„Bald fang ich wieder an zu kiffen, da freu ich mich schon drauf…“, sang Dota am Sonntag lächelnd im Chaya Fuera. „…In einer Woche vielleicht, oder in zwei, oder gar nicht, naja muss ja nicht sein.“ Die deutsche Songwriterin tanzte, stand und saß mit großem Babybauch auf der Bühne und spielte Songs aus ihrem aktuellen Album „Keine Gefahr“ wie Rennrad oder Grenzen – aber auch viele ältere Nummern wie Geld verdirbt den Charakter, Aber hey! und Utopie (mit dem wunderbaren Zitat: „Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei“). Fazit: Dota gehört wohl zu den besten Liedermacherinnen im deutschsprachigen Raum – und würde sich in Wien mehr Publikum und größere Locations verdienen. Mindestens das Konzerthaus!
Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.
Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.
Löffel-Walross Walter Voglmayr
Keine Grenzen bei Blasmusik
Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.
Suche nach der Pro Brass-Wolke
„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“
Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.
Was ist passiert? Blue Carpet, singende Diva aus Los Angeles im sexy Glitzerkleid, deutscher Hollywood-Moderator, urige Jodler aus der Schweiz, Balletttänzer der Wiener Staatsoper, russische Volksmusiker in Tracht, orientalisches Ensemble und ein stöhnender Stradivari-Geiger: Die Filmmusik-Gala Hollywood in Vienna entwickelt sich immer mehr vom qualitativ hochwertigen Konzert zum weltweit gut verkaufbaren und durchinszenierten Film-Showevent. Eine Show fürs Auge, Fernsehen vor Filmmusik quasi, Abwechslung und Action um jeden Preis.
Große Show bei „Hollywood in Vienna“ 2016
Irgendwie schade, aber aus ökonomischen Gründen vielleicht die einzige Möglichkeit für die Veranstalterin, die Zukunft der Gala zu sichern. Aber, und das muss man auch sagen, Hollywood in Vienna ist noch immer das beste Konzert für Filmmusikfans, das Österreich zu bieten hat. Nirgendwo sonst kann man Soundtracks in dieser Qualität (ORF Radio-Symphonieorchester) und Akkustik (Wiener Konzerthaus) erleben. Schon gar nicht bei den derzeit so häufigen Stadthallen-Shows.
Desplat hat bereits über 150 Film-Soundtracks geschaffen
„Gebundene Hände, das ist das Ende, jeder verliebten Passion“ , singt Hollywood-Diva Gloria Mills in Ralph Benatzkys „Axel an der Himmelstür“. Die Operette mit den vielen bekannten Schlagerhits ist derzeit an der Wiener Volksoper zu sehen – und zwar komplett in schwarz-weiß. Vom Bühnenbild bis zu den Sängern ist alles in Graustufen gehalten. Das Satirestück mit Wien-Bezug funktioniert generell wie ein lustiger Stummfilm – samt Slapstick, Montagetricks und echtem Orchester. Zusätzlich wird das gerade moderne Whiteboard, das man aus YouTube-Erklärfilmen kennt, effektvoll eingesetzt. Fazit: Erstaunlich wie unterhaltsam eine alte Operette inszeniert werden kann. Ein wirklich vergnüglicher Abend in der Volksoper. Sehen- und hörenswert!
Farbe gibts erst nach dem Schlussapplaus.
Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.
Am Freitag gab Hans Zimmer mit einem 70 Musiker starken Orchester ein Konzert in der ausverkauften Wiener Stadthalle. Zu hören war ein „Best of“ seiner Soundtracks – von Sherlock Holmes, Da Vinci Code, Fluch der Karibik, Gladiator, Der schmale Grat, The Dark Knight, König der Löwen bis Inception. Der gebürtige Deutsche und nun Hollywood-Komponist moderierte amüsant und anekdotenreich durch das Programm und versammelte großartige Sänger und Musiker um sich auf der Bühne. Musikalisch war das Konzert ein Hammer! Doch die Akustik in der Halle D sowie die irritierende Lichtshow (inklusive Visuals im Windows-Media-Player-Stil) trübten die Freude etwas. Fazit: Ein „amerikanisches“ Konzert – bombastisch, aber mitunter ohne Gefühl.
Drei Stunden Musik mit dem 58-jährigen Oscar-Preisträger
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Randy Newman ist alt geworden. Dennoch begeisterte der 71-Jährige beim gestrigen Konzert in Wien. Das lag zum einen an seinen Hits wie “You’ve Got A Friend”, „I Love To See You Smile”, “My Life Is Good”, “You Can Leave Your Hat On”, „I’m Dead (But I Don’t Know It)“ oder auch „Feels Like Home“. Was dabei die Stimme nicht mehr schaffte, übernahm das Klavier. Viele Lacher erntete Newman mit Anekdoten zwischendurch. Er bezeichnete etwa seinen Song „Short People” als „die schlechtestmögliche Art von Hit, die man habe kann.“ Denn nun hasse ihn ein „winziges Segment der Bevölkerung.“ Sein Lied „I Miss You“ schrieb und widmete er seiner ersten Frau, während er bereits mit der zweiten vermählt war. Newman präsentierte auch Neues – etwa den „Putin„-Song.
Randy Newman im MuseumsQuartier (Halle E) in Wien
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Wer Kirchensteuer zahlt, sollte am Sonntag auch in die Kirche gehen. Zum Beispiel zu einem Konzert. Eine Gelegenheit ergab sich gestern in St. Valentin: Trombone Attraction spielte die Premiere ihrer neuen Show „Mensch“. Die vier Posaunisten – zwei davon fixe Orchestermusiker der Wiener Volksoper – setzten dabei eher auf E- als auf U-Musik und versuchten das mit einer humorvoll-poetisch-durchchoreografierten Moderation auszugleichen. Fazit: Über Humor lässt sich streiten, über Qualität nicht. Trombone Attraction schaffen traumhaft-schöne Klänge und spielen Arrangements mit Überraschungen. Am meisten Freude bereiten sie mit Klassikern – etwa von Joe Zawinul.
Der Karliklub lud zum Kirchenkonzert mit „Trombone Attraction“
Man soll ins Museum gehen, wenn es draußen heiß ist. Denn die Museen sind klimatisiert. Zumindest in der Christoph-Niemann-Schau im MAK stimmt das nicht. Dort kommt man derzeit ordentlich ins Schwitzen. Aber das nimmt man gern in Kauf, denn die Grafiken, Cartoons und Zeichnungen von Niemann sind extrem lustig. Fotografieren ist in der Schau erstaunlicherweise erlaubt, daher hier ein paar Eindrücke:
Stillgestanden! Jetzt, wo es die neuen Ampelpärchen in Wien gibt, fällt erst auf, wie langweilig die alten Ampelmännchen sind. Vielleicht wäre es doch eine Überlegung wert, diesen vorrübergehenden „Gag“ als ständige Tourismusmarke in Wien aufzubauen.
Ballett – klingt fad, alt und nach Tutu. Doch hin und wieder sollte man das Risiko eingehen und sich eine Tanzvorstellung ansehen. Zum Beispiel in der Wiener Staatsoper. (Die hat angeblich einen ganz guten Ruf…) Gestern Abend standen Choreografien von Hans van Manen, Alexander Ekman und Jiří Kylián am Programm. Also drei Stücke von völlig unbekannten Leuten – mit zwei Pausen. Das hält man aus! Mehr noch. Das war großartig!
Beim ersten Stück: „Adagio Hammerklavier“ wird harmonische Musik mit schönen Tanzfiguren verbunden. Beim zweiten Stück kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus: Stomp-Rhythmus-Einlagen, Pantomime, Humor, Theater, Clownerie und ein Streichquartett auf der Bühne. Ein Wahnsinn! Beim dritten Stück gibts dann noch offenes Feuer und oberkörperfreie Balletttänzerinnen. Also für jeden was dabei! Fazit: Wer nicht hin und wieder in die Staatsoper geht, der überlässt den Touristen das Beste an Wien.