Böhmermann singt Udo Jürgens

Über Jan Böhmermanns „hochpolitischen Schlagerabend“ mit dem genialen Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld im Wiener Gasometer ist schon fast alles gesagt worden. Zum Beispiel auf ORF.at. Aber eben nur fast. Denn ein absoluter Höhepunkt des zweistündigen Konzertes war der Song „Tausend Jahre sind ein Tag“.

Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld

Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld setzen auf Glitzer und Pelz

Ist man noch frei, wenn man nichts wagt?
Die Titelmelodie der Fernsehserie Es war einmal der Mensch wurde einst von Udo Jürgens gesungen und hat es inhaltlich in sich: „Wie wird der Mensch zum Nimmersatt? Wer alles hat, kriegt noch Rabatt. Und woher kam die Gier nach Geld? Wie kommt der Hunger auf die Welt? Warum kommt jemand in Verdacht, nur weil er sich Gedanken macht? Ist man noch frei, wenn man nichts wagt? Ja, was ein junger Mensch so fragt…“ Der Text einer Kinderserie – und ein absoluter Hörtipp.

Erikas geile Late-Night-Show

Mein Freund ist schwarz. Jetzt hab ich immer Angst, dass ich etwas Falsches sage. Er hat mich letztens oral befriedigt und mir ist etwas sehr Blödes rausgerutscht: „Ja! Du Sklave! Besorgs mir!“ Dann hat er kurz aufgeschaut, seinen Mund abgewischt und die Brille aufgesetzt. Ich hab gesagt: „Ja, ich habs nicht so gemeint, wie du denkst, wie ichs gemeint habe.“ Und er sagt: „Ich weiß.“ Und so haben wir Rassismus gelöst.

„Geil“ heißt das erste Soloprogramm von Erika Ratcliffe. Am Samstag hatte die 25-jährige „halb Japanerin, halb Österreicherin“ um 22.00 Uhr Premiere im Kabarett Niedermair. Die Comedienne trägt Gedanken und Anekdoten über Rassismus, Masturbation, Feminismus, Terror, Behinderte, Holocaust, Furze und auch Vergewaltigung vor. „Es ist mir egal, wenn die Leute nicht lachen. Es bleibt im Programm!“, sagt sie selbstbewusst, wenn dem Publikum das Lachen im Hals stecken bleibt. Nach 50 Minuten Pointen und Anti-Pointen ist auch schon wieder Schluss – und Erika Ratcliffe schlägt vor: „Gemma saufen!“ Fazit: Kurzweilige, provokante und geile Late-Night-Show, die sich bei der Premiere unter anderem auch „Was gibt es Neues?“-Moderator Oliver Baier und Liedermacher Der Nino aus Wien nicht entgehen haben lassen.

Erika Ratcliffe

Erika Ratcliffe setzt auf provokanten, schwarzen Humor – durchaus mit Tiefgang.

Das Beste von BlöZinger

Sie sind so etwas wie die österreichische Version von Laurel und Hardy: das Kabarettduo BlöZinger. Mit mittlerweile sieben Programmen begeistern die beiden Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzinger ihr Publikum.  Am Freitag haben sie mit ihrem ersten Best-of-Programm „Vorzügliche Betrachtungen“ im ausverkauften Wiener Stadtsaal Premiere gefeiert. Die sympathischen Schauspieler und Clowns liefern dabei eine beeindruckende Leistungsschau ab. Sie zeigen mit großer Spielfreude, warum sie bereits zweimal beim Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurden und jetzt sogar den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen haben.

Wie niemand sonst in der Kabarettbranche verstehen sie es, fast ohne Requisiten und mit perfekter Körpersprache Kopfkino zu erzeugen. Sie schlüpfen in Dutzende Figuren, wechseln diese blitzschnell und fordern damit die Fantasie des Publikums. Dazu kommen intelligenter, schwarzer Humor und clownesk-spielerischer Unfug.

blözinger auf leinwand

In der Pause werden auf der Leinwand Fotos aus BlöZingers Schaffenszeit gezeigt.

Geschichten mit Fantasie
Wie absurd ihre Geschichten sind, wird erst klar, wenn man versucht, ihre Sketche nachzuerzählen. Einmal spielen sie zwei Single-Männer, die sich auf Selbstfindungstrip im Märchenwald verirren. Später philosophieren BlöZinger als grantiger Pensionist und kiffender Zivildiener im Beisein des Sensenmanns über das Leben.  Im nächsten Sketch sind sie Zwillingsembryos, die sich im Bauch der Mutter zanken.

Dann wiederum fahren sie in einem 30 Jahre alten Fiat, der mit Kaugummi zusammengeklebt ist und mit Gasluftballons in den Himmel aufsteigt. Auf der Rückbank sitzen eine Tante mit Tourette-Syndrom, ein Lachyoga-Guru und eine Katze. Vorne zanken sich zwei ungleiche Brüder. Das Autoradio zerstört einstweilen eine Bee-Gees-Kassette. Auch im Zug sind BlöZinger unterwegs – in der Rolle eines Gangster-Duos, das im Abteil Tischtennis und Seilhüpfen spielt. Klingt schräg? Ist es auch! Aber umso lustiger.

Fazit: BlöZinger ist ein Duo, das mit seinen Geschichten in die Kabarettgeschichte eingehen wird. Unbedingt live erleben!

Buchtipp: BlöZinger – Und davon kann man leben? von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

10 Fakten über das Kopftuch

Das Kopftuch tragen nur unterdrückte muslimische Frauen? Von wegen! Das viel diskutierte Stück Stoff gab es zu allen möglichen Zeiten, in allen möglichen Kulturen und hat alle möglichen Bedeutungen. Das Weltmuseum zeigt das in der Ausstellung Verhüllt, Enthüllt!. Vor dem Besuch hätten vermutlich die wenigsten gewusst oder daran gedacht, dass…

    • im mittelalterlichen Venedig das Kopftuch Reichen vorbehalten war. Die Stoffe waren wertvoll und teuer. Sklaven und Prostituierten war es verboten, eines zu tragen.
    • die Jungfrau Maria, die katholischen Frauen als Vorbild dienen soll, auf sämtlichen Abbildungen Kopftuch trägt – als Gegenteil zur Sünderin Eva, die immer nackt und mit wallendem Haar dargestellt wird.
    • aztekische Männer in Bruderschaften Kopftuch trugen.
    • Atatürk, Begründer der Republik Türkei, das Kopftuch in den 1920er Jahren verboten hat. Er wollte sich am Westen orientieren, vor allem an der französischen Verfassung.
    • in den 1950er Jahren das bedruckte Kopftuch als Modeaccessoire für Luxus, Eleganz und Emanzipation stand.
    • bei der österreichischen Tracht das Kopftuch von Anfang an Heimat und Bodenständigkeit vermitteln sollte.
    • das bedeckte Haupt zur Ordenstracht von Nonnen gehört.
    • Queen Elizabeth II. nach wie vor als persönliches Branding ein Kopftuch von Hermès trägt.
    • das Kopftuch aus der Mode der Wiener Designerin Susanne Bisovksy nicht wegzudenken ist. Sie trägt es auch selber, weil sie es schön findet.
    • die Kopftuch-Debatte seit über 2000 Jahren geführt wird und dabei eines immer gleich geblieben ist: Es sind Männer, die über den Körper der Frau bestimmen.

 

Wien wartete auf Granada

„Wenn du so gscheid bist, sog warum host so an Stress? Wo brennt’s, wos soll die Hetz? Jetz moch amol longsom, dass ’s di ned zerlegt….“, singen Granada in ihrem Lied Wien wort auf di. (Das Original heißt Vienna und ist von Billy Joel.) Am dritten Adventsamstag hat die Mundart-Band in der ausverkauften Arena Wien ihre Tour mit einem großartigen Konzert beendet.

„Ich bin ganz baff“, scherzte Sänger Thomas Petritsch zum Finale der „Baff“-Tour.

„Wien wort auf di“ spielten sie nur mit Akkordeon unverstärkt mitten im Saal unter den Fans – und alle sangen lautstark mit. Sänger Thomas Petritsch natürlich mit einer Dose Ottakringer in der Hand. Fazit: Die Band rund um den Grazer Musiker (auch bekannt als Effi) ist die vielleicht sympathischste und fröhlichste der neuen „Austropop“-Bands. Weitere Granada-Hörtipps: Ottakring und Eh ok.

Musik und Mode aus Tierhaut

In Wien gibt es Salonkonzerte im exklusiven Rahmen. Eines, der sogenannte Klang-Salon, fand diese Woche im Fernolendt-Haus statt – ein historisches Gebäude in der Landstraßer Hauptstraße, in dem einst die Dichterin Marie von Ebner Eschenbach gearbeitet hat.

Perkussionistin haut auf Haut
Unter dem Motto „Leder“ war ein Konzert der Perkussionistin Ingrid Oberkanins zu hören. Die Oberösterreicherin spielte auf zahlreichen Trommeln, Rasseln und anderen Instrumenten aus u.a. Kuh-Leder – und nahm sich selbst dabei mit einer Loop-Station auf. Höhepunkt war ein Stück, das sie für eine Dokumentation komponiert hatte, in der es um Flüchtlinge geht, die in Österreich Skifahren lernen. Zwischen den Stücken suchte Oberkanins mit viel Humor ihre Instrumente. „Die Hälfte eines Perkussionistin-Lebens besteht aus Herumwerken und Tragen“, erklärte sie.

Ingrid Oberkanins bei fünften Wiener Klang-Salon

Perkussionistin Ingrid Oberkanins beim 5. Wiener Klang-Salon

Fischleder als zweite Haut
Passend zum Thema war auch Sabina Brägger zu Gast. Die Schweizer Designerin findet es oft alles andere als schön zu wissen, woher die Materialien für Kleidung und Co. kommen.  Sie fertigt ihre Mode daher selbst – und zwar aus Abfallstoffen. Genauer gesagt aus Störleder und Bisonwolle – nachhaltige Produkte, hinter denen sie stehen könne.

Fake News: eine Erfindung der Habsburger?

Wer einen Timeslot für die Bruegel-Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien ergattert, kann sich glücklich schätzen. Der Andrang ist enorm. Die Mini-Ausstellung „Falsche Tatsachen – Das Privilegium Maius“ geht daneben etwas unter. Dabei hat die Story rund um die mittelalterliche Fälscher-Aktion Polit-Thriller-Potenzial.

Kurz erzählt: Wir befinden uns im Heiligen Römischen Reich, 14. Jahrhundert. Weil sich der Habsburger Herzog Rudolf IV. von Kaiser Karl IV. – gleichzeitig sein Schwiegervater – in einem Erlass übergangen fühlte (die Habsburger durften bei der Wahl des neuen Königs nicht mitbestimmen), ließ er Urkunden fälschen. Für seinen ausgeklügelten Plan, die Stellung der Habsburger aufzuwerten, zerstörte er Originalurkunden aus dem 11. und 12. Jahrhundert, um eine ganze Chronologie an gefälschten Dokumenten herzustellen – Urkunden von Cäsar und Nero inklusive.

Ein Gelehrter erkannte diese antiken Teile aber als Fälschung und keiner der Habsburger-Ansprüche aus dem so genannten „Privilegium Maius“ wurde umgesetzt. 100 Jahre nach Rudolfs Tod bestätigte der aktuelle Kaiser Friedrich III. – zufällig? ein Habsburger – aber das Privilegium Maius und Rudolfs Erfindungen, wie der Titel „Erzherzog“, wurden Realität. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden schließlich alle Fälschungen nachgewiesen!

Mit den Dokumenten im Original und teils auf Touchscreen zum digitalen Durchblättern wird in der Ausstellung des KHM dieses delikate Kapitel österreichischer Geschichte erzählt.

Fun Fact: Fälscher Rudolf IV. ging zu seinem Glück noch durch eine andere Aktion in die Geschichte ein. Er gründete die Universität Wien.

Wiens 20 schönste Street-Art-Wände

Die Stadt als Museum und Gebäude als Gemälde: Wer in Wien die Augen offen hält, kann dank Street-Art-Festivals wie Calle Libre riesige, professionelle Kunstwerke entdecken. Hier eine nicht vollständige Liste von Wiens schönsten Murals (Wandmalereien) und ein Video, das Simon Engl geschnitten und Simon Öggl vertont hat.  Viel Spaß und Freude am Entdecken!

Richard-Waldemar-Park

Ort: Richard-Waldemar-Park, Künstler: Stinkfish

Yppenplatz

Ort: Yppenplatz, Künstler: Annatomix

Wiedner Hauptstraße

Ort: Wiedner Hauptstraße, links: Obrigada Kruella d’enfer, rechts. Eduardo Kobra

Strohgasse

Ort: Strohgasse, Künstler: Artez

Schönbrunner Straße

Ort: Schönbrunner Straße; Künstler: Alfalfa

Richard-Waldemar-Park

Ort: Richard-Waldemar-Park, Künstler: Mantra

Brückengasse

Ort: Brückengasse, Künstler: Nychos

Quellenstraße

Ort: Quellenstraße, Künstler: Nychos

Magdalenenstraße

Ort: Magdalenenstraße, Künstler: Evoca1

Ludwig-Hirsch-Platz

Ort: Ludwig-Hirsch-Platz, Künstler: Zesar Bahamonte

Josef-Strauss-Park

Ort: Josef-Strauss-Park, Künstler: Frau Isa

Hornbostelgasse

Ort: Hornbostelgasse, Künstler: Jana & JS

Gierstergasse

Ort: Gierstergasse, Künstler: Jana & JS

Felberstraße

Ort: Felberstraße, Künstler: Cyrcle , Gaiastreetart

Emil-Maurer-Park

Ort: Emil-Maurer-Park, Künstler: Milu Correch

Brunnenmarkt

Ort: Brunnengasse, Künstler: BEZT – ETAM CRU

Breitenseer Straße

Ort: Breitenseer Straße, Künstler: Colectivo Licuado

Braunhirschenpark

Ort: Braunhirschenpark, Künstler: veraprimavera

Andreasgasse

Ort: Andreasgasse, Künstler: Millo

Amerlingstraße

Ort: Amerlingstraße, Künstler: ROA

Noch ein Tipp: Einen aktuellen Überblick über Wiens Street-Art bietet Vienna Murals.

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und StrümpfeInge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein. Blick ins Buch.

Wiener Kirche mit Lego „saniert“

Die Canisiuskirche am Alsergrund ist sanierungsbedürftig. Das zeigt nicht nur die steinerne Petrus-Statue, die aus Sicherheitsgründen abgebaut werden musste und jetzt im Pfarrgarten liegt. Davon zeugt auch die bröckelnde Kirchenmauer. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat der Berliner Street-Art-Künstler Jan Vormann gemeinsam mit Kindern einige Fassadenrisse mit Lego-Steinen saniert.  Leider fehlen inzwischen schon einige Teile. Bei Street-Art handelt es sich eben um vergängliche Kunst.

Legosanierung Jan Vormann

„Wind und Kinder“ bezeichnet „Denkmalpfleger“ Jan Vormann als Gefahr für Lego-Kunst.

Legosanierung Jan Vormann2

Mehrere Kilo an Legosteinen sind in der Kirche verbaut worden.

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

Hollywood in Vienna: Filmmusik in Perfektion

Wenn irgendwo im Weltraum intelligentes Leben existiert, dann wäre es spannend zu wissen, ob es dort auch so etwas wie symphonische Filmmusik gibt. Denn sie gehört zu den schönsten Erfindungen der Menschheit. Einer der fleißigsten und genialsten Komponisten der Gegenwart ist Hans Zimmer. Heuer erwies ihm Hollywood in Vienna im Konzerthaus die Ehre – und zeichnete ihn mit dem Max-Steiner-Award aus.

Hollywood in Vienna 2018

Server lahmgelegt
Dass hier ein echter Star kommt, zeigte sich bereits beim Kartenvorverkauf, der die Website des Konzerthauses stundenlang lahmlegte. Erstmals verzichtete die Veranstaltung außerdem auf Musik von anderen Komponisten. Fast drei Stunden lang wurden vom ORF Radiosymphonieorchester Wien und der gut gelaunten Hans-Zimmer-Band ausschließlich Werke des Oscarpreisträgers zum Besten gegeben – wie Lion King, Inception, Gladiator, Pearl Harbour, The Dark Knight, Rush, Hannibal, Fluch der Karibik, Spirit,….

Lisa Gerrad, Martin Gellner, Hans Zimmer

Lisa Gerrard im goldenen Kleid, Martin Gellner am Dirigentenpult und Preisträger Hans Zimmer

Fazit: Es gibt nach wie vor kein schöneres Konzert für Filmmusik-Fans. Das liegt an der Qualität des RSO, an Stargästen – wie heuer Lisa Gerrard, Valentina Naforniță und auch Pedro Eustache, aber auch an der Akustik des Konzerthauses und am hohen Unterhaltungswert dieser Produktion. Heuer frischten etwa Video-Grußbotschaften von Tom Cruise bis Orlando Bloom die Moderation auf. Ein traumhafter Abend!