Endstation Sehnsucht im Burgtheater

Tennessees Williams‘ Stück Endstation Sehsucht lässt sich im Wiener Burgtheater wie ein Film ansehen. In der Inszenierung von Dieter Giesing werden Szenen ein- und ausgeblendet. Schnitt. Dazu ein bisschen Hintergrundmusik und eine Geschichte, die sich auch mit halboffenem Auge mitverfolgen lässt. Worum geht es? Eine ehemals reiche Dame namens Blanche Dubois (Dörte Lyssewski) zieht in New Orleans bei ihrer schwangeren Schwester (Katharina Lorenz) ein, da ihr Anwesen versteigert werden musste. Das gefällt dem neurotischen Schwager Stanley Kowalski (Nicholas Ofczarek) natürlich nicht, der sie schnellstmöglich wieder loswerden möchte.

Endstation Sehnsucht ist ein Drama, in dem zwei Welten aufeinanderprallen. Die Personen werden zunehmend unsympatischer, die Situationen auf der Bühne eskalieren regelmäßig – und doch geht das Leben weiter. Eine Geburt steht an, und gleichzeitig erhöhen sich Alkoholkonsum und Gewalt. Fazit? Das Stück ist spannend, das Bühnenbild ist schräg, einen Höhepunkt gibt es nicht. Ein unterhaltsamer Abend mit grandiosen Schauspielern. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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Ein Kind ging mit seiner Laterne…

…bis es durch die Luft flog. Wer bereits Stücke von Roland Schimmelpfennig gesehen hat, den wird „Das fliegende Kind“ im Wiener Akademietheater nicht überraschen. Das Bühnenbild ist schwarz. Die Schauspieler bleiben stets auf der Bühne. Der Inhalt ist tragisch und komisch zugleich. Die Schauspieler wechseln ständig die Rollen und sprechen (erzählen und singen) teilweise in Chören. Die Kraft des Stücks liegt in der Fantasie der Zuschauer. Worum geht es? Ein Kind wird vom eigenen Vater auf der Straße mit dem Auto überfahren. Der Vater war im Stress, das Handy läutete, das Radio war zu laut, er vergaß das Licht einzuschalten, es war ein dunkler Novemberabend. Das Kind verließ die Kindergruppe, die mit Laternen von der Kirche wegzog.

Schimmelpfennig inszenierte das Stück selbst. Er ging dabei kein Risiko ein und setzte im Großen und Ganzen seine geniale Standardbesetzung ein. Beeindruckend waren die drei Kirchenglocken, die der Turmarbeiter Johann Adam Oest in Schwingung brachte, die Zieharmoniker-Klänge von Falk Rockstroh, das Baby- und Urwaldgekreische von Peter Knaack, Barbara Petritsch, Regina Fritsch und Christiane von Poelnitz. Fazit: Ein bewegender Abend.

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Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie im Burgtheater

Bei der „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ handelt es sich um eine sehr seichte, klischeeüberladene, teils langweilige Verwechslungskomödie von Woody Allen ohne Überraschungen. Sehenswert ist die Inszenierung im Burgtheater trotzdem, nicht wegen der Handlung oder der Quoten-Nackten, sondern wegen Schauspieler Michael Maertens, der seine Rolle als Erfinder überzeugend und humorvoll spielt. Unglaubwürdig wirkt dagegen Sunnyi Melles in der Rolle der begehrten Schönheit. Aber ernst zu nehmen ist dieses Stück ja ohnehin nicht. Diesen Eindruck bestärkt ein Bühnenarbeiter, der mit einer Angel gut sichtbar für das Publikum einen Schmetterling fliegen lässt. Beeindruckend waren die übrigen Spezialeffekte und das Bühnenbild. Zu sehen sind fliegende Fahrräder, explodierende und rauchende Erfindungen, ein Oldtimer , ein Motorrad und viel grüne Natur.

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