Mit schwarzem Humor zum Sieg

Christoph Fritz hat mit seinem „sehr schwarzen Humor“ den Kabarettwettbewerb „Ennser Kleinkunstkartoffel“ gewonnen. Der niederösterreichische Nachwuchskabarettist ist erst 22 Jahre alt, was sich aber „laufend ändere, fast jährlich“. Er hat Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung studiert, „was ein Euphemismus ist für: Ich habe keine echten Leidenschaften in meinem Leben und will einfach viel Geld verdienen.“ Viel zu berichten weiß er auch über seinen Heimatort „Kaffhausen am Wagram“. Die Leute dort sollen außerordentlich tolerant sein. „Solange du einigermaßen männlich, weiß, österreichisch, heterosexuell, nicht kleinwüchsig, nicht zu dick und nicht zu dünn, aber auch nicht dumm, nicht zu intelligent und auch kein Moslem, Atheist, Buddhist, Hinduist, Grüner oder Veganer bist… Und generell lässt es sich empfehlen, das Alkohol- und Cholesterinlevel konstant im lebensgefährlichen Bereich zu halten.“

christopf-fritz2

Christoph Fritz spielt den schüchternen, aber bitterbösesn Bubi

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

„Kommt jetzt der Weltkrieg?“

…lautet die Schlagzeile der Gratiszeitung. Und was sagt die Friseurin zur lesenden Kundin? „Das muss man erst einwirken lassen.“ Hosea Ratschiller und das Duo RaDeschnig haben für ihre musikalisch-szenische Lesung „Der allerletzte Tag der Menschheit (Jetzt ist wirklich Schluss!)“ gerade den Österreichischen Kabarettprogrammpreis gewonnen. Völlig zurecht. Denn Ratschiller ist ein hervorragender Erzähler, der gekonnt in mehr als vierzig Rollen schlüpft. Birgit und Nicole Radeschnig liefern den passenden Soundtrack dazu – unter anderem mit Klavier und Klarinette. Und dann kommt noch der Text: Karl Kraus in der Jetztzeit. Viele kurze, böse Szenen, die immer mehr miteinander verschmelzen. Tipp: Das Stück live ansehen, notfalls den CD-Mitschnitt kaufen. Es lohnt sich! (YouTube-Trailer)

karl-kraus

Damit auch der „Slow Joe in the last row“ versteht, worum es eigentlich geht.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

BlöZingers Spiel mit dem Tod

Es ist die Geschichte von Franz, der im Altersheim auf seinen Tod wartet. Der besucht ihn immer wieder, nimmt ihn aber nicht mit. Er spielt lieber Karten und Schach mit dem 82-jährigen pensionierten Lehrer. So der Inhalt von BlöZingers neuem Stück „bis morgen“. Die beiden Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzinger erzählen diese Geschichte mit lediglich drei Stühlen auf der Bühne. Und dennoch wird das Publikum in den Wilden Westen entführt, geht Fallschirmspringen oder erlebt ein Rollator-Rennen. Kopfkino vom Feinsten – mit perfektionierter Pantomime, pointenreichen Dialogen („Oben fit und unten dicht, mehr wünscht man sich im Alter nicht.“) und Keyboard-Musik, die mitunter an Josef Hader erinnert. Fazit: Ein fantasiereiches Erlebnis!

bloezinger-bis-morgen

Roland Penzinger und Robert Blöchl

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Ritterschlag für einen Posaunisten

Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.

Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.

img_5681

Löffel-Walross Walter Voglmayr

Keine Grenzen bei Blasmusik

Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.

Suche nach der Pro Brass-Wolke

„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange  nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.

Ablästern im Volkstheater

[von Bernhard Kobler] Das Volkstheater hat seine Pforten wieder geöffnet und beweist mit Molieres Komödie „Der Menschenfeind“, dass sich der Besuch wieder lohnt. Regisseur Felix Hafner versteht es, den 300 Jahre alten Stoff modern und mit viel Komik auf die Bühne zu bringen. „Menschenfeind“ Alceste, gespielt von Lukas Holzhausen, will immer die Wahrheit sagen, die natürlich niemand hören will. Gerade deshalb hat es der Protagonist sehr schwer, in seiner Welt voller Heuchler und Falschheit. Kaum verlässt eine Figur die Szene, wird schamlos abgelästert.

bern1

Auf der Volkstheaterbühne wird gelästert und geschimpft.

Der durchwegs gereimte Text wirkt zunächst irritierend, wird aber nach kurzer Zeit zum wichtigen Element für den schnellen und kurzweiligen Rhythmus – und sorgt durch charmante Wortwitze für viele Lacher. Auch der Blick auf die gereimten, englischen Obertitel lohnt sich. Nach rund 90 Minuten ist der Spaß vorbei, bei dem jeder verliert, nur nicht der Theatergast. Eine Ode an die Falschheit!

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.

Pfeifkonzert im MuseumsQuartier

Er ist ein schräger Vogel, dieser Nikolaus Habjan. Vielen kennen ihn als Puppenspieler, weniger bekannt ist seine musikalische Karriere als Kunstpfeifer. Am Samstag hat er gemeinsam mit dem Pianisten Daniel Nguyen zu einem Open-Air-Pfeifkonzert ins MuseumsQuartier geladen. Dargeboten wurden Opernklassiker wie „La Donna E Mobile“ (Rigoletto), „Der Hölle Rache“(Die Zauberflöte) oder Nessun Dorma (Turandot). Und weil das Publikum so still war, konnten alle im Kreis rundherum sein virtuoses Pfeifen bestens hören. Das Konzert regte außerdem oft zum Schmunzeln an. Weil ein Solist mit Dauer-Duckface und weißen Sportschuhen einfach lustig aussieht, und weil ein gepfiffenes Liedchen einfach Unbeschwertheit und Fröhlichkeit vermittelt. Außerdem top: Beim Konzert wurden Spenden für Flüchtlinge gesammelt.

haba

Nikolaus und Daniel bei Open Piano for Refugees

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder

Kardinal auf der Life-Ball-Bühne

Was war das für ein Moment, als Kardinal Christoph Schönborn am Freitag plötzlich auf der Bühne des Red Ribbon Celebration Concert im Burgtheater stand. Es war der Abend, an dem auch die Lange Nacht der Kirchen stattfand. Der Kardinal nahm sich dennoch Zeit, mit roter Schleife eine Rede für den Life Ball zu halten. Er sprach davon, Vorurteile abzubauen, dass es um Menschen geht und darüber, wie wertvoll das Gespräch ist. Ein starkes Signal. Doch auch sonst hatte das Konzert viel zu bieten: Der Auftritt von Anna Netrebko,  das Barockorchester Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck, aber auch das Duett „That’s What Friends Are For“ von Dionne Warwick und Cheyenne Elliott. Einziger Wehrmutstropfen: Die zwar emotionale, aber leider unvorbereitete und viel zu lange Dankesrede von Life-Ball-Chef Gery Keszler. Ansonsten jedoch ein Top-Konzert, eine Aneinanderreihung von Highlights.

IMG_2251

Top: Das Bühnenbild und die Visuals der Videokünstler Opium Effect

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.