Eine U-Bahn-Station als Pflanzenwelt – so die Idee von Marianne Vlaschits. Die Wiener Künstlerin hat die Auf- und Abgänge der U6-Station Burggasse mit gemalten, grünen Pflanzen verschönert. Es handelt sich um „architektonische Ornamente aus dem historischen Stadtbahn-Design von Otto Wagner“, sagt die Künstlerin. 200 Quadratmeter umfasst ihr „Herbarium“ – für Kunst im Öffentlichen Raum Wien (KÖR).
Begrünung für die braune Linie U6 – Marianne Vlaschitz „Hebarium“
„Es ist weder ein Vorhang, noch ist er eisern.“ Mit dieser Klarstellung eröffnete Direktor Bogdan Roscic die Präsentation des Eisernen Vorhangs für die neue Saison in der Wiener Staatsoper. Seit 27 Jahren wird die originale Brandschutzwand mit zeitgenössischer Kunst überdeckt. Heuer hat Pipilotti Rist das Großbild für die Initiative „museum in progress“ gestaltet. Die Schweizer Videokünstlerin widmet „Bauchhöhle überfliegt Staumauer“ ihrem Vater, „der immer am Stehplatz in der Oper war“. Über den farbenfrohen Stausee zwischen Bühne und Publikum sagt sie: „Geistige Energie schwappt in den Raum, aber man wird nicht nass.“ Direktor Bogdan Roscic meinte geschäftstüchtig, dass man am Abend kommen müsse, um die Arbeit zu verstehen. Und fügte schmunzelnd hinzu: „Wenn die Energie vom Publikum frei wird. Wenn Sie Pech haben auch olfaktorisch.“
Pipilotti Rist erzählt von inneren Farben, einer riesigen Masse Wasser und einem Menschenbauch.Das denkmalgeschützte Original – der Eiserne Vorhang des Malers Rudolf Hermann Eisenmenger mit Motiven aus der Gluck-Oper „Orpheus und Eurydike“ aus dem Jahr 1955 – wird Jahr für Jahr verhängt.
Es ist bedrückend, die vielen Namen zu lesen. Im Ostarrichipark vor der Nationalbank befindet sich die Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Österreich. Auf 160 Steintafeln sind die Namen der rund 65.000 österreichischen Opfer eingraviert. Eine ruhige Gedenkstätte.
Die Shoah bezeichnet die systematische Vernichtung von Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus. Rund 65.000 jüdische Österreicherinnen und Österreicher wurden ab 1938 getötet.
„Ich heiße Clit/Doris, angenehm!“ Mit ihrem Vulva-Kostüm hat Antonia Stabinger für Aufklärung gesorgt und es sofort „ins Fernsehen“ geschafft. Nun legt sie mit ihrem ersten abendfüllenden Solokabarett „Angenehm“ nach – und schlüpft in weitere Rollen. Stabinger steht nicht nur als „starke Frau hinter erfolgreichen Männern“ auf der Bühne, sondern auch als Schaumbad, Panikattacke und „feministischer Support Act“. Großartig auch, wenn die Oma der Enkelin indiskret ins Gewissen redet, weil sie schon so lange in einer Zweierbeziehung ist. („Willst du nicht Single sein, oder kannst du es nicht?“) Und generell sei Heterosexualität mehr so eine Gewohnheit wie Fleischessen. („So eine saftige Quiche schmeckt oft viel besser als ein vertrocknetes Würstel.“)
Fazit: Mit Kostümen, Liedern, künstlicher Intelligenz und einer enormen Bühnenpräsenz zieht Antonia Stabinger das Publikum sofort in den Bann. Die Aufmerksamkeit nutzt sie, um unangenehme Themen – wie Gleichstellung – äußerst angenehm zu verpacken. Angenehm lustig – die neue Stabinger-Revue im Kabarett Niedermair!
Clit/Doris: „Ich wurde wegtabuisiert – im Zeitalter der Aufklärung!“
Der Zirkus Roncalli gastiert gerade mit seiner neuen Show „Art ist Art“ am Wiener Rathausplatz. Vor der Premiere ließ Direktor Bernhard Paul mit einer Anekdote aufhorchen: Um zu beweisen, dass andere Zirkusse die Zitate seiner Roncalli-Plakate kopierten, erlaubte er sich einen Scherz. Er schrieb den Satz „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ dem berühmten „Charlie Chaplin“ zu. Natürlich wurde das falsche Chaplin-Zitat weltweit kopiert. „Man kann es inzwischen sogar als Tapete und T-Shirt kaufen“, lacht der Zirkusdirektor.
Charlie-Chaplin-Tänzer der „Adem Crew“ im „Art ist Art“-ProgrammRoncallis falsches Chaplin-Zitat: „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“Tochter Lili Paul-Roncalli bei ihrer neuen „Salvador-Dali“-Nummer für Wien
Erwin Wurm zeigt seit vielen Jahren, was alles eine Skulptur sein kann – von Würstel, Gurken bis aufgeblasenen Autos und zusammengedrückten Häusern. Aktuell feiert der international bekannte Künstler seinen 70. Geburtstag mit einer großen Ausstellung in der Albertina modern. Darin hat er extra eine zusammengequetschte Schule aufgestellt, die man nur in gebückter Haltung betreten kann. „In der Schule werden wir vom Staat erzogen“, sagt Wurm. In seinem Klassenzimmer hängen veraltete Lehrmittel. „Die waren mal Stand des Wissens. Mittlerweile sind sie politisch inkorrekt geworden. Als man sieht, wie sich Gesellschaft und Vorstellung von Welt ändern.“ Für Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder ist Wurm – in Hinblick auf seine Gurken- und Würstelskulpturen – „ein zutiefst österreichischer Künstler, der aber in der ganzen Welt verstanden wird.“
Liebespaar in Form von Knackern und SacherwürstelWurms verengte Schule „aus Niederösterreich“ mit veralteten Plakaten
Der Ringturm am Donaukanal ist angeblich Wiens größte Kunstinstallation. Bis November ist auf 4.000 Quadratmetern Fläche das Kunstwerk „Mit den besten Zutaten“ von Johanna Kandl zu sehen. Es zeigt Behältnisse, die in einer Küche zu finden sind. Diese sind mit Werten wie „Mut“ und „Solidarität“ beschriftet. Kandl sagt über ihr Mutmachbild: „Solidarität gibt den Senf dazu, Együtt und Zajedno meint keine materiellen Produkte, sondern die Bezeichnungen für ‚Gemeinsam‘ auf Ungarisch und Kroatisch.“ Kandls über 70 Meter hoher „Vorratsschrank“ macht die in Wien oft hörbaren, aber selten verschriftlichten Sprachen sichtbar.
Ringturm-Verhüllung „Mit den besten Zutaten“ von Johanna Kandl
„Das war für uns eine große Überraschung“, erzählt Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco. Die Heidi Horten Collection ließ das Publikum darüber abstimmen, welche Meisterwerke in die neue Dauerausstellung „Klimt ⇄ Warhol“ kommen sollen. 21.000 Stimmen wurden abgegeben. Auf Platz 1 landeten die „Geschwister“ von Paul Klee, dahinter das blaue Schwammbild von Yves Klein („Untitled Blue Sponge Relief“), gefolgt von „L’empire des Lumières“ von René Magritte. Große Namen wie Klimt oder Chagall waren weiter hinten gereiht. Das private Museum möchte auch in Zukunft über „Artfluence“-Votings wertvolle Informationen über den Geschmack des Publikums bekommen.
„Geschwister“ (1930) von Paul Klee hat beim Publikumsvoting 949 Stimmen (7,4%) bekommen.
Tereza Hossa ist etwas Besonderes – sagen ihre Eltern. Sie ist jedenfalls Tierärztin und Kabarettistin. Bei Dates verrät sie aber meistens nur einen Job. Ihr Gegenüber ist schon damit überfordert, dass sie überhaupt arbeitet. In ihrem neuen Programm „Tagada“ erzählt Dr. Hossa aus ihrem pointenreichen Leben. Von der Geburt („Warum schreit die so?“) zur Großtierärztin („Männer finden es cool, dass ich Kühe fiste!“) bis zur Kabarettistin („Linke Männer haben auch eine Existenzberechtigung“).
Definitv etwas Besonderes sind ihre Erlebnisse am Land. Wo Männer im Suff auf Katzen schießen und man gegen die Langweile „entweder rechtsradikal wird oder einen Verein gründet“. Hossa schreckt nicht davor zurück, gegen Hundewelpen und Achselhaare zu argumentieren – und dreht so manche Rolle um. So verschickt sie stolz Nacktfotos und versteht nicht, warum sie kein Recht auf Geschlechtsverkehr hat. Fazit: Wenn Dr. Hossa ordiniert, geht das auf die Lachmuskeln! Keine Wartezeit bei den Pointen.
Eine Sache allein kann niemals alle Probleme lösen, weiß Dr. Hossa. „Zum Beispiel ein Mann.“
Die Anschlagspläne und die damit verbundene Absage der drei Stadionkonzerte von US-Superstar Taylor Swift in Wien waren ein Schock, die Enttäuschung und Trauer bei den jungen und teils weit angereisten Fans riesig. Doch dann organisierten sich die „Swifties“ selbst – und machten das Beste daraus: Sie trafen sich in der Stadt, um Freundschaftsbänder auszutauschen, ihre Eras-Outfits zu präsentieren und gemeinsam zu singen. Vor allem in der Corneliusgasse im 6. Bezirk und beim Stephansplatz. Tausende kamen zusammen, um das Konzert quasi nachzusingen – mit Choreographien und viel Freude! Die berührenden Bilder davon gingen über Instagram und TikTok um die Welt!
Tabby-Kunstwerk, Swiftie-Massen in der Corneliusgasse und am Stephansplatz
Auch die Stadt Wien, viele Lokale und Institutionen versuchten die Swifties mit Aktionen und freien Eintritten aufzumuntern. Es gab aber auch private Initiativen. Der Wiener Street-Art-Künstler Tabby etwa sprühte ein Schablonenbild von Taylor Swift mit dem Text „Spread love, not hate“ am Donaukanal – und verschenkte mehr als 50 Kunstwerke: „Damit sie ein positives Erlebnis hier in Wien haben.“