Der Prinz starb – und das Publikum gähnte

Okay, das hochgelobte Stück „Prinz Friedrich von Homburg“ (Heinrich von Kleist) könnte Leuten gefallen – wenn sie auf Tragödien stehen, sich den Text vor der Aufführung durchgelesen haben, viel von Militarismus, Dragonern und Ruhm und Ehre halten, Peter Simonischek vergöttern und ihm gern beim Karottenessen zuschauen und mit einer Überdosis Koffein das Burgtheater betreten.

Allen anderen hat es – gestern zumindest – nicht zugesagt. Die Inszenierung von Andrea Breth ist dermaßen langweilig, sodass es mehr Freude bereitete, dem Publikum beim Gähnen, beim Uhrzeiger anschauen, beim Handyspielen und Programmheft durchblättern zuzuschauen. Schlafen war kaum möglich, da das Foyer meist durch das grelle Bühnenbild beleuchtet war. Eine Pause gab es auch nicht, so hielten viele Zuschauer durch, manche aber auch nicht und verließen die Vorstellung bei einem der dunklen Szenenwechsel. Peter Simonischek hatte als Kurfürst nicht viel zu tun. Man schaute ihm beim Umkleiden, Nachdenken, Schweigen und Warten zu.

Prinz Friedrich von Homburg im Burgtheater: Gutes Ensemble, gutes Bühnenbild, langweilige Inszenierung.

Prinz Friedrich von Homburg: Gutes Ensemble und Bühnenbild, langweilige Inszenierung.

Gewartet hat das Publikum mit ihm – auf Action, auf irgendetwas Spannendes.  Leider vergebens. Das Stück hantelte sich von einer Leerstelle zur nächsten, viel zu oft passiert gar nichts. Nach zweieinhalb Stunden atmete das Publikum auf und applaudierte höflich, schließlich standen Stars auf der Bühne – und außerdem war das Stück ein Erfolg bei den Salzburger Festspielen. Es musste also gut gewesen sein, redete man sich ein. Man war wohl einfach nicht in der richtigen Stimmung für „so etwas“.

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