Orgelklänge wie im Horrorfilm

Gestern Abend zelebrierte Jeremy Joseph im Konzerthaus auf der Orgel, der Königin der Instrumente, drei Werke von Johann Sebastian Bach und Arnold Schönberg. Wie der Bösewicht in einem Horrorfilm oder der Protagonist in „Schlafes Bruder“ berarbeitete der Musiker leidenschaftlich seine mächtige Tastenmaschine, zog alle möglichen Register und sorgte für einen abwechslungsreichen ersten Konzertteil.

Jubel und Applaus: Jeremy Joseph, der südafrikanische Organist, begeisterte im Konzerhaus.

Jubel und Applaus: Jeremy Joseph, der südafrikanische Organist, im Konzerhaus.

Nach der Pause stand Heinz Ferlesch am Dirigentenpult und bot mit der Sopranistin Nina Berten, der Wiener Singakademie und Jeremy Joseph das Lied „Hör meine Bitten, Herr“ von Felix Mendelssohn Bartholdy dar. Danach stand das Werk „Ecce sacerdos magnus“ von Anton Bruckner am Programm, das gemeinsam mit der Posaunengruppe „Trombone Attraction“ zum Besten gegeben wurde. Man hätte meinen können, dass hier ein ganzes Orchester am Werken gewesen war, dabei spielten nur vier Instrumente. Den Abschluss des Konzertabends bildete Johann Sebastian Bachs Werk „Komm süßer Tod, komm sel’ge Ruh'“. Der Chor verteilte sich dazu im ganzen Saal und sang das schaurig-harmonische a-capella-Stück. Fazit: Ein abwechslungsreicher Konzertabend – mit hervorragender musikalischer Besetzung.

Verspielt, mit Energie und Ruhe: Heinz Ferlesch dirigierte mit viel Gefühl die Wiener Singakademie..

Verspielt, mit Energie und Ruhe: Heinz Ferlesch dirigierte mit viel Gefühl die Wiener Singakademie..

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch. 

BlöZinger über ihr neues Programm „ErIch“

Gestern Abend präsentierten Robert Blöchl und Roland Penzinger (BlöZinger) ihr neues Programm „ErIch“ im ausverkauften Kulturzentrum d’Zuckerfabrik. Dabei geht es um ein Familientreffen und Begräbnis der besonderen Art. Beide Kabarettisten schlüpften in zahlreiche Rollen und boten dem Publikum zwei Stunden lang beste Unterhaltung. BlöZinger gehören inzwischen zu den besten Kabarettisten des Landes. Kulturblogger.at traf sie zum Interview.

BlöZinger mit ihrem Programm "ErIch" im Kulturzentrum d'Zuckerfabrik.

BlöZinger mit ihrem Programm „ErIch“ im Kulturzentrum d’Zuckerfabrik.

Kulturblogger.at: Seid ihr die vergangenen Jahre lustiger geworden?

Roland Penzinger: Ich würde ja jetzt gerne etwas sagen, aber ich darf nicht. Bitte Robert.
Robert Blöchl: Natürlich sind wir lustiger geworden. Hoffen wir. Ich hab den Roland vor zwanzig Jahren nicht gekannt, aber ich bin mir ziemlich sicher, er war damals gar nicht lustig und jetzt ist es mittlerweile voll okay.
Penzinger: Siehst du, das hätte ich auch gesagt, nur anders.

Kulturblogger.at: Und woran liegt das?

Penzinger: Wie gesagt, ich darf nicht. Bitte Robert.
Blöchl: Ein Riesenvorteil ist, dass man im Alter nicht mehr alles ernst nimmt. Ich mein, wir sind zwar nicht so alt, also ich bin nicht so alt… (Zu Roland) Wie alt bist du?
Penzinger: Alt genug. Danke! Ich darf‘s nicht sagen. Ich darf ja keine Fragen beantworten.
Blöchl: Also im Alter nimmt man nicht mehr alles ganz so ernst und das hilft uns beiden schon. Speziell auf der Bühne.
Penzinger: Ich kann dich gern Ernst nennen wenn du willst. Also wenn dir Robert nicht mehr gefällt. Das ist ja ein alter Name. Ernst würde auch zu dir passen!
Blöchl: Du hast keinen Text!

Kulturblogger.at: Ihr wechselt ständig die Charaktere. Wie schafft ihr es, euch den Text zu merken und die Köpersprache dem Charakter entsprechend umzustellen?

Blöchl: Mir fällt das persönlich eher leicht. Mein Kollege kämpft schon ein bisschen damit, aber er wird besser. Er ist wie Wein. Er korkt irgendwann.
Penzinger: Na super, was er gesagt hat. Ich hätte genau das gleiche gesagt, nur komplett anders. Ich glaube ja, es hilft schon, wenn man ein bisschen schizophren ist. Also wenn man eine multiple Persönlichkeit hat, dann hilft das schon sehr. Stimmt doch, Robert?
Blöchl: Und was auch hilft ist, dass wir durch die Clown-Arbeit schon lange Pantomime machen. Das hilft uns bei der Körpersprache entscheidend.

Kulturblogger.at: Übt ihr das vor dem Spiegel?

Penzinger: Nein, soll man auch nicht machen. Weil es immer nur zweidimensional ist. Also ich glaube nicht, dass das hilft.
Blöchl: Das Einzige, was ich vor dem Spiegel regelmäßig übe, ist Zähneputzen. Und das haut mittlerweile halbwegs hin.

Kulturblogger.at: Wie lange arbeitet ihr an so einem Programm?

Penzinger: Darf ich was sagen?
Blöchl: Ja.
Penzinger: Okay. Also ich sag immer so: Es ist wie eine Schwangerschaft. Also ungefähr neun Monate.
Blöchl: Von der Ideenfindung, bis zum Schreiben, bis zum Proben, bis zum Intensivproben vergehen zirka neun Monate.

Kulturblogger.at: Wie ist für euch der Tag der Entbindung?

Penzinger: Also wir verlieren das Fruchtwasser, lullen uns an, uns ist schlecht…
Blöchl: Der Vergleich hinkt gar nicht so, weil vor jeder Premiere denkt man sich: „Das tun wir uns nie wieder an. Nie wieder!“ Und da es doch auch Familien mit mehreren Kindern gibt… die Frage stellen sich wahrscheinlich viele Menschen auch…nie wieder ein zweites Kind…und irgendwie vergisst man es dann wieder, wenn man das Kind mag zumindest. Man vergisst den ganzen Stress und das nervös sein, das martern vor und hinter dem Vorhang – und irgendwann macht man dann doch ein neues Programm.

Kulturblogger.at: Es läuft schon ziemlich gut für euch. Ihr seid jetzt auch im Fernsehen zu sehen. Wo seht ihr eure Zukunft?

Blöchl: Also seine sehe ich bei Aktenzeichen.
Penzinger: Seine bei „Wer will mich?“
Robert: Das Ziel kann eh nur sein: Viel spielen und durch das neue Programm ein bisschen bekannter werden. Das Programm hat super gestartet und läuft sehr, sehr gut. Und wo es uns hinbringt – darauf lassen wir uns überraschen!

Kulturblogger.at: Warum macht ihr überhaupt Kabarett?

Penzinger: Weil wir sonst nichts können.
Blöchl: ich könnte natürlich total viele andere Sachen auch machen.
Penzinger: Jaaa. Du kannst ja nicht einmal Zähneputzen.
Blöchl: Da ist viel Mitleid von meiner Seite dabei…Generell macht es uns einfach Spaß!

Kulturblogger.at: Danke für das Interview!

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Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch. 

Standing Ovations für Katie Melua

Gestern Abend gaben Boy und Katie Melua in der Wiener Stadthalle ein Konzert vom Feinsten. Zuerst brachten die sympathischen Mädels von Boy eine halbe Stunde lang das Publikum mit Hits wie „Drive Darling“ in Stimmung. Danach gaben sie Autogramme und verkauften dutzende CDs an ihre neuen Fans.

Boy erweiterten in der Stadthalle ihre Fangemeinde!

Boy erweiterten in der Stadthalle ihre Fangemeinde! (Foto: Volume/Florian Kobler)

Dann kam Katie Melua auf die Bühne. Zuerst alleine mit Gitarre, dann mit Streichquartett und schließlich erschien ihre Band hinter dem Vorhang. Nach eineinhalb Stunden stürmten die Besucher von ihren Sitzplätzen nach vorne und filmten die Zugaben – darunter natürlich auch „Nine Million Bicycles“ oder „If The Lights Go Out“ mit ihren Smartphones. Standing Ovation! Ehrliche Begeisterung im Publikum!

Die georgisch-britische Sängerin begeisterte mit Hits wie "The Closest Thing to Crazy" oder "Nine Million Bicycles".

Die georgisch-britische Sängerin begeisterte mit Hits wie „The Closest Thing to Crazy“ oder „Nine Million Bicycles“. (Foto: Volume/Florian Kobler)

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch. 

Abenteuer eines Franziskaners

Als ich Pater Martin – den Pfarrer von Enns – nach seiner Lieblingsgeschichte fragte, antwortete er: „Die eine, als mich die Polizei mit Pistolen auf der Autobahn aufgehalten hat…“. Klingt verrückt? Ist es auch! Fast alle Geschichten, die im neuen Buch „Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen.“ enthalten sind, erzählen von heiteren und spannenden Abenteuern des sympathischen Franziskaners, die unglaublich wirken – und manchmal zum Nachdenken anregen.

Pater Martin beim Bergsteigen. (Ein Comic von Georg Attenender)

Pater Martin beim Bergsteigen. (Ein Comic von Illustrator Georg Attenender)

Das Buch „Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen.“ erscheint am 17. November 2012 und kostet 14,90 Euro. Jetzt vorbestellen bei Freya Verlag oder Amazon.de oder Thalia.at. Die Buchpräsentation findet ebenfalls am 17. November (um 18 Uhr) bei freiem Eintritt in der Stadtpfarrkirche Enns statt. Es wird eine Agape vorbereitet und einen Büchertisch geben. Pater Martin wird auf Wunsch auch Bücher signieren.

Filmmusik in der Stiftsbasilika

Gestern Abend gab der Musikverein St. Florian ein Konzert in der Stiftsbasilika. Hunderte Fans waren gekommen, um sich das vielversprechende Programm – darunter hauptsächlich Filmmusik und geistliche Werke – im beeindruckenden Ambiente live anzuhören. Stiftspfarrer Harald Ehrl predigte (bzw. moderierte) durch den Abend und freute sich besonders über die dargebotenen Werke von Anton Bruckner. Für die Besucher waren wohl Stücke wie „Pearl Harbour“, „The Rock“ oder „A Whiter Shade of Pale“ die Konzerthighlights. Etwas schade war, dass die Akustik in der Basilika jeden Ton rund drei Sekunden nachhallen ließ – was nicht optimal für Blasmusik ist. Doch Kapellmeister Franz Falkner wusste die Bedingungen zu nützen und spielte als Zugabe ein wunderschönes Trompetensolo mit leiser Orchesterbegleitung. Im Anschluss an das Konzert wurde bei wärmendem Glühmost noch lange nachgefeiert.

Der MV Florian präsentierte Filmmusik im Stift.

Der MV Florian präsentierte Filmmusik im Stift.

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Buchtipp: „Pater Martin“ –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch. 

Vocalensemble Lalá im Interview

Das Vocalensemble Lalá hat ein neues Album herausgebracht und im Kulturzentrum d’Zuckerfabrik in Enns ein grandioses Konzert gegeben. Kulturblogger.at traf die vier sympathischen Oberösterreicher zum Interview.

Lalá bei ihrem Konzert im Kulturzentrum d'Zuckerfabrik in Enns

Das Vocalensemble Lalá bei ihrem Konzert im Kulturzentrum d’Zuckerfabrik in Enns

Kulturblogger.at: Warum heißt euer Ensemble „Lalá“?

Julia: Die Ilia, der Mathias, der Peter und ich waren gemeinsam im Stiftergymnasium in Linz. Da hatten wir einen Philosophie- und Psychologie-Professor und der war und ist ein großer Fan von uns. Eines Tages kam er auf uns zu und sagte: Hey Leute, ich hab den perfekten Namen für euch – Lalá. Das heißt so viel wie „Nachsingen“ auf Griechisch, besteht aus vier Buchstaben und wir sind zu viert. Zwei L für zwei Männer, zwei A für zwei Frauen. Der Name war also die Inspiration unseres Professors.

Kulturblogger.at: Warum singt ihr a-capella?

Ilia: Warum nicht?
Peter: Weil wir keine Instrumente brauchen.
Julia: Weil wir keine Instrumente können! (lacht)
Ilia: Nein, das stimmt nicht. Weil es mal was anderes ist.
Peter: Ich glaube es gibt kein Warum.
Ilia: Es macht uns einfach Spaß.

Kulturblogger.at: Hört ihr privat auch a-capella?

Julia: Ja, vor allem weil wir uns weiterbilden. Und aufgrund unseres beruflichen Weges sind wir mit einigen a-capella-Gruppen in Kontakt und da forscht man ein bisschen – wie machen das die anderen, wie klingen die anderen?

Kulturblogger.at: Wie weltweit seid ihr unterwegs?

Ilia: Wir fahren in einer Woche nach China. Das ist natürlich ein Highlight für uns – unser erster Auftritt in Asien. Und wir werden schauen, was sich dort ergibt. Wir waren in Europa schon in Norwegen, Schweiz,  Deutschland  – einmal in Algerien – und einmal in Afrika für drei Tage.

Kulturblogger.at: Was sind eure größten Erfolge bisher?

Julia: Das sind schon so viele, da müssen wir nachdenken. (lacht)
Peter: Wir haben im Vorjahr den Brucknerpreis in Linz gewonnen. Das war eine coole Sache.
Julia: Eine große Auszeichnung war für uns der a-capella-Wettbewerb für Ensembles in Leipzig – da haben wir den besten Platz belegt. Der größte Erfolg war ein Konzert mit extrem vielen Jugendlichen in der algerischen Hauptstadt Algier. Damals war es dort politisch ein bisschen schwierig und die Jugendlichen hatten ein großes Verlangen nach Freiheit – und das haben wir in unserem Konzert so richtig aus ihnen rausholen können. Am Schluss war eine extrem gute Stimmung und die Jugendlichen sind herumgesprungen und haben getanzt – das ist eigentlich verboten. Es gibt ein Tanzverbot in Algerien.

Kulturblogger.at: Wird zu a-capella gewöhnlich getanzt?

Julia: Wenig.
Mathias: Eigentlich gar nicht.
Julia: Wir gehen auf der Bühne im Rhythmus rechts und links. (lacht)

Kulturblogger.at: Gibt es viel Konkurrenz bzw. ist die a-capella-Szene gut unterwegs?

Mathias: Man muss schon sagen, dass die Szene in Österreich nicht so ausgeprägt ist. Die Gruppen, die etwas öfter in den Medien vorkommen, kann man an einer Hand abzählen.

Kulturblogger.at: Ist das ein Vorteil für euch?

Alle: Ja, sicher.

Kulturblogger.at: Ihr macht kein Musikkabarett auf der Bühne – sondern betreibt eure Musik ernst?

Julia: Wir sind ziemlich seriös muss man sagen. (lacht)
Ilia: Wir haben verschiedene Programme und singen alle Stilrichtungen. Heute präsentieren wir ein Pop-Jazz-Programm und in Linz präsentieren wir unsere neue CD, die etwas ganz anderes bietet, nämlich Bruckner, Brahms und Komponisten aus der Romantik.
Julia: Unser Schwerpunkt liegt beim Singen.

Kulturbogger.at: Die Gruppe Bauchklang ist mit elektronisch-klingender Musik erfolgreich, Fii macht als Beatboxer seinen Weg. Probiert ihr so etwas auch?

Mathias: Ich probiere, dass ich ein Beatbox-Element hineinbringe, aber allgemein fehlt uns dazu einfach ein fünfter Mann – weil uns sonst einfach eine Stimme abgeht.
Ilia: Aber wir sind am 8. Dezember im Metropol, wo wir mit Beatboxern unsere Lieder noch einmal aufpeppen.

Kulturblogger.at: Seid ihr zu viert, weil es praktisch ist zu proben?

Julia: Wir haben uns in der Schule so kennen gelernt und sind in dieser Formation geblieben.
Ilia: Es ist auch praktisch, weil bei klassischer Literatur eine normale Stimmaufteilung, also Sopran, Alt, Tenor und Bass, einfach da ist. Und das ist bei uns einfach der Fall.

Kulturblogger.at: Was sind die näheren Ziele von euch?

Peter: Von China wieder zurückkommen. (lacht) Im Dezember geht es weiter mit Weihnachtskonzerten und Weihnachtsliedern.
Ilia: Was wir in näherer Zukunft auch planen ist eine CD oder ein Projekt für Kinder. Und wir werden mit einem Streichensemble aus Linz etwas machen. Mal schauen, was auf uns zukommt.

Kulturblogger.at: Welchen Stellenwert nimmt die Band Lalá in eurem Leben ein?

Julia: Die Band trägt uns finanziell. Wir machen das beruflich. Wir haben zwar nebenbei alle ein Studium rennen, aber das Vocalensemble ist ab Herbst jetzt unser Beruf. Wir treffen uns zwei- bis dreimal pro Woche den ganzen Tag und proben, organisieren und haben Spaß miteinander. Lalá ist unsere Arbeit.
Ilina: Und unser Vergnügen.

Kulturblogger.at: Danke für das Interview!

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„Krieg und Frieden“ als imposantes Theaterstück

Wer in eine Theatervorstellung geht, die viereinhalb Stunden dauert und zwei Pausen hat, der muss große Erwartungen haben. Solche hatten die Zuschauer gestern bei „Krieg und Frieden“ im Kasino am Schwarzebergplatz – und wurden für ihren Mut belohnt.

Das Stück basiert auf dem 1.500-Seiten-Roman von Leo Tolstoi und erzählt die Geschichte vom Krieg gegen Napoleon, von zwei Familien und der russischen Gesellschaft. Die Proben von „Krieg und Frieden“ wurden seit April 2010 in St. Petersburg, Prag und Hamburg gezeigt. Regisseur Matthias Hartmann bekam für diese Inszenierung den Nestroy-Spezialpreis.

Den 14 Schauspielern – darunter Yohanna Schwertfeger oder Ignaz Kirchner – wird alles abverlangt. Es wird geschossen, getrunken, gestorben, geflirtet, gekämpft und gekotzt. Als Bühnenbild steht eine lange Tischreihe mit Sesseln im Saal. Diese Tische werden viele Male umgebaut, umgeworfen und verrückt. Die Szenen werden manchmal minimalistisch, manchmal mit Einsatz sämtlicher technischer Möglichkeiten dargestellt. Karsten Riedel begleitet die Aufführung am Flügel, drei Kameraleute sorgen für originelle Live-Projektionen auf beweglichen Leinwänden, es raucht, es schneit und ein Scheinwerfer fliegt auf die Bühne.

Großartiges Ensemble bei "Krieg und Frieden" im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Großartiges Ensemble bei „Krieg und Frieden“ im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Da nicht chronologisch erzählt wird, wird bei jeder Szene die entsprechende Seitenzahl des Buches eingeblendet. Wenn französisch oder russisch gesprochen wird, dann gibt es Untertitel. Um die letzten 500 Seiten des Buches auch noch unterzubringen, erzählen die Schauspielern am Ende des Abends dem Publikum den Fortgang ihrer Charaktere. Auch während dieser Erzählungen wird gespielt. Fazit: Selten sind viereinhalb Stunden so schnell vergangen. Diese Produktion zeigt, wie Theater im 21. Jahrhundert funktionieren kann – und darf extrem empfohlen werden!

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
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Bier und Fußball: Nigel Kennedy im Konzerthaus

Unglaublich!!! Was Geigen-Superstar Nigel Kennedy gestern Abend im Wiener Konzerthaus aufführte, war der absolute Wahnsinn. Kein YouTube-Handyvideo kann zeigen, was da los war. Nigel kommt – gekleidet wie ein Straßenmusiker, Punk oder Fußballfan – auf die Bühne, scherzt mit dem Publikum und spielt dann locker-lässig ein paar Werke von J.S. Bach. Seine Solostücke hören sich an, als würde ein ganzes Streichquartett spielen. Dabei spielt er alleine. Gehen die Töne in die unendliche Höhe, so quietscht es nicht, sondern klingt noch immer angenehm leicht. (Das ist man von Geigenmusik nicht gewöhnt…)

Der 55-jährige Nigel Kennedy ist der Punk unter den Violinsolisten.

Star ohne Sakko: Der 55-jährige Nigel Kennedy ist der Punk unter den Violinsolisten.

Die Leichtigkeit, mit der Nigel virutose Stücke runterfetzt ist beachtlich. Er konzentriert sich ausschließlich auf die Musik. Der Rest scheint ihm egal zu sein. Es gibt keine große Technik und auch keine Lichtshow. Auf der Bühne steht er gemeinsam mit Jarek Smietana (Akkustikgitarre), Yaron Stavi (Kontrabass) und Krzysztof Dziedzic (Trommel). Diese Besetzung spielt – beinahe unverstärkt – das riesige Konzerthaus aus.

Es groovt und swingt, wenn Kennedys Quartett ein paar Werke von Bach interpretieren.

Es groovt und swingt, wenn Nigel Kennedys Quartett Werke von Bach interpretieren.

Kennedy ist im ständigen Kontakt mit dem Publikum. („Was steht am Progammzettel? Was kommt als nächstes Stück?“, „Sie wollen sicher ein Bier trinken – wir machen eine Viertelstunde Pause.“, „Wie viel hat die Karte gekostet? So viel? Dann muss ich noch ein Stück spielen.“) Er läuft durch den Zuschauerraum, flirtet mit den Damen, schießt seinen Geigenbogen durch die Gegend, trinkt Bier auf der Bühne, neckt seine Musikerkollegen indem er oft das Tempo wechselt und singt am Schluss ein Lied – inspiriert vom Gedicht „The Spider and The Fly.“ Nach jedem Applaus klatscht er mit seinen Musikerkollegen ab und freut sich wie ein Kind. Diese Freude ist ansteckend. Fazit: Nigel Kennedy muss man erlebt haben – live!

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Hitlers Auferstehung als Satire-Bestseller

Darf man über Hitler lachen? „Ja, nur so nimmt man einem Diktator seine Macht“, meinte ein Herr vom Eichborn-Verlag bei der heutigen Buchpräsentation des Bestsellers „Er ist wieder da“ in Wien. Nicht nur Autor Timur Vermes war gekommen, sondern auch der deutsche Schauspieler Hubert Kramer – mit Seitenscheitel und Hitlerbart.

Timur Vermes veröffentlichte als Ghostwriter vier Bücher. Mit "Er ist wieder da" gelang ihm der Durchbruch.

Timur Vermes veröffentlichte zuerst als Ghostwriter vier Bücher. Mit „Er ist wieder da“ gelang ihm der Durchbruch.

Im Buch geht es um Adolf Hitler, der im Jahr 2011 mitten in Berlin erwacht und versucht, sich in der neuen Zeit zurechtzufinden. Schon nach kurzer Zeit hat er einen Auftritt als vermeintlicher „Hitler-Imitator“ im Fernsehen und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Das Ganze ist denkbar komisch aufbereitet und Hitler wird in diesem Buch weniger als Diktator und mehr als Mensch betrachtet. Er wirkt mit seinen durchaus problematischen Ansichten und Analysen – leider – manchmal sympathisch. Das Buch ist eine Satire sondergleichen und nimmt die heutige Gesellschaft, die Politiker und Medien auf die Schaufel. Eigentlich wunderbar, wäre die Hauptperson nicht Hitler.

Hubert Kramar als Hitler: Die Lesung verursachte Schmunzeln und Bauchweh.

Hubert „Hubsi“ Kramar als Hitler: Die Lesung verursachte Schmunzeln und Bauchweh.

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
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Mörderische Klänge bei „Hollywood in Vienna“

Filmmusik, Konzerthaus, Stars: Die „Hollywood in Vienna“- Gala ist Jahr für Jahr DAS Konzerthighlight in Wien. Trotz des zunehmenden Promiauflaufes und der Verleihung des Max-Steiner-Film-Music-Achivement Awards bleibt die Musik bei dieser glamourösen Veranstaltung stets im Vordergrund. Heuer wurde unter dem Motto „Thrilling Moments“ Musik aus den Filmen „Sunset Boulevard“, „James Bond Casino Royale“ oder „Basic Instinct“ dargeboten. Ein Höhepunkt war, als das RSO die Geigen im Takt quietschen ließ und die mörderische Duschszene aus Alfred Hitchcocks Psycho musikalisch darbot.

Verleihung des Max Steiner Film Music Achivement Award an Lalo Schifrin.

Verleihung des Max Steiner Film Music Achivement Award an Lalo Schifrin.

Ebenfalls beeindruckt zeigte sich das Publikum von Operndiva Natalia Ushakova , die absolut textsicher (uhhh…) und stimmgewaltig den Soundtrack von „Once upon a Time in the West“ von Ennio Morricone zum Besten gab. Der offizielle Stargast des Abends war Lalo Schifrin. Der 80-jährige „Mission in Possible“-Komponist zeigte am Klavier, dass er noch rüstiger ist, als er aussieht. Ein bisschen wurde der Preisträger allerdings von Jazz-Sänger Al Jarreau in den Schatten gestellt, der zwei Songs charakterstark darbot – und der absolute Publikumsliebling war.

Organisatorin Sandra Tomek mit Operndiva Natalia Ushakova.

Blickfang: Organisatorin Sandra Tomek mit Operndiva Natalia Ushakova.

Das beste Filmmusikerlebnis hatte man, als das RSO unter Dirigent David Newman sowie mit Gitarrist Conrad Schrenk den Soundtrack von „Inception“ (Hans Zimmer) darbot. Weitere Persönlichkeiten des Abends: Schauspieler Gedeon Burkhard, der mit seiner tief-monotonen Stimme den Abend moderierte,  Frantisek Janoska, der mehrfach am Klavier begeisterte, US-Botschafter William C. Eacho, der eine kurzweilige Rede hielt und Sandra Tomek, die diesen Filmmusikabend seit 2007 organisiert. Hier noch ein paar Fotos vom Red Carpet:

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