaligen Hofweinkeller.

Wenige Meter weiter bewahrt die Burghauptmannschaft rund 2.000 beeindruckende Gipsmodelle auf – von Fassadenelementen, Schlusssteinen und Denkmälern, die an der Ringstraße stehen. Muss eine Statue saniert werden, kann das Originalmodell des Künstlers aus dieser Sammlung herangezogen werden.

Ein abgelehnter Entwurf des Denkmals von Kaiserin Elisabeth im Volksgarten.

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Rassismus, Kunst und Kommerz: Basquiat in der Albertina

Wer war Jean-Michel Basquiat? Er gilt als erster schwarzer Künstler mit Weltruhm, machte sich zuerst in der New Yorker Graffiti-Szene einen Namen, zeichnete in den 1980ern gegen Rassismus und Polizeigewalt, war mit Andy Warhol befreundet und starb mit 27 Jahren an einer Überdosis Drogen. Selbst als Superstar der Kunstszene hatte er Probleme, nach Partys ein Taxi zu bekommen, wurde von Ladendetektiven verfolgt und von der Flughafenpolizei verhört – aufgrund seiner Hautfarbe. Basquiats Themen sind leider nach wie vor aktuell. (Black Lives Matter...)

Die Albertina widmet Basquiat bis 8. Jänner eine Retrospektive – mit 50 Werken und einem Film. Vor allem beim jüngeren Publikum scheint die Schau – zurecht – ein Riesenerfolg zu werden. Spannend: Der Albertina-Shop verkauft neben den üblichen Katalogen, Ansichtskarten und Postern auch Basquiat-T-Shirts (100 Euro), Socken, Sammelfiguren und Geschirr. Teure Fanprodukte, aber natürlich günstiger als Originale. Vor fünf Jahren wurde ein Basquiat-Bild mit Totenkopf-Gesicht um knapp 100 Millionen Euro versteigert.

Selbstporträt von Basquiat in der sehr gut besuchten Albertina-Schau.

Tizians Frauen in der Zielgeraden

Bis 1500 wurden Frauen nur in biblischen Szenen gemalt: Sünderin Eva oder die göttliche Maria. Ab dann ging es aber zur Sache, zumindest in Venedig. Die schöne junge Frau wurde von Tizian, dem Superstar der Renaissance, und seinen Zeitgenossen erotisch porträtiert. Von Männern für Männer. Eine entblößte Brust war etwa das visuelle Zeichen, dass eine Frau offenen Herzens in die Ehe eintritt.

Die Sonderausstellung „Tizians Frauenbild. Schönheit – Liebe – Poesie“  im Kunsthistorischen Museum Wien wurde von Beginn an kontrovers diskutiert. Zu konservativ? Zu wenig Hintergrund? Doch feministisch? Noch eine Woche gibt es Gelegenheiten, sich selbst ein Bild zu machen, bevor sie in den Palazzo Reale in Mailand übersiedelt: Online-Führungen, Venezianische Abende bei Antipasti und Aperitivo oder das Grande Finale Veneziano am letzten Tag.

Liebespoesie und Literatur inspirierten. Allen voran Francesco Petrarca, dessen Angebetete Laura DIE literarische Figur war damals. Ihre Haare sollen so anziehend gewesen sein. Auch die Dame am Sujetbild parfümiert sich ihre Haare.
Viele Werke sind hochkarätige Leihgaben – ob aus St. Petersburg, der Villa Borghese in Rom, oder wie dieses aus dem Dogenpalast in Venedig selbst.

Ein Hauch von „Inception“ im MuseumsQuartier

Es erinnert an Filme wie Matrix und Inception, wenn sich die Gebäude des MuseumsQuartiers verformen, neu zusammensetzen oder gar einstürzen. Möglich macht diese Effekte die Lichtinstallation „re:flexion“. Zum 20. Geburtstag des MuseumsQuartiers bespielen die beiden Künstler Tim Schmelzer und Marcus Zobl die Fassaden des Leopold Museums, der Halle E+G, des mumok und die Hauptfassade des MQ mit einer 20-minütigen Ton-, Licht- und Lasershow. Die Projektionen erzeugen einen 360-Grad-Effekt, der einen staunend zurücklässt. Eine Woche lang sind sie jeden Abend dreimal zu sehen.

Laserstrahlen schießen auf die Museen – wie hier auf das mumok.
Das Leopold Museum wird Stein für Stein wieder aufgebaut.

Es ist die zweite Aktion, die innerhalb weniger Wochen für Staunen sorgt. Erst kürzlich war die Netzskulptur „Earthtime 1.78 Vienna“ der Künstlerin Janet Echelman im Haupthof aufgebaut. Ein 44 Meter langes und 35 Meter breites Netzgebilde, das über dem Hof schwebte und durch Wind und Lichtspiele beeindruckte.

Echelmans Skulptur wachte ein Monat lang über die Enzis.