Cellokonzert von Danny Elfman uraufgeführt

Hollywood-Komponist Danny Elfman hat die Musik zu mehr als hundert Filmen geschrieben wie Big Fish, Men in Black, Spider-Man, Good Will Hunting und auch Die Simpsons. Nun hat der 68-Jährige ein Konzert für Violoncello und Orchester komponiert. Es hätte ursprünglich in San Francisco uraufgeführt werden sollen. Aber weil diese Konzerte coronabedingt verschoben werden mussten, fand die Welturaufführung gestern Abend gemeinsam mit Danny Elfman im Wiener Konzerthaus statt. „In dem Fall hat die Pandemie einmal etwas Gutes“, freute sich Intendant Matthias Naske über das historische Ereignis in seinem Haus. Das rund 35-minütige Meisterwerk – gespielt von Cellist Gautier Capucon, Dirigent David Robertson und den Wiener Symphonikern – erinnert mit effektvollen Percussion- und Glockenspieleinlagen an die grandiose Musik der Tim-Burton-Filme. Ein Erlebnis!

Gautier Capucon, Danny Elfman und David Robertson bei der Welturaufführung in Wien

Erwin Wurm: Meisterwerke auf Auftrag

Würstel, Gurkerl und Salzstangerl – Erwin Wurm zeigt im Kleinen Haus der Kunst riesige Skulpturen aus Stein, die Fragen aufwerfen. Zum Beispiel, ob er die alle selbst gemacht hat. „Schauen Sie mich an. Ich hab das in Auftrag gegeben“, antwortet der Künstler lächelnd. „Wir haben die Formen entschieden und scannen lassen. Und dann haben wir es nach Italien nach Carrara geschickt. Ich hab mühsam in wochenlanger Arbeit die Steine ausgesucht, war immer bei der Arbeit und Kontrolle dabei – aber selbst hab ich nichts gemacht.“ Die beeindruckenden Stein-Kunstwerke können jedenfalls nicht nur besichtigt, sondern auch gekauft werden. Nur – die Preise liegen im fünf- bis sechsstelligen Bereich.

Bilderhauer-Meisterwerk: Das Salzstangerl aus Stein ist mehrere Meter hoch…

Romeo Kaltenbrunner: „Wusste gar nicht, was Kabarett ist“

Romeo Kaltenbrunner ist „Innovationsmanager“ bei der Stadt Wien und schreibt gerade an seinem ersten abendfüllenden Kabarettprogramm. Es geht um den Neuanfang nach einer Beziehung, den Kampf zwischen Großstadt und Dorf, Rassismus und den starken Glauben an die Digitalisierung, „denn gepriesen sei das ewige Wachstum. Amen.“ Mit einer Kostprobe davon gewann der 34-Jährige soeben die Ennser Kleinkunstkartoffel.

Pointen, die verbinden

Für seine Pointen beobachtet der gebürtige Linzer das Verhalten von Menschen – und hört ihnen gut zu. Wenn er auf der Bühne etwa von seiner reichen „Exfreundin aus Döbling“ erzählt, kommt die Inspiration dazu aus seinem Umfeld: „In meinem Bekanntenkreis sind im ersten Coronajahr einige Langzeitbeziehungen, sogar Verlobungen, zu Ende gegangen. Die Gründe waren auf den ersten Blick unterschiedlich, auf der anderen Seite aber wieder sehr ähnlich.“ Er möchte Menschen „über Generationen, Geschlechter und Herkunft hinweg verbinden und aufzeigen, dass wir uns alle ähnlicher sind, als wir glauben.“

Der überraschte Bruder

Für Kaltenbrunner muss Kabarett „politische und gesellschaftliche Entwicklungen durch Überspitzung kenntlich machen. Das Publikum soll lachen und dann über die Message nachdenken.“ Mit dem Sieg bei der Ennser Kleinkunstkartoffel rückt er vielleicht dem Traum „Kabarettist auf Vollzeitbasis“ ein Stück näher. Wobei – als er seinem fast 18 Jahre jüngeren Bruder sagte, dass er jetzt so etwas Ähnliches wie Comedy macht, meinte dieser darauf nur: „Wusste nicht, dass du lustig bist“. 

TV-Hinweis: 3. März 2022 – 22.50 Uhr „Ennser Kleinkunstkartoffel“ auf ORF III

Romeo Kaltenbrunner gewann 2022 die Ennser Kleinkunstkartoffel

Wilde und Wiener Klänge im Konzerthaus

Nach einem Tag voll starkem Sturm hingen auf der Bühne des Wiener Konzerthaus gleich drei Donnerbleche, die das wilde Wetter „nachahmten“. Und es waren nicht die einzigen Klangeffekte, die einer beeindruckenden Orchester-Komposition an diesem Abend ihren Stempel aufdrückten: Die Wiener Symphoniker brachten unter ihrem Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada den Liedzyklus „Jittering Directions“ von Johannes Maria Staud zur Uraufführung. Der österreichische Komponist hatte sich während der Lockdowns Gedichte des Lyrikers William Carlos Williams vorgenommen und für Orchester und Sopran vertont. Experimentell, expressiv und rhythmisch fordernd verlangen die Stücke hohe Flexibilität. Und das sogar vorab: Die Sängerin Yeree Suh musste für Andrea Carroll einspringen und war mit Leib, Seele und toller Stimme am Werk. Hut ab!

Im zweiten Teil des Konzerts durften die Symphoniker zu Richard Strauss‘ Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ wieder ihren legendären Wiener Klang auspacken. Hauptact: der wie immer höchst sympathische wie makellose Konzertmeister Dalibor Karvay. Tipp: Am Sonntag gibt es in der Matinee um 11:00 Uhr noch einmal die Gelegenheit, diese Werke zu erleben!   

Die Wiener Symphoniker begeisterten einen – dieser Tage nicht üblich – nahezu vollen Konzertsaal!

Ein schönes Leben für eineinhalb Stunden

„Valentinstag? Fuck that bullshit“, meinte Sängerin Mira Lu Kovacs am 14. Februar beim Auftritt ihrer Band 5K HD im Wiener Konzerthaus. Die Avantgarde-Pop-Band konnte nach ihrer abgesagten Tournee im Vorjahr endlich ihr Akustikalbum „Creation Eats Creator“ live präsentieren – und sorgte für ein einzigartiges Konzerterlebnis! Es ist faszinierend zu sehen, wie sie nur mit Klavier, Schlagzeug, Kontrabass, Trompete und Stimmen quasi elektronische Klänge auf der Bühne erzeugen. Einer der vielen Höhepunkte des Abends: Happy Fxxxing Life, das bei FM4 zum besten Song des Jahres 2020 gewählt worden ist. Für die Zeit des 5K-HD-Konzerts hatten Band und Publikum tatsächlich ein schönes Leben! Ein sehr schönes!

5K HD: Andreas Lettner, Martin Eberle, Mira Lu Kovacs, Manu Mayr, Benny Omerzell

Von der echten Stradivari zur Ibiza-Suite

Eine 288 Jahre alte Stradivari-Violine live zu hören ist schon etwas Besonderes. Am Freitag war es soweit: Der griechische Geiger und Dirigent Leonidas Kavakos spielte mit seiner „Wille-motte“ das Mozarts Konzert für Violine und Orchester in D-Dur im Wiener Konzerthaus. Danach dirigierte Kavakos noch die gewaltige Dvorak-Symphonie Nr. 8 in G-Dur. Ein Traum! Zum Ausklang gab die Blechformation Symphonikerblas der Wiener Symphoniker ein paar Schmankerl zum Besten – etwa die von Rainer Küblböck neu komponierte „Ibiza-Suite – nur a bsoffane Gschicht„. Der erste Satz „Lungenstrudel“ ist allen starken Rauchern gewidmet, der zweite namens „Alles Balzer“ – Prolonaise und Walzer – richtet sich an alle scharfen Katzen und der dritte nennt sich „Tante Aljona will sich eine Zeitung kaufen.“ Brassmusik mit Qualität und Humor!

Sympathisch: Blasmusik von Symphonikerblas

Der Hustenzuckerl-Trick im Konzertsaal

Sauerstoff-Rollator, bestimmt über 80 Jahre alt und lila Strähnen in den weißen Haaren: Das Publikum im Wiener Musikverein ist nicht unbedingt das jüngste, aber trotzdem nicht zu unterschätzen!

Diese Woche spielten die Wiener Symphoniker mit dem französischen Dirigenten Alain Altinoglu drei Konzerte im Goldenen Saal. Nach César Francks symphonischer Dichtung „Le Chasseur maudit“ sang die Ehefrau des Dirigenten, die Mezzosopranistin Nora Gubisch, drei Gedichte (Ernest Chausson – Poème de l’amour de la mer“). Im zweiten Teil stand Jean Sibelius fünfte Sinfonie am Programm – ein absoluter Höhepunkt und Hörtipp. Vor allem das Allegro Molto!

Da Husten im Konzert nicht nur zu Coronazeiten stört, es unter der FFP2-Maske im Hals besonders kratzt und Pausen derzeit oft gestrichen oder ohne Gastro abgehalten werden – folgender Lifehack: Echte Profis wickeln das Hustenzuckerl weder schnell noch langsam während des Konzerts aus, sondern bereits vor dem Konzert. Einfach, aber genial!

Nora Gubisch, Alain Altinoglu und die Wiener Symphoniker im Musikverein

Spitzen-Kabarett zur Omikron-Spitze

Die Kabarettisten Thomas Maurer und Christof Spörk haben mitten in der Omikron-Welle mit ihren neuen Progammen Premiere gefeiert. Der Wiener Stadtsaal war jeweils gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Wenig verwunderlich bei täglichen Corona-Neuinfektionen im vier- bis fünfstelligen Bereich. Maurer widmet sich in seinem Programm „Zeitgenosse aus Leidenschaft“ als Leidensgenosse der Zeit dem Klimawandel, der Selbstoptimierung und dem damit verbundenen schlechten Gewissen. „Eine Leberkässemmmel? Wie kommt die da her? Die kann ich eigentlich nicht gekauft haben, weil ich seit Jahren kein Fleisch mehr aus Massentierhaltung konsumiere. … Ich dürfte einen Hunger gehabt haben“. Ein ethisches Dilemma, „weil essen wollte ich sie nicht wollen.“

Rauchen ist wie zu enge Schuhe tragen und sie immer wieder für eine Stunde auszuziehen, sagt Maurer. Dasselbe Gefühl der Erleichterung!

Christof Spörk hat sein neues Programm „Dahaam“ getauft. „Ich hab gedacht, falls ich mitten in einen Lockdown reinkomme, heißt das Programm genauso wie der Aufführungsort der Premiere.“ Der ehemalige Global Kryner geht das Thema Corona auf der Bühne positiv an, argumentiert, warum es „noch nie so geil war, in einer Pandemie zu leben wie jetzt“ und bietet vor allem grandios-verspieltes Musikkabarett. Ist dieses Programm empfehlenswert? Die Antwort lautet wie auf jede Cookie- und Datenschutzgrundverordnungsanfrage: „Ich stimme zu!“

Christof Spörk ist ein „Bandmensch“ – und hat sich den bassionierten Schlagzeuger und schlagfertigen Bassisten Alberto Lovison mit auf die Kabarettbühne geholt. „Ein Glücksgriff!“

Das Staatsballett im Liebestaumel

Mitten im chaotischen Corona-Alltag macht das Ballett in der Wiener Staatsoper eine sorgenfreie Parallelwelt auf, die die Seele schnurren und das Herz hüpfen lässt.

Entsteigt man am Karlsplatz der U-Bahn, um einen Abend in der Staatsoper zu verbringen, ist die Wiener Lebensqualität eindeutig spürbar. Was für ein Privileg! An der Eingangstüre sind idealerweise schon alle nötigen Papiere parat, um sich in diese andere Welt zu begeben, fern des angespannten Corona-Alltags. Die strengen Sicherheitsmaßnahmen (Booster + PCR + FFP2) lassen auch Corona-Besorgte ruhig atmen.

Dem hervorragenden Programm „Im siebten Himmel“ machte Ende letzten Jahres leider nach wenigen Vorstellungen der Lockdown ein Ende. Aktuell ist das Programm „Liebeslieder“ zu sehen. Romantisch startet es mit einem sanften Paar-Tanz zu Chopin-Klavier in tiefenentspannendem Blau. Bei der darauffolgenden Gruppen-Einlage kommt die schräge Musik leider aus der in die Jahre gekommenen Soundanlage. Der Orchestergraben bleibt in diesem Programm leer. Nach der Pause geht es kitschig weiter mit Brahms-Liebesliedern, geträllert von einem Solisten-Ensemble mit vierhändiger Klavierbegleitung. Das üppige Bühnenbild lenkt leider etwas ab von der harmonischen Choreographie der (Liebes-) Paare.

Fazit: Ein Ballett in der Staatsoper tut immer besonders gut und ruft in Erinnerung, warum die Kultur vor allem in schweren Zeiten möglichst offen bleiben muss.

Tizians Frauen in der Zielgeraden

Bis 1500 wurden Frauen nur in biblischen Szenen gemalt: Sünderin Eva oder die göttliche Maria. Ab dann ging es aber zur Sache, zumindest in Venedig. Die schöne junge Frau wurde von Tizian, dem Superstar der Renaissance, und seinen Zeitgenossen erotisch porträtiert. Von Männern für Männer. Eine entblößte Brust war etwa das visuelle Zeichen, dass eine Frau offenen Herzens in die Ehe eintritt.

Die Sonderausstellung „Tizians Frauenbild. Schönheit – Liebe – Poesie“  im Kunsthistorischen Museum Wien wurde von Beginn an kontrovers diskutiert. Zu konservativ? Zu wenig Hintergrund? Doch feministisch? Noch eine Woche gibt es Gelegenheiten, sich selbst ein Bild zu machen, bevor sie in den Palazzo Reale in Mailand übersiedelt: Online-Führungen, Venezianische Abende bei Antipasti und Aperitivo oder das Grande Finale Veneziano am letzten Tag.

Liebespoesie und Literatur inspirierten. Allen voran Francesco Petrarca, dessen Angebetete Laura DIE literarische Figur war damals. Ihre Haare sollen so anziehend gewesen sein. Auch die Dame am Sujetbild parfümiert sich ihre Haare.
Viele Werke sind hochkarätige Leihgaben – ob aus St. Petersburg, der Villa Borghese in Rom, oder wie dieses aus dem Dogenpalast in Venedig selbst.