Großes Theater in der Gemäldegalerie

Zwei bis vier Sekunden verbringen Museumsbesucher durchschnittlich vor einem Bild. Das erscheint gerade bei den riesigen Gemälden im Kunsthistorischen Museum Wien erschreckend wenig. Nicht so beim Projekt Ganymed Nature. Die Idee ist so einfach wie genial: Schriftsteller und Komponisten suchen sich ein Bild in der Gemäldegalerie aus und schreiben darüber – einen Text oder ein Musikstück. Schauspieler und Musiker geben die Werke direkt vor den jeweiligen „Quellen“ zum Besten.

Ganymed1

Und so strömen bei einer Vorstellung rund 700 Besucher ausgerüstet mit Klapphocker und Plan  durch die beeindruckenden Hallen des KHM und erleben, wie Katharina Stemberger Rubens‘ „Venusfest“ in allen Details zerlegt und als Speckfaltenexplosion bezeichnet (der Text stammt von Eva Menasse), die Strottern auf der Klimtbrücke singen „mogst schaun, weil ma vo da Weitn jo nix siacht“ und Peter Wolf vor Sandrarts‘ „Fischmarkt“ erzählt, wie Hummer gefangen, bei lebendigem Leib in den Topf geworfen und gepeinigt werden. Groß und Klein, Jung und Alt lauschen wie Kinder bei einer Märchenstunde – mit großen Augen und voller Spannung. Besonders bei der Station vor Gentileschis „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ ist die Stille praktisch greifbar. Da liegt Josef erschöpft auf dem Boot und vor ihm erzählt die 20-jährige Rania, die aus ihrer Heimat Kobane in Syrien geflohen ist, dass Ruhe ein wesentliches Element auf der Flucht ist…

Wer mit den üppigen, scheinbar immer gleichen Gemälden der Alten Meister voller Nackter und anderer Grauslichkeiten in der Gemäldegalerie bislang nichts anzufangen wusste, der wird sie nach Ganymed nicht nur schätzen und lieben, sondern mit völlig anderen Augen sehen. Und das unweigerlich länger als wenige Sekunden.

Raffael: Wie eine Reise nach Italien

„Schauen Sie sich den Bruegel an, der läuft nur noch bis Dezember. Der Raffael geht bis Jänner – und da schieben sich die Leute nur so durch.“ Den Tipp dürfte der ältere Herr am Eingang der Albertina mehreren Museumsbesuchern gegeben haben. Denn es war gerade umgekehrt. Die Raffael-Schau war zwar sehr gut besucht, trotzdem war genug Platz, um sich die 130 Zeichnungen und 18 Gemälde in Ruhe ansehen zu können.

Alle Wege führen nach Florenz und Rom

Die „drittteuerste Ausstellung“ in der Geschichte der Albertina erzählt vom künstlerischen Werdegang des  italienischen Malers, der zwischen 1483 und 1520 lebte und dessen Vorname zum Künstlername wurde.  Es ist faszinierend, was Raffael in seinen 37 Jahren Lebenszeit für die Kunstwelt geschaffen hat: von seinen Madonna-Bildern in Florenz bis zu den weltberühmten Fresken für Päpste und Bankiers in Rom. Ein Muss für Kunstinteressierte! Achja, den Bruegel haben wir uns auch noch gegeben:  ein beeindruckender Wimmelbildzeichner aus dem 16. Jahrhundert!

Rastende Soldaten

Rastende Soldaten (Pieter Bruegel)

Buchtipp: Pater Martin 3 – Der lachende Franziskaner von Florian Kobler (Freya Verlag).

Luke Skywalker und die Missen

„Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen wäre“, soll Filmregisseur Robert Bresson gesagt haben. Diesen Spruch hat sich Manfred Baumann zu Herzen genommen. Baumann, der sich in Wien vor allem als Society- und Missen-Fotograf einen Namen gemacht hat, brachte kürzlich einen Bildband im Novum Verlag heraus, eine Art Werkschau von 1991 bis 2006. Darin erzählt er, dass sein Nachhilfelehrer während seiner Schulzeit Fotograf war. Dessen Wohnung glich einer Dunkelkammer, in der viele Schwarz-Weiß-Fotografien von schönen Frauen herumlagen. Von da an wusste Baumann, dass er Fotograf werden wollte. Mit seinem ersten selbstverdienten Geld als Kaufmannslehrling bei Julius Meinl kaufte er sich eine neue Kamera. „Mit zunehmendem Alter stieg das Interesse an Frauen und Erotik. In den ersten Jahren der Modelfotografie beeinflusste mitunter auch mein Testosteronspiegel die Bildsprache.“

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Ein Fotograf mit Geheimnis

Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Baumann reiste um die halbe Welt, fotografierte Landschaften, Obdachlose, Gefängnisinsassen – und porträtierte Stars wie Bruce Willis, Jack Black, John Malkovich und Mark Hamill alias Luke Skywalker. Sein rund 280 Seiten starker Bildband „my world of photography“ zeigt eine Auswahl davon aus 25 Jahren. Was Baumann nicht verrät, ist, wie er es schafft, an die vielen Stars heranzukommen. Doch was wäre ein Starfotograf ohne Geheimnisse?

Der besprochene Bildband wurde vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Supermodels hautnah vor Augen

Cindy Crawford, Naomi Campbell, Linda Evangelista, Kate Moss: Es gibt einen deutschen Modefotografen, der diese Models – und noch viele mehr –  leicht- oder unbekleidet vor die Linse bekommt. Der Glückliche heißt  Peter Lindbergh und arbeitet seit Jahrzehnten unter anderem für die Vogue. Zu seinem Schaffen gehört auch der Pirelli Calendar 2017, für den Stars wie Penelope Cruz, Uma Turman oder auch Nicole Kidman posierten. Die Kunsthalle München zeigt in der Ausstellung „From Fashion to Reality“ aktuell einen Überblick über Lindberghs Schaffen. Fazit: So nahe kommt man den Stars selten. Lindbergh konzentriert sich auf die Menschen am Foto, zeigt Porträts in Schwarz-Weiß – voll Schönheit und Charakter. Kurzweilig, unterhaltsam, sehenswert!

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V.l.n.r.: Estelle Lefebure, Karen Alexander, Rachel Williams, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington (Santa Monica, Kalifornien, 1998)

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Schönheiten in Schwarz-Weiß – etwa Angelina Jolie, Brad Pitt…

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Nackte Werbung für alte Filme

Weltberühmt – das Bild von Marilyn Monroe mit dem hochwehenden, weißen Kleid – eigentlich ein Werbefoto für den Film Das verflixte 7. Jahr. Die Albertina zeigt in ihrer neuen Austellung „FilmStills“ 130 solcher berühmter Fotos. Sie wurden zwischen 1902 und 1975 abseits der Filmsets extra von Fotografen hergestellt, um den jeweiligen Film zu bewerben. Auffallend ist, dass Frauen und Verführung dabei eine große Rolle spielten, wie die folgenden Bildbeispiele zeigen. Fazit: „Sex sells“ heute wie damals.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Pixelkunst in der Albertina

„Was damals der Punkt war, ist heute der Pixel“ – und damit ist schon das Wichtigste über die neue Herbstaustellung #SeuratSignacVanGogh in der Albertina gesagt. Gezeigt wird farbenfroher Pointillismus, also Kunst, die aus vielen kleinen Punkten besteht. Damit sich das möglichst viele Menschen aus nächster Nähe ansehen, hat das Bundesmuseum zur ersten Social Conference geladen. Yeah! Mit dabei waren zahlreiche „hippe“ Instagramer und Twitteranten – und natürlich kulturblogger.at! Top:  Für ein bisschen Show und Glamour sorgte ein Bodypainting-Model, das die Kunst hautnah zeigte ;-).

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder

Die Kunst von „Star Wars“

Wer sich auf den neuen „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“ einstimmen möchte, muss zu Star Wars Identities ins MAK gehen. Der Eintritt kostet zwar bis zu 25 Euro, aber es zahlt sich aus. Denn die cineastische Ausstellung ist aufwendig gemacht und höchst unterhaltsam: Jeder Besucher bekommt einen Audioguide und ein Armband mit Chip. Damit kann man sich bei zehn interaktiven Stationen seinen eigenen Star-Wars-Charakter zusammenstellen. Wer keine Freude an Psychotests und Spielchen hat, dem verraten die Stationen auch einfach so viele Hintergrundinfos zu den sieben Blockbuster-Filmen.

Wirklich beeindruckend sind die Originalkostüme, Zeichnungen und Raumschiffmodelle. Man erfährt vieles über die Entstehung der Charaktere wie Yoda, Chewbacca, Boba Fett, Darth Vader und die Sturmtruppen. Für die richtige Stimmung im Museum sorgen Lichtdesign, Ausstellungsfilme und Musik. Fazit: Sowohl für „Star Wars“-Fans als auch Familien ein Muss!

 

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.

Schwitzen für die Kunst

Man soll ins Museum gehen, wenn es draußen heiß ist. Denn die Museen sind klimatisiert. Zumindest in der Christoph-Niemann-Schau im MAK stimmt das nicht. Dort kommt man derzeit ordentlich ins Schwitzen. Aber das nimmt man gern in Kauf, denn die Grafiken, Cartoons und Zeichnungen von Niemann sind extrem lustig. Fotografieren ist in der Schau erstaunlicherweise erlaubt, daher hier ein paar Eindrücke:

Kaffee

Katze

Star Wars

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Schnurwolke über Künstlergasse

Wer an eine Straße denkt, stellt sich für gewöhnlich eine zweidimensionale Fläche vor. Um auch den meist unerreichbaren Raum über der Straße in den Fokus der Aufmerksamkeit zu richten, haben die TU-Wien-Studierenden Michael Leiner, Sarah Leuchtenmüller, Vanessa-Maria Müller und Bianca Zulus das Projekt „Über“ gestartet. Für die Vienna Biennale 2015 hängten sie nach wochenlanger Vorbereitung eine Art Wolke – bestehend aus rund sieben Kilometer Schnur – einige Meter über dem Asphalt in der Künstlergasse im 15. Bezirk auf. Durch diesen Blickfang soll unser Bild der Straße erweitert werden.  Ein Modell der Kunstinstallation ist derzeit auch im MAK zu sehen.

Am Samstag wurde die Installaton mit einem Picknick und Fest eröffnet

Am Samstag wurde die Installation mit einem Picknick und Fest eröffnet

Projekt Projekt Projekt

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Die Schlange auf der Stiege

Kunst verbindet! Zumindest im Fall der gelb-schwarzen Schlange neben der Himmelpfortstiege in Wien-Alsergrund. Die Zeichnung bringt etwas Farbe in diese graue Gegend. Der Standort passt gut. Denn auch die Himmelpfortstiege hat etwas Verbindendes: Sie führt die Nußdorfer Straße mit der Liechtensteinstraße zusammen.

Graffiti Vienna

Kunst und Stiegen verbinden 🙂

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.