Gesteuerte Puppen und Drohnen

Es ist natürlich beeindruckend, wenn Dronen mit Suchscheinwerfern über den Köpfen tausender Fans schweben, wenn Kanonen Luftschlangen in die Menge schießen, wenn mit Konfetti gefüllte und leicht zerplatzende XXL-Luftballone durch die Massen wandern, wenn eine drehende 360-Grad-Bühne inklusive 60 Meter Steg mithilfe von durchsichtigen Leinwandnetzen mit riesigen Visuals bespielt werden kann – aber dabei bleibt es ja nicht: Muse überzeugen mit einer musikalisch perfekten, durchchoreografierten Show. Konzerte, wie jenes am Montag in der Wiener Stadthalle, sind eine Aneinanderreihung von Höhepunkten und Überraschungen. Absolutes Highlight: Wenn bei „The Handler“ mit Visuals dargestellte Hände die Musiker an Fäden wie Puppen tanzen lassen.

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Muse spielen musikalisch wie technisch in der ersten Liga.

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.

Asylpolitik zum Lachen

Wem der Villacher Fasching gefällt, der wird auch mit der neuen Revue „Bitte alles aussteigen!“ im Kabarett Simpl seine Freude haben. Wobei der Vergleich vielleicht unfair ist, denn die Qualität der Gesangseinlagen und Sketches ist – dank des hervorragenden Ensembles – im Simpl deutlich höher. Positiv überrascht hat die Aktualität der Nummern: Griechenland-Krise, Wien-Wahl und Asyldebatte werden thematisiert – und das ziemlich deutlich. Wenn der Bürgermeister aus Niederösterreich mit der Innenministerin am Telefon über mögliche Asylquartiere verhandelt, bleibt einem das Lachen fast im Hals stecken. Fazit: Zwischen seichter Unterhaltung versteckt sich aktuelle, hochpolitische und bissige Satire. Mehr kann man vom Simpl nicht verlangen!

Applaus für das Kabarett-Simpl-Revue-Ensemble

Großer Applaus für das Kabarett-Simpl-Revue-Ensemble

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Posaunisten mit Poesie

Wer Kirchensteuer zahlt, sollte am Sonntag auch in die Kirche gehen. Zum Beispiel zu einem Konzert. Eine Gelegenheit ergab sich gestern in St. Valentin: Trombone Attraction spielte die Premiere ihrer neuen Show „Mensch“. Die vier Posaunisten – zwei davon fixe Orchestermusiker der Wiener Volksoper – setzten dabei eher auf E- als auf U-Musik und versuchten das mit einer humorvoll-poetisch-durchchoreografierten Moderation auszugleichen. Fazit: Über Humor lässt sich streiten, über Qualität nicht. Trombone Attraction schaffen traumhaft-schöne Klänge und spielen Arrangements mit Überraschungen. Am meisten Freude bereiten sie mit Klassikern – etwa von Joe Zawinul.

Der Karliklub St. Valentin lud zum Kirchenkonzert mit

Der Karliklub lud zum Kirchenkonzert mit „Trombone Attraction“

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Zoe verführt auf Französisch

Wer berühmt werden will, muss ins Fernsehen? Zoe, die Tochter von Papermoon-Sänger Christof Straub, hat mit ihren 18 Jahren schon reichlich TV-Erfahrung. Sie moderierte die Confetti-TiVi-Sendung „Close Up“, trat als Sängerin beim Kiddy Contest auf, wurde bei der Vorauswahl-Show für den Eurovision Song Contest „Wer singt für Österreich?“ bekannt und hatte seither eine Rolle in der TV-Serie „Vorstadtweiber“. Am 22. Oktober präsentiert sie ihr erstes Album mit dem Titel „debut“ im Café Francais. Darauf enthalten sind zehn Songs, darunter die bereits bekannten Nummern “Adieu” und “Quel Filou”. Fazit: Mit Ausnahme von „Mon coer a trop aimé„, wo der Computersound stört, werden die zumeist schwungvoll-einfachen Chansons („Je m’en fous“, „Danse avec moi“…) große Freude bereiten – vor allem Fans von französischen Chansons, Gypsy- und Elektroswing.

Da schau her: Das Coverfoto von Zoes Debutalbum geizt nicht mit Reizen.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Grooves aus dem Labor

Was entsteht, wenn sich sieben Musiker immer wieder zu einer Jam Session treffen? Im besten Fall eine Band  (Global Groove LAB) mit Debutalbum (I’m a Stranger). Der Bandname zeigt, worum es sich hier handelt: Musiker aus verschiedenen Nationen experimentieren wie im Labor und kombinieren verschiedene Genres, Grooves und Sprachen. Entstanden sind zwölf flotte Songs, die Balkan, Gypsy, Reggae, Funk, Klezmer und sogar Austropop vereinen. Fazit: Experiment gelungen! Am 1. Oktober findet die Albumrelease-Party beim Global Beatz Festival in der Szene Wien statt. Hörbeispiele.

„I’m a Stranger“ erscheint am 2. Oktober bei Artform Music (Hoanzl)

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Fred Hersch in Spielfilmlänge

Jazzpianist Fred Hersch hat am Dienstag seine Solotour in Europa im Wiener Konzerthaus gestartet. Rund 90 Minuten spielte der 59-Jährige Amerikaner auf seinem Flügel klassisch-jazzige Werke wie „Valentine„, „Down Home“ oder „So in Love„. Dann bedankte er sich beim Wiener Publikum dafür, dass es sich Zeit genommen und zugehört hat. Fazit: Wer das Konzert verpasst hat, kann Herschs Musik auch auf mehreren Dutzend CDs genießen. Es lohnt sich – übrigens auch für die Aids-Hilfe.

Fred Hersch im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses

Fred Hersch – bescheiden und virtuos –  im Mozartsaal des Konzerthauses

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Countryklänge aus Oberösterreich

„Railroad Ride“ heißt das Debütalbum von Georg Höfler und Sigi Mittermayr. Die beiden Oberösterreicher nehmen ihre Fans damit auf eine 45-minütige Reise in das Folk-Country-Blues-Genre mit. Sie singen ein- und zweistimmig auf Englisch und begleiten sich mit verschiedenen Gitarren. Aber auch Harmonika, Percussion, Bass und Klavier kommen zum Einsatz.

Rund um Ostern stellen die beiden Musiker ihre neue CD bei Konzerten in London vor

Zu Ostern stellen die beiden Musiker ihre CD bei Konzerten in London vor

Insgesamt hält das professionell produzierte Album zwölf Nummern bereit, die manchmal angenehm unaufgeregt und manchmal fröhlich-flott-harmonisch sind. Es wirkt zwar ein bisschen ungewohnt, wenn einem hörbar junge Stimmen Geschichten aus alten Tagen, von alten Reisen und alten Häusern erzählen („Old McLaughlin’s House“), aber das gehört zur Countrymusik ja irgendwie dazu. Außerdem werden auch mehrere „vielsaitige“ Instrumentalnummern geboten.

Fazit: Die beiden sympathischen Musiker legen sich mit ihrem Debutalbum nicht auf die Gleise, sondern gehen ihrem Erfolgszug entgegen! Ein schönes Album für gemütliche Abende! Einen Beweis dafür liefern die Hörproben.

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Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Retro-Café mit Charme

Ein Salonzimmer mit dämmriger Beleuchtung und alten Tapeten, eine Kellnerin, die dank Frisur und Kleidung aussieht, als käme sie per Zeitreise aus den 1950er-Jahren, ein liebevoll zubereitetes Mittagsmenü um sieben Euro – das ist das Cafe Moped im dritten Wiener Gemeindebezirk. Es befindet sich direkt neben dem Rochusplatz und könnte ideal als Filmkulisse für Agententhriller dienen. Außerdem gibt es dort W-LAN und regelmäßig Veranstaltungen. Fazit: Höchste Empfehlung für Retro-Fans!

Hinterzimmer und Raucherbereich

Hinterzimmer und Raucherbereich

Tapeten und Einrichtung aus den 50er-Jahren

Wandtapeten aus den 1950er-Jahren

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

GameBoy-Abenteuer mit Gerafi

„Zongo – Liebe ist doch analog“ heißt das neue Kabarettprogramm von Gerald Dell’mour und Rafael Wagner. Als Duo Gerafi erzählen sie die Science-Fiction-Geschichte des Journalisten Frank Future, der das Geheimnis hinter „Zongo“ aufdecken will. Dabei handelt es sich um ein Computerprogramm, das über Antennen in die Köpfe der Menschen eingepflanzt und mit dem Internet verbunden ist.

Gerafi kritisieren den Smartphone-Social-Media-Selbstdarsteller-Wahnsinn.

Gerafi kritisieren den Smartphone-Social-Media-Selbstdarsteller-Wahnsinn.

Gerafi bieten dem Publikum zwei Stunden lang GameBoy-Musik, Pappkarton-Kostüme, Gesang, Rap, Musical, Tanz, Puppentheater und Schauspiel in bewusst übertriebener Form. Fazit: Unter Kabarett stellt man sich etwas Anderes vor. Gerafi präsentieren eher eine „All inclusive“-Theaterkomödie, eine rasante, überladene Leistungsschau mit höchstem Aufwand. Das ist – wahrscheinlich eher für junges Publikum – abwechslungsreich und zumeist sehr unterhaltsam.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Golf im Orchestergraben

Selten war Text so egal, wie in Rene Polleschs Stück „Cavalcade or Being a holy motor“, das derzeit am Wiener Akademietheater zu sehen ist. Natürlich, Martin Wuttke, Birgit Minichmayr und Ignaz Kirchner spulen in ihrem pausenlosen Redefluss große Themen wie Liebe, Träume und Gesellschaft mithilfe zahlreicher Anspielungen und Zitate, von Sigmund Freud, über Star Wars bis zu Britney Spears, und mit Humor ab. Doch die Aufmerksamkeit liegt auf eigentlich woanders: Bei ihren Spielzeugen auf der Bühne.

Hingucker: Ein Kampfjet schwebt über der Bühne

Hingucker: Ein Kampfjet über der Bühne

Zum einen wäre da der Orchestergraben, der mit bunten Plastikbällen – wie man sie aus dem Kinderparadies im Einkaufszentrum kennt – gefüllt ist. Hier gehen die Schauspieler golfen – oder auf Tauchstation. Zum anderen ein riesiger Kampfjet, der über der Bühne schwebt. Diesen entern die Schauspieler im Brautkleid oder im Affenkostüm. Oder sie landen das Flugzeug in New York. Fazit: Klingt verrückt und absurd? Ist es auch. Aber für 75 Minuten unterhaltsam und abwechslungsreich genug.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.