Stockenreitner bricht ins Dunkel

Kabarettist David Stockenreitner ist jetzt auch Schauspieler. Er hat sich ein „zweites Standbein“ aufgebaut. „Jesus hat ja auch Tischler gelernt. Für den Fall, dass die Sohn-Gottes-Nummer nicht zieht.“ Ein Rollenangebot für die „Licht ins Dunkel“-Werbung habe er aber abgelehnt. „Da bin ich nicht behindert genug.“ Er würde zu wenig Mitleid erzeugen. „Geht er halt komisch. Na und? Kommt er halt aus Kärnten. Na und?“

„Ist da jemand?“ – „Ja, schleich dich!“ David Stockenreitner mit „Bricht ins Dunkel“ im Kabarett Niedermair

In seinem neuen Solokabarett „Bricht ins Dunkel“ (Regie: Magda Leeb) spielt Stockenreitner erneut mit seiner Behinderung – und setzt sich für eine bessere Protestkultur in Österreich ein. „Schilderbasteln und Dosenbier saufen genügt nicht.“ Er hätte da Ideen – wie „Erbrechen und Verwirrung stiften“.Und er macht sich Gedanken über das Leben sowie (die eigene) Männlichkeit. „Selbstbefriedigung ist Stoßlüften fürs Hirn.“ Es genüge außerdem völlig, wie eine Tschickstummel im Klo zu sein: „Alle scheißen auf dich, aber du gehst trotzdem nicht unter.“ Fazit: David Stockenreitner – eine Lichtgestalt des schwarzen Humors!

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Kabarett ist tot – ein Live-Podcast

Der vielversprechende Titel von Vitus Wiesers und David Stockenreitners erstem gemeinsamen Programm lautet „Kabarett ist tot – ein Kabarett.“ Der eine ist Schauspieler und erzählt, wie er in der Kinderserie „Tom Turbo“ Fritz Fantom gespielt hat – oder auch in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ einen Kellner, den man nicht sieht. Der andere berichtet mit schwarzem Humor von den Vorteilen seiner Behinderung und behauptet, dass Flughafenrollstühle die Stadt wiederspiegeln, in der man sich gerade befindet. „Da kramen die Sicherheitsbeamten so ein rostiges Kriegsversehrtengestell hervor – mit Bettpfanne unten drauf. Das ist sehr praktisch, weil dann ist der Rollstuhl nicht voll Stuhl.“

Wieser und Stockenreitner reden unter anderem im Kabarett Niedermair über Frisuren, Lichtwecker, Hand-Kaffeemühlen, Sexshops, Scheidungen, Jogger, Alexander van der Bellen und das Kabarett an sich.

Außerdem stellen die beiden Kabarettisten die Frage, ob es in dieser verrückten Welt überhaupt noch Kabarett braucht und ob es bald tot sein wird. Fazit: Wenn es so gemacht wird, wie von Wieser und Stockenreitner – dann ja. Ihre gemächlich vorgetragenen Gedanken, Wortspiele und Dialoge brauchen nicht unbedingt eine Kabarettbühne als Medium. Sie würden sich aber ideal als Podcast eignen – zum Nebenbei-Hören und Schmunzeln.