Hader spielt Hader im Burgtheater

„In ganz Europa findet heute Abend kein Konzert statt, wo soviel Eintrittsgeld für so schlechtes Klavierspiel bezahlt wird“, so Josef Hader bei seiner gestrigen Show „Hader spielt Hader“ im Wiener Burgtheater. Es ist faszinierend, wie Hader die Leute mit seinen „Kopfgeschichten“ an der Stange hält. Er erzählt voller Leidenschaft darüber, wie er in der Kanalisation mit einem Stück Scheiße plauscht, wie er mit dem Teufel das „Steinscheißerkarl-Spiel“ spielt und wie er mit Lemmingen zum Meer fährt… und die Besucher hören interessiert zu! Sie lachen, staunen und amüsieren sich.

„Für die Pause ist es noch zu früh, oder?“, frägt Hader nach einer halben Stunde. Er versucht den Besuchern das Gefühl zu vermitteln, dass sein Vortrag spontan und unvorbereitet ist. Zeitweise könnte man es auch glauben, schließlich überzieht Hader gerne und baut in seinen Geschichten viele Aktualitäten ein.

Nach der Vorstellung forderte Hader das Publikum noch charmant auf, für ein Asylantenheim in Wien zu spenden – und erzählte die Geschichte eines Kärtners, der nach seiner Kabarettshow nichts spenden wollte. Als der Kärtner mit seinem schwarzen Auto nach Hause fahren wollte, verletzte er sich am Bein und schrie eine halbe Stunde lang vor Schmerzen. Haders Nachsatz: „Das hat aber nichts damit zu tun, dass er nicht gespendet hatte.“ 😉

Hader ist einer der besten Kabarettisten Österreichs, wenn nicht der Beste. Seine Shows sind nur bedingt lustig, regen zum kritischen Nachdenken an, bieten aber keine Lösungen – wie denn auch? Es wird über Vorurteile, über Politik, über Tricks von Kabarettisten, über Beziehungen, über Esoterik, über Nachbarn, über Werte, über Vorurteile und über das Leben ansich gesprochen. Einen roten Faden durch das Programm gibt es nicht. Am Ende des Abends verlässt man die Vorstellung mit gemischten Gefühlen.

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Endstation Sehnsucht im Burgtheater

Tennessees Williams‘ Stück Endstation Sehsucht lässt sich im Wiener Burgtheater wie ein Film ansehen. In der Inszenierung von Dieter Giesing werden Szenen ein- und ausgeblendet. Schnitt. Dazu ein bisschen Hintergrundmusik und eine Geschichte, die sich auch mit halboffenem Auge mitverfolgen lässt. Worum geht es? Eine ehemals reiche Dame namens Blanche Dubois (Dörte Lyssewski) zieht in New Orleans bei ihrer schwangeren Schwester (Katharina Lorenz) ein, da ihr Anwesen versteigert werden musste. Das gefällt dem neurotischen Schwager Stanley Kowalski (Nicholas Ofczarek) natürlich nicht, der sie schnellstmöglich wieder loswerden möchte.

Endstation Sehnsucht ist ein Drama, in dem zwei Welten aufeinanderprallen. Die Personen werden zunehmend unsympatischer, die Situationen auf der Bühne eskalieren regelmäßig – und doch geht das Leben weiter. Eine Geburt steht an, und gleichzeitig erhöhen sich Alkoholkonsum und Gewalt. Fazit? Das Stück ist spannend, das Bühnenbild ist schräg, einen Höhepunkt gibt es nicht. Ein unterhaltsamer Abend mit grandiosen Schauspielern. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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„Fool of Love“ im Burgtheater

„Schüttle den Speer“ bedeutet „Shakesspear“, wurde den Besuchern der Vorstellung „Fool of Love“ im Burgtheater erklärt. Aufgeführt wurden Sonette und Gedichte des legendären Dichters, teils auf Englisch, teils auf Deutsch, teils ohne Zusammenhang. Für die Musik der Sonette zeigte sich Karsten Riedel mit der Band Franui verantwortlich. Der deutsche Punkmusiker sang, im Gegensatz zu Dörte Lyssewski, richtig und ausdrucksvoll. Nicht versteckten brauchten sich Sunnyi Melles, Tilo Nest und Johannes Krisch für ihre Gesangsleistungen. Der eigentliche Star des Abends war kein Mensch, sondern eine greisenhafte Klappmaulpuppe, die vom Puppenspieler Nikolaus Habjan sowie von den Stimmen von Nicholas Ofczarek und Tilo Nest (Ein Wahnsinn!!) mit viel Humor und Können zum Leben erweckt wurde.

Beste Stelle des Abend: Die Puppe verkörperte einen alten Mann, den Herrn Sedlaczek, der während einer Führung durch das Burgtheater auf der Bühne zusammenbrach und starb. „Gehe zum Licht“, sagte ihm eine Stimme, doch das Theater hatte so viele Lichter über der Bühne hängen, sodass er nicht wusste, welches Licht gemeint war. Der Geist des toten Herrn Sedlaczek entschied daraufhin, noch ein bisschen auf der Bühne zu bleiben….

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Der Parasit im Burgtheater

Bereits seit 31. Dezember 2010 wird die aktuelle Inszenierung von Friedrich Schillers „Der Parasit“ im Burgtheater aufgeführt. Zu Recht ist das Stück ein voller Publikumserfolg. Das liegt zum einen am humorvollen wie tragischen und stets aktuellen Stoff und zum anderen an der grandiosen Arbeit der Schauspieler.Mit Michael Maertens wurde die perfekte Besetzung für den Hofintriganten Selicour gefunden. Auch die anderen Darsteller spielen ihre Rollen überzeugend und mit vollem Einsatz. Hervorzuheben sind Yohanna Schertfeger, die traumhaft schön singt, Udo Samel, der mit seinem Chefblick gnadenlos töten könnte und Johann Adam Oest, die Unschuld in Person. Der Höhepunkt der Inszenierung ist das Bühnenbild. Mit unterschiedlich hohen Türen ist die Arbeitswelt erklärt.

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Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie im Burgtheater

Bei der „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ handelt es sich um eine sehr seichte, klischeeüberladene, teils langweilige Verwechslungskomödie von Woody Allen ohne Überraschungen. Sehenswert ist die Inszenierung im Burgtheater trotzdem, nicht wegen der Handlung oder der Quoten-Nackten, sondern wegen Schauspieler Michael Maertens, der seine Rolle als Erfinder überzeugend und humorvoll spielt. Unglaubwürdig wirkt dagegen Sunnyi Melles in der Rolle der begehrten Schönheit. Aber ernst zu nehmen ist dieses Stück ja ohnehin nicht. Diesen Eindruck bestärkt ein Bühnenarbeiter, der mit einer Angel gut sichtbar für das Publikum einen Schmetterling fliegen lässt. Beeindruckend waren die übrigen Spezialeffekte und das Bühnenbild. Zu sehen sind fliegende Fahrräder, explodierende und rauchende Erfindungen, ein Oldtimer , ein Motorrad und viel grüne Natur.

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Backstage im Burgtheater

Das neue Burgtheater in Wien ist wohl eines der bekanntesten und moderensten Theaterhäuser Europas. (Das alte Burgtheater befindet sich bei der Hofburg, gegenüber vom Sissi-Museum) Während die Zuschauerbereiche prunkvoll gestaltet sind, sieht es hinter den Kulissen aus wie auf einer Baustelle. (Aber wie auf einer sehr sauberen Baustelle.) Es gibt unzählige Gerüste, enge Gänge, steile Leitern, blinkende Warnleuchten, lautlose Aufzüge, volle Lagerräume, zahllose Kabel und Planen. Während einer Vorstellung sorgen bis zu 50 „Arbeiter“ hinter der Bühne für einen reibungsfreien Ablauf. Beindruckend ist natürlich die Drehzylinderbühne, der 28 Meter hohe Schnürboden und die vielen Bühnenversenkungen. Wunderschön zum Ansehen ist außerdem die sogenannte Feststiege auf der Volksgartenseite. Diese wird nicht nur zu besonderen, sondern auch zu traurigen Anlässen geöffnet – denn wenn ein Burgschauspieler stirbt, wird dort der Sarg für eine Weile aufgebahrt.

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