Sensationelle Schläge im Musikverein

Er spielt schneller als sein Schatten – Martin Grubinger. Der gefeierte Multi-Perkussionist gab mit den Wiener Symphonikern und Maestro Andrés Orozco-Estrada zwei Konzerte im Wiener Musikverein. Vor jeweils tausend statt zweitausend Menschen. Mehr dürfen unter der Regel „2G-plus und FFP2-Maske“ aktuell nicht in den Goldenen Saal. Auch Getränke gab es in der Pause nur gegen Vorbestellung am vorbestimmten Platz. Aber immerhin konnte trotz Omikron-Welle gespielt werden.

Martin Grubinger und die Wiener Symphoniker im Goldenen Saal des Musikvereins

Und wie: Grubinger trommelte mit einer Spielfreude und sensationell (schnell) auf Djembe, Marimba und Co. Sieidi von Kalevi Aho – und durfte natürlich nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen. Im zweiten Teil gab es noch harmonische Hollywood-Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold (Märchenbilder) und zum Abschluss Modest Mussorgskijs Bilder einer Ausstellung. Vor allem Das große Tor von Kiew ist live ein Erlebnis! Auch hier sind – neben den Bläsern – die Percussion hervorzuheben. Wenn zum Finale Pauken, Becken und eine (gar nicht so kleine) Glocke auf der Bühne geschlagen werden, ist das schon himmlisch!

Wiener Kinos spielen weiter Schach

Um nicht in Vergessenheit zu geraten, haben die Wiener Kinos im Lockdown erneut ihre Anzeigetafeln bzw. Fischerleuchten bespielt. Nach harmlosen Chats über Popcorn hat das Gartenbaukino das Stadtkino zum Schachspiel herausgefordert. „Hey Stadtkino, how about a nice game of chess?“ war in großen Lettern zu lesen – inklusive ersten Spielzugs. Das Stadtkino hat die Herausforderung angenommen, ein Schachbrett im Kino aufgebaut und ist gleich mit dem Pferd ausgerückt. Der Lockdown ist inzwischen zu Ende, das Schachspiel aber nicht. Der Stadtkinochef ist motiviert: „Wir spielen das fertig!“

Der Schach-Aufruf des Gartenbaukinos spielt auch auf den Film WarGames (1983) an.
Das Stadtkino will die Schachpartie zu Ende spielen.

Resetarits zeigt dem Tod die lange Nase

„Elapetsch, Tod“ singt Willi Resetartits. Noch ist es nicht so weit, noch steht der 72-jährige Entertainer mit seiner Band Stubnblues quicklebendig auf der Bühne, singt, springt und begeistert mit kräftigen Mundharmonika-Soli. Nur bei den Moderationen will er nicht mehr so recht auf „Betriebstemperatur“ kommen. „Mein Kopf spielt mit mir“, gesteht Resetarits dem Publikum bei der Albumpräsentation im Stadtsaal. Buchstabenverdreher sind keine geplanten Gags mehr, Textzeilen gehen verloren und die Erinnerung lässt nach. „Ich sag die Lieder lieber an, wenn sie schon vorbei sind, da fällt mir mehr dazu ein“, „Hören Sie selbst, ich finde die Worte nicht“, „Ich hab einen Text beim Zusammenräumen gefunden. Wobei, ich hab nicht zusammengeräumt, ich hab etwas gesucht.“ Doch bei Resetarits klingen selbst diese sympathischen Erklärungen wie kunstvolle Poesie. Den Konzertabend im Stadtsaal beendete er nach zwei Zugaben mit den Worten: „Ich muss jetzt gehen, ich muss Lulu.“

Legende Willi Resetarits mit seiner genialen Band „Stubnblues“ im Wiener Stadtsaal

Kabarettherbst wird lustig und traurig

Es gibt Abende, da bekommt man unfassbar viel zu sehen. Die Aufsperrfeste im Kabarett Niedermair zählen dazu. Gestern etwa standen Sonja Pikart, Christoph Fritz, Michael Großschädl, Clemens Maria Schreiner, Hosea Ratschiller, Martin Kosch, BlöZinger, Malarina, Der Matatschek, Blonder Engel, Benedikt Mitmannsgruber, Josef Jöchl und Flüsterzweieck auf der Bühne. Geboten wurde ein mehrstündiger Pointen-Marathon (Geschichte über die Ofen-Paarung des Johannes, Lieder über Klumpert…) – und ein Überblick über die kommende Kabarettsaison. Leider auch ein Ausblick auf den Corona-Herbst. Die Buchungslage in den kleinen Häusern ist bescheiden, selbst bei Premieren. Auftritte werden bereits wieder abgesagt. Es wird wohl ein sehr lustiger und gleichzeitig trauriger Kabarettherbst. Tipp: Heute ist der zweite Tag des Aufsperrfests.

Heimische Kabarettstars geballt und nah erleben im Kabarett Niedermair

Ein fast kostenloser Kuss

Noch ist es nicht zu spät, noch sind nur eine Handvoll Touristen in Wien. Die ideale Gelegenheit, um gemütlich ein paar Kunsthighlights anzuschauen: im Belvedere etwa den berühmten Kuss von Gustav Klimt oder die Dame mit Fächer, die nach über 100 Jahren jetzt wieder in Wien ist und seit 1994 gar nicht öffentlich zu sehen war. Momentan ist das ohne Gedränge und Anstellen möglich. Ein Traum! Top: Die Bundesmuseen-Card gibt es noch bis Ende August für 19 statt 59 Euro. Damit kann man acht Museen wie die Albertina und das Kunsthistorische Museum je einmal besuchen.

Ein Kuss für sich allein: Der Einsatz von Edelmetall lässt Gustav Klimts Hauptwerk wie ein kostbares Schmuckstück glänzen.
Die Schulter entblößt, die Brust nackt: Die verführerische „Dame mit Fächer“ ist eine Variation von Klimts Lieblingsthema – der „schönen Wienerin“.

Baustellen-Party über Wien

Eine Party mit DJs im Lockdown? Ja, das geht, wenn das Publikum zuhause bleibt und nur per Stream mitfeiert. Steve Hope und Philipp Straub haben zwei Stunden lang auf der Dachterrasse einer Hotelbaustelle vor mehreren Kameras aufgelegt. Die Aufnahmen hat Wien-Tourismus als „Zeichen der Hoffnung“ hinaus in die Welt geschickt. Der Gastgeber, das Musikhotel Jaz in the City, will im Sommer in der Windmühlgasse eröffnen. Bis der internationale Tourismus zurückkehrt, setzt es auf musikliebende Einheimische: Die Lobby wird ein Schallplatten-Geschäft, die Zimmer dienen als Proberäume samt Plattenspieler und neben den Bars gibt es Bühnen für Liveauftritte – für die Zeit nach der Pandemie.

Steve Hope hofft auf baldige Rückkehr des Party-Nachtlebens

Dank an die Corona-Heldinnen

„Thank You Heroes“ lautet der Titel eines Plakates von Janina Kepczynski am Neubaugürtel neben dem Westbahnhof. Es ist dem Gesundheitspersonal gewidmet, das „seit Beginn der Pandemie an der Front kämpft.“ Auch in Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz haben lokale Künstlerinnen und Künstler Plakate mit Dankesbotschaften an die Heldinnen und Helden der Corona-Pandemie gestaltet. Dass die Leistung der Ärztinnen, Krankenpfleger und Co. alles andere als selbstverständlich ist, sollen wohl auch die Worte ausdrücken, die am Wiener Plakat ergänzt worden sind: „Can’t nursing, must TikTok.“

Die Heldinnen der Corona-Pandemie (Plakat von Janina Kepczynski in Wien)

Kinos „glauben an Osterhasen“

Das Gartenbaukino kündigt „Covid Wars – A New Hope“ an, das Votiv Kino fühlt sich „Im Falschen Film“ und das Cine Center gesteht: „Wir glauben an den Osterhasen“: Wiens Lichtspielhäuser versuchen mit humorvollen Sprüchen auf ihren Anzeigetafeln nicht in Vergessenheit zu geraten. Die sogenannten Fischerleuchten sind gerade „unser einziger Kommunikationskanal, der direkt in der Stadt gesehen wird“, erklärt Fredi Themel vom Gartenbaukino. Die Buchstaben seien zusätzlich „fotogen für unsere Social-Media-Kampagnen“, verrät Stefan Schramek vom Burg Kino. „Unser Publikum liebt das und wir mögen das auch sehr gerne“. Bildergalerie.

Dort, wo sonst Filme angekündigt werden, gibts nun Durchhalteparolen, Zitate und Appelle.

Street-Art zum Anziehen

Es ist ein unaufhaltbarer Trend: Street-Art ist längst nicht mehr nur auf Straßen und Hausmauern zu sehen, sondern auch auf Produkten in Handel und Gastronomie. In Wien etwa sprayt Deadbeat Hero zwar weiterhin am Donaukanal, verkauft seine Robotermotive aber auch auf T-Shirts, Pullovers, Pins und Masken. Street-Art-Künstlerin und Designerin Linda Steiner hat gerade ein Einkaufssackerl für Hofer entworfen – und Street-Artist und Illustrator Boicut ein 1.000-Teile-Puzzle für Kunstfans. Außerdem werten seine farbenfrohen Etiketten Millionen an Mineralwasser-Flaschen auf. An Street-Art kommt man künftig wohl nicht mehr vorbei 🙂 Mehr…

Ein Motiv von Deadbeat Hero – oben am Donaukanal, unten auf einem Pullover im eigenen Shop

Podcast startet mit Palfrader

Rudi Schöller ist als stummer „Vormärz“ in der ORF-Sendung „Wir sind Kaiser“ bekannt geworden, steht aber längst auch als Kabarettist auf den Bühnen. Weil die aber gerade geschlossen sind, startet Schöller nun seinen eigenen Kabarettisten-Podcast – die „Pension Schöller“. Ein Verzweiflungsakt? „Vermutlich hätte ich es nicht gemacht, wenn kein Lockdown gewesen wäre. Aber jetzt taugt es mir so sehr, dass ich ihn sicher weitermachen werde.“ Jeden Donnerstag bittet er Kolleginnen und Kollegen aus der Branche zum Gespräch. Erster Gast ist Staatskünstler und seine Majestät höchstpersönlich Robert Palfrader. Die beiden kennen sich seit mehr als zwanzig Jahren. Schöller war bereits Co-Autor der Comedysendung „Echt fett.“

Aufzeichung neben dem „Willkommen Österreich“-Studio in St. Marx mit Robert Palfrader

„Rudi gehört zu den Kabarettisten, denen ich sehr gerne zuhöre, insofern wäre es besser, wenn ich ihn interviewe, damit ich endlich mal die Pappen halte“, so Palfrader. Zu hören sind die rund 50 Minuten langen Gespräche ab sofort jeden Donnerstag auf Spotify, Apple und Co. Schöllers Hoffnung ist, „dass ich künftig die Spieltermine der Gäste durchsagen kann, weil es wieder Auftritte gibt.“