Heidi Horten Collection zeigt Lieblingsbilder

„Das war für uns eine große Überraschung“, erzählt Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco. Die Heidi Horten Collection ließ das Publikum darüber abstimmen, welche Meisterwerke in die neue Dauerausstellung „Klimt ⇄ Warhol“ kommen sollen. 21.000 Stimmen wurden abgegeben. Auf Platz 1 landeten die „Geschwister“ von Paul Klee, dahinter das blaue Schwammbild von Yves Klein („Untitled Blue Sponge Relief“), gefolgt von „L’empire des Lumières“ von René Magritte. Große Namen wie Klimt oder Chagall waren weiter hinten gereiht. Das private Museum möchte auch in Zukunft über „Artfluence“-Votings wertvolle Informationen über den Geschmack des Publikums bekommen.

„Geschwister“ (1930) von Paul Klee hat beim Publikumsvoting 949 Stimmen (7,4%) bekommen.

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„Swifties“ trotzen dem Terror in Wien

Die Anschlagspläne und die damit verbundene Absage der drei Stadionkonzerte von US-Superstar Taylor Swift in Wien waren ein Schock, die Enttäuschung und Trauer bei den jungen und teils weit angereisten Fans riesig. Doch dann organisierten sich die „Swifties“ selbst – und machten das Beste daraus: Sie trafen sich in der Stadt, um Freundschaftsbänder auszutauschen, ihre Eras-Outfits zu präsentieren und gemeinsam zu singen. Vor allem in der Corneliusgasse im 6. Bezirk und beim Stephansplatz. Tausende kamen zusammen, um das Konzert quasi nachzusingen – mit Choreographien und viel Freude! Die berührenden Bilder davon gingen über Instagram und TikTok um die Welt!

Tabby-Kunstwerk, Swiftie-Massen in der Corneliusgasse und am Stephansplatz

Auch die Stadt Wien, viele Lokale und Institutionen versuchten die Swifties mit Aktionen und freien Eintritten aufzumuntern. Es gab aber auch private Initiativen. Der Wiener Street-Art-Künstler Tabby etwa sprühte ein Schablonenbild von Taylor Swift mit dem Text „Spread love, not hate“ am Donaukanal – und verschenkte mehr als 50 Kunstwerke: „Damit sie ein positives Erlebnis hier in Wien haben.“

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Dieter Nuhr: Kunst gegen die Erregung

„Das, was ich auf der Bühne mache, habe ich nicht gelernt“, sagt Dieter Nuhr gegenüber dem ORF. „Aber Kunst habe ich gelernt!“ Tatsächlich studierte der deutsche Kabarettist und Fernsehmoderator Bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt. Seine Kunstwerke sind eine Mischung aus digitaler Reisefotografie und digitaler Malerei. Nun hat der 63-jährige seine Bilder im Kunstforum Wien unter dem Titel „Woanders ist überall“ präsentiert. Und warum eigentlich? „Ein Bild ist eine Meditationshilfe“, sagt Nuhr. Mit seiner Kunst könne er „der ständigen Erregung“ etwas entgegenstellen.

Dieter Nuhr zeigt erstmals seine Kunst in Österreich – im Kunstforum Wien

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DachArt am Wien Museum

Der Wiener Street-Art-Künstler Manuel Skirl hat das neue Wien Museum verschönert. Genauer gesagt das Dach des Eingangspavillons. Zu sehen ist seine riesige „DachArt“ am besten von der Terrasse aus. Künftig soll die Fläche jedes Jahr künstlerisch neu gestaltet werden.

Dach Art Nr.1 Manuel Skirl sorgt für einen neuen Blickfänger
Dach Art Nr. 2 Aufbruchstimmung von Käthe Löffelmann

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Zeichnungen aus der Kindheit neu gemalt

Warum alte Kinderzeichnungen aufheben? Der Wiener Künstler Jeremias Altmann entdeckte seine eigenen Bilder wieder, die er im Alter zwischen drei und fünf Jahren gemalt hatte. Er wusste zwar nicht mehr, welche Hintergründe und Bedeutungen in den Bildern steckten, „gleichzeitig habe ich festgestellt, dass sie eine enorme Ausdruckskraft und Expressivität haben.“ Also übersetzte Altmann seine alten Kinderzeichnungen in eine neue, erwachsenere Bildsprache, versuchte aber gleichzeitig „auch dieses Mysterium aufrechtzuerhalten.“ Seine Malerei- und Grafikausstellung „Once Upon“ ist noch bis 9. Februar im Bildraum Studio der Ankerbrotfabrik zu sehen.

Jeremias Altmann brachte seine Kinderzeichnungen neu auf Leinwand

Ukraine und Iran: Street-Art für die Freiheit

Neue Kunstwerke in Wien bilden das aktuelle Weltgeschehen ab: Der ukrainische Street-Art-Künstler Nikita Kravtsov etwa hat in der Pfeilgasse eine weinende Frau auf eine Hausmauer gemalt. Das riesige Wandbild über dem „Wiener Würstelstand“ erinnert an Gustav Klimts Frauenporträts und ist Teil des europaweiten Kunstprojekts „The Wall“. Ziel ist es, die Ukraine in Wien – wo es eine hohe russische Präsenz gibt – sichtbarer zu machen. Auch in Berlin, Genf, Marseille und Ankara sollen solche Murals entstehen.

„The Wall“ in Wien: Freiheit, Einheit und Hoffnung

Street-Art beschäftigt sich auch am Bauzaun des Wien Museums mit den Krisen unserer Zeit. Die Künstlerin Artminina aus Odessa setzt sich mit mit einem blau-gelben Paperflieger für Frieden in der Ukraine ein und Künstlerin Ahoo Maher thematisiert die Freiheitsproteste gegen das Regime im Iran.

Illustratorin Artminina hofft auf Frieden in der Ukraine
Abgeschnittene Haare: Ahoo Maher macht die Freiheitsproteste der Frauen im Iran sichtbarer

Klebende Kunst: Hände aus Münzen

Es ist ein starkes Zeichen des Zusammenhalts – die Skulptur „Raising Hands“ von Julia Bugram am Wiener Stephansplatz. Zu sehen sind zwei einander reichende Hände, die aus einer Million zusammengeklebter 1-Cent-Münzen bestehen. Das Kunstwerk soll Hoffnung auf solidarisches Handeln machen. In Zeiten von Krisen und Krieg ist das wichtiger denn je. Seit April sind die – allein aufgrund der Münzen mehrere Tonnen schweren – Hände öffentlich ausgestellt – und haben kaum an Gewicht verloren. Auch der Klebstoff des Kunstwerks steht offensichtlich für Zusammenhalt.

Die „Raising Hands“ wurden unter anderem über Crowdfunding finanziert.
Über 3.800 Menschen sollen sich am Bekleben der Münzen beteiligt haben.

Albertina zeigt Revolver für den Frieden

Ein Revolver als Friedensbotschafter? Das funktioniert wohl nur, wenn die Waffe in einem Käfig eingesperrt ist. Der kroatische Konzeptkünstler Vladimir Dodig Trokut verwirklichte diese Idee einst mit einer rund drei Meter hohen Skulptur mit dem Titel „Imagine“ – in Anlehnung an den berühmten John-Lennon-Hit. Das Kunstwerk ist als Statement gegen Waffenbesitz, Gewalt und Krieg gedacht. Seit Juli ist es am Dach der Albertina in Wien zu sehen. „Imagine all the people, livin‘ life in peace…“.

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder über den Revolver: Gewalt muss „begrenzt werden“.

Riesiges Weinfass unter der Hofburg

Im Keller der Wiener Hofburg werden Schätze gelagert, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Unter der Präsidentschaftskanzlei etwa befindet sich ein riesiges gemauertes Weinfass. Es hat ein Fassungsvermögen von 731,5 Hektolitern und diente einst der Lagerung von Weißwein für die Hofbediensteten.

Zementfass mit Glaskeramik im ehemaligen Hofweinkeller.

Wenige Meter weiter bewahrt die Burghauptmannschaft rund 2.000 beeindruckende Gipsmodelle auf – von Fassadenelementen, Schlusssteinen und Denkmälern, die an der Ringstraße stehen. Muss eine Statue saniert werden, kann das Originalmodell des Künstlers aus dieser Sammlung herangezogen werden.

Ein abgelehnter Entwurf des Denkmals von Kaiserin Elisabeth im Volksgarten.

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und StrümpfeInge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein. Blick ins Buch.

Rassismus, Kunst und Kommerz: Basquiat in der Albertina

Wer war Jean-Michel Basquiat? Er gilt als erster schwarzer Künstler mit Weltruhm, machte sich zuerst in der New Yorker Graffiti-Szene einen Namen, zeichnete in den 1980ern gegen Rassismus und Polizeigewalt, war mit Andy Warhol befreundet und starb mit 27 Jahren an einer Überdosis Drogen. Selbst als Superstar der Kunstszene hatte er Probleme, nach Partys ein Taxi zu bekommen, wurde von Ladendetektiven verfolgt und von der Flughafenpolizei verhört – aufgrund seiner Hautfarbe. Basquiats Themen sind leider nach wie vor aktuell. (Black Lives Matter...)

Die Albertina widmet Basquiat bis 8. Jänner eine Retrospektive – mit 50 Werken und einem Film. Vor allem beim jüngeren Publikum scheint die Schau – zurecht – ein Riesenerfolg zu werden. Spannend: Der Albertina-Shop verkauft neben den üblichen Katalogen, Ansichtskarten und Postern auch Basquiat-T-Shirts (100 Euro), Socken, Sammelfiguren und Geschirr. Teure Fanprodukte, aber natürlich günstiger als Originale. Vor fünf Jahren wurde ein Basquiat-Bild mit Totenkopf-Gesicht um knapp 100 Millionen Euro versteigert.

Selbstporträt von Basquiat in der sehr gut besuchten Albertina-Schau.