Weltberühmt – das Bild von Marilyn Monroe mit dem hochwehenden, weißen Kleid – eigentlich ein Werbefoto für den Film Das verflixte 7. Jahr. Die Albertina zeigt in ihrer neuen Austellung „FilmStills“ 130 solcher berühmter Fotos. Sie wurden zwischen 1902 und 1975 abseits der Filmsets extra von Fotografen hergestellt, um den jeweiligen Film zu bewerben. Auffallend ist, dass Frauen und Verführung dabei eine große Rolle spielten, wie die folgenden Bildbeispiele zeigen. Fazit: „Sex sells“ heute wie damals.
Berlin – Symphony of a Great City (Walter Ruttmann)
Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.
Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.
Löffel-Walross Walter Voglmayr
Keine Grenzen bei Blasmusik
Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.
Suche nach der Pro Brass-Wolke
„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“
Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.
Er ist Solist beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien, hat Deutsch beim Biertrinken mit Freunden gelernt und spielt beim Pro Brass-Konzert am 28. Oktober in der Stadthalle Enns das erste Horn. Wir haben Péter Keserü beim Proben getroffen.
Péter Keserü, geboren und aufgewachsen in Ungarn, wusste schon mit zehn Jahren, dass er in seinem Leben nur Musiker werden möchte. Die ersten Auftritte spielte er als Dreijähriger. Dabei trommelte er mit Löffeln auf Schuhschachteln herum – und stellte die Nerven seiner Eltern auf die Probe. In der Musikschule wollte Péter entweder das größte oder das kleinste Instrument lernen, also die Tuba oder die Trompete. Doch sein Lehrer drückte ihm das Horn in die Hand. „Das war zuerst eine gewisse Enttäuschung, aber im Nachhinein bin ich ihm sehr dankbar.“ Vor allem, weil der heute 39-Jährige seither sehr gefragt ist. Gute Hornspieler gibt es nämlich selten: „Das Instrument ist sehr lang und der Tonumfang sehr groß. Dazu kommt, dass im oberen Tonbereich die Naturtöne sehr eng beisammen liegen. Die Gefahr, dass ein Gickser herauskommt, ist hoch. Deshalb darf man beim Hornspielen nicht zu viel nachdenken. Das ist sehr gefährlich.“
Péter Keserü – für jeden Spaß zu haben 😉
Seit 13 Jahren musiziert Péter in Österreich, zuerst als erster Hornist beim Bruckner Orchester Linz, danach beim ORF Radio-Symphonieorchester Wien. In seiner Zeit in Oberösterreich lernte er den Pro Brass-Posaunisten Gerald Pöttinger kennen. „Nach den Diensten hatte ich immer wieder Deutschkurse bei ihm zuhause. Oft waren wir auch gemeinsam unterwegs. Man kann die Sprache ja nicht nur von Büchern lernen – sondern auch mit Kneipen und Bier.“ 2007 trat er erstmals gemeinsam mit Pro Brass auf. Seither ist er dabei und spielt das erste Horn. „Keinen Nachschlag, weil Märsche nicht unbedingt das Kerngeschäft von Pro Brass sind. Aber in diesem Ensemble gibt es keine Grenzen, also spiele ich auch Nachschlag, wenn das gewünscht ist.“
„Wir dürfen da auch laut spielen!“
Für die Spitzenmusiker von Pro Brass ist die „Crossover-Blechblasmusik“ des mehr als 30-jährigen Projektensembles eine willkommene Abwechslung. Die Bläser, die fast alle von der Klassik kommen, sagen über Pro Brass erfreut: „Wir dürfen da auch laut spielen!“ Péter ergänzt: „Das stimmt. Aber auch leise. Es ist vieles erlaubt. Dazu kommt beim Konzert eine Geschichte, ein bisschen Theater und Kabarett. Das kann man gar nicht beschreiben, das muss man einfach live erleben.“
Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.
Alte Musik auf alten Instrumenten in einer alten Kirche mit alten Zuhörern. Klingt nicht spannend? Doch, wenn Claudio Monteverdis Marienvesper vom Originalklangensemble Barucco und dem Chor Ad Libitum sowie !!! sechs !!! Gesangssolisten unter der Leitung von Heinz Ferlesch im Stift Melk dargeboten wird. TOP: Die Besucher konnten das selten aufgeführte Sakralwerk am Wochenende also in einzigartiger Kulisse voller Fresken und Gold erleben – und quasi in Surround-Sound 5.1. Denn die Sänger verteilten sich auf der Empore in der gesamten Stiftskirche. Welch entspannender, sanfter Hörgenuss! (Hörbeispiel)
Die ausverkaufte „Marienvesper“ im Stift Melk
Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.
Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, inzwischen Solotrompeter an der Wiener Volksoper und beim Ensemble Pro Brass für „den Jazz“ zuständig. Wir haben Lorenz Raab getroffen und mit ihm über das bevorstehende Pro Brass-Konzert am 28. Oktober in der Ennser Stadthalle gesprochen.
„Ich bin nach wie vor stolz auf meine Uniform, es ist auch meine einzige geblieben“, sagt Lorenz Raab, wenn er an seine ersten musikalischen Erfahrungen bei der Feuerwehr-Musikkapelle Rainbach im Innkreis denkt. Mit seinem Vater, dem Kapellmeister, ist er außerdem schon als Kind öfter zu Pro Brass-Konzerten gefahren. „Das war für mich immer der Wahnsinn. Da stehst du mit zwölf Jahren unten und denkst dir, das schaff ich nie. Und dann ist es irgendwann soweit und du schaffst es doch. Pro Brass ist mein Kindheitstraum.“
Lorenz Raab sorgt für den Jazz-Sound bei Pro Brass
Der Weg dorthin war ein spannender: Mit 14 Jahren zog Lorenz Raab nach Wien, um zuerst im Musikgymnasium und dann an der Musikhochschule Trompete zu studieren. Seine Wege führten ihn über Deutschland nach Salzburg, wo er bei der Trompetenlegende Hans Gansch am Mozarteum lernen durfte. Zurück in Wien wurde er im Orchester der Volksoper als Solotrompeter aufgenommen. Seine erste Vorstellung war „West Side Story“. „Das hat ihnen gleich mal getaugt, weil ich viel Big Band gespielt und Jazz-Phrasing gehört habe. Darum war für mich klar, wie das klingen muss.“
Spürbare Spielfreude
Seit 16 Jahren ist Lorenz Raab auch bei Pro Brass dabei. Für den heute 41-Jährigen ist das wie ein Kindergeburtstag auf Blechbläserebene: „Ein Zusammenkommen von Gleichgesinnten, die pro Jahr eine Woche lang gemeinsam Musik auf höchstem Niveau und in alle Himmelsrichtungen machen.“ Finanziell ist Pro Brass, das aus rund 15 Musikern aus verschiedenen europäischen Top-Orchestern besteht, kein lukratives Geschäft. Es geht tatsächlich um die Spielfreude. „Weniger ums Geld geht es mir auch als Besucher. Ein Konzert, ein Theaterstück oder eine Ausstellung ist mir fast nie zu teuer. Wenn ich die Chance habe, besondere Künstler zu hören und nicht weit fahren muss, dann setz ich mich auch gleich in die erste Reihe und leiste mir das. Ich hab viele großartige Künstler, wie etwa Miles Davis, nicht mehr gesehen. Damals war ich zu jung. Das Konzert war mir zu teuer. Aber ich bereue es nach wie vor. Heute würde ich das Dreifache bezahlen.“
Für Lorenz Raab geht es um das Live-Erlebnis: „Das ist für mich etwas Einzigartiges, was du nicht über irgendwelche Medien, die einen Bildschirm brauchen, bekommst.“ Es sei die gewisse Atmosphäre, die entsteht, vor allem bei Pro Brass-Konzerten. „Du hörst Klänge, die du nicht genau orten kannst. Es ist nicht so wie beim Neujahrskonzert, wo die Harfe spielt und die Kamera sofort bei der Harfe drauf ist. Sondern du bist selbst gefordert. Und es regt die Fantasie an.“
Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, 28. Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in jeder Raiffeisenbank.
Was ist passiert? Blue Carpet, singende Diva aus Los Angeles im sexy Glitzerkleid, deutscher Hollywood-Moderator, urige Jodler aus der Schweiz, Balletttänzer der Wiener Staatsoper, russische Volksmusiker in Tracht, orientalisches Ensemble und ein stöhnender Stradivari-Geiger: Die Filmmusik-Gala Hollywood in Vienna entwickelt sich immer mehr vom qualitativ hochwertigen Konzert zum weltweit gut verkaufbaren und durchinszenierten Film-Showevent. Eine Show fürs Auge, Fernsehen vor Filmmusik quasi, Abwechslung und Action um jeden Preis.
Große Show bei „Hollywood in Vienna“ 2016
Irgendwie schade, aber aus ökonomischen Gründen vielleicht die einzige Möglichkeit für die Veranstalterin, die Zukunft der Gala zu sichern. Aber, und das muss man auch sagen, Hollywood in Vienna ist noch immer das beste Konzert für Filmmusikfans, das Österreich zu bieten hat. Nirgendwo sonst kann man Soundtracks in dieser Qualität (ORF Radio-Symphonieorchester) und Akkustik (Wiener Konzerthaus) erleben. Schon gar nicht bei den derzeit so häufigen Stadthallen-Shows.
Desplat hat bereits über 150 Film-Soundtracks geschaffen
Er ist gebürtiger Londoner, 49 Jahre alt und spielt Trompete bei den Vereinigten Bühnen Wien. Am 28. Oktober ist Aneel Soomary live mit Pro Brass in der Stadthalle Enns zu hören. Im Alter von zehn Jahren hat Aneel Soomary „Das Dschungelbuch“ im Kino gesehen. „Da gibt es eine Szene, in der Mogli von Affen entführt wird. Balu der Bär und Bagheera der Panther versuchen ihn wieder zurückzubringen. Da hab ich beim Lied ‚I Wan‘na Be Like You‘ die Trompete gehört – und war sofort gefesselt. Für mich ist nichts anderes in meinem Leben mehr infrage gekommen, als Trompeter zu werden.“ Seit zwanzig Jahren lebt Aneel nun schon in Wien, er spielt neben vielen anderen Musikprojekten hauptsächlich Trompete im Ronacher und Raimundtheater. Dort gibt er aktuell bei Musicals wie Evita und Schikaneder den Ton an.
Trompeter Aneel Soomary von Pro Brass
Keine Mauer zwischen Jazz und Klassik
Seit vielen Jahren ist er auch beim oberösterreichischen Blechbläser-Ensemble Pro Brass im Einsatz. „Ich genieße diese Zeit ohne Ende. Pro Brass ist musikalisch gesehen die größte Herausforderung für einen Blechbläser. Die Musik ist extrem vielseitig. Es gibt keine Mauer zwischen Jazz und Klassik. Und die Moderation ist voll trockenem Humor, manchmal auch ein bisschen politisch und gesellschaftskritisch.“ Pro Brass-Konzerte wie das kommende in Enns empfiehlt er allen, die den „Blechbläser-Klang“ lieben.
Aneels Grimassen mit dem Klostopfer
Aneel Soomary ist bei den Shows auch für den einen oder anderen Spaß zu haben. Er steckt sich beispielsweise gern seinen Trompetendämpfer – den so genannten Plunger – in den Mund und schneidet damit lustige Grimassen. “Das ist ja eigentlich ein Klostopfer, nur ohne Stock. Aber keine Angst, der war vorher nicht am Klo im Einsatz.“
Dieser Text ist auch in der Wochenzeitung „Ennser Tips“ erschienen.
[von Bernhard Kobler] Das Volkstheater hat seine Pforten wieder geöffnet und beweist mit Molieres Komödie „Der Menschenfeind“, dass sich der Besuch wieder lohnt. Regisseur Felix Hafner versteht es, den 300 Jahre alten Stoff modern und mit viel Komik auf die Bühne zu bringen. „Menschenfeind“ Alceste, gespielt von Lukas Holzhausen, will immer die Wahrheit sagen, die natürlich niemand hören will. Gerade deshalb hat es der Protagonist sehr schwer, in seiner Welt voller Heuchler und Falschheit. Kaum verlässt eine Figur die Szene, wird schamlos abgelästert.
Auf der Volkstheaterbühne wird gelästert und geschimpft.
Der durchwegs gereimte Text wirkt zunächst irritierend, wird aber nach kurzer Zeit zum wichtigen Element für den schnellen und kurzweiligen Rhythmus – und sorgt durch charmante Wortwitze für viele Lacher. Auch der Blick auf die gereimten, englischen Obertitel lohnt sich. Nach rund 90 Minuten ist der Spaß vorbei, bei dem jeder verliert, nur nicht der Theatergast. Eine Ode an die Falschheit!
Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.
„Gebundene Hände, das ist das Ende, jeder verliebten Passion“ , singt Hollywood-Diva Gloria Mills in Ralph Benatzkys „Axel an der Himmelstür“. Die Operette mit den vielen bekannten Schlagerhits ist derzeit an der Wiener Volksoper zu sehen – und zwar komplett in schwarz-weiß. Vom Bühnenbild bis zu den Sängern ist alles in Graustufen gehalten. Das Satirestück mit Wien-Bezug funktioniert generell wie ein lustiger Stummfilm – samt Slapstick, Montagetricks und echtem Orchester. Zusätzlich wird das gerade moderne Whiteboard, das man aus YouTube-Erklärfilmen kennt, effektvoll eingesetzt. Fazit: Erstaunlich wie unterhaltsam eine alte Operette inszeniert werden kann. Ein wirklich vergnüglicher Abend in der Volksoper. Sehen- und hörenswert!
Farbe gibts erst nach dem Schlussapplaus.
Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.
„Was damals der Punkt war, ist heute der Pixel“ – und damit ist schon das Wichtigste über die neue Herbstaustellung #SeuratSignacVanGogh in der Albertina gesagt. Gezeigt wird farbenfroher Pointillismus, also Kunst, die aus vielen kleinen Punkten besteht. Damit sich das möglichst viele Menschen aus nächster Nähe ansehen, hat das Bundesmuseum zur ersten Social Conference geladen. Yeah! Mit dabei waren zahlreiche „hippe“ Instagramer und Twitteranten – und natürlich kulturblogger.at! Top: Für ein bisschen Show und Glamour sorgte ein Bodypainting-Model, das die Kunst hautnah zeigte ;-).
Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder