Nebel des Krieges in Favoriten

Heute geht eine der besten Festwochen-Produktionen zu Ende: „Die Kinder von Wien“ von Robert Neumann in der Inszenierung und Fassung von Anna Maria Krassnigg. Das Werk erzählt von „übrig gebliebenen“ Kindern, die den Krieg überlebt haben, auf sich alleine gestellt sind und sich im Winter 1945/46  in einem ruinenhaften Keller verstecken. Dort versuchen sie durch Diebstahl, Raub, Mord, Handel am Schwarzmarkt und Prostitution zu überleben. Ein amerikanischer Reverend findet die Gruppe, gewinnt ihr Vertrauen und versucht sie aus ihrer misslichen Lage zu retten. Doch der Versuch scheitert…

links bühne rechts bar

Beeindruckende Atmosphäre in der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik: Links das Bühnenbild, in der Mitte der Publikumsbereich, rechts das „Foyer“.

Das Besondere an dieser Inszenierung ist vor allem das Bühnenbild. Das Stück spielt in einer großen Halle. Alles ist vernebelt. Für den ORF durfte ich übrigens ein Interview mit der Regisseurin Anna Maria Krassnigg führen.

Keller

Der Nebel des Kriegs: Gruselige Kellerstimmung

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Backstage im Römersteinbruch

Die Opernfestspiele in St. Margarethen locken pro Jahr bis zu 200.000 Besucher in den Römersteinbruch. Heuer inszeniert Robert Dornhelm die Puccini-Oper „La Boheme“. Gespielt wird von 10. Juli bis 25. August. Pro Vorstellung gehen 4000 Karten in den Verkauf, wobei ein Ticket zwischen 35 und 81 Euro kostet. Das Ambiente im Steinbruch, die burgenländische Verköstigung, die beeindruckende Oper und hoffentlich Schönwetter ohne Wind, Regen und Gelsen – das alles macht einen Besuch in St. Margarethen aus. Hier ein paar exklusive Fotos von den Aufbauarbeiten und vom Backstagebereich.

Pippi Langstrumpf steht heuer am Kinderprogramm. Die Villa Kunterbunt ist schon aufgebaut.

Ein Musical rund um Pippi Langstrumpf steht heuer am Kinderprogramm der Festspiele in St. Margarethen. Die „Villa Kunterbunt“ ist schon aufgebaut.

Ein Teil des Bühnenbildes von "Carmen" steht schon. Die großen Bilder werden mit menschlicher Muskelkraft bewegt.

Auch ein Teil des Bühnenbildes von „La Boheme“ steht schon. Die großen Kulissen werden heuer nur mit menschlicher Muskelkraft (Fahrradtechnik) bewegt.

Der Backstagebereich: Über den Kabinen für die Solisten befindet sich eine Näherei für die Kostüme.

Der Backstagebereich hinter der „La Boheme“-Bühne: Über den Kabinen für die Solisten im Erdgeschoß befindet sich eine Näherei für die hunderten Kostüme.

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Theater über Täterinnen

Täterinnen oder Opfer? Diese Frage stellt sich eine neue Doppel-Produktion am Theater Nestroyhof Hamakom. Gezeigt werden die beiden Monologe „Covergirl“ und „Die Kommandeuse“. Der erste Monolog handelt von Lynndie England, die im Jahr 2004 durch Folter-Fotos aus dem Irak-Krieg bekannt wurde. Sie hält einen nackten Häftling an der Hundeleine oder zeigt grinsend auf den Penis eines masturbierenden Gefängnisinsassen.

"Man muss verstehen, mit seiner Zeit zu gehen", begründete Ilse Koch ihren Eintritt in die NSDAP.

Grandiose Schauspielleistung von Ingrid Lang (Covergirl) und Barbara Gassner (Kommandeuse).

Das zweite Stück geht der Geschichte von Ilse Koch nach, der Frau des Kommandanten des Konzentrationslagers Buchenwald während des zweiten Weltkriegs. Sie soll zahlreiche Kriegsverbrechen begangen haben – und sich aus Tattoos von Häftlingen einen Lampenschirm gebastelt haben.

Die beiden Monologe von Barbara Herold und Gilla Cremer gehen der Frage nach, warum Menschen zu solchen Taten fähig waren und wie ihre Gerichtsfälle vor der Öffentlichkeit ausgeschlachtet wurden. Der Theaterabend dauert intensive 2,5 Stunden, bietet verstörende Bilder und Effekte, und spielt mit dem Voyeurismus sowie der Belastbarkeit des Publikums. Empfehlenswert.

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Eine schräge Winterreise

Das Stück „Winterreise“ von Elfriede Jelinek am Wiener Akademietheater (Inszenierung: Stefan Bachmann) ist absolut sehenswert. Nicht nur der Text ist schräg, sondern auch die Bühne. Die Schauspieler seilen sich – wie auf einer Kletterwand – an der Bühne ab und reden über Natasha Kampusch, über Bankskandale, das Internet und über die Vergänglichkeit des Lebens. Dazu kommt Livemusik – Schuberts Liederzyklus „Winterreise“. Der Sänger Jan Plewka ist übrigens nicht stark verkühlt, der „singt“ angeblich immer so.

Filmabspann im Theater :-)

Filmabspann im Theater 🙂

Der Text von Jelinek ist zwar interessant und witzreich, aber manchmal doch etwas langatmig. Doch der Schluss des Stücks ist eine Wucht. Hier kommt dem Publikum nicht nur ein Skifahrer, ein Snowboarder und ein Schlittenfahrer entgegen, sondern auch eine geballte Ladung österreichischer Aprés-Ski-Stimmung. Mit Turbobier, Schlagermusik, Schnee und allem was dazu gehört. Ein toller Theaterabend!

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Wiens schönstes Kartenbüro

Das schönste Theaterkartenbüro Wiens befindet sich in der Währingerstraße 27. Hier können Tickets für Opernvorstellungen, Musicals aber auch Fußballländerspiele gekauft werden. Eigentlich gibt es auch einen Internetshop, aber das Ambiente dieses kleinen Geschäfts ist ein persönlicher Besuch wert. Das Theaterkartenbüro ist inzwischen so berühmt, dass es sogar als Motiv für Wien-Ansichtskarten dient. Hier zwei Fotos: Theaterkarten Theaterkarten

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Premiere von Hedda Gabler

Wenn ein Stück zweieinhalb Stunden dauert und währenddessen keine Langeweile auftaucht, dann haben Schauspieler und Regie alles richtig gemacht. Die Premiere des Dramas „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen im Theater an der Josefstadt war ein voller Erfolg.

Zu sehen ist ein Machtkampf zwischen fünf Personen: Kulturhistoriker Jörgen Tesman (Michael Dangl), sein Kontrahent Eilert Lovborg (Raphael von Bargen) sowie der Gerichtsrat Brack (Peter Scholz) kämpfen um Ansehen und Ruhm. Auf der weiblichen Seite steigt Tesmans Frau Hedda (Maria Köstlinger) gegen Thea Elvsted (Raphaela Möst), die Geliebte von Lovborg, sowie gegen alle drei Männer in den Ring. Sie treibt mit ihren weiblichen Waffen ein gefährliches Spiel. „Ich möchte ein einziges Mal in meinem Leben die Herrschaft haben über ein Menschenschicksal“, sagt Hedda. Ihr Wunsch geht schließlich in Erfüllung. Eine Geschichte voller Verwicklungen, Eifersucht, Wut und Macht.

Großer Applaus für Maria Köstlinger (Hedda Gabler)

Großer Applaus für Maria Köstlinger (Hedda Gabler) und das Ensemble bei der Premiere.

Obwohl sämtliche Charaktere extreme Stereotype verkörpern und das Stück sehr vorhersehbar ist, wird das Publikum gut unterhalten. In der Josefstadt-Inszenierung von Alexander Liedtke wird geschossen, die Bühne angezündet, gekonnt schockiert und provoziert. Ein spannender Theaterabend!

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Gemischte Platte mit jungen Kabarettisten

Ein Geheimtipp für Freunde der guten Unterhaltung – ist die „Gemischte Platte“. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Show der jungen Kabarettistengruppen Gerafi, Radeschnig und Flüsterzweieck im Kulturcafé Tachles (Karmeliterplatz 1, 1020 Wien). Gestern Abend stand außerdem „Der blonde Engel“ als Stargast auf der kleinen Kellerbühne.

Duo Girafi: Musik von Gerald, Gesang und Text von Raphael.

Das Duo Gerafi erzählt vom Mittelklasse-Leben. Im Bild: Rafael am Klavier, Gerald am Mikro.

Der erste Teil der Show bestand aus gemeinsamen Auftritten und jeweils zehnminütigen Einlagen der verschiedenen Gruppen. Das Duo Gerafi bot unter anderem einen bös-sarkastischen Christen-Rap dar, die sympathischen Zwillinge Birgit und Nicole von Radeschnig bewiesen ihr unglaubliches Können auf dem Klavier, der Gitarre, der Blockflöte, der Klarinette, der Ziehharmonika und am Gesang, die Mädels von Flüsterzweieck nahmen gekonnt das typische Beziehungstelefonat auf die Schaufel und der blonde Engel zeigte körperlichen sowie höchsten musikalischen Einsatz mit – beispielsweise – einem Song über den Weltuntergang.

Bewegender Auftritt: Radeschnig singen Schlager-, Gstanzl-, Heavy Metal- und Musicalnummern.

Bewegender Auftritt: Radeschnig singen Schlager-, Gstanzl-, Heavy Metal- und Musicalnummern.

Im zweiten Teil des Abends probierten die Künstler neue Gags, Lieder und Texte auf der Bühne aus – und lieferten auch damit beste Unterhaltung. Nach den Zugaben mischten sich die Jungkabarettisten unter die Gäste und feierten den gelungenen Abend. Um junges Publikum anzulocken, kostete der Eintritt für die „gemischte Platte“ nur fünf Euro – und das für drei Stunden beste Unterhaltung. Die Kartenaktion ging auf und der Keller war bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz gefüllt. Daher ein Tipp: Wer bei der nächsten „gemischten Platte“ am 16. Dezember 2012 dabei sein möchte, sollte im Kulturcafé vorreservieren!!!

Musiker, Songwriter und auch Kabarettist: Der blonde Engel mit der tiefen Stimme.

Gittarist, Songwriter und auch Kabarettist: Der blonde Engel mit der tiefen Stimme.

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3D-Blockbuster im Akademietheater

Am Freitag hat das Stück „Einige Nachrichten an das All“ von Wolfram Lotz im Wiener Akademietheater Premiere. Das Stück beginnt mit einem Hirtenspiel, vorgetragen durch Kinder. Danach folgt eine mittelmäßige Clowneinlage, die von einem alten Mann unterbrochen wird, der von einem Unfall erzählt, bei dem seine Enkelin verunglückt ist. Gesichter im Publikum verraten: „Oh Shit, wir hätten doch lieber ins Kino gehen sollen.“

Doch dann geht der Vorhang auf, Schauspieler Matthias Matschke steht auf der Bühne und das Spektakel beginnt. Ein wahrer Blockbuster: Denn zum einen werden Videoprojektionen – begleitet von mächtigem Kinosound – dargeboten und zum anderen bewegen sich die Bauklötze, die als Projektionsflächen und Bühnenbild dienen. Dagegen ist „Inception“ langweilig. Auch inhaltlich gewinnt das Stück an Fahrt. Es folgen Gags, Überraschungen, Ortswechsel – und plötzlich befindet man sich mitten in einer TV-Show.

Matthias Matschke als großer Unterhalter und Show-Moderator.

Matthias Matschke als großer Unterhalter.

Im Stück werden viele kleine Geschichten erzählt. Dazu kommen Nachrichten, die unkommentiert in das All gerufen werden. Es ist schwierig, einen Zusammenhang zwischen all dem Gesagten herauszufinden. Das scheint Absicht zu sein. Denn Strukturen und Zusammenhänge gibt es nicht. Wir Menschen würden nur versuchen, überall diese zu finden und hinein zu interpretieren. Und überhaupt sei die Erde inklusive Inhalt nur Weltraumschrott. Fazit: Ein sehr visuelles und überaus unterhaltsames Stück. Ganz großes Theater-3D-Kino!

Das Bühnenbild besteht aus Vorhang, Schnee, Videos und bewegende Wandklötze.

Das grandiose Bühnenbild besteht aus Vorhang, Schnee, Videos und bewegende Wandklötze.

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„Krieg und Frieden“ als imposantes Theaterstück

Wer in eine Theatervorstellung geht, die viereinhalb Stunden dauert und zwei Pausen hat, der muss große Erwartungen haben. Solche hatten die Zuschauer gestern bei „Krieg und Frieden“ im Kasino am Schwarzebergplatz – und wurden für ihren Mut belohnt.

Das Stück basiert auf dem 1.500-Seiten-Roman von Leo Tolstoi und erzählt die Geschichte vom Krieg gegen Napoleon, von zwei Familien und der russischen Gesellschaft. Die Proben von „Krieg und Frieden“ wurden seit April 2010 in St. Petersburg, Prag und Hamburg gezeigt. Regisseur Matthias Hartmann bekam für diese Inszenierung den Nestroy-Spezialpreis.

Den 14 Schauspielern – darunter Yohanna Schwertfeger oder Ignaz Kirchner – wird alles abverlangt. Es wird geschossen, getrunken, gestorben, geflirtet, gekämpft und gekotzt. Als Bühnenbild steht eine lange Tischreihe mit Sesseln im Saal. Diese Tische werden viele Male umgebaut, umgeworfen und verrückt. Die Szenen werden manchmal minimalistisch, manchmal mit Einsatz sämtlicher technischer Möglichkeiten dargestellt. Karsten Riedel begleitet die Aufführung am Flügel, drei Kameraleute sorgen für originelle Live-Projektionen auf beweglichen Leinwänden, es raucht, es schneit und ein Scheinwerfer fliegt auf die Bühne.

Großartiges Ensemble bei "Krieg und Frieden" im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Großartiges Ensemble bei „Krieg und Frieden“ im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Da nicht chronologisch erzählt wird, wird bei jeder Szene die entsprechende Seitenzahl des Buches eingeblendet. Wenn französisch oder russisch gesprochen wird, dann gibt es Untertitel. Um die letzten 500 Seiten des Buches auch noch unterzubringen, erzählen die Schauspielern am Ende des Abends dem Publikum den Fortgang ihrer Charaktere. Auch während dieser Erzählungen wird gespielt. Fazit: Selten sind viereinhalb Stunden so schnell vergangen. Diese Produktion zeigt, wie Theater im 21. Jahrhundert funktionieren kann – und darf extrem empfohlen werden!

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch. 

Lichttechnik in der Staatsoper

Wo befinden sich die gemütlichsten Sessel der Wiener Staatsoper? – In den Räumlichkeiten der Lichttechnik! Nirgendwo sonst kann man eine vierstündige Opernaufführung in bequemen Büro- oder Autosesseln aussitzen.

Alles im Überblick: Die Lichtregie in der Staatsoper

Wie im Cockpit: Die Lichtregie in der Staatsoper

Hinter Gittern: Von hier verfolgen die Lichttechniker das Geschehen auf der Bühne.

Hinter Gittern: Von hier verfolgen die Lichttechniker das Geschehen auf der Bühne.

Länger als die Vorstellungen dauern meistens die Probenarbeiten. Das Licht muss stets den variierenden Vorstellungen der Regie entsprechen. Ein Gedicht, das neben dem Lichtmischpult aufgehängt wurde, beschreibt die Arbeit der Techniker. „Wir ändern morgen, ändern heut, wir ändern wütend und erfreut. Wir ändern ohne zu verzagen, an allen sieben Wochentagen. (…) Wir ändern heut und jederzeit, zum Denken bleibt uns wenig Zeit.“

Die Aussicht eines "Verfolgers".

Die Aussicht eines „Verfolgers“.

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