Angst um Otto Schenk

Das Theater in der Josefstadt zeigt derzeit das Stück Liebelei von Arthur Schnitzler. Das etwas ältere und stets hustende Publikum bekommt von Alexandra Liedtke eine minimalistische und großartig besetzte Inszenierung geboten. Florian Teichtmeister spielt Fritz, der im Duell getötet wird. Alma Hasun verkörpert seine (naive) Geliebte, Otto Schenk ihren gütigen Vater. Fazit: Keine Frage, Schenk ist großartig, doch hat man stets Angst, dass der 84-Jährige gleich von der Bühne kippt und nicht mehr aufsteht. Das Stück selbst wird spannend-gefühlvoll erzählt und hätte sich jüngeres Publikum verdient.

...aber wegen Otto Schenk in die Josefstadt

…aber wegen Otto Schenk in die Josefstadt

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Revolution im Burgtheater

[von Bernhard Kobler] Die Revolution frisst ihre Kinder – wir schreiben das Jahr 1794 in Paris, die Französische Revolution ist im vollen Gange, täglich grüßt die Guillotine und verschiedene Interessensgruppen versuchen die Macht an sich zu reißen. Recht düster in der Stimmung beginnt die neue Inszenierung von Georg Büchners Drama ‚Dantons Tod‘ aus dem Jahr 1835 – ab heute (Freitag) zu sehen im Burgtheater.

Ebendieser Georges Danton, beschmiert sich seinen Körper mit fahlgrauer Paste, was ihn zugleich unmenschlich wirken lässt und schon beginnt ein Abend voller Ernst, Philosophie und Politik. Ein Machtkampf, entbrannt zwischen Danton und seinem Kontrahenten Robespierre – wer vorerst gewinnt, verrät der Titel. Wenn man sich ansonsten aber nicht besser über die Hintergründe der geschichtlichen Hauptpersonen und der Zeit der Revolution informiert hat, dann wird es ein anstrengender Theaterabend, denn erklärt wird wenig, obwohl viel Großes gesprochen wird.

burgtheater

Das Stück lebt von seinen Monologen, was die Handlung sehr sprunghaft erscheinen lässt und der Überblick deshalb auch schnell verloren geht. Das macht aber wenig, denn ebendiese Reden der Protagonisten, und noch viel mehr die der fantastisch besetzten Nebenrollen, sind es wert, gehört zu werden. So überzeugen vor allem Michael Maertens als Robespierre und Jasna Fritzi Bauer mit kurzen, aber aussagekräftigen Auftritten. Fabian Krüger, omnipräsent auf der Bühne, beeindruckt mit subtiler Gestik und Ignaz Kirchner brilliert als Richter über Danton. Ich muss das deshalb so betonen, weil es einfach unglaublich ist, wie genial man im Burgtheater Nebenrollen besetzen kann!

Die Hauptattraktion ist allerdings das fantastische Bühnenbild. Mir tun die Bühnenbildner leid, die diese Unordnung Tag für Tag auf- und abbauen müssen, denn es herrscht das Chaos! Kleidung, Gerüste, Türme, Filmkameras, die live auf der Bühne Robespierres Reden einfangen und auf große Leinwände übertragen, während Joachim Meyerhoff als Danton um die Drehbühne wie ein gejagter Irrer seine Runden dreht.

Sie sind verwirrt? Ich war es zugegebenermaßen auch. Irgendwie ging mir alles zu schnell und zu langsam zugleich. Inhaltlich musste ich bereits nach 30 Minuten aussteigen, trotzdem beeindruckten, wie bereits erwähnt, die außergewöhnlichen Nebendarsteller und vor allem die Inszenierung überraschte immer wieder: So machte Richter Ignaz Kirchner den gesamten, kurzzeitig hell beleuchteten Publikumsraum zum Gerichtssaal, gegen Schluss rannte sogar ein ca. 30-köpfiger Kinderchor auf die Bühne, warum genau, weiß wohl nur Regisseur Jan Bosse.

Fazit:  Alles in allem war es ein beeindruckender, aber anstrengender Theaterabend, der sehr zu unterhalten wusste, aber wohl ohne gewisser Vorbildung inhaltlich nicht vollständig erfasst werden kann. Eine Pause hätte dem Ganzen sicher gut getan, so habe ich mich leider oft dabei erwischt, nicht dem Text zu folgen, aber stattdessen immer neue kleine Details im Bühnenbild zu entdecken und mir Dantons Tod ein kleines bisschen schneller herbeizusehnen.

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Kreuzfahrt-Show mit Niveau

Entertainer Erwin Steinhauer und „seine Lieben“ feierten heute mit ihrer musikalischen Revue „Hand aufs Herz“ Premiere in den Kammerspielen der Josefstadt. Dabei luden sie das Publikum auf eine Kreuzfahrt ein. Das Schiff, die SM Alcatraz, geht zwar unter, doch für Hedgefonds-Besitzer und Co gibt es ein Happy End auf einer, wahrscheinlich ihrer, Insel. Steinhauer überzeugt als Erzähler und Sänger. Seine Big Band, bestehend aus Georg Graf, Joe Pinkl und Peter Rosmanith, spielt alle Register und Instrumente, egal ob Tuba, Sax, Flöte, Klavier, Schlagzeug, Percussion, Bass, Klarinette oder auch Melodica. Der Abend ist voller Wortwitz, Gesellschaftskritik, musikalischer Zitate, emotionaler Wechselspiele und Überraschungen. Fazit: Voll versenkt! Unbedingt ansehen!

Steinhauer zum Publikum: "Wissts was? Likeds me!"

Facebook-Verweigerer Erwin Steinhauer zum Publikum: „Wissts was? Likeds me!“

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Großes Kino im Kasino

Wer die Möglichkeit hat, sollte schnell zur Burgtheater-Kassa laufen und sich Karten für „Wunschloses Unglück“ von Peter Handke kaufen. Das Publikum im Kasino am Schwarzenbergplatz sitzt vor einer Leinwand und sieht einen Film über eine Frau, die einen minutiös geplanten Selbstmord begeht. Besonders an diesem Film (Regie: Katie Mitchell) ist, dass er unter und hinter der Leinwand live entsteht. Das Publikum kann sich also aussuchen, ob es sich ein Theaterstück, einen Film oder die Entstehung eines Films ansehen möchte. Fazit: Selten erlebt man abseits der Wiener Festwochen so einen faszinierenden Theaterabend. Großartig! Wunschlos glücklich!

Bei "Wunschloses Unglück" wird kein Theaterstück abgefilmt, sondern ein Live-Film gedreht.

Im Kasino wird kein Theaterstück abgefilmt, sondern ein professioneller Live-Film gedreht.

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Don Carlo leidet, das Publikum genießt

Der Hype rund um die Verdi-Oper Don Carlo bei den Salzburger Festspielen ist enorm. Schon bei der Generalprobe standen Stunden vor Vorstellungsbeginn zahlreiche Fans vor dem Festspielhaus, die verzweifelt Pappkartons mit der Aufschrift „Suche Karte“ in die Höhe hielten. Die 5-Stunden-Produktion (inkl. zwei Pausen) ist musikalisch auf allerhöchstem Niveau. Im Orchestergraben und auf der Bühne wird Perfektion geboten. Jonas Kaufmann als Don Carlo und Anja Harteros als Elisabetta singen sowieso perfekt, die anderen Hauptrollen sind ebenfalls grandios besetzt und die Wiener Philharmoniker sind auch in bester Form.

Don Carlo

Diskutieren könnte man über die farblosen Kostüme (Annamaria Heinreich) und über das einfallslose Bühnenbild (Ferdinand Wögerbauer). Okay, es gibt auch mal einen mit Wasser gefüllten Pool auf der Bühne und es werden Leute auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Aber es wird visuell nichts geboten, das einen so richtig vom Hocker haut. Das erledigt ausschließlich die Musik.

Fazit: Diese Produktion sollte man sich vor allem anhören – am besten live (Premiere ist am 13. August), noch besser im Fernsehen (16. August in ORF 2), denn da bleibt man die fünf Stunden über beweglich und sitzt erste Reihe fußfrei.

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Nebel des Krieges in Favoriten

Heute geht eine der besten Festwochen-Produktionen zu Ende: „Die Kinder von Wien“ von Robert Neumann in der Inszenierung und Fassung von Anna Maria Krassnigg. Das Werk erzählt von „übrig gebliebenen“ Kindern, die den Krieg überlebt haben, auf sich alleine gestellt sind und sich im Winter 1945/46  in einem ruinenhaften Keller verstecken. Dort versuchen sie durch Diebstahl, Raub, Mord, Handel am Schwarzmarkt und Prostitution zu überleben. Ein amerikanischer Reverend findet die Gruppe, gewinnt ihr Vertrauen und versucht sie aus ihrer misslichen Lage zu retten. Doch der Versuch scheitert…

links bühne rechts bar

Beeindruckende Atmosphäre in der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik: Links das Bühnenbild, in der Mitte der Publikumsbereich, rechts das „Foyer“.

Das Besondere an dieser Inszenierung ist vor allem das Bühnenbild. Das Stück spielt in einer großen Halle. Alles ist vernebelt. Für den ORF durfte ich übrigens ein Interview mit der Regisseurin Anna Maria Krassnigg führen.

Keller

Der Nebel des Kriegs: Gruselige Kellerstimmung

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Backstage im Römersteinbruch

Die Opernfestspiele in St. Margarethen locken pro Jahr bis zu 200.000 Besucher in den Römersteinbruch. Heuer inszeniert Robert Dornhelm die Puccini-Oper „La Boheme“. Gespielt wird von 10. Juli bis 25. August. Pro Vorstellung gehen 4000 Karten in den Verkauf, wobei ein Ticket zwischen 35 und 81 Euro kostet. Das Ambiente im Steinbruch, die burgenländische Verköstigung, die beeindruckende Oper und hoffentlich Schönwetter ohne Wind, Regen und Gelsen – das alles macht einen Besuch in St. Margarethen aus. Hier ein paar exklusive Fotos von den Aufbauarbeiten und vom Backstagebereich.

Pippi Langstrumpf steht heuer am Kinderprogramm. Die Villa Kunterbunt ist schon aufgebaut.

Ein Musical rund um Pippi Langstrumpf steht heuer am Kinderprogramm der Festspiele in St. Margarethen. Die „Villa Kunterbunt“ ist schon aufgebaut.

Ein Teil des Bühnenbildes von "Carmen" steht schon. Die großen Bilder werden mit menschlicher Muskelkraft bewegt.

Auch ein Teil des Bühnenbildes von „La Boheme“ steht schon. Die großen Kulissen werden heuer nur mit menschlicher Muskelkraft (Fahrradtechnik) bewegt.

Der Backstagebereich: Über den Kabinen für die Solisten befindet sich eine Näherei für die Kostüme.

Der Backstagebereich hinter der „La Boheme“-Bühne: Über den Kabinen für die Solisten im Erdgeschoß befindet sich eine Näherei für die hunderten Kostüme.

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Theater über Täterinnen

Täterinnen oder Opfer? Diese Frage stellt sich eine neue Doppel-Produktion am Theater Nestroyhof Hamakom. Gezeigt werden die beiden Monologe „Covergirl“ und „Die Kommandeuse“. Der erste Monolog handelt von Lynndie England, die im Jahr 2004 durch Folter-Fotos aus dem Irak-Krieg bekannt wurde. Sie hält einen nackten Häftling an der Hundeleine oder zeigt grinsend auf den Penis eines masturbierenden Gefängnisinsassen.

"Man muss verstehen, mit seiner Zeit zu gehen", begründete Ilse Koch ihren Eintritt in die NSDAP.

Grandiose Schauspielleistung von Ingrid Lang (Covergirl) und Barbara Gassner (Kommandeuse).

Das zweite Stück geht der Geschichte von Ilse Koch nach, der Frau des Kommandanten des Konzentrationslagers Buchenwald während des zweiten Weltkriegs. Sie soll zahlreiche Kriegsverbrechen begangen haben – und sich aus Tattoos von Häftlingen einen Lampenschirm gebastelt haben.

Die beiden Monologe von Barbara Herold und Gilla Cremer gehen der Frage nach, warum Menschen zu solchen Taten fähig waren und wie ihre Gerichtsfälle vor der Öffentlichkeit ausgeschlachtet wurden. Der Theaterabend dauert intensive 2,5 Stunden, bietet verstörende Bilder und Effekte, und spielt mit dem Voyeurismus sowie der Belastbarkeit des Publikums. Empfehlenswert.

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Eine schräge Winterreise

Das Stück „Winterreise“ von Elfriede Jelinek am Wiener Akademietheater (Inszenierung: Stefan Bachmann) ist absolut sehenswert. Nicht nur der Text ist schräg, sondern auch die Bühne. Die Schauspieler seilen sich – wie auf einer Kletterwand – an der Bühne ab und reden über Natasha Kampusch, über Bankskandale, das Internet und über die Vergänglichkeit des Lebens. Dazu kommt Livemusik – Schuberts Liederzyklus „Winterreise“. Der Sänger Jan Plewka ist übrigens nicht stark verkühlt, der „singt“ angeblich immer so.

Der Text von Jelinek ist zwar interessant und witzreich, aber manchmal doch etwas langatmig. Doch der Schluss des Stücks ist eine Wucht. Hier kommt dem Publikum nicht nur ein Skifahrer, ein Snowboarder und ein Schlittenfahrer entgegen, sondern auch eine geballte Ladung österreichischer Aprés-Ski-Stimmung. Mit Turbobier, Schlagermusik, Schnee und allem was dazu gehört. Ein toller Theaterabend!

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und Strümpfe: Inge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein.

Wiens schönstes Kartenbüro

Das schönste Theaterkartenbüro Wiens befindet sich in der Währingerstraße 27. Hier können Tickets für Opernvorstellungen, Musicals aber auch Fußballländerspiele gekauft werden. Eigentlich gibt es auch einen Internetshop, aber das Ambiente dieses kleinen Geschäfts ist ein persönlicher Besuch wert. Das Theaterkartenbüro ist inzwischen so berühmt, dass es sogar als Motiv für Wien-Ansichtskarten dient. Hier zwei Fotos: Theaterkarten Theaterkarten

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