Würstel und Gurken in der Albertina

Erwin Wurm zeigt seit vielen Jahren, was alles eine Skulptur sein kann – von Würstel, Gurken bis aufgeblasenen Autos und zusammengedrückten Häusern. Aktuell feiert der international bekannte Künstler seinen 70. Geburtstag mit einer großen Ausstellung in der Albertina modern. Darin hat er extra eine zusammengequetschte Schule aufgestellt, die man nur in gebückter Haltung betreten kann. „In der Schule werden wir vom Staat erzogen“, sagt Wurm. In seinem Klassenzimmer hängen veraltete Lehrmittel. „Die waren mal Stand des Wissens. Mittlerweile sind sie politisch inkorrekt geworden. Als man sieht, wie sich Gesellschaft und Vorstellung von Welt ändern.“ Für Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder ist Wurm – in Hinblick auf seine Gurken- und Würstelskulpturen – „ein zutiefst österreichischer Künstler, der aber in der ganzen Welt verstanden wird.“

Liebespaar in Form von Knackern und Sacherwürstel
Wurms verengte Schule „aus Niederösterreich“ mit veralteten Plakaten

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Ringturm-Verhüllung macht Mut

Der Ringturm am Donaukanal ist angeblich Wiens größte Kunstinstallation. Bis November ist auf 4.000 Quadratmetern Fläche das Kunstwerk „Mit den besten Zutaten“ von Johanna Kandl zu sehen. Es zeigt Behältnisse, die in einer Küche zu finden sind. Diese sind mit Werten wie „Mut“ und „Solidarität“ beschriftet. Kandl sagt über ihr Mutmachbild: „Solidarität gibt den Senf dazu, Együtt und Zajedno meint keine materiellen Produkte, sondern die Bezeichnungen für ‚Gemeinsam‘ auf Ungarisch und Kroatisch.“ Kandls über 70 Meter hoher „Vorratsschrank“ macht die in Wien oft hörbaren, aber selten verschriftlichten Sprachen sichtbar.

Ringturm-Verhüllung „Mit den besten Zutaten“ von Johanna Kandl

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Heidi Horten Collection zeigt Lieblingsbilder

„Das war für uns eine große Überraschung“, erzählt Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco. Die Heidi Horten Collection ließ das Publikum darüber abstimmen, welche Meisterwerke in die neue Dauerausstellung „Klimt ⇄ Warhol“ kommen sollen. 21.000 Stimmen wurden abgegeben. Auf Platz 1 landeten die „Geschwister“ von Paul Klee, dahinter das blaue Schwammbild von Yves Klein („Untitled Blue Sponge Relief“), gefolgt von „L’empire des Lumières“ von René Magritte. Große Namen wie Klimt oder Chagall waren weiter hinten gereiht. Das private Museum möchte auch in Zukunft über „Artfluence“-Votings wertvolle Informationen über den Geschmack des Publikums bekommen.

„Geschwister“ (1930) von Paul Klee hat beim Publikumsvoting 949 Stimmen (7,4%) bekommen.

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Dr. Hossa behandelt die Lachmuskeln

Tereza Hossa ist etwas Besonderes – sagen ihre Eltern. Sie ist jedenfalls Tierärztin und Kabarettistin. Bei Dates verrät sie aber meistens nur einen Job. Ihr Gegenüber ist schon damit überfordert, dass sie überhaupt arbeitet. In ihrem neuen Programm „Tagada“ erzählt Dr. Hossa aus ihrem pointenreichen Leben. Von der Geburt („Warum schreit die so?“) zur Großtierärztin („Männer finden es cool, dass ich Kühe fiste!“) bis zur Kabarettistin („Linke Männer haben auch eine Existenzberechtigung“).

Definitv etwas Besonderes sind ihre Erlebnisse am Land. Wo Männer im Suff auf Katzen schießen und man gegen die Langweile „entweder rechtsradikal wird oder einen Verein gründet“. Hossa schreckt nicht davor zurück, gegen Hundewelpen und Achselhaare zu argumentieren – und dreht so manche Rolle um. So verschickt sie stolz Nacktfotos und versteht nicht, warum sie kein Recht auf Geschlechtsverkehr hat. Fazit: Wenn Dr. Hossa ordiniert, geht das auf die Lachmuskeln! Keine Wartezeit bei den Pointen.

Eine Sache allein kann niemals alle Probleme lösen, weiß Dr. Hossa. „Zum Beispiel ein Mann.“

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„Swifties“ trotzen dem Terror in Wien

Die Anschlagspläne und die damit verbundene Absage der drei Stadionkonzerte von US-Superstar Taylor Swift in Wien waren ein Schock, die Enttäuschung und Trauer bei den jungen und teils weit angereisten Fans riesig. Doch dann organisierten sich die „Swifties“ selbst – und machten das Beste daraus: Sie trafen sich in der Stadt, um Freundschaftsbänder auszutauschen, ihre Eras-Outfits zu präsentieren und gemeinsam zu singen. Vor allem in der Corneliusgasse im 6. Bezirk und beim Stephansplatz. Tausende kamen zusammen, um das Konzert quasi nachzusingen – mit Choreographien und viel Freude! Die berührenden Bilder davon gingen über Instagram und TikTok um die Welt!

Tabby-Kunstwerk, Swiftie-Massen in der Corneliusgasse und am Stephansplatz

Auch die Stadt Wien, viele Lokale und Institutionen versuchten die Swifties mit Aktionen und freien Eintritten aufzumuntern. Es gab aber auch private Initiativen. Der Wiener Street-Art-Künstler Tabby etwa sprühte ein Schablonenbild von Taylor Swift mit dem Text „Spread love, not hate“ am Donaukanal – und verschenkte mehr als 50 Kunstwerke: „Damit sie ein positives Erlebnis hier in Wien haben.“

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Dieter Nuhr: Kunst gegen die Erregung

„Das, was ich auf der Bühne mache, habe ich nicht gelernt“, sagt Dieter Nuhr gegenüber dem ORF. „Aber Kunst habe ich gelernt!“ Tatsächlich studierte der deutsche Kabarettist und Fernsehmoderator Bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt. Seine Kunstwerke sind eine Mischung aus digitaler Reisefotografie und digitaler Malerei. Nun hat der 63-jährige seine Bilder im Kunstforum Wien unter dem Titel „Woanders ist überall“ präsentiert. Und warum eigentlich? „Ein Bild ist eine Meditationshilfe“, sagt Nuhr. Mit seiner Kunst könne er „der ständigen Erregung“ etwas entgegenstellen.

Dieter Nuhr zeigt erstmals seine Kunst in Österreich – im Kunstforum Wien

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Party am Zentralfriedhof

Am Zentralfriedhof ist Stimmung! Denn zum 150-jährigen Jubiläum finden drei Open-Air-Konzerte am Gelände statt. Zum Auftakt der „Friedhofsessions“ traten Kuratorin Lisa Schmid und Liedermacher Ernst Molden auf. Sie sangen vor einem Millionenpublikum – wenn man die Toten miteinrechnet. Was Beethoven, Brahms und Schubert in den Ehrengräbern dazu gesagt hätten, ist fraglich. Die Lebenden jedenfalls hatten ihre Freude. Sie wurden auch bestens versorgt. Neben den Gräbern gab es Bier, Backhendl – und Dixi-Klos. Und für Abkühlung sorgte die Bewässerungsanlage, die in der Dunkelheit losging. Ernst Molden lobte jedenfalls die gelungene „Party“ mitten am Zentralfriedhof!

Molden und Schmid sangen Lieder über den Tod – vor der Friedhofskirche

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Schloss Belvedere als Opernstar

Die Wiener Philharmoniker sind in Salzburg, die Wiener Symphoniker in Bregenz, Wiens große Opernhäuser sind geschlossen: Obwohl die „Musikhauptstadt“ im Sommer von Touristinnen und Touristen gestürmt wird, ist opernmäßig „tote Hose“. Diese Lücke füllt heuer Dirigent Joji Hattori mit dem ersten Wiener Opernsommer. Auf der Teichseite des Oberen Belvedere führt er unter freiem Himmel Mozarts „Don Giovanni“ auf. Das Schloss dient als Kulisse, ein dezenter Vorbau als tatsächliche Bühne. Das Wiener Kammerorchester spielt live – allerdings für das Publikum unsichtbar im benachbarten „Löwenzwinger“. Statt Sprechgesang gibt es zwischen den Arien deutsche Dialoge mit Humor, die an Sommertheater erinnern. Die Premiere klingt vielversprechend! Spannend wird, wie sich der Wiener Opernsommer in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.

Rund 1.000 Sitzplätze bietet der Wiener Opernsommer. Das Obere Belvedere wird mit Einbruch der Dunkelheit mit Projektionen bespielt.

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Prater-Picknick mit Traumwetter

Die ersten beiden Prater-Picknicke der Wiener Symphoniker sind ins Wasser gefallen – konkret die für das Fernsehen geplanten Konzerte an den Schulschluss-Freitagen. Auch heuer war es eine Zitterpartie. Regentropfen am Donnerstag und Freitag in Wien. Das Orchester hatte sicherheitshalber Regenponchos produzieren lassen. Aber die Hoffnung lautete: Aller guten Dinge sind drei. Und so war es auch! Erstmals Traumwetter an beiden Tagen beim Prater-Picknick auf der Kaiserwiese! ORF 2 hat das Konzert mit Dirigent Dirk Kaftan, Julian Le Play, Georg Nigl und Annette Dasch aufgezeichnet – und die idyllische Picknick-Stimmung vor dem Riesenrad eingefangen!

Traumwetter und volle Kaiserwiese beim 3. Prater-Picknick der Wiener Symphoniker. Für Julian Le Play war es das „berührendste musikalische Erlebnis“ bisher. Der Popsänger feierte außerdem seinen 33. Geburtstag. Das Orchester gratulierte bei der Generalprobe mit einem symphonischen „Happy Birthday!“

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Fußballschauen am Donauinselfest

Das Donauinselfest hatte heuer einen Wien-Schwerpunkt – unter anderem mit Wolfgang Ambros und Wanda auf der Festbühne sowie Der Nino aus Wien und Voodoo Jürgens auf der Rock-Bühne. Und es hatte Konkurrenz durch die Fußball-Euro! Selbst Nino und Voodoo fieberten backstage vor dem Fernseher mit. Nachdem Österreich gegen Polen gewonnen hatte, spielte Nino bei seinem Konzert sein Fuasboischaun“-Lied. Er hat es ursprünglich für die Weltmeisterschaft 2010 geschrieben, aber der Text ist nach wie vor aktuell: „Von fruah bis spät Fuasboi schaun, Fuasboi schaun, Wirtschaftskrise brauch i ned, Fuasboi schaun, Fuasboi schaun, Klimawandel eh scho z’spät, fuasboi schaun…“

Der Nino aus Wien hatte auch einen Gastauftritt beim Wanda-Konzert. Wolfgang Ambros war der heimliche Headliner des 41. Donauinselfests

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