Eckel in intimer Gesellschaft

Wenn große Kabarettisten in kleinen Theatern auftreten, ist die Stimmung einzigartig. So auch gestern, als Klaus Eckel im Theater am Alsergrund sein Programm „Weltwundern“ zum Besten gab. Im Publikum saßen auffällige Deutsche, besserwissende Lehrer und eine Seniorenrunde, die sich als „Gruppe Intim“ vorstellte. Gut möglich, dass man in so einer Situation als Kabarettist die Bühne sofort wieder verlassen möchte – oder sich wünscht, wieder in großen Häusern zu spielen, wo mehr Abstand zum Publikum besteht. Aber Eckel blieb und baute die auffälligen Gestalten immer wieder gekonnt in seine Show ein. Fazit: Klaus Eckel ist ein Kabarett-Knüller. Er liefert Wortwitze, skurrile Gedanken und (spontane) Pointen im Sekundentakt, breitentauglich und doch hintergründig.

Klaus Eckel füllt die deutschsprachigen Kleinkunstbühnen - völlig zurecht!

Klaus Eckel füllt die deutschsprachigen Kleinkunstbühnen – völlig zu Recht!

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Wahrheiten über die Theaterbranche

Die beiden Schauspielerinnen Ute und Tatiana ziehen in ihrem ersten Kabarettprogramm „Nein, wir nehmen sie nicht!“ über die Film- und Theaterbranche her. Sie erzählen unterhaltsam von mühsamen Operndiven, verwirrten Regisseuren, arroganten Max-Reinhardt-Seminar-Absolventen, fragwürdigen Castings, Stimmübungen und Proben. Eigentlich genug Stoff für einen lustigen Abend. Doch leider füllen sie die Überleitungen mit Vegetarier-, Zahnarzt-, AMS- und ÖBB-Witzen. Fazit: Flop, wenn Witze bemüht in Dialogform dargeboten werden. Top, wenn es um ihre Branche, das Theater, geht, wenn chinesisch auf der Bühne gesprochen wird und wenn Romeo und Julia auf Facebook miteinander flirten. Die Vorfreude auf das zweite Programm ist groß. Potenzial wäre da, dass aus Ute und Tatianas „Enments“ künftig Engagements werden – mit Gage eben.

Tatiana und Ute @ Area Wien

Tatiana und Ute zeigen Spielfreude und schauspielerisches Können im Theatercafé Aera

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Politische Pointen mit der Luftgitarre

Die Gebrüder Moped, bekannt für ihre satirischen und politischen Fotomontagen auf Facebook und Twitter, sind regelmäßig live auf der Kabarettbühne zu sehen. Auch in ihrem Programm „Tellerrandtango“ präsentieren sie mit Beamer und Leinwand ihre Werke, fragen sich „Was macht Werner Faymann eigentlich beruflich?“, fordern ein „Burkaverbot für Bananen“ oder präsentieren ihr FPÖ-Plakat mit dem Slogan „Kampf den Dativ“.

Die Geprüder Moped wissen, wie sie ihr Publikum, also "den kleinen Mann von der Straße", die "alleinerziehende Billakassiererin" oder "die Oma mit dem Sparbuch", begeistern können.

Die Gebrüder Moped wissen, wie sie ihr Publikum, also „den kleinen Mann von der Straße“, die „alleinerziehende Billakassiererin“ oder „die Oma mit dem Sparbuch“, begeistern können.

Dazwischen gibts Musik und bitterböses, politisches Kabarett. Die beiden „Willkommen Österreich“-Gagschreiber erinnern dabei an ihre Auftraggeber Stermann und Grissemann. Auf der Bühne ist Franz Stanzl die wuchtelliefernde Rampensau, die auch mit der Luftgitarre abrockt, sein Partner Martin Strecha-Derkics ist hingegen der melancholische Ruhepol, der kaum zu Wort kommt und eher als Gitarrist präsent ist. Fazit: Live sind die Gebrüder Moped zwar eher Bruder Moped mit Gitarrist und Leinwand, jedoch für medienkonsumierendes und politisch interessiertes Publikum ein Muss!

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Kreuzfahrt-Show mit Niveau

Entertainer Erwin Steinhauer und „seine Lieben“ feierten heute mit ihrer musikalischen Revue „Hand aufs Herz“ Premiere in den Kammerspielen der Josefstadt. Dabei luden sie das Publikum auf eine Kreuzfahrt ein. Das Schiff, die SM Alcatraz, geht zwar unter, doch für Hedgefonds-Besitzer und Co gibt es ein Happy End auf einer, wahrscheinlich ihrer, Insel. Steinhauer überzeugt als Erzähler und Sänger. Seine Big Band, bestehend aus Georg Graf, Joe Pinkl und Peter Rosmanith, spielt alle Register und Instrumente, egal ob Tuba, Sax, Flöte, Klavier, Schlagzeug, Percussion, Bass, Klarinette oder auch Melodica. Der Abend ist voller Wortwitz, Gesellschaftskritik, musikalischer Zitate, emotionaler Wechselspiele und Überraschungen. Fazit: Voll versenkt! Unbedingt ansehen!

Steinhauer zum Publikum: "Wissts was? Likeds me!"

Facebook-Verweigerer Erwin Steinhauer zum Publikum: „Wissts was? Likeds me!“

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Politik-Kabarett in der Kulisse

Mit seiner tagesaktuellen Programmreihe „Kabarainment“ begeistert Kabarettist Robert Mohor regelmäßig in der Wiener Kulisse sein Publikum. Auch gestern, bei der DVD-Aufzeichnung, baute Mohor jene Demonstranten ein, die noch wenige Stunden zuvor mit Bademantel bekleidet durch die Stadt zogen, um sich für mehr Lieder von Udo Jürgens einzusetzen. Auch die die österreichische Innenpolitik, der Ukraine-Krieg, der Islamische Staat und der Nahostkonflikt, Ebola und die E-Zigarette wurden thematisiert.

mohor2

In seiner Vortragsweise und Erscheinung (Glatze, Bart) erinnerte Mohor dabei manchmal an Roland Düringer. Klammert man die Lückenfüllerthemen „Sex am Strand“, „Alternativcafés“ und „Katholische Kirche“ aus, dann schaffte es Mohor, das Publikum auf höchst humorvolle und intelligente Weise zum Nachdenken zu bewegen. Und mehr kann man von einem gelungenen Kabarettabend nicht erwarten.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

BlöZinger – Das Buch

Das Kabarettduo BlöZinger – bestehend aus Robert Blöchl und Roland Penzinger – feiert im Herbst 2014 sein zehnjähriges Bühnenjubiläum. Aus diesem Grund ist soeben ein Buch mit dem Titel „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler im Forest Verlag erschienen. Es  erzählt mit humorvollen Anekdoten von den ersten zehn Jahren der beiden CliniClowns und Kabarettisten. Dabei kommen auch Wegbegleiter wie Günther Lainer und viele mehr zu Wort. Fragen wie „War Roland wirklich Zirkusdirektor?“, „Musizierte Robert tatsächlich mit den Wiener Philharmonikern?“, „Was bitte ist die Österreichische Kabarettmatura?“ werden im Buch mehr oder weniger beantwortet.

Best of3

Mehr Infos zum Buch und eine Bestellmöglichkeit gibt es unter bloezinger.wordpress.com.

Einen Videotrailer zum Buch gibt es auf YouTube.

Ö3-Comedy als Liveshow

Gernot Kulis ist ein sympathischer Comedian – ja, auch so etwas gibt es. Sein Programm „Kulisionen“ ist aber nur bedingt empfehlenswert. Wer auf nacherzählte Telefonscherze des Callboys („Der Bademeister ist doof“), Hans-Krankl-Imitationen („Huach zua“) oder auf eine Professor Kaiser-Prüfung („Was heißt I don‘t know auf Deutsch?“ „Ich weiß es nicht.“ „Das ist aber schlecht…“) steht, wird auf seine Kosten kommen. Fazit: Für wahre Fans des Ö3-Komikers ein amüsanter Abend. Für alle anderen genügt YouTube.

TV-Aufzeichnung im Gasometer

DVD-Aufzeichnung im Gasometer Wien

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

Sitzung voller Schüttelreime

„Bei Kälte wärmt mit Panda-Fellen zur Not sich auch Herr Van der Bellen“ oder „Fehlt einmal am Haupt das Deckhaar zählen nur noch Vieh und Hektar“ oder „Den Glückspfad weist mein Teddy mir – sooft ich mit ihm meditier“ – so lauteten drei der zahlreichen Zweizeiler bei der „Galanacht des Schüttelreims“ im Theater am Alsergrund. Die Kabarettisten Ludwig Müller, Christoph Krall und Simon Pichler schüttelten dort gestern Abend die Reime zwei Stunden lang nur so heraus. Das ist für das Publikum zwar anstrengend, aber auch sehr lustig und inspirierend. Tipp: Mitte Juni hat der „Verein der Freunde des Schüttelreims“ zwei „Sitzungen“ im Grazer Theatercafé „Hin & Wider“.

Böse Satire über die Glücksindustrie

Musikalisches Kabarett aus Kärnten. Klingt schrecklich? Nicht unbedingt. Denn Birgit und Nicole Radeschnig haben sich einen eigenen Stil erarbeitet, der nicht weiter weg von Villacher Fasching und Co sein könnte. Gestern feierten die beiden Zwillingsschwestern aus Kärnten mit ihrem neuen Programm „Experimensch“ Premiere im Theater am Alsergrund. Darin geben sie als „lebendiges Lifestylemagazin“ absurd-komische Ratschläge, wie man ein glückliches und gesundes Leben führt. Ihr Stück lässt sich wie eine Zeitungssatire konsumieren. Es fordert höchste Konzentration, belohnt einem aber mit jeder Menge bitterböser, schräger, erstaunlicher, komischer Pointen – die größten Eindruck hinterlassen. Empfehlung!

Umjubelte Premiere im Theater am Alsergrund

„Glücksbringer“ Nicole & Birgit Radeschnig bei ihrer umjubelten Premiere

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

CasaNova: Zum Lachen in den Keller

Die neue Kabarettbühne in der Dorotheergasse 6-8 im ersten Bezirk in Wien ist ein bisschen versteckt im Keller des Billardcafés „Köö“. Wenn man das CasaNova jedoch einmal gefunden hat, kann man dort grandiose Kabarettabende verbringen. Die Vorstellungen werden bei Tisch genossen. Getränke holt man sich selbst – vor der Vorstellung, in der Pause und wenn es nach dem neuen Betreiber geht, dann auch nach der Vorstellung. Loungemusik und stimmungsvolle LED-Beleuchtung laden auf jeden Fall zum Verweilen ein.

CasaNova

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.