Es ist ein Klassiker: Seit bald 40 Jahren zeigt die Wiener Volksoper die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck in der Inszenierung von Karl Dönch. Und tatsächlich ist es immer noch großartig, wenn die Knusperhexe über den Orchestergraben fliegt. Überhaupt ist die Oper ideal für Kinder und Erwachsene: die Geschichte ist bekannt, die Länge okay, die Musik wunderschön!
Bühnenbild und Kostüme – märchenhaft, wie aus dem Bilderbuch
Zum 25. Mal wird der Wiener Theaterpreis „Nestroy“ vergeben. Heuer geht der Preis für das Lebenswerk an Felix Mitterer („Kein schöner Land“, „Kein Platz für Idioten“, „Piefke-Saga“…). Der 76-jährige Dramatiker gab sich am Red Carpet des Volkstheaters freundlich, aber eher wortkarg: „Nichts sage ich zum Preis – jedes Wort wäre zu viel!“
Die Nestroy-Gala aus dem Wiener Volkstheater wird auf ORF III übertragen.
Das Ballett „The Winter’s Tale“ an der Wiener Staatsoper hat viele Höhepunkte: Die Musik von Joby Talbot, die stark an einen Filmsoundtrack erinnert. Das spektakuläre Bühnenbild – sich drehende Statuen, ein riesiger Baum, Schiffe im Sturm. Und die Choreografie von Christopher Wheeldon. Es ist eine Kunst, ein Shakespeare-Stück mit komplizierter Handlung ohne Worte zu erzählen.
Das Wiener Staatsballett glänzt aktuell bei „The Winter’s Tale“ in der Staatsoper
Erich Kästners Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“ ist aktuell im Wiener Renaissancetheater zu sehen. Gemacht für Kinder ab sechs Jahren, aber die Fassung von Sarah Caliciotti und Frank Panhans (Regie) macht auch Erwachsenen großen Spaß. Von der Zugfahrt bis zur Verfolgungsjagd des Diebes – eine flotte, humorvolle und aufwändige Inszenierung. Schön, wenn Kindertheater ernst genommen wird!
Großartiges Ensemble im Renaissancetheater in der Neubaugasse
„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, heißt es in der „Fledermaus“. Die Ouvertüre der Strauss-Operette wurde bei der Wiedereröffnung des Theater an der Wien aufgeführt. Das passte gut, denn im Opernhaus wurde nach zweieinhalb Jahren Sanierung gefeiert, obwohl die Bühnentechnik noch nicht funktionierte. Die erste szenische Oper wird erst im Jänner 2025 zu erleben sein. Der Festakt war trotzdem ein (akustisches) Erlebnis. Vor allem Beethovens „Chorfantasie“ mit dem 25-jährigen Mao Fujita. Ein großartiger Pianist!
Festakt mit Pianist Mao Fujita, Dirigent Petr Popelka, dem Arnold Schoenberg Chor und den Wiener Symphonikern.
„Es ist weder ein Vorhang, noch ist er eisern.“ Mit dieser Klarstellung eröffnete Direktor Bogdan Roscic die Präsentation des Eisernen Vorhangs für die neue Saison in der Wiener Staatsoper. Seit 27 Jahren wird die originale Brandschutzwand mit zeitgenössischer Kunst überdeckt. Heuer hat Pipilotti Rist das Großbild für die Initiative „museum in progress“ gestaltet. Die Schweizer Videokünstlerin widmet „Bauchhöhle überfliegt Staumauer“ ihrem Vater, „der immer am Stehplatz in der Oper war“. Über den farbenfrohen Stausee zwischen Bühne und Publikum sagt sie: „Geistige Energie schwappt in den Raum, aber man wird nicht nass.“ Direktor Bogdan Roscic meinte geschäftstüchtig, dass man am Abend kommen müsse, um die Arbeit zu verstehen. Und fügte schmunzelnd hinzu: „Wenn die Energie vom Publikum frei wird. Wenn Sie Pech haben auch olfaktorisch.“
Pipilotti Rist erzählt von inneren Farben, einer riesigen Masse Wasser und einem Menschenbauch.Das denkmalgeschützte Original – der Eiserne Vorhang des Malers Rudolf Hermann Eisenmenger mit Motiven aus der Gluck-Oper „Orpheus und Eurydike“ aus dem Jahr 1955 – wird Jahr für Jahr verhängt.
Der Zirkus Roncalli gastiert gerade mit seiner neuen Show „Art ist Art“ am Wiener Rathausplatz. Vor der Premiere ließ Direktor Bernhard Paul mit einer Anekdote aufhorchen: Um zu beweisen, dass andere Zirkusse die Zitate seiner Roncalli-Plakate kopierten, erlaubte er sich einen Scherz. Er schrieb den Satz „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ dem berühmten „Charlie Chaplin“ zu. Natürlich wurde das falsche Chaplin-Zitat weltweit kopiert. „Man kann es inzwischen sogar als Tapete und T-Shirt kaufen“, lacht der Zirkusdirektor.
Charlie-Chaplin-Tänzer der „Adem Crew“ im „Art ist Art“-ProgrammRoncallis falsches Chaplin-Zitat: „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“Tochter Lili Paul-Roncalli bei ihrer neuen „Salvador-Dali“-Nummer für Wien
Die Wiener Philharmoniker sind in Salzburg, die Wiener Symphoniker in Bregenz, Wiens große Opernhäuser sind geschlossen: Obwohl die „Musikhauptstadt“ im Sommer von Touristinnen und Touristen gestürmt wird, ist opernmäßig „tote Hose“. Diese Lücke füllt heuer Dirigent Joji Hattori mit dem ersten Wiener Opernsommer. Auf der Teichseite des Oberen Belvedere führt er unter freiem Himmel Mozarts „Don Giovanni“ auf. Das Schloss dient als Kulisse, ein dezenter Vorbau als tatsächliche Bühne. Das Wiener Kammerorchester spielt live – allerdings für das Publikum unsichtbar im benachbarten „Löwenzwinger“. Statt Sprechgesang gibt es zwischen den Arien deutsche Dialoge mit Humor, die an Sommertheater erinnern. Die Premiere klingt vielversprechend! Spannend wird, wie sich der Wiener Opernsommer in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.
Rund 1.000 Sitzplätze bietet der Wiener Opernsommer. Das Obere Belvedere wird mit Einbruch der Dunkelheit mit Projektionen bespielt.
Mozart hätte sich wohl gefreut: Rund 500 junge Menschen strömten Montagnacht in die Wiener Staatsoper zu einer Modeschau der Kunst- und Modeschule „Herbststrasse“. Unter dem Motto „Fashion meets Opera“ präsentierten junge Designerinnen und Designer auf der Feststiege und in den Prunkräumen außergewöhnliche Kleider, die einen Bezug zur Mozart-Oper „Così fan tutte“ haben sollten. Danach wurde mit einem DJ-Clubbing gefeiert. Disco in der Oper!
Bunte Party hinter buntem „Pride-U-Bahn-Würfel“Modeschau auf der Feststiege der Wiener Staatsoper
Enttäuschung beim Tinder-Date: „Wir hatten uns zum Eisbaden verabredet – aber dann ist sie einfach nicht aufgetaucht.“ Zack – und schon ist es passiert. Ich war bei Sonja Pikart – und ich habe gelacht. Ihr neues Programm „Halb Mensch“ spielt in der nahen Zukunft – im Jahr 2025. KünstIiche Intelligenzen haben bereits die Weltherrschaft an sich gerissen. Sonja Pikart schafft es, sich als Mensch auszuweisen („Ich bin kein Roboter“ angeklickt) und kann sich in einen Schutzbunker retten. Drinnen unterhält die Kabarettistin („Wenigstens ein Job, wo es nicht darum geht, andere Leute über den Tisch zu ziehen“) mit ihren Beobachtungen.
Sie erzählt von Mythen („Harte Arbeit führt unweigerlich zum Erfolg“, „Der Markt reguliert sich selbst“), Traditionen („Damit kann man alles rechtfertigen, was unmoralisch ist“), Fotos von Männern auf Datingplattformen („Schau! Ich auf einem Gipfel! Schau! Ich hab einen Fisch gefangen!“) und Schlauchkleidern in der Volksgartendisco („Perpetuum Mobile“). Ein schönes Bild, wenn Maschinen über Humanismus bzw. die artgerechte Haltung des Menschen diskutieren („Ich schau, wo der Mensch herkommt, das ist mir total wichtig“). Aber wie konnte es mit der KI eigentlich so weit kommen? (Für den technologischen Fortschritt tun wir Menschen alles, für sozialen Fortschritt hingegen…)
Sonja Pikart für die Vielfalt: „Ich weiß, ihr sagt Zuckerl, ich sag Bonbons! Wir sind verschieden!! Ist ein das nicht schön?!!!“
Fazit: Künstliche trifft auf menschliche Intelligenz: Sonja Pikart, die „Frau Ende 30 mit Kurzhaarschnitt und Feuermal an der Schläfe“, verbindet schlaue Gedanken und schräge Charaktere mit einer unterhaltsamen Science-Fiction-Geschichte. Sie überrascht – und rettet damit auch noch die Welt! Sonja Pikart – jetzt neu!
Merchandising mit Selbstironie:“Ich war bei Sonja Pikart und ich habe gelacht“