Der Text der Europahymne

Am 8. Mai wird die Befreiung Österreichs vom NS-Regime mit dem Fest der Freude am Heldenplatz gefeiert. Zum großen Finale wird dabei immer „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens 9. Symphonie angestimmt und zum Mitsingen aufgerufen. Dabei handelt es sich um die Europahymne. Außer der Solistin – die israelische Sopranistin Chen Reiss – war dieses Jahr aber wieder kaum jemand textsicher. Die ersten Zeilen von Friedrich Schillers Gedicht wurden noch mitgesungen: „Freude, schöner Götterfunken / Tochter aus Elysium“. Ab dann wurde es beim Volksgesang verhaltener. Daher folgender Service für weitere Anlässe – so geht es weiter: „Wir betreten feuertrunken / Himmlische, Dein Heiligtum. / Deine Zauber binden wieder / Was die Mode streng geteilt / Alle Menschen werden Brüder / Wo Dein sanfter Flügel weilt“.

Große Freude mit Sopranistin Chen Reiss, Dirigent Lahav Shani und den Wiener Symphonikern

Amadeus für Bukowski: „In dieser Runde bin ich gern“

„Ich wusste eine Zeit lang nicht, was ich davon halten soll“, sagte Boris Bukowski bei den Amadeus Austrian Music Awards im Wiener Volkstheater. Der 76-jährige Musiker („Kokain„) bekam den Preis für sein Lebenswerk verliehen – und freute sich schließlich doch: „Wie ich die Liste meiner Vorgänger gelesen habe, hab ich mir gedacht, in dieser Runde bin ich gern!“ Denn etwa auch Falco, André Heller, Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros, Arik Brauer, Udo Jürgens, die EAV und Marianne Mendt wurden bereits für ihr Lebenswerk geehrt.

Conchita (Moderation), Boris Bukowski (Lebenswerk-Award) und Thomas Spitzer (EAV)

Am Freitagabend wurde der „wichtigste österreichische Musikpreis“ in 14 Kategorien vergeben. Die Abräumer des Abends waren der Wiener Sänger Josh („Expresso & Tschianti„) mit drei und der Wiener Rapper RAF Camora mit zwei Awards.

Cellokonzert von Danny Elfman uraufgeführt

Hollywood-Komponist Danny Elfman hat die Musik zu mehr als hundert Filmen geschrieben wie Big Fish, Men in Black, Spider-Man, Good Will Hunting und auch Die Simpsons. Nun hat der 68-Jährige ein Konzert für Violoncello und Orchester komponiert. Es hätte ursprünglich in San Francisco uraufgeführt werden sollen. Aber weil diese Konzerte coronabedingt verschoben werden mussten, fand die Welturaufführung gestern Abend gemeinsam mit Danny Elfman im Wiener Konzerthaus statt. „In dem Fall hat die Pandemie einmal etwas Gutes“, freute sich Intendant Matthias Naske über das historische Ereignis in seinem Haus. Das rund 35-minütige Meisterwerk – gespielt von Cellist Gautier Capucon, Dirigent David Robertson und den Wiener Symphonikern – erinnert mit effektvollen Percussion- und Glockenspieleinlagen an die grandiose Musik der Tim-Burton-Filme. Ein Erlebnis!

Gautier Capucon, Danny Elfman und David Robertson bei der Welturaufführung in Wien

Wilde und Wiener Klänge im Konzerthaus

Nach einem Tag voll starkem Sturm hingen auf der Bühne des Wiener Konzerthaus gleich drei Donnerbleche, die das wilde Wetter „nachahmten“. Und es waren nicht die einzigen Klangeffekte, die einer beeindruckenden Orchester-Komposition an diesem Abend ihren Stempel aufdrückten: Die Wiener Symphoniker brachten unter ihrem Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada den Liedzyklus „Jittering Directions“ von Johannes Maria Staud zur Uraufführung. Der österreichische Komponist hatte sich während der Lockdowns Gedichte des Lyrikers William Carlos Williams vorgenommen und für Orchester und Sopran vertont. Experimentell, expressiv und rhythmisch fordernd verlangen die Stücke hohe Flexibilität. Und das sogar vorab: Die Sängerin Yeree Suh musste für Andrea Carroll einspringen und war mit Leib, Seele und toller Stimme am Werk. Hut ab!

Im zweiten Teil des Konzerts durften die Symphoniker zu Richard Strauss‘ Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ wieder ihren legendären Wiener Klang auspacken. Hauptact: der wie immer höchst sympathische wie makellose Konzertmeister Dalibor Karvay. Tipp: Am Sonntag gibt es in der Matinee um 11:00 Uhr noch einmal die Gelegenheit, diese Werke zu erleben!   

Die Wiener Symphoniker begeisterten einen – dieser Tage nicht üblich – nahezu vollen Konzertsaal!

Ein schönes Leben für eineinhalb Stunden

„Valentinstag? Fuck that bullshit“, meinte Sängerin Mira Lu Kovacs am 14. Februar beim Auftritt ihrer Band 5K HD im Wiener Konzerthaus. Die Avantgarde-Pop-Band konnte nach ihrer abgesagten Tournee im Vorjahr endlich ihr Akustikalbum „Creation Eats Creator“ live präsentieren – und sorgte für ein einzigartiges Konzerterlebnis! Es ist faszinierend zu sehen, wie sie nur mit Klavier, Schlagzeug, Kontrabass, Trompete und Stimmen quasi elektronische Klänge auf der Bühne erzeugen. Einer der vielen Höhepunkte des Abends: Happy Fxxxing Life, das bei FM4 zum besten Song des Jahres 2020 gewählt worden ist. Für die Zeit des 5K-HD-Konzerts hatten Band und Publikum tatsächlich ein schönes Leben! Ein sehr schönes!

5K HD: Andreas Lettner, Martin Eberle, Mira Lu Kovacs, Manu Mayr, Benny Omerzell

Von der echten Stradivari zur Ibiza-Suite

Eine 288 Jahre alte Stradivari-Violine live zu hören ist schon etwas Besonderes. Am Freitag war es soweit: Der griechische Geiger und Dirigent Leonidas Kavakos spielte mit seiner „Wille-motte“ das Mozarts Konzert für Violine und Orchester in D-Dur im Wiener Konzerthaus. Danach dirigierte Kavakos noch die gewaltige Dvorak-Symphonie Nr. 8 in G-Dur. Ein Traum! Zum Ausklang gab die Blechformation Symphonikerblas der Wiener Symphoniker ein paar Schmankerl zum Besten – etwa die von Rainer Küblböck neu komponierte „Ibiza-Suite – nur a bsoffane Gschicht„. Der erste Satz „Lungenstrudel“ ist allen starken Rauchern gewidmet, der zweite namens „Alles Balzer“ – Prolonaise und Walzer – richtet sich an alle scharfen Katzen und der dritte nennt sich „Tante Aljona will sich eine Zeitung kaufen.“ Brassmusik mit Qualität und Humor!

Sympathisch: Blasmusik von Symphonikerblas

Der Hustenzuckerl-Trick im Konzertsaal

Sauerstoff-Rollator, bestimmt über 80 Jahre alt und lila Strähnen in den weißen Haaren: Das Publikum im Wiener Musikverein ist nicht unbedingt das jüngste, aber trotzdem nicht zu unterschätzen!

Diese Woche spielten die Wiener Symphoniker mit dem französischen Dirigenten Alain Altinoglu drei Konzerte im Goldenen Saal. Nach César Francks symphonischer Dichtung „Le Chasseur maudit“ sang die Ehefrau des Dirigenten, die Mezzosopranistin Nora Gubisch, drei Gedichte (Ernest Chausson – Poème de l’amour de la mer“). Im zweiten Teil stand Jean Sibelius fünfte Sinfonie am Programm – ein absoluter Höhepunkt und Hörtipp. Vor allem das Allegro Molto!

Da Husten im Konzert nicht nur zu Coronazeiten stört, es unter der FFP2-Maske im Hals besonders kratzt und Pausen derzeit oft gestrichen oder ohne Gastro abgehalten werden – folgender Lifehack: Echte Profis wickeln das Hustenzuckerl weder schnell noch langsam während des Konzerts aus, sondern bereits vor dem Konzert. Einfach, aber genial!

Nora Gubisch, Alain Altinoglu und die Wiener Symphoniker im Musikverein

Das Staatsballett im Liebestaumel

Mitten im chaotischen Corona-Alltag macht das Ballett in der Wiener Staatsoper eine sorgenfreie Parallelwelt auf, die die Seele schnurren und das Herz hüpfen lässt.

Entsteigt man am Karlsplatz der U-Bahn, um einen Abend in der Staatsoper zu verbringen, ist die Wiener Lebensqualität eindeutig spürbar. Was für ein Privileg! An der Eingangstüre sind idealerweise schon alle nötigen Papiere parat, um sich in diese andere Welt zu begeben, fern des angespannten Corona-Alltags. Die strengen Sicherheitsmaßnahmen (Booster + PCR + FFP2) lassen auch Corona-Besorgte ruhig atmen.

Dem hervorragenden Programm „Im siebten Himmel“ machte Ende letzten Jahres leider nach wenigen Vorstellungen der Lockdown ein Ende. Aktuell ist das Programm „Liebeslieder“ zu sehen. Romantisch startet es mit einem sanften Paar-Tanz zu Chopin-Klavier in tiefenentspannendem Blau. Bei der darauffolgenden Gruppen-Einlage kommt die schräge Musik leider aus der in die Jahre gekommenen Soundanlage. Der Orchestergraben bleibt in diesem Programm leer. Nach der Pause geht es kitschig weiter mit Brahms-Liebesliedern, geträllert von einem Solisten-Ensemble mit vierhändiger Klavierbegleitung. Das üppige Bühnenbild lenkt leider etwas ab von der harmonischen Choreographie der (Liebes-) Paare.

Fazit: Ein Ballett in der Staatsoper tut immer besonders gut und ruft in Erinnerung, warum die Kultur vor allem in schweren Zeiten möglichst offen bleiben muss.

Sensationelle Schläge im Musikverein

Er spielt schneller als sein Schatten – Martin Grubinger. Der gefeierte Multi-Perkussionist gab mit den Wiener Symphonikern und Maestro Andrés Orozco-Estrada zwei Konzerte im Wiener Musikverein. Vor jeweils tausend statt zweitausend Menschen. Mehr dürfen unter der Regel „2G-plus und FFP2-Maske“ aktuell nicht in den Goldenen Saal. Auch Getränke gab es in der Pause nur gegen Vorbestellung am vorbestimmten Platz. Aber immerhin konnte trotz Omikron-Welle gespielt werden.

Martin Grubinger und die Wiener Symphoniker im Goldenen Saal des Musikvereins

Und wie: Grubinger trommelte mit einer Spielfreude und sensationell (schnell) auf Djembe, Marimba und Co. Sieidi von Kalevi Aho – und durfte natürlich nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen. Im zweiten Teil gab es noch harmonische Hollywood-Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold (Märchenbilder) und zum Abschluss Modest Mussorgskijs Bilder einer Ausstellung. Vor allem Das große Tor von Kiew ist live ein Erlebnis! Auch hier sind – neben den Bläsern – die Percussion hervorzuheben. Wenn zum Finale Pauken, Becken und eine (gar nicht so kleine) Glocke auf der Bühne geschlagen werden, ist das schon himmlisch!

Mit den Symphonikern zum Wiener Kongress

Zu politisch, zu anlassbezogen? Ludwig van Beethovens Kantate „Der glorreiche Augenblick“, die er für die Eröffnung des Wiener Kongress 1814 komponiert hat, wird selten aufgeführt. Im Wiener Konzerthaus bislang überhaupt nur vier Mal. Umso besonderer, sie ebendort mit der Wiener Singakademie, der Opernschule der Staatsoper und den Wiener Symphonikern zu erleben. „Alle die Herrscher darf ich grüßen, alle die Völker freundlich küssen!“, singt Vienna.

Für das zweite historische Stück gibt es einen Tipp von Dirigent Andrés Orozco-Estrada: „Was jetzt kommt, kennen Sie so nicht. Genießen Sie es – auch wenn Sie nicht viel verstehen!“ Und dann drehen die Symphoniker für Wellingtons Sieg den Surround-Sound auf: Mit Kriegsgetrommel, Kanonenschüssen und Trompeten-Fanfaren vom Konzerthaus-Flur aus und dem Orchester auf der Bühne fühlt man sich wie mitten im Gefecht. Beethoven hat dieses „sinfonische Schlachtengemälde“ zur Schlacht von Vittoria komponiert. Mit der Hymne „God Save the King“ macht er deutlich, dass hier die Briten gegen die Franzosen gewinnen.

Im zweiten Konzertteil legen die Symphoniker noch die siebente Symphonie drauf. Plattenreif – vor allem der filigrane zweite Teil!    

Fazit: Eine aufregende Zeitreise voll wunderschöner Musik! Es gibt noch Gelegenheiten, das Konzert Beethoven-Akademie: Der Kongress tanzt zu hören: live am 10. Jänner um 19:30 Uhr im Konzerthaus und als Mitschnitt in Ö1 am 29. Jänner.

Kinderchor, Chor, Orchester und Solisten: Dank 2G+-Regel ist so ein Spektakel möglich!