Mariannengraben – eine österreichische Tragikomödie

„Die einzige Solidarität am Land ist die Lichthupe, um vor der Polizei zu warnen. Und Schaufeln nach dem Hochwasser.“ In ihrem zweiten Programm „Mariannengraben“ spielt Maria Muhar eine Wiener Kabarettistin, die nach einem Auftritt auf einer Tankstelle am Land festsitzt. Dabei konfrontiert sie ihr Publikum mit unangenehmen Wahrheiten – über das Frühstücksbuffet in Hotels („random as fuck“), aber auch über das „erfundene Freiheitsgefühl von Autofahrern“, das über Menschenleben gestellt wird. Dem Tankstellen-Trangler empfiehlt sie: „Geh in Therapie!“ – „Wieso? Für mich passts!“ Und sie arbeitet sich durch Tinder durch: „Mann mit Katze, Mann mit Lenker, Mann in Boulderwand…“. Fazit: Maria Muhar ist kompromisslos und lustig. Mit „Mariannengraben“ ist ihr eine neue österreichische Tragikomödie gelungen. Bitte sofort verfilmen!

Maria Muhar in „Mariannengraben“ – Premiere im Kabarett Niedermair

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und StrümpfeInge erlebt den Zweiten Weltkrieg in Gablonz – als junge Österreicherin zwischen Sudetendeutschen und Nazis, Tschechen und Russen. Damit ihre Familie flüchten kann, geht sie jedes Risiko ein. Blick ins Buch.

Düringer über seine Theaterzeit

„Wer keinen Schmäh hat, muss Witze erzählen“, sagt Roland Düringer. Der Kabarettist und Schauspieler hat reichlich Schmäh – und improvisiert sich scheinbar durch seinen „Regenerationsabend 3.0“. Natürlich weiß Düringer ganz genau, was er tut. Er erzählt, wie er zum Theater und Film gekommen ist, von Schlabarett, Muttertag, Kaisermühlen-Blues bis MA 2412 – und natürlich vom Motorradfahren. Reaktionen aus dem Publikum verwandelt er voller Spielfreude in Pointen. Und plötzlich sind zwei Stunden um. Ein Knaller!

Düringer begrüßt im Stadtsaal die mutigen Helden des Abend – in der ersten Reihe!

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Simpl erzählt aktuelle „Märchen“

„Es war einmal vor langer Zeit an einem weit entfernten Ort…“ Nein, die Geschichten der neuen Simpl-Revue „Märchen ohne Ende“ spielen im Hier und Jetzt. Die Amerikaner marschieren ein, um unsere Eier zu rauben. Der Paketdienst erklärt, warum er nicht anläutet. Der seltsame Onkel geht bei 23 Grad Skifahren. Lehrer schwänzen die Schule. Fazit: „Schauen Sie sich das an!“

Die Freiheitsstatue möchte auswandern. Vielleicht nach Wien?

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Frische Luft von Hosea Ratschiller

Hosea Ratschiller reift wie ein Leberkäse im Brutkasten. Er ist jetzt 43 Jahre – „ein Alter, in dem Erinnerung schon zur Leistung wird“. Wo steht er? Wer ist er? Das Maturatreffen bringt ihn – im neuen Kabarettprogramm „Happy Place“ – zum Nachdenken.

Er kommt zur Erkenntnis, dass es in seinem Leben wie beim Wandern ist. Mittelmaß oder auch die Mittelstation reichen. „Bis ganz nach oben ist es zu weit.“ Ob er gut genug für seine Frau ist? „Statistisch gesehen ist der gefährlichste Mensch für jede Frau – ihr Mann.“ Außerdem sei er ein Trottel. „Das weiß ich, seitdem ich Bücher lese.“ Seine drei Kinder fordern ihn. Etwa, wenn sie ihn um 5.30 Uhr flüsternd-schreiend mit den Worten wecken: „Papa, wo ist der Uhu?“ Die neue Epoche, in der Nettsein zur Rebellion wird, macht ihm Sorgen. Aber er hat bei seiner Arbeit beim Radio auch gelernt, Ereignisse zu überschätzen.

Fazit: Hosea Ratschiller – das Schaumsupperl unter den Kabarettisten – ist ein sympathisches Schlitzohr mit einer Fülle an schlauen Gedanken. Er erzählt keinen Schaß, sondern frische Luft! Kabaretthäuser sind ein „Happy Place“ – wenn Hosea auf der Bühne steht!

Premiere von „Happy Place“ von Hosea Ratschiller im Wiener Stadtsaal. Regie: Petra Dobetsberger

Molzer-Orgel im Ponykarussell

In einem ehemaligen Pferde-Ringelspiel neben dem Schweizerhaus im Prater befindet sich seit vier Jahren ein beliebtes Kaffeehaus. Hingucker ist die Orgel in der Mitte der Kuppel -benannt nach dem Orgelbauer „Ferdinand Molzer der Ältere“. Dieser mechanische Musikapparat (Orchestrion) kann mittels Lochkarton gesteuert werden.

Das Orchestrion imitiert ein Orchester.

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75 Jahre Kasperl und Pezi

Kasperl und Pezi feiern heuer ihr 75-jähriges Bestehen in der Wiener Urania. Die beiden Figuren wurden 1949 von Hans und Marianne Kraus erfunden und hatten ihre ersten Auftritte im Gasthaus „Zum Rochuskeller“. Seit 1957 erfreuen sie Kinder in der Urania und seit 1957 auch im Fernsehen.

„Kinder, seid ihr alle da?“: Kasperl und Pezi bespielen seit 75 Jahren die Puppenbühne in der Urania

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Niavarani spielt wieder Solokabarett

Das „Theater im Park“ startet in die sechste Saison – unter anderem mit dem neuen Kabarettprogramm von Michael Niavarani. In „Homo Idioticus 2.0: Der Trottel ist zurück“ geht es um die Frage, „warum der Mensch so blöde Dinge macht, die wir gerade machen“.

Cornelia Horak, Sigrid Hauser, Georg Hoanzl, Wiener Blond, Anna Mabo, Michael Niavarani

Tipp: Inge – Bomben, Schmuck und Strümpfe – eine Familiengeschichte zwischen dem Sudetenland und Österreich. Blick ins Buch.

Elli Bauers Angst-Seminar

Wer sich Karten für Elli Bauers neues Kabarett „fAngst?“ kauft, bucht eigentlich ein Seminar. Inklusive Publikumsinteraktion bei Saallicht! Ausgerüstet mit Ball und Bügeleisen sowie Plakaten und Karten auf den Sitzplätzen unterteilt Bauer die Menschen – mit Augenzwinkern – in zwei Kategorien: Die „EBNIPs“ (Es braucht nur irgendwas passieren!) und die „WSDPs“ (Was soll denn passieren?). Angst, Peinlichkeit, Gruppenzwang und Überforderung werden aufgefangt, weggetanzt und übersungen. Und genau in diesem Setting teilt Bauer Sorgen, Gedanken und Anekdoten aus ihrem Leben als Halbschottin und Kabarettistin. Dabei streut sie auch noch Fakten ein – wie etwa: Der Plural von Penis ist Penes. Ein Penis, zwei Penes. „Wenn ihr euch nichts merkt aus dem Programm, dann wenigsten das…“ Fazit: Wenn nur jedes Seminar so erkenntnisreich und lustig wäre! Hingehen! „Was soll denn passieren…“

Furchtlos wie eine Stadttaube? Elli Bauer begeistert im Kabarett Niedermair

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und Strümpfe – eine Familiengeschichte zwischen dem Sudetenland und Österreich. Blick ins Buch.

Bemalte Fächer im Miniaturenkabinett

Als Witwe hat Maria Theresia im Schloss Schönbrunn einen Erinnerungsort geschaffen – das Miniaturenkabinett. Darin sind mehr als fünfzig Bilder ausgestellt – gezeichnet unter anderem von ihrem Mann Franz Stephan und ihren Töchtern. Auch bemalte Fächer sind zu sehen. Aktuell wird das kleine Kabinett neben dem „Millionenzimmer“ restauriert.

Die Werke belegen die zeichnerische Begabung der Familie.

Buchtipp: Inge – Bomben, Schmuck und Strümpfe – eine Familiengeschichte zwischen dem Sudetenland und Österreich. Blick ins Buch.

Romeo Kaltenbrunner wird zum Hendl

„Wenn die Welt komplexer wird, werde ich wieder zum Hendl“, sagt Romeo Kaltenbrunner. In seinem zweiten Soloprogramm „Heimweh“ denkt der Kabarettist zurück an seine Kindheit am Land. Doch so einfach und idyllisch war es damals im kleinen Gehege auch nicht. Zumindest nicht für einen Jugendlichen ohne Vater – und dunkler Hautfarbe. Wobei – Kaltenbrunner nimmt seine Erfahrungen mit den Dorf-Nazis, der Polizei und den Eltern seiner Jugendliebe österreichisch locker.

Weil er mit komplexen Antworten nichts anfangen kann, entscheidet er sich für eine technische Ausbildung. „Ich will Eindeutigkeit. Geht – oder geht nicht. Was anderes interessiert mich nicht.“ Jetzt lebt er im siebten Bezirk in Wien und verbringt seine Zeit auf TikTok und Netflix, anstatt Eigentum zu schaffen oder für die Demokratie zu kämpfen. Aber auch die Generation vor ihm hat keine großen Errungenschaften vorweisen, sagt Kaltenbrunner. Vor allem alte Männer, die einem heute Verweichlichung vorwerfen, können ihren Pflegerinnen im Altersheim keine Geschichten von harten Zeiten erzählen. „Den einzigen Krieg, den die hatten, war der Straßenverkehr. Deswegen sind die auch so wütend!“ Aber Kaltenbrunner ist sich sicher, dass die heutige Jugend bald wieder etwas zu erzählen haben wird. „Der Russe steht vor der Tür, die Nazis haben wir schon im Haus.“

Ein Mikro und gute Pointen: Romeo Kaltenbrunner im Kabarett Niedermair:

Fazit: Das Land- und Stadtleben in Österreich, Rassismus und Radikalisierung: Romeo Kaltenbrunner hat definitiv viel zu erzählen! Wütend steht er auf der Bühne und haut mit Leichtigkeit eine Pointe nach der anderen raus! Große Empfehlung!

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